Heimatmuseum Seulberg

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Waldabteilung

 

... sieht vor lauter Wald die Bäume nicht

Der Taunus - Urwald aus Buchen und Eichen

Tiefer, undurchdringlicher Wald, Ort unzähliger Sagen und Märchen – dieser Mythos steht seit jeher für die
„deutsche Seele“. Doch das rückblickend romantisch Verklärte, war den Römern nichts als schreckliche Wildnis.
Germanien, schrieb Tacitus, mache, „
mit seinen Wäldern einen schaurigen, mit seinen Sümpfen einen
widerwärtigen Eindruck
“. Diesen Urwald passte der Mensch spätestens seit dem Frühmittelalter seinen
Erfordernissen an. Zur Holzgewinnung und Waldweide entstand ein Kulturforst aus Buchen und Eichen;
zugleich schwanden riesige Baumgebiete für Siedlungen, Felder und Wiesen. Bereits im 14. Jahrhundert
zeichnete sich das heutige Flächenverhältnis von Wald und offener Flur ab.

Wie man in den Wald hineinruft: durch Raubbau zur Fichte

Seit dem frühen 19. Jahrhundert veränderte sich endgültig der natürliche zu einem Wirtschaftswald.
Mit der bislang unbekannten, schneller wachsenden Fichte wurde aufgeforstet, nachdem Übernutzung und
Zunahme der Bevölkerung zu einer wahren Holznot geführt hatten. Buchen gab es bald nur noch in höheren
Regionen. 
Die tiefer wurzelnden Laubbäume widerstehen auch besser Naturkatastrophen. Die im Winter 1990 großflächig
von Orkanen gefällten Fichten ersetzte man im Friedrichsdorfer Wald deshalb auf 18 Hektar durch 132 000 Eichen
und Buchen. Nur 4000 Nadelbäume wurden neu gepflanzt.


Für eine gesunde Durchmischung der Wälder spricht auch ihre Artenvielfalt. Wo unter Fichten fast nichts wächst,
gedeiht in lichtem Laubwald eine reiche Vegetation aus Gräsern, Sträuchern, Moosen und Pilzen. Das erfreut nicht
zuletzt das Auge. Schließlich besitzt der Wald neben seiner wirtschaftlichen und biologischen Funktion heute eine
wichtige Aufgabe als Erholungsort.

 

Stark wie ein Baum: Die Seulberg-Erlenbacher Mark

Eine Waldgenossenschaft

Die Dörfer Holzhausen, Köppern, Seulberg, Petterweil, Ober- und Niedererlenbach bildeten seit etwa 1200 eine
sogenannte Mark; 1728 trat noch das neu gründete Friedrichsdorf statt des wüst gefallenen Willkommshausens
hinzu. Genossenschaftlich verwalteten und bewirtschafteten die Orte ihre Wälder auf einer Fläche von 7016
Morgen (1 Morgen = 2500 Quadratmeter). Lochbäume mit Einkerbungen grenzten das Gebiet ab.

Von Waldfrevlern und Förstern

Die Waldaufsicht übernahmen Förster und Waldknecht. Förster hatten untadelige Personen zu sein,
die sich
„vom morgen biß vf den abent im walt finden lassen“. Sie durften nicht zechen und kein Gewehr tragen,
sondern nur einen Spieß. Zudem halfen sie bei der herrschaftlichen Jagd.

Nur der Landgraf von Hessen-Homburg, als Markbote besaß er das alleinige Jagdrecht, durfte Wildfrevel ahnden,
etwa mit Händeabhacken oder Erschießen von Wilderern auf frischer Tat. Damals waren die großen Waldtiere wie
Auerochse, Elch und Wisent längst ausgerottet; der letzte Wolf, im 17. Jahrhundert noch eine Plage, wurde 1818
geschossen.

Streng überwachten die Förster den Holzeinschlag, wie auch nur an bestimmten Waldtagen für den Eigenbedarf
Brennholz gesammelt werden durfte. Schaurige Strafen drohten Waldfrevelern. Ihnen wurde der Darm aus dem
Leib gezogen und an einen Baum gewunden. Und wer zündelte, wurde selbst ins Feuer geworfen. Später
verhängte man Geldstrafen.
Bestand hatte die Mark bis 1802, dann wurde sie unter den Gemeinden aufgeteilt,
wobei der Homburger Landgraf knapp ein Fünftel der Fläche bekam.

 

Mit dem Wald auf einen grünen Zweig

Viel Schwein unterm Hutebaum

Markordnungen regelten die Nutzung des Waldes. Noch heute sichtbare Verwachsungen alter, frei stehender
Buchen oder Eichen verraten ihre einstige Funktion als Mastbäume für Schweine. Zur besseren
Eichelproduktion pflanzte man die Eichen in großem Abstand, damit sie eine weite Krone ausbilden konnten. Mit
dem ausgehenden 17. Jahrhundert verödeten die Wälder. Ein Märker durfte nur noch zwei Schweine eintreiben,
deren Zahl von rund 6000 Stück auf 1100 zurückging.

Der Wald litt vor allem unter der Großviehweide mit Rindern und Pferden, besonders aber durch Geiß- und
Schafvieh. Um 1700 wurden rund 900 Stück Großvieh und knapp 1200 Schafe und Ziegen eingetrieben. Verbiss,
Bodenverdichtung und Rindenschäden waren die Folge. Zudem diente verstärkt Laub für die Einstreu und als
Dünger für die Felder. 
 

Die Axt im Walde

Der Wald war auch eine wichtige Einnahmequelle. Bis nach Hanau lieferte die Mark mächtige Stämme als Bauholz.
Zugleich förderte der Baumreichtum holzverarbeitende Gewerbe wie das der Küfer und Wagner oder er lieferte in
Gestalt von Brennholz die Energie für Töpfer, Ziegler und Schnapsbrenner. Viel Holz verschlang die Salzsiederei,
deren Belieferung deshalb verboten wurde.

Außerdem bezogen die die Friedrichsdorfer Färber und Gerber aus dem Wald ihre Rohstoffe. So entwickelte sich
die Niederwaldbewirtschaftung, wobei der Forst durch Kahlschlag einen zwanzigjährigen Zyklus durchlief. Die
„Lohklopper“ schälten nur junge Eichen und verkauften die Rinde als „Lohe“.

Forstwirtschaft und Waldarbeit

Nach jahrhundertelangem Raubbau setzte seit 1800 langsames Umdenken ein. Den lokalen Baumbestand nahm
erstmals Förster Lotz systematisch auf, um gezielt Pflege und Nutzung zu lenken.

Mit der Waldarbeit verdienten sich im Winter viele Kleinbauern ein Zubrot. Neuanpflanzung, gezielte
Bewirtschaftung, Holzernte, Holzrücken und Wegebau waren die gängigen Arbeiten im Forst bis weit in die
sechziger Jahre. Die kniende Baumpflanzerin auf der Rückseite des 50-Pfennig-Stücks (das reale Vorbild lebte in
Oberursel) erinnert an die „Kulturfrauen“, die nach dem Zweiten Weltkrieg für einen Stundenlohn von 50 Pfennig
die Wälder aufforsteten. Doch was einst mühsam Muskelarbeit leistete, übernehmen heute leistungsfähige
Maschinen.

 

Mit stufigem Mischwald in die Zukunft

Der Wald aller Friedrichsdorfer Stadtteile zusammen umfasst heute 907 Hektar. Entnommen werden darf nur soviel
Holz, wie im gleichen Zeitraum wieder nachwächst (Prinzip der Nachhaltigkeit). In Friedrichsdorf sind das jährlich
5000 Festmeter. Dabei werden etwa zu gleichen Anteilen Laub- und Nadelbäume gefällt. Großflächige
Monokulturen (Reinbestände) sind also in Friedrichsdorf eher selten. Eine naturgemäße Bewirtschaftung soll
Kahlschläge vermeiden, um alle Baumarten auf natürlichem Weg zu verjüngen.

 

Für die nachfolgenden Fotos danken wir besonders Reiner Harscher und Förster Sommer mit seinem Team, die mit
alten Gerätschaften zeigten, wie man einst im Wald arbeitete: