Heimatmuseum Seulberg

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Vereinswesen

Sich bilden und der Gemeinschaft dienen - Geselligkeit nach Statuten

Ein Leben im Verein


Geistes- und Gewerbefreiheit förderten seit Anfang des 19. Jahrhunderts die gesellschaftliche Emanzipation des Bürgertums. Zugleich verlor der Adel seine über tausend Jahre vorherrschende Stellung, behielt aber noch lange viele ständische Privilegien. Als kulturelles Kennzeichen bürgerlichen Selbstverständnisses entwickelte sich ein umfassendes Vereinswesen – vom Liederkranz über Turn-, Heimat- und Kriegervereinen bis zu Genossenschaften und Parteien. Die rasche Industrialisierung beförderte zudem das Entstehen einer eigenständigen Arbeiterkultur. Hier wie dort legte man großen Wert auf Bildung, moralisch einwandfreies Auftreten und natürlich Geselligkeit. Vereinssymbol, Fahne und einheitliche Kleidung stärkten das Gemeinschaftsgefühl.

Heute gibt es 18 Vereine in Seulberg und 81 in Gesamtstadt Friedrichsdorf.

Frisch, fromm, fröhlich, frei - durch Sport

Als die Turnerbewegung des Hilfslehrers Friedrich Ludwig Jahn (1778 bis 1852) in Deutschland begeisterte Anhänger fand, standen zunächst politische Ziele und Wehrertüchtigung im Vordergrund. Nach Etablierung im Taunus durch das seit 1844 auf dem Großen Feldberg veranstaltete Turnfest, wurde 1898 im Gasthaus „Zur Rose“ der „Turnverein Seulberg“ gegründet. Erste Übungsstunden fanden im Wirtsgarten sowie in der Lehmkaute (Wimsbacher Straße) statt. Eine eigene Turnhalle gab es erst ab 1952. Fußballer gründeten 1920 den „Sportverein Seulberg“. Stetig steigende Mitgliederzahlen ermöglichten es beiden Vereinen, weitere Disziplinen anzubieten. Auch auf dem Zweirad war man seit Beginn des 20. Jahrhunderts nicht allein unterwegs. Zu den drei Radklubs trat 1922 als lokale Abteilung des reichsweiten Arbeiter-Radfahrvereins noch der „Arbeiter-Radfahrerbund Solidarität“.

Wo man singt, da lass Dich nieder

Abgesehen von der sehr viel älteren Schützengesellschaft entstand mit dem Chor „Frohsinn“ erstmals 1844 ein Verein in Seulberg. Seine Mitglieder - ausnahmslos Männer - studierten vorrangig Kirchenlieder ein. Dreißig Jahre später begann ein weiterer Singkreis, 1923 ein dritter. Nach Angliederung eines Frauenchores und zahlreichen Umbenennungen sowie Neuformierungen und nicht zuletzt nach zeitweiligem Verbot unter den Nationalsozialisten schlossen sich 1945 alle Gruppen zur Bewahrung traditioneller Volksweisen unter dem Namen „Männergesangverein 1844 e. V.“ zusammen.

Ziegenzucht und Obstordnung

Eine lange, wenigstens bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichende Tradition gemeinsamer Interessenvertretung besitzen auch die Seulberger Kleintierzüchter, allen voran die Ziegenhalter. Die Kaninchen- und Geflügelzüchter organisierten sich 1910 als Verein. Bereits zwei Jahre später veranstaltete man eine erste Leistungsschau. Der Klub heißt seit 1950 „Kleintierzuchtverein 1910 Seulberg/Taunus“.

Inspiriert von der mustergültigen Obstanlage im Damm des Frankfurter Gartenbaudirektors Lange, etablierte sich 1948 der „Obst- und Gartenbauverein Seulberg“. Seine Mitglieder schufen neue Gärten, führten Schnittkurse durch, unternahmen Lehrfahrten und veranstalteten jährlich eine Ausstellung. Viele Obstanlagen gingen unterdessen durch die Erschließung von Baugebieten verloren. So verlegte man sich auf Gartengestaltung und Maßnahmen zu Ortsverschönerung.



Schützen und schießen

Der älteste Seulberger Verein ist die Schützengesellschaft. Ihre Anfänge liegen lange vor dem offiziellen Eintrag in das 1903 angelegte Vereinsregister. Erste urkundliche Erwähnung fanden die Schützen bereits in einem Rechnungsbuch der Stadt Homburg von 1524. Wahrscheinlich formierte sich bereits 200 Jahre früher eine Art bewaffneter Bürgerwehr.

Die Schützen unterstanden dem Landesherren, der ihren Einsatz verfügte. Besonders während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) halfen sie Ortsvorstehern bei Wachdiensten und der Wahrung polizeilicher Aufgaben. Aber auch zur Landesverteidigung, zum Schutz vor Räubern und sonstigem „Gesindel“ wurden sie eingesetzt. Wie selbstverständlich halfen Schützenbrüder nicht zuletzt bei den Seulberger Hexenverfolgungen, führten Gefangennahmen durch und sicherten die öffentlichen Exekutionen.

Im Jahre 1732 erhielt die Seulberger Schützengesellschaft ihre erste von drei „Freiheitsfahnen“ als Zeichen eines jährlich erneuerten Privilegs durch den Landgrafen von Hessen-Homburg. Den äußeren Rahmen bildete das „Freiheitsschießen“. Der Gewinner im Schießwettbewerb auf ein vorher nicht bekanntes Siegerzentrum in der Zielscheibe wurde ein Jahr von allen Fronden, Spanndiensten und Steuern befreit. Nach Erlöschen des Hauses Hessen-Homburg 1866 spendete die Gemeinde einen Geldbetrag zur Beschaffung der Festscheibe und des Preises für den aktuellen Freiheitsschützen.

Bis heute blieb das Schützenwesen lebendig, steht nun auch sportliches Schießen und die Geselligkeit im Vordergrund. Höhepunkt des Vereinslebens ist das alljährliche Schützenfest an Pfingsten mit Umzug durch die Seulberger Straßen und anschließendem Festkommers unter Beteiligung städtischer Honoratioren. Und wie ehedem wird zur Ermittlung des Freiheitsschützen auf ein verdecktes Ziel geschossen. Siegerpokal samt einem Geldpreis stiftet die Stadt Friedrichsdorf, während die Schützengesellschaft einen Sachpreis beisteuert.

In der Stadt Friedrichsdorf sind aktuell 22 Sportklubs und 59 andere Vereine gemeldet. Von den einst 33 Seulberger Vereinen bestehen noch 18. Manche hatten sich historisch überlebt, die übrigen mussten aus Mangel an Mitgliedern aufgelöst werden. Zulauf finden heute vorrangig die Sportvereine.

Tor, Tor, Tor – Fußball ist ihr Leben

Junge Fußballenthusiasten gründeten kurz nach dem Ersten Weltkrieg den „Sportverein 1920 e.V. Seulberg/Ts“. Als Trainingsplatz diente ein Sportgelände am Schießplatz. Das kleine, holprige Areal wurde mehrfach vergrößert und geebnet. Seit 1963 verfügt man über ein eigenes Vereinshaus mit Umkleide- und Duschräumen. Bei abendlichen Trainingsstunden beleuchtet Flutlicht den Platz.

Heute kickt man nicht nur beim „SV 1920“, vielmehr kamen durch Angliederung neuer Abteilungen weitere Sportarten hinzu, so Tanzen, Taekwondo, Volleyball sowie Judo, Handball und Tischtennis. Ingesamt zählt der Verein rund 680 Mitglieder. Noch größer ist der „TV Seulberg 1998“ mit rund 1500 Mitgliedern.

Spielmannszug der Feuerwehr

Am 27. November 1935 wurde der Spielmannzug der Freiwilligen Feuerwehr Seulberg gegründet. Alle Instrumente stellte die damalige Kriegerkameradschaft Seulbergs. Die Ausbildung des Trommler- und Pfeiferkorps sowie die Unterhaltung der Instrumente übernahm die Wehr. Seit dem 8. Juli 1968 besteht ein Jugendspielmannszug.

Musikverein Spielring Seulberg e.V.“

Aus dem Turnverein ging 1953 der im „Darmstädter Hof“ zu Burgholzhausen begründete „Musikverein Spielring Seulberg e. V. (MSS)“ hervor. Bei Gründung bestand er aus 14 Musikern, darunter einige Akkordeonschüler. Man widmete sich der Unterhaltungsmusik und trat zu den verschiedensten Anlässen auf. Anspruch und Repertoire vergrößerten sich Anfang der 1990er Jahre mit Gründung der „MSS Big Band“.