Heimatmuseum Seulberg

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Das Töpferhandwerk


 

Selwiger Deppe


Über Jahrhunderte bildete das Töpfer- oder Häfnerhandwerk den wichtigsten Erwerbszweig Seulbergs.
Die Gunst unbegrenzt vorhandener Rohstoffe - Brennholz und hochwertige Tone – begründete die bis
ins Mittelalter zurückreichende Tradition des Brennens von Irdenware. Urkundlich belegbar wird das
Töpfern erstmals 1454 für Köppern und für Seulberg 1588. Aber nur wer einer Zunft angehörte,
durfte das Handwerk ausüben.

 

Mit der Kiepe auf Kundensuche


Der Vertrieb der Dippe orientierte sich nach Westen entlang des Taunus sowie nach Frankfurt.
Bereits im frühen 18. Jahrhundertzogen Seulberger Häfner hausierend umher. Die Preise legte die Zunft
fest, doch kamen noch Zölle hinzu. Deshalb baten die Seulberger die Nassauische Regierung um eine Aufhebung,  da die "Kaufliebhaber unsere Waare zu teuer finden, wenn sie nebst dem eigentlichen Werth
auch noch den Zoll darauf übernehmen sollen." Das Gesuch blieb unberücksichtigt.

 Morgenstund hat Gold im Mund


Eine Töpferswitwe schickte ihren Sohn stets mit der Kiepe voll „Deppercher“ nach Frankfurt.
Doch der Bub war ein Langschläfer. Er begann erst, als die anderen ihre Ware längst verkauft hatten
und musste oft mit halbvoller Kiepe heimkehren.

Eines Tages aber schickte ihn die Mutter schon früh los. Doch in seiner Eile gab der Junge nicht acht und stürzte.
Sämtliche Töpfe gingen zu Bruch. Der Knabe ließ die Scherben liegen und machte sich wieder auf den Heimweg.
In der Meinung, er habe schon alles verkauft, rief ihm die Mutter freudig entgegen:
„Gell, Bub, Morgenstund hat Gold im Mund!“
Darauf antwortete er: „Jo, und die Deppe leihe im Lohgrund.“

Dieser Spruch wird in Seulberg noch immer zitiert, sobald etwas in die Brüche geht.


Der Aulofen

  


  
Mit dem Aulofen hat ein selten gewordenes Beispiel früherer Produktionsmethoden überdauert.
Ungewöhnlich sind die Ausmaße des Fachwerkbaus von 12 Metern Länge. Gemeinschaftlich
betrieben und unterhielten die Häfner den holzbefeuerten Schachtofen, der wegen der Brandgefahr stets außerhalb stand. Im „Töpferdorf“ Seulberg gab es sogar zwei, je einen an Ober- und Untertor. Das Los entschied, wer in welchem Ofen brennen durfte.

Durch das Schürloch wurden die Buchscheiten eingeführt, die auf dem flachen Boden ohne Rost
oder Aschenfall brannten. Die Flamme zog durch drei 15 Zentimeter breite Schlitze (Ständer)
der Schildmauer in den Backraum. Hier ruhten auf „Standdüppen“ die Topfrohlinge,
nach oben zusammenneigend. Etwa 80 Zentimeter über dem Boden erhob sich ein Gewölbe,
bestehend aus ineinander gesteckten groben Töpfen („Wölbtöpfe“), wie ihn auch der nebenstehende
Bogen im Giebel zeigten.


Als 1818 die Landesherrschaft auf die erhöhte Feuergefahr hinwies, demonstrierten die Seulberger
ihren „leider nicht fremden Eigensinn und ihre bekannte Halsstarrigkeit“. Nach zähen Verhandlungen
platzierten sie den Aulofen schließlich am Rande des Friedhofes. Heute dient er vorwiegend als Lager.


Ziegelbrennerei  

„Russensteine“ – jeder Stein ein anderes Gesicht

Aus dem Lehm der südlich vom Ortskern (Wimsbacherstraße) gelegenen Grube, der Lahmekaut,
wurden von 1908 bis 1930 massenhaft Ziegel zum Hausbau gewonnen, genannt „Russen“ nach der Herkunft
vieler Arbeiter. Der  rötlichbraune Stein gibt auch  der 1864 erbauten Pfarrkirche Seulbergs ein ganz eigenes Gepräge.

Den abgestochenen Lehm mischt man in Wannen mit Wasser, bis er zu bearbeiten war.
Diese Masse wurde in Formen eingebracht, verdichtet und abgezogen, anschließend die Formen
wieder entfernt. Dann trockneten die Steine einige Tage an der Luft. Nun kam die schwierige
Herstellung der Feldbrandsteine: Zunächst wurde der Ofen ringförmig angelegt, Zug- und
Kontrolllöcher freigelassen. Jetzt füllte man Kohle und Holz ein, umhüllte ihn außen mit Lehm
und Schrottsteinen und steckte ihn an. Etwa zwei Wochen musste die Temperatur bei 800 Grad
gehalten werden, ehe der Brand abgeschlossen war. Nach dem Abkühlen kamen Steine in verschiedenen
Farben und Musterungen zum Vorschein.