Heimatmuseum Seulberg

Sulinchen macht Spass!

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Presse 2015

Taunus Zeitung, 27. Juni 2015

 

Philipp-Reis-Schule: Schüler tauchen in die Welt der Hugenotten ein

Ist die Thematik „Migration und Integration“ ein gegenwärtiges Phänomen oder lassen sich dafür auch Spuren in der Vergangenheit finden? Die Klasse 8 H 1 der Philipp-Reis-Schule hat sich im Seulberger Heimatmuseum auf Spurensuche begeben.

Von Katja Schuricht

Seulberg. So macht Geschichtsunterricht Spaß: In der für die Hugenotten typischen schwarze Kopfbedeckung präsentieren Kevin und Morsched ihr Plakat. „Wir haben uns die Geschichte einer Hugenottenfamilie ausgedacht, die der Familie Foucar“, erzählt Morsched. Die Familie musste nach dem Edikt von Fontainebleau, das 1685 erlassen wurde und das den Hugenotten in Frankreich ihre Religionsfreiheit nahm, fliehen und kam nach Friedrichsdorf. „Das war der neue Zufluchtsort für diese Familie.“ Morsched und Kevin haben sich in die Situation der Familie hineinversetzt, indem sie ein Tagebuch erfunden haben, in dem der Vater Jean Foucar von seiner Flucht und den Schwierigkeiten in der neuen Heimat berichtet. Die beiden Schüler der Klasse 8 H 1 der PRS haben an dem Projekt „Von den Römern, Juden und Hugenotten bis heute“ teilgenommen. Es ist eine Kooperation des Teams des Heimatmuseums und des Stadtarchivs mit Klassenlehrer Peter Tokai.
„In den Museen können die Schüler recherchieren, Dokumente und Texte einsehen und auch die passenden Exponate zu den gewählten Themen anschauen“, sagt Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich. Gemeinsam mit den Museumsvolontärinnen Katja Schneider und Christina Schäfer sowie dem Klassenlehrer hat Dittrich ein Konzept für die Klasse erarbeitet. Die Teenager haben in Gruppenarbeiten Plakate und Zeitleisten zu den Themen „Römer in Seulberg“, „Hexen in Seulberg“, „die Hugenotten“ und „Juden in Seulberg“ erarbeitet. Am Ende der Mini-Projektwoche stand der aufregendste Teil auf dem Programm: die Ergebnisse in Kurzreferaten vor Publikum zu präsentieren. „Das ist ein sehr gutes Training für die Abschlussprüfung im kommenden Jahr“, so Tokai.
Außer den Mitschülern und dem Museumsteam gab es noch weitere Zuhörer: die Schüler der 7 H 1 mit Klassenlehrerin Wiebke Stüben. „Das hat thematisch gut gepasst, die Römer hatten wir schon. Und die Hugenotten stehen in Klasse sieben auch auf dem Lehrplan“, berichtet sie. Und die Referenten haben ihre Sache prima gemacht: Teilweise in passenden Kostümen und mit kleinen Requisiten aus dem Museumsfundus haben die Schüler ihren Vorträgen eine individuelle Note gegeben.

 

Verständnis für andere

Ziel des Projekts ist, die Jugendlichen für das Thema „Migration und Integration“ zu sensibilisieren. „Die Schüler sollen sich bewusst mit dem Fremden und Andersartigen beschäftigen, denn immerhin leben wir heute im Alltag einer multikulturellen Gesellschaft“, so Dittrich. „Ein Verständnis der Migrationsbewegung und die Konfrontation mit Xenophobie bilden die Basis einer globalen Friedenserziehung.“ Den Schülern solle anhand konkreter historischer Personen vor Augen geführt werden, welche Folgen Vorurteile haben können. „Hierbei hilft die persönliche und damit emotionale Nähe.“
Auch der Frage, unter welchen Bedingungen eine Integration gelinge, wird nachgegangen. „Der Blick auf die Geschichte zeigt den Schülern nicht nur unterschiedliche Muster von Verfolgung und Diskriminierung, sondern auch unterschiedliche Motive für eine Immigration.“ Und die aus unterschiedlichen Zeiten gewählten Beispiele verdeutlichen zugleich, dass Migrationsbewegungen kein aktuelles Phänomen sind. „Die Schüler sollen reflektieren, warum Menschen ihre Heimat und ihre Familien verlassen.“ Durch das Schreiben eines Tagebuchs, wie es Kevin und Morsched gemacht haben, versetzen sich die Schüler in die Situation eines Flüchtenden. „Wir haben ganz gut nachfühlen können, wie sich diese Ängste und die Verzweiflung angefühlt haben müssen“, sagt Morsched.
Nicht nur in fachlicher Hinsicht – in Sachen Geschichts- oder Ethikunterricht – haben die Hauptschüler etwas dazugelernt: „Sie haben auch das konzentrierte Lesen eines Textes, und vor allem das Strukturieren und Zusammenfügen der Ereignisse zu einem narrativen Handlungsgeschehen und das Formulieren geübt“, berichtet Dittrich und ergänzt einen wichtigen Aspekt: „Gleichzeitig sind sie im Umgang mit den Originalen im Museum für deren Wertigkeit sensibilisiert worden.“ Das Resümee des Museumsteams und der beiden Lehrer nach der Kooperation ist durchweg positiv. „An diese Tage im Museum und diese andere Art des Arbeitens werden sich die Schüler sicher auch nach ihrer Schulzeit noch erinnern“, so der Klassenlehrer. Im Alltag der Klasse 8 H1 an der PRS übrigens, erzählt Tokai, spielt es gar keine Rolle, dass die Jugendlichen aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen. „Wir haben Schüler mit türkischen, afghanischen, russischen und tunesischen Wurzeln. Doch diese Vielfalt empfinden wir für uns alle bereichernd.“

 

Taunus Zeitung, 18. Juni 2015

Forscher mit Vorbildcharakter

Saalburgpreis 2015 geht an den Kirdorfer Stefan Ohmeis

Im Bad Homburger Stadtteil hat Heimatforschung einen Namen: Stefan Ohmeis. Dafür gibt’s jetzt den Saalburgpreis. Der Förderpreis geht an eine Friedrichsdorfer Autorengruppe um Dr. Erika Dittrich.

Von Marc Kolbe

Kirdorf. An der Wohnzimmerwand von Stefan Ohmeis dürfte es langsam eng werden. Keinen Monat ist es her, da bekam der Kirdorfer den Ehrenbrief des Landes Hessen überreicht (wir berichteten). Mitte September nun darf sich der 58-Jährige auch noch über den Saalburgpreis freuen.
„Stefan Ohmeis engagiert sich seit vielen Jahren eindrucksvoll für heimatgeschichtliche Themen und leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Geschichte und Heimatpflege im Hochtaunuskreis“, erklärt Landrat Ulrich Krebs (CDU). Wobei die Formulierung „seit vielen Jahren“ noch eine Untertreibung ist – Ohmeis trat bereits im Alter von 20 Jahren der Arbeitsgemeinschaft „Unser Kirdorf“ bei – aus dem später der Verein „Kirdorfer Heimatmuseum“ hervorging. Ohmeis, so Krebs, sei der praktische Beweis dafür, dass eine berufliche Tätigkeit und intensives ehrenamtliches Engagement einander nicht ausschließen müssen.
Mit der Verleihung des Saalburgpreises würdigt der Kreis „eine im Umfang und in der inhaltlichen Qualität eindrucksvolle heimatgeschichtliche Leistung mit Vorbildcharakter“. Für Krebs ist Ohmeis eine „treibende Kraft“ an einem besonderen Ort. Schließlich pflege Kirdorf sein Selbstbewusstsein wie nur wenige Stadtteile. Der künftige Saalburgpreisträger – die Verleihung findet am 13. September auf der Saalburg statt – beeindruckt den Landrat aber nicht nur durch sein Engagement, sondern auch durch seine zahlreichen Publikationen und dem in Eigenregie erstellten Ortsarchiv, „das wissenschaftlichen Ansprüchen genügt“. Außerdem war er einer der ersten Heimatforscher, der die Bedeutung des Internets erkannte. 1999 erstellte er eine Homepage für „Unser Kirdorf“, die er stets auf dem neuesten Stand hält. Auf www.unser- kirdorf.de findet man unter anderem Infos über die Geschichte Kirdorfs sowie Ton-Dateien, auf denen man Anekdoten im Kirdorfer Dialekt zu hören bekommt.
„Dass ich in diesem Jahr gleich zwei Auszeichnungen erhalte, ist schon eine eigenartige Fügung. Aber ich freue mich natürlich sehr“, so Ohmeis. Er begleite das Kreisarchiv und auch die Entwicklung des Saalburgpreises seit ihrer jeweiligen Entstehung, war eines der ersten Mitglieder des Fördervereins Kreisarchiv. Ohmeis: „Das Thema lag mir immer am Herzen.“
Der Förderpreis zum Saalburgpreis geht an die Projektgruppe „Friedrichsdorf im Ersten Weltkrieg“ um die Friedrichsdorfer Stadtarchivarin und Museumsleiterin Dr. Erika Dittrich. Ein zwölfköpfiges Autorenteam um Dr. Dittrich hat den Band „Deutschtum oder Franzosenliebe?“ herausgegeben – eine Studie zu den Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf das Alltagsleben einer Kleinstadt.

 

Taunus Zeitung, 8. Juni 2015

 

15 200 Euro für Philipp-Reis-Haus

Friedrichsdorf. Einen Zuschuss des Landes in Höhe von 15 200 Euro bekommt das Philipp-Reis-Haus. Wie der Landtagsabgeordnete Holger Bellino (CDU) aus dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst erfuhr, genehmigte der Minister eine entsprechende Zuwendung aus dem Mitteln des KFA. Die Mittel sollen zweckgebunden für die Abteilung „Hugenotten/Erfinderwerkstatt“ (hier ist die Erweiterung der Dauerausstellung durch weitere Grafiken und Vitrinen vorgesehen) und für den Ausbau der Museumspädagogik eingesetzt werden.
Bellino habe das Museum im vergangenen Jahr besucht und schätze die Qualität der bereits vorhandenen Ausstellungen im Umfeld der Telefonie und der Geschichte der Hugenotten. Die Mittel werden aus dem Haushalt, der mit den Stimmen von CDU und Grünen beschlossen wurde, bereitgestellt.
(red)

 

Taunus Zeitung, 19. Mai 2015

 

Lieblingsspielzeug in Miniatur

Internationaler Museumstag im Heimatmuseum mit Bastelaktion und Dialekt-Quiz

Am Internationalen Museumstag am Sonntag, der das Motto „Museum. Gesellschaft. Zukunft“ hatte, lud das Heimatmuseum Seulberg zur Rallye und zum lustigen Dialektraten ein. Der Rücklauf bei der Kinderbastelaktion „Dein Museum der Zukunft“ war mit nur einer Teilnehmerin zwar eher enttäuschend. Das eingereichte Museum in Schuhkarton der achtjährigen Caitlin hatte es jedoch in sich.

Von Gabriele Calvo Henning

Seulberg. Wie sieht „Dein Museum der Zukunft“ aus? Mit dieser Frage hatte das Heimatmuseum Seulberg schon vor dem Internationalen Museumstag zu einer Bastelaktion aufgerufen, bei der Kinder ihr Museum in einem Schuhkarton einrichten sollten. „Leider war der Rücklauf mit nur einer Teilnehmerin sehr gering“, sagte Stadtarchivarin und Museumsleiterin Dr. Erika Dittrich am Sonntag der TZ. „Wir hatten uns erhofft, durch die Kinderaktion neue Ideen für die Ausstellungsgestaltung zu bekommen. Ein Grund für die schwache Beteiligung könnte sein, dass wir den Aufruf auch über die Kindergärten haben laufenlassen. Und die sind ja nun seit einer Woche im Streik.“ Möglicherweise, so vermutete Dittrich weiter, habe es auch deshalb etwas gehakt.
Nichtsdestotrotz, das von der achtjährigen Caitlin eingereichte Museum im Schuhkarton hatte es in sich: Aufgeteilt in drei kleine, bunte Räume konnten hier eine Büchergalerie, eine Spielzeugausstellung mit einem winzigen Kuschelelefanten aus Knete genauso bewundert werden wie ein „Bücher-Bilder-Spaß-Raum“. Für den hatte Caitlin kleine Bilder ihrer Lieblingsbücher-Helden gemalt. Der Spaß daran: Harry Potter hatte darauf rote und die in ihren Büchern blonde Connie grüne Haare bekommen. Sie erklärte: „Für mein Museum der Zukunft habe ich alle meine wirklichen Lieblingsspielzeuge und Bücher nachgebastelt“, also Dinge von heute für die Menschen von morgen. Dafür gab es als Preis eine Leinentasche voll kleiner Überraschungen inklusive eines Gutscheins für die Friedrichsdorfer Kinderkulturzeit.

Sulinchen hat gespukt

Übergeben hat diesen Preis der museumseigene Kobold Sulinchen. Das ansonsten eher kleine Wesen hat an diesem Tag die 13-jährige Josephine Roßkamp verkörpert und sich dafür mit einem grünen Kittel, langen Spitzenunterhosen, gestreifter Zipfelmütze auf der roten Langhaarperücke und Holzpantinen verkleidet. So ausstaffiert spukte Josephine alias Sulinchen durch die Mundart-Führung und begleitete die Kinder durch das Programm mit Gabi Zieschs Kasperletheater und einer Museumsrallye. Dabei machte der achtjährige Elias Buchkremer den ersten Platz. Er hatte sich mit seinem Wissen über römische Zahlen, die altdeutsche Schrift und die Kleidung von gestern bis heute (und ein kleines bisschen mit Mamas Hilfe) durchgesetzt.
Gestärkt mit Kaffee und Kuchen aus der Museumsklause konnten die älteren Besucher beim lustigen Dialektraten ihr Wissen rund um die Seulberger Mundart testen. Dafür hatten die Mitglieder des Sellwicher Schwätzkreises Rita Schächer und Friedrich-Wilhelm Jeckel eine ganze Reihe „Ausdrick un Sprich“ (Ausdrücke und Sprüche) vorbereitet. Es gab viel Gelächter, wenn sie verrieten, dass „Banatzel“ Kopf oder Gesicht bedeutet, „Gommer“ Gurken sind und „Schloof ruond desde ned eggich wirsd“ nichts anderes bedeutet als „Schlaf gut“, wörtlich übersetzt heißt der Spruch sehr bildlich: „Schlaf rund, damit du nicht eckig wirst“. Das kam bei den Besuchern im Innenhof des Museums so gut an, dass der Dialektquiz gleich in eine zweite Runde ging.

 

Taunus Zeitung, 16. Mai 2015

 

Morgen lockt das Heimatmuseum

„Museum. Gesellschaft. Zukunft.“ – unter diesem Motto steht der Internationale Museumstag, der seit 38 Jahren gefeiert wird, um auf die Vielfalt und kulturelle Bedeutung der Museen hinzuweisen. Das Heimatmuseum Seulberg nimmt morgen von 14 bis 18 Uhr mit einem bunten Programm für Groß und Klein teil.

red

Seulberg. Rund 10 000 Besucher jährlich ziehen die Sonderausstellungen und vielfältigen Veranstaltungen des größten Heimatmuseums im Taunus an. Dabei werden alle Generationen gleichermaßen angesprochen. Und um möglichst jedem den Zugang zu ermöglichen, wird noch nicht einmal Eintritt erhoben.
Bereits seit Jahren trifft sich in der Museumsklause der „Schwätzkreis“, um einen vom Aussterben bedrohten Dialekt für die Zukunft zu bewahren. Wer wissen möchte, wie die „Sellwicher Mundart“ klingt, erfährt das von 14 Uhr an bei der Mundart-Museumsführung durch die Seulberger Vergangenheit mit Friedrich-Wilhelm Jeckel. Auch der kleine Museumskobold Sulinchen hat sich für die jungen Besucher etwas Tolles ausgedacht: Er hat Gabi Ziesch und ihr Kasperletheater eingeladen. Um 15 Uhr öffnet sich der Vorhang und eine Geschichte mit Kasper und einer geheimnisvollen Dose wird erzählt.
Von 16 Uhr an prämieren Dr. Erika Dittrich, Vorsitzende des Museumsvereins, und Sulinchen die Ergebnisse der Bastelaktion „Dein Museum der Zukunft“. Dabei geht kein Teilnehmer ohne einen Preis nach Hause. Im Anschluss geht es für Groß und Klein bei der spannenden Museumsrallye treppauf-treppab durch das gesamte Haus. Knifflige Fragen müssen da beantwortet werden und so manches Neues kann entdeckt werden. Den Aktionstag beendet um 17 Uhr der Sellwicher Schwätzkreis mit heiterem Dialekt-Raten. Die Klause ist geöffnet. Dort gibt es Kaffee und Kuchen.

 

Friedrichsdorfer Woche, 13. Mai 2015

 

Internationaler Museumstag mit Aktionen und Workshops

Bad Homburg/Friedrichsdorf (hw). Am Internationalen Museumstag am Sonntag, 17. Mai, ist im Museum im Gotischen Haus, Tannenwaldweg 102, und im Horex Museum, Horexstraße 6, für Besucher der Eintritt frei. Zwischen 12 und 16 Uhr finden im Gotischen Haus kostenlose Führungen statt. Um 14.30 und 15.30 Uhr spielt Daphne Milio im Romantikzimmer auf der restaurierten Erard-Harfe. Der Internationale Museumstag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Museum. Gesellschaft. Zukunft“.
Im Nachklang zu der sehr erfolgreichen Porträt-Ausstellung, die von November bis April im Gotischen Haus lief, findet ein Workshop „Porträtmalerei“ mit dem bekannten Kronberger Maler Georgi Takev von 11 bis 16 Uhr statt. Die möglichen Techniken umfassen Bleistift, Kohle, Kreide und Pastell, Tempera und Aquarell. Die Teilnehmer können ihre eigenen Malutensilien mitbringen oder gegen einen Kostenbeitrag von zehn Euro das Material sowie Zeichenpapier oder Malblöcke im Gotischen Haus erwerben.
Themen und Motive des Workshops sind: malen nach dem lebenden Modell (idealerweise das Gegenüber im Raum), malen nach Porträtfotos, die die Teilnehmer mitbringen, malen nach Schaufensterpuppen oder Hutbüsten sowie das Selbstporträt vor Spiegeln. Um Anmeldung zum Workshop im Museum im Gotischen Haus unter Tel. 06172-37618 oder per E-Mail an museum@bad-homburg.de wird gebeten.
Im Schloss Bad Homburg finden am Internationalen Museumstag zwischen 10 und 17 Uhr stündlich Führungen auf dem Schlossgelände, in der Schlosskirche und dem Englischen Flügel statt. Das Atelier der Museumspädagogik öffnet von 14 bis 17 Uhr seine Türen für Kinder und Erwachsene. Dort können verschiedene Techniken ausprobiert werden, die in den verschiedenen Workshops des museumspädagogischen Programms angeboten werden. Der Eintritt für alle Veranstaltungen ist frei, Spenden in eine Box im Museumsshop sind willkommen.
as Museum der Heimatstube Ober-Erlenbach, Am alten Rathaus 9, ist an diesem Tag von 15 bis 17 Uhr geöffnet, ebenso die Fotoausstellung von Joachim Hanner mit dem Titel „Die Heimat bleibt doch immer der schönste Fleck der Welt“. Die neueste Veröffentlichung des Vereins „Michael Julius Weil, Ober-Erlenbach im Wandel der Zeiten“ kann für sechs Euro erworben werden.

Das Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46, nimmt am Sonntag von 14 bis 18 Uhr mit einem buntem Programm für Groß und Klein an dem Internationalen Museumstag teil. Bereits seit Jahren trifft sich in der Museumsklause der „Schwätzkreis“, um einen vom Aussterben bedrohten Dialekt für die Zukunft zu bewahren. Wer wissen möchte, wie „Sellwich“ klingt, erfährt dies um 14 Uhr bei der Mundart-Museumsführung durch die Seulberger Vergangenheit mit Friedrich-Wilhelm Jeckel. Der kleine Museumskobold Sulinchen hat für die jungen Besucher Gabi Ziesch und ihr Kasperletheater eingeladen. Um 15 Uhr öffnet sich der Vorhang für eine spannende Geschichte mit Kasper und einer geheimnisvollen Dose.
Um 16 Uhr prämieren Dr. Erika Dittrich, die Vorsitzende des Museumsvereins, und Sulinchen die Ergebnisse der Bastelaktion „Dein Museum der Zukunft“, der im Vorfeld ausgeschrieben war. Dabei geht kein Teilnehmer ohne einen Preis nach Hause. Im Anschluss geht es für Groß und Klein bei einer Museumsrallye treppauf und treppab durch das ganze Haus. Knifflige Fragen müssen gelöst und so manches Neues kann entdeckt werden. Den Aktionstag beendet um 17 Uhr der Sellwicher Schwätzkreis, wenn er zum heiteren Dialekteraten einlädt. Die Klause ist geöffnet und hält für die Besucher Kaffee und Kuchen bereit. Der Eintritt ist frei.

 

Friedrichsdorfer Woche, 7. Mai 2015

 

Mit einer Liebesgabe für die Oma fing es an

Seulberg. Rund 450 Fingerhüte hat Ingeborg Dittler ins Heimatmuseum Seulberg gebracht. Aus verschiedenen Materialien hergestellt, zeigen sie ein breites Spektrum kunsthandwerklicher Fähigkeiten aus vergangenen Zeiten.

Von Bernd Ehmler

Unter dem Titel „Nähutensil und Liebesgabe – Fingerhüte aus aller Welt“ sind die Fingerhüte in einer Sonderausstellung bis zum 26. Juli im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46, zu sehen. Bei der Eröffnung hat Ingeborg Dittler in die Ausstellung eingeführt. Seit der Mensch mit Nadel und Faden arbeitet, schützt er sich vor Stichverletzungen und nutzt dafür den Fingerhut. Obwohl schon seit der Steinzeit bekannt, brachten ihn erst die Römer nach Germanien. Und selbst heute noch freuen sich nähende Frauen aller Kulturen, überreicht man(n) ihnen einen als Liebesgabe – dann aber aus kostbarem Material gefertigt.
1970 hat die Diplom-Museologin Ingeborg Dittler angefangen, Fingerhüte zu sammeln, als sie von der Großmutter ihres Mannes einen Fingerhut aus Alabaster mit Goldreif vermacht bekam. Die Großmutter bekam den Fingerhut einst von ihrem Liebsten geschenkt, denn damals waren Fingerhüte eine Liebesgabe. Seither ist Ingeborg Dittlers Sammlung auf über 450 Exemplare angewachsen. Das älteste Stück stammt aus der Zeit um das Jahr 1600 und ist aus Messing und Rohzink gefertigt. Die zahlreichen Exponate lassen nachverfolgen, wie sich im Laufe der Zeit Materialien, Formen und Verzierungen veränderten. Was vornehme Damen bereits seit dem 14. Jahrhundert nutzten, produzierten ab dem 15. Jahrhundert Gelbgießer in Massen aus Messing. Fingerhüte wurden in den verschiedenen Zeitepochen aus Metall, Glas, Porzellan, Silber oder aus Gold hergestellt. Die Gestaltung hing zu allen Zeiten meistens vom Ursprungsland ab, wie exotische Ausstellungsstücke etwa aus China und einer ganzen Reihe weiterer Länder belegen. Bereits im Altertum versah man den Fingerschutz mit den charakteristischen „Grübchen“, die ein Abrutschen der Nähnadel verhindern. Manchmal zieren ihn auch Malereien, kleine Kunstwerke für sich. Als die Nähmaschine aufkam, verschönerten die Fingerhuthersteller ihre Produkte besonders sorgfältig, um sie zu verkaufen. Inzwischen hat ihn die Industrie als Werbeträger oder als Souvenirstück entdeckt.
Effizienter für die Näharbeiten erwies sich der Fingerring, der neben weiteren Fingerschützern gezeigt wird. So erfährt der Besucher Wissenswertes und Kurioses rund um ein kleines, bald vom Aussterben bedrohtes Gebrauchsutensil. Vielleicht löst sich dann auch das Sprichwort, eine Frau könne mit dem Fingerhut mehr verschütten, als der Mann mit dem Eimer schöpfen.
Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 26. Juli zu den üblichen Öffnungszeiten mittwochs und donnerstags von 9 bis 12.30 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46. Der Eintritt ist frei. Führungen finden am Mittwoch, 13. Mai, sowie an den Donnerstagen, 18. Juni und 2. Juli, jeweils um 18 Uhr statt. Weitere Informationen erteilt Dr. Erika Dittrich unter Tel. 06172-7313100 oder E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de.

 

Taunus Zeitung, 16. April und 6. Mai 2015

Bastelaktion „Museum der Zukunft“ im Schuhkarton

 

Seulberg. (red) Schon seit vielen Jahren lebt der kleine Museumskobold Sulinchen im Heimatmuseum Seulberg. Und da hat sich inzwischen so einiges geändert. Viele Sachen, die früher modern waren, kennt heute kaum noch jemand. „Wie das wohl in 50 Jahren sein wird?“, grübelt das kleine Kobold-Mädchen. „Und was wird wie ausgestellt? Gibt es vielleicht schon Roboter, die den Besuchern alles erklären?“ Da kommt Sulinchen eine oberkoboldtastische Idee: Sie bastelt sich ihr eigenes „Museum der Zukunft“ in einem Schuhkarton. Und weil das so viel Spaß macht, dürfen alle im Alter von 3 bis 99 Jahren ihr eigenes Museum gestalten. Weil man das aber nicht an einem einzigen Tag schaffen kann, darf zu Hause gebastelt werden.
Am Internationalen Museumstag, Sonntag, 17. Mai, wenn ganz viele Leute im Museum sind, werden die Bastelarbeiten ausgestellt und sogar prämiert. Und keiner geht dabei leer aus!

Die Basteleien können bis zum Freitag, 15. Mai, im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46, außerdem im Philipp-Reis-Haus in der Hugenottenstraße 93 sowie im Kulturamt Friedrichsdorf in der Hugenottenstraße 57 (über dem Standesamt) zu den üblichen Öffnungszeiten abgegeben werden.

Alle Schuhkarton-Museen werden am Sonntag, 17. Mai, um 16 Uhr im Heimatmuseum Seulberg prämiert. Die Bastelaktion wird vom Magistrat der Stadt Friedrichsdorf, der Metzgerei Rompel sowie der Taunus Sparkasse gesponsert. Informationen erteilt Dr. Erika Dittrich unter der Telefonnummer (0 61 72) 7 31 31 00 (montags bis freitags 9 bis 16 Uhr) oder (0 61 72) 7 31 31 20 (mittwochs und donnerstags 9 bis 12.30 Uhr) sowie per E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de.

 

Taunus Zeitung, 14. April 2015

 

Ein Fingerhut für die Liebste

Nicht nur Nähutensil: Heimatmuseum präsentiert 450 kleine Kostbarkeiten aus aller Welt

Im Heimatmuseum Seulberg laufen zurzeit die Vorbereitungen für eine Sonderausstellung rund um den Fingerhut. Unter dem Titel „Nähutensil und Liebesgabe“ werden zum ersten Mal überhaupt alle 450 Fingerhüte aus verschiedenen Epochen, Ländern und Materialien gezeigt, die die Sammlerin und ehemalige Museumsleiterin Ingeborg Dittler aus Seligenstadt in über 40 Jahren zusammengetragen hat. Die Ausstellung mit Begleitprogramm startet am 19. April und läuft bis 26. Juli.

Von Gabriele Calvo Henning

Seulberg. Es begann mit einem zierlichen Fingerhut aus Alabaster mit zartem Goldreif. Den hatte seinerzeit die Urgroßmutter von Ingeborg Dittlers Ehemann beim Nähen am Finger. Aber erst mit dem zweiten Fingerhut, einem mexikanischen Stück aus Silber, verziert mit einem aufgelöteten floralen Muster aus feinem Silberdraht, packte die Seligenstädterin 1970 die Sammelleidenschaft so richtig. Seitdem hat die ehemalige Leiterin des Dreieich-Museums 450 Fingerhüte aus aller Welt, verschiedenen Epochen und aus den unterschiedlichsten Materialien zusammengetragen.
Dass die Prachtstücke demnächst für 14 Wochen im Seulberger Heimatmuseum zu sehen sind, ist auch insofern eine Premiere, als die Sammlung, die Ingeborg Dittler ansonsten zuhause in vielen Setzkästen aufbewahrt, hier zum ersten Mal vollständig zu bewundern ist.
Das älteste Stück ist ein antiker, leicht verbeulter, bräunlicher Fingerhut aus Messing, Rohzink und Kupfer, der aus dem 16. Jahrhundert stammt. Der nimmt sich fast schon bescheiden aus, wurde aber, anders als seine mit bunten Dekoren geschmückten Brüder aus Porzellan, tatsächlich als Fingerschutz beim Nähen benutzt. Die Porzellanfingerhüte waren, genauso wie die aus Kristall, dafür nie gedacht, weiß Ingeborg Dittler zu berichten. Sie waren vielmehr kleine Mitbringsel oder Liebesgaben für die Angebetete. Damit war dieses spezielle Nähutensil über Jahrhunderte nicht nur ein kleines nützliches Werkzeug für Schneider, Näherinnen, Hausfrauen, Perücken- und Segelmacher sondern immer auch Reisesouvenier oder kleiner Schmuckgegenstand. Die Wahl der Materialien scheint dabei keine Grenzen zu kennen. So sind in der liebevoll eingerichteten Ausstellung in insgesamt sieben Vitrinen japanische Fingerhüte aus Leder ebenso zu sehen wie empfindliche Exponate aus filigraner Emaille, edlem Elfenbein, Perlmutt, Olivenholz und sogar aus Pappmaché.

Steinzeitliche Spindeln

Gerade die Stücke aus Gold oder Silber erzielen unter Sammlern heute Preise von 150 Euro an aufwärts“, weiß die diplomierte Museologin zu berichten. Aber auch als Formgeber für Pfeffer- und Salzstreuer und kleine Schnapsbecher machte der Fingerhut Furore. Auch solche Exemplare sind in der Ausstellung zu sehen, die weit über eine einfache Präsentation hinausgeht. Denn sie ist zugleich eine chronologisch aufbereitete Kulturgeschichte, in der auch Nachbauten steinzeitlicher Wollspindeln, interessante Näh-Etuis, Stopf-Eier und fingerlange. mit edlen Steinen verzierte Fingernagelschützer zu sehen sind, wie sie die feinen Damen im alten China trugen.
Dass diese Sammlung nun im Heimatmuseum präsentiert werden kann, ist auch der langjährigen ehrenamtlichen Mitarbeiterin Reinhild Massey zu verdanken, die im vergangenen Jahr im Offenbacher Haus der Stadtgeschichte auf Ingeborg Dittler aufmerksam wurde, die dort einen Teil ihrer Fingerhüte zeigte. Und so habe das Heimatmuseum die Sammlung nach Seulberg geholt, sagt die stellvertretende Leiterin des Museumsvereins, Ute Desch.
„Wir sind immer auf der Suche nach interessanten Ausstellungen. Jetzt kurz vor dem Start geht es uns darum, die richtige Umgebung für die vielen Fingerhüte zu schaffen.“ Dafür sind Nähkörbe und -kästen aus Beständen des Museums und aus privatem Besitz genauso herangeholt und ausgeliehen worden wie Schneiderpuppen, alte Schnittmuster, weiteres Schneiderwerkzeug sowie Modellkleider und Stoffballen.
Abgerundet wird die Nähstuben-Atmosphäre mit einer rund 100 Jahre alten Singer-Nähmaschine mit schmiedeeisernem Fußtritt und Schwungrad, die Freunde von Ute Desch dem Museum anlässlich der Ausstellung kurzerhand schenkten. Begleitet wird die Fingerhutpräsentation außerdem von einem eigenen Führungs- und Veranstaltungsprogramm, bei dem natürlich auch an die bastelbegeisterten Kinder gedacht wurde. Diese können sich bei den Workshops „Sulinchens Kindereien“ unter anderem mit dem Knüpfen von Puppen und dem Besticken von Muttertagskarten beschäftigen.

 

Info: Sonderausstellung

Die Sonderausstellung der Fingerhutsammlung „Nähutensil und Liebesgabe – Fingerhüte aus aller Welt“ wird am kommenden Sonntag im Heimatmuseum, Alt Seulberg, eröffnet und läuft bis Sonntag, 26. Juli. Für den Eröffnungstag ist von 15 Uhr an eine Einführung durch die Sammlerin und Museologin Ingeborg Dittler geplant.

Führungen durch die Ausstellung finden am 13. Mai, 18. Juni und 2. Juli jeweils von 18 Uhr an statt.

Informationen, auch zum begleitenden Kinderprogramm und allen weiteren Angeboten des Heimatmuseums gibt es im Internet unter der Adresse www.heimatmuseum-seulberg.de oder telefonisch unter (0 61 72) 7 31 31 20 (montags und donnerstags 9 bis 12 Uhr) oder (0 61 72) 7 31 31 00 (montags bis freitags 9 bis 16 Uhr). (alv)

 

Frankfurter Rundschau, 31. März 2015

 

Krieg, Revolution und Wilderei

Friedrichsdorf

Preis der Regionalgeschichte für neuen Band des Stadtarchivs

von Olaf Velte

Unter dem Titel „Deutschtum oder Franzosenliebe?“ gibt es eine vorbildliche Darstellung des Themenkomplexes „Friedrichsdorf im Ersten Weltkrieg“.
Ein Abenteuerbuch ist es in gewissem Sinne auch. Da tritt ein Karl Schneider auf, der sich plötzlich in Reihen der „Bagdad-Armee“ wiederfindet und ständig einen Desinfektionsapparat mitschleppt. In die Wirren der russischen Februar-Revolution verschlägt es den Seulberger Schreiner Philipp Hennemann. Den Vogel schießt indes ein Zögling des Instituts Garnier ab: Hermann Consten arbeitet als Agent unter dem Decknamen „Konto-Fritz“, bietet seine Dienste drei Regierungen an und lebt am Ende als Gescheiterter in Peking.
Auch solche Episoden liefert ein reich bebilderter Band, der als Sonderband 7 innerhalb der „Friedrichsdorfer Schriften“-Reihe daherkommt. Unter dem Titel „Deutschtum oder Franzosenliebe?“ bietet der lokale Arbeitskreis Geschichte unter Federführung von Erika Dittrich vom Stadtarchiv die Erkenntnisse der am 21. Dezember zu Ende gegangenen gleichnamigen Ausstellung nun in publizierter Form.
Umfangreiche Recherchen und viele Informationen (nebst Leihgaben) aus der Bevölkerung haben zu einer vorbildlichen Darstellung des Themenkomplexes „Friedrichsdorf im Ersten Weltkrieg“ geführt. „Der Band wurde schließlich umfangreicher als geplant“, so Archivarin Dittrich.

Preis für „beispielgebendes Projekt unter Beteiligung der Menschen vor Ort“

Für die Arbeit wurde den beteiligten Historikern im Februar der Preis der Regionalgeschichte 2015 verliehen. Das Historische Museum Frankfurt hatte nach „beispielgebenden Projekten, in denen die Geschichte unserer Region ehrenamtlich und unter Beteiligung der Menschen vor Ort erforscht wird“, gefahndet.
Hier wird der Bogen von dem im wirtschaftlichen Aufschwung befindlichen Vorkriegs-Städtchen über „Krieg im Klassenzimmer“ und die Situation abseits der Kriegsschauplätze bis zu den Nöten nach 1918 geschlagen. Dass die alltäglichen Schrecken des Soldatenlebens dem Leser nahe gehen, ist den zahlreichen Tagebuch- und Briefauszügen aus heimischen Familienbeständen zu verdanken. „Sie bleiben einfach liegen, holen tut sie niemand und so stöhnen sie noch ein, zwei Tage, bis sie entweder gestorben oder von ihrer eigenen Artillerie noch ganz totgeschossen sind“, heißt es im September 1914 bei Friedrich von Basshuisen, der auf das eigene Weiterleben „keinen Pfennig mehr“ gibt.
Gesichter, in die das Unsagbare eingeschrieben ist – die Porträtaufnahmen der Weltkriegsteilnehmer Wilhelm Weidinger, Karl See oder Heinrich George sprechen für sich. Wer im Felde war – „jeder sechste der gut 1200 aus der Gesamtstadt Eingezogenen kehrte nie zurück“ –, brachte das überlebte Grauen mit zurück. Traumatisierte Soldaten fanden Aufnahme in der im Köpperner Tal gelegenen Heilanstalt (heute Waldkrankenhaus), wo die „Zitterer“ mit Stromstößen traktiert, aber selten geheilt wurden.
Als das erste große Völkerschlachten des 20. Jahrhunderts vorbei war, war auch das alte Deutschland untergegangen. Politische Neuorientierung mündete beispielsweise in einen 20 Minuten währenden „Kommunistenaufstand“ am Bahnhof von Friedrichsdorf. Schüsse peitschten aber auch durch die Taunuswälder: Um die hungernde Bevölkerung mit Fleisch zu versorgen und sich zu bereichern, wilderten der Köpperner Johann Mieger und Sohn Wilhelm rücksichtslos. Im gesamten Umland gingen fortan bewaffnete Dorfbewohner auf die verbotene Jagd. – Ein Kapitel, das in direktem Zusammenhang mit den 1918er Auswirkungen steht und in der neuen Publikation nicht ausgespart wird.

 

 

DAS BUCH

Überschrieben ist der neue Sonderband der Friedrichsdorfer Schriften mit „Deutschtum oder Franzosenliebe?“. Das 270-seitige Buch widmet sich den Auswirkungen, die der Erste Weltkrieg auf die Bevölkerung der Zwiebackstadt hatte.
Im vergangenen Jahr gab es eine gleichnamige Ausstellung.

Für die Publikation, zu der alle lokalen Geschichtsvereine mit aufwendigen Recherchen beigetragen haben, erhielt das Stadtarchiv der Regionalgeschichte-Preis 2015. Verliehen wurde er am 7. Februar vom Historischen Museum Frankfurt.

Der Sonderband enthält rund 300 Abbildungen und kann in den Friedrichsdorfer Museen, im Stadtarchiv und an der Rathaus-Information zum Preis von 15 Euro erworben werden.
(ov)

 

Friedrichsdorfer Woche, 26. März 2015

 

Der Philipp-Reis-Preis wird dieses Jahr wieder vergeben

Friedrichsdorf (fw). Am 26. Oktober 1861 hielt Johann Philipp Reis vor dem damaligen Physikalischen Verein in Frankfurt seinen grundlegenden Vortrag über „Das Telefonieren mit galvanischem Strom“. Seine Idee leitete eine Wende in der elektrischen Übertragung von Nachrichten ein. Er war der erste, der nicht Zeichen, sondern Sprache elektrisch übertrug. Erstmals war es möglich, im wahrsten Sinne des Wortes „fern“ zu sprechen. Doch bevor er sein Telefon für die praktische Nutzung weiterentwickeln konnte, starb Johann Philipp Reis, nur 40-jährig, 1874.
Sein Apparat wurde in kleiner Serie handwerklich gefertigt und in vielen Laboratorien in Europa und Amerika erprobt. Er hatte damit die Grundlage für eine bahnbrechende technische Entwicklung geschaffen, die sich bis heute, mit über vier Milliarden Anschlüssen, zum „größten Automaten“ der Welt entwickelt hat. Das Besondere an der Idee des Johann Philipp Reis waren nicht nur das technisch Neue, sondern auch die umwälzenden volkswirtschaftlichen Auswirkungen, die seine Erfindung mit sich brachte.
Das 125-jährige Jubiläum der erstmaligen Präsentation seiner genialen Idee hatten die Städte Friedrichsdorf und Gelnhausen, die Deutsche Telekom und der Verband der Elektrotechnik Informationstechnik (VDE) zum Anlass genommen, einen mit 10 000 Euro dotierten Preis für eine herausragende, innovative Veröffentlichung auf dem Gebiet der Nachrichtentechnik zu vergeben. Der 1987 erstmalig vergebene Preis wird seither alle zwei Jahre vergeben.
Auch in diesem Jahr soll der Preis an Ingenieure oder Naturwissenschaftler (Altersgrenze 40 Jahre) verliehen werden, die eine bedeutende nachrichtentechnische Neuerung, die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft hat, in Gang gesetzt haben oder eine solche Entwicklung erwarten lassen. Verliehen wird diesmal der Preis entsprechend den Statuten durch den Bürgermeister der Stadt Friedrichsdorf.
Alle vier Stifter des Preises sind mit Johann Philipp Reis auf besondere Art und Weise verbunden. Johann Philipp Reis wurde 1834 in Gelnhausen geboren, sein Telefon entwickelte er als Lehrer in Friedrichsdorf. Generalpostmeister Heinrich Stephan erkannte schon sehr früh die Bedeutung des Telefons und führte es zielstrebig und schnell in Deutschland ein.
Die Durchführung der Preisvergabe wird in Zusammenarbeit mit den anderen Stiftern durch die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (ITG) durchgeführt, die mit fast 10 300 Mitgliedern aus den verschiedensten Sektoren der Informationstechnik und ihren über 1000 in den unterschiedlichen Fachausschüssen und Fachgruppen der Informationstechnik aktiv und ehrenamtlich mitarbeitenden Wissenschaftlern über das erforderliche Wissen zur Vorauswahl und Reihung der Preisträger verfügt.
Der Einsendeschluss für die Bewerbungen um die Vergabe des Preises ist der 13. April. Bewerbungen sind zu richten an die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (ITG), Stresemannallee 15, 60596 Frankfurt, Tel. 069-6308-360 oder -362, Fax: 069-63089821, E-Mail: itg@vde.com.

 

Taunus Zeitung, 23. März 2015

 

Ostermarkt: Labkraut färbt die Eier leuchtend gelb

Beim Ostermarkt im Seulberger Heimatmuseum ist oval Trumpf – Viele praktische Tipps zum Nachmachen

Zum 28. Mal hat das Heimatmuseum Seulberg am Sonntag zum Ostermarkt eingeladen. Im Innenhof und auf jeder der drei Etagen zeigten an die 30 Aussteller, was ihnen zum Thema Ostern eingefallen ist. Handbemalte, lackierte und mit Seide und Spitze bezogene Ostereier gehörten ebenso dazu, wie Arbeiten aus Holz und Papier, Blumengestecke, süße Leckereien und selbstgenähte Stoffhühner. Nach Langem gab es auch wieder Kräuter zu kaufen, mit denen man Ostereier in leuchtenden Naturfarben färben kann.

Von Gabriele Calvo-Henning

Seulberg. Barbara Schwarz hatte am Sonntagmorgen ordentlich zu schleppen. Als eine von rund 30 Ausstellern hatte sie beim Ostermarkt im Heimatmuseum ihren Platz ganz oben in der Dachetage gefunden. Dort zeigte die Bad Schwalbacherin, dass mit Naturfarben gefärbte Ostereier nicht nur beige-braun daherkommen müssen. „Das strahlende Gelb bekomme ich mit Labkraut, dem ich etwas Alaun zusetze. In dem Sud werden die Eier dann hart gekocht“, verriet die gelernte Drogistin, die schon seit mehr als 40 Jahren dem Geheimnis des Färbens mit Kräutern auf der Spur ist. Mate färbt die Schalen dunkelgrün, schwarze Stockrosen färben weiße Eier hellblau bis türkis.

Bestellung per Telefon

„Mich freut sehr, dass wir mit Frau Schwarz endlich wieder jemanden dabei haben, der zeigt, wie natürlich gefärbt werden kann“, sagt Ute Desch, die als stellvertretende Leiterin des Museumsvereins zusammen mit ihren engagierten Vereinskollegen auch diesen 28. Ostermarkt organisiert hat. Sie konnte sich über viele große und kleine Besucher freuen, denn der stimmungsvolle Ostermarkt hat bei vielen einen festen Termin im Kalender. „Es gibt Besucher, die mich schon vorher anrufen, um nach bestimmten Ausstellern zu fragen“, berichtet Desch. Die Telefonanrufe gingen auch nach dem Ostermarkt weiter, wenn Besucher gezielt Kontakt zu einzelnen Ausstellern aufnehmen wollen, um nachträglich etwas zu ordern.
Vielleicht ja eine oder mehrere der liebevoll gestalteten Frühlings- und Osterkarten von Ingeborg Ahlschwedt. Für die sammelt sie zarte Blüten von rosa Ginster, kleinen Veilchen oder auch Stiefmütterchen, die sie dann bis zu 14 Tagen in ihrer Blumenpresse presst und zu ausdrucksvollen Blütenbildern neu arrangiert. Sie verrät, wie die zarten Blüten ihre Farben behalten: „Am besten ist es, wenn man nur gerade aufgeblühte Blüten verwendet und die um 11 Uhr vormittags pflückt.“

Beschriftete Straußeneier

Und während oben unterm Dach die Kinder bunte Ostersträuße aus Buchs banden oder das Papiermodell des alten Seulberger Aulofens zusammenklebten, konnten sich die Erwachsenen an den Ständen von handbemalten, lackierten, mit Seide und Spitze bezogenen Ostereiern beeindrucken lassen. Ein besonderer Hingucker waren dabei die mit kunstvollen Kalligraphien von Roma Fromme-Monsees beschrifteten Straußeneier, auf die sogar die komplette Schöpfungsgeschichte passt.

Nähpause beendet

Ostereier aus Holz oder zarter Keramik gab es ebenso wie mit Ton nachgebildete Abgüsse von alten Backmodeln, Papierarbeiten, frische Gestecke und lustige Hasen und Hühner aus Stoff. Für die hatte Anka Christen sich dann doch noch mal an die heimische Nähmaschine gesetzt. Und das, obwohl sie sich nach ihrer Teilnahme am Nikolausmarkt zunächst geschworen hatte, erst mal eine Nähpause zu machen.
Wie immer kam auch das Kulinarische nicht zu kurz: Im Innenhof duftete es schon kurz nach der Eröffnung um 10 Uhr nach Waffeln. Wer lieber etwas Deftiges wollte, konnte bei einer heißen Suppe zugreifen. Abgerundet wurde das Ganze von der liebevollen eigenen Osterdekoration vor und im Museum, zu der gleich über der Eingangstür auch die von den Seulberger Landfrauen gestaltete Osterkrone gehörte.

 

Friedrichsdorfer Woche, 19. März 2015

 

Bunte Eier und leckere Lämmer im Museum

Auf allen Etagen und auch draußen vor der Tür hatten die 30 Aussteller, die ihr Kunsthandwerk auf dem 28. Ostermarkt im Heimatmuseum Seulberg feilboten, ihre Stände aufgebaut. Keinen davon wollten die kleinen und großen Gäste, die trotz wenig frühlingshafter Temperaturen am Sonntag zum vorösterlichen Treiben gekommen waren, verpassen.

Seulberg. Schon kurz nach Eröffnung war das Gedränge am Eingang des Seulberger Heimatmuseums groß. Die Besucherschar schob sich von links nach rechts, geradeaus in den Innenhof des hübschen Gebäudes und von dort zurück die enge Treppe hinauf in die beiden oberen Geschosse. Für die richtige Mischung des Dargebotenen hatte wie immer Organisatorin Ute Desch gesorgt. So waren Aussteller, die dem Ostermarkt seit Jahren und Jahrzehnten treu sind, ebenso zu finden wie ein paar „Neulinge“. „Das muss schon sein. Wir wollen unseren Gästen ja immer etwas Überraschendes bieten“, sagte Desch. Bei der Planung und Umsetzung des Marktes kann sie auf ein Team aus etwa 40 Ehrenamtlichen bauen, die nicht nur Ideen zusammentragen sowie auf- und abbauen, sondern auch Kuchen und Waffeln backen, verkaufen und anpacken, wann immer Hilfe gefragt ist.
Desch selbst hatte in der Woche vor Eröffnung des Ostermarktes noch eine ganz spezielle Aufgabe: Sie musste backen. Seit Jahren sind das mit Trockenfrüchten gespickte Osterbrot und die süßen, mit Puderzucker bestreuten Osterlämmer eine gefragte Markt-Spezialität. „Das Rezept habe ich selbst entwickelt. Die Lämmer werden in alten Formen gebacken“, erläuterte sie. Bereits um 11 Uhr, nur eine Stunde nach Beginn, waren bereits alle gebackenen Tiere verkauft.
An den zahlreichen hübsch dekorierten Ständen hatten die Besucher die Qual der Wahl. Im österlichen Sortiment hatten die Verkäufer köstliche Marmeladen, kunstvoll gestaltete Karten, Hasen und Küken aus Stoff, Filz und Holz, farbenfrohe Kerzen, dekorative Blumengestecke, duftende Kissen und fantasievolle Anhänger, aber natürlich auch Ostereier in allen Formen und Farben – bemalt und besprüht, gefräst und gefärbt, bestickt und mit Stoff bezogen. Weniger zerbrechliche ovale Kunstwerke bot Uschi Küpper aus Groß-Umstadt. Nach der Technik der japanischen Papierfaltkunst Origami hatte sie Schmetterlinge, Schmuckeier, aber auch Blütenkugeln gefertigt. „Die große Blütenkugel besteht aus 60 Einzelteilen“, informierte die Künstlerin, die gerne neue Kreationen aus Papier entwickelt. Ungewöhnliche Eierkunst für echte Unikate-Jäger hatte Uschi Küppers Ehemann Heinz im Angebot. Er führte den Besuchern vor, wie beim Drechseln aus unterschiedlichen Holzarten hübsch gemaserte Ostereier entstehen, und zeigte dabei auch hölzerne Kunstwerke aus dem australischen Banksia-Zapfen. „Anders als herkömmliche Zapfen haben diese keine Schuppen, sondern Samentaschen. Innen sind sie massiv.“ Die gedrechselten Exemplare hatten ihren Preis: „Sie sind teurer als andere Holzeier der Größe. Schließlich müssen sie um die halbe Erde transportiert werden“, so Hans, der „Holzwurm aus dem Odenwald“.
Die Kälte konnte Karin Oefner aus Herbstein nicht schrecken. Trotz nur weniger Grad über Null griff sie zu Farbe und Pinsel und zeigte im Innenhof, wie sie Mohn- und Kornblumen, Rittersporn und Gänseblümchen, Gräser und Buschwindröschen auf ihren Eiern wachsen lässt. Ebenfalls eine ruhige Hand stellte Roma Fromme-Monsees unter Beweis, die Kalligraphie auf dem Ei demonstrierte. Mit Feder und Schellack beschriftet die Hatzfelderin, die Architektur, Grafik und Kunstgeschichte studiert hat, Eier der verschiedensten Größen mit religiösen und philosophischen Texten. Die besondere Herausforderung sei die Tatsache, dass ihre Leinwand dreidimensional sei. „Der Buchstabe muss Gymnastik machen“, sagte sie. Dass dieses Kunststück auch auf kleinsten ovalen Leinwänden gelingt, zeigte sie an einem Wellensittich-Ei, das sie mit dem Vaterunser beschriftet hat, und einem Tauben-Ei, auf dem das gesamte Glaubensbekenntnis Platz gefunden hat. Passiert ein Fehler, ist ein Neubeginn unumgänglich, denn Schellack lässt sich nicht entfernen. „Aber mir passieren kaum Fehler, denn wenn ich schreibe, bin ich in Meditation, so die Künstlerin.
Wie Eier gefärbt werden können, ohne auf Chemie zurückzugreifen, erläuterte Barbara Schwarz aus Bad Schwalbach. Ein leuchtendes Pink etwa ergibt ein Farbstoff, der aus Koschenille-Schildläusen gewonnen wird, mit Labkraut und Alaun wird gelb gefärbt, Stockrosen ergeben einen bläulichen Farbton und Sandelholz ein schönes Braun. In kleinen Tüten hatte die Färbe-Expertin die Kräuter und Wurzeln verpackt, dazu bekamen die Kunden eine Anleitung. „Ein Rundum-Sorglos-Paket“, so Schwarz.
Während die Eltern in aller Ruhe das vielfältige Angebot betrachteten, konnten die Kinder kreativ werden. Im Innenhof bastelte Holzgestalter Matthias Schmidt aus Schmitten mit den Mädchen und Jungen hölzerne Hasen, Hähne und Schmetterlinge. Etwas wärmer war es in Sulinchens Bastelstube unter dem Museumsdach. Dort konnten die Jüngsten Buchsbaumsträußchen binden, mit bunten Kreppbändern verzieren und das Museumsmaskottchen ausmalen.

 

Taunus Zeitung, 14. Februar 2015

 

Die Großzügigkeit der „Lady Monte Carlo“

Heimatliebe und ein großes Herz ließen Marie Blanc dem kleinen Friedrichsdorf treu bleiben

Von Nina Meier

Was hätte wohl Marie Blanc am Valentinstag verschenkt? Ein Haus, teuren Schmuck, gar ein Schloss? Sie kam zwar aus einfachen Verhältnissen. Aber es kam der Tag, an dem sie großzügige Geschenke machen konnte. Und sie hat ihre Heimat nie vergessen.

Friedrichsdorf. Marie Blanc, geboren Hensel, war nicht nur die „Lady Monte Carlo“, sie war auch eine Friedrichsdorfer Tochter. In Friedrichsdorf wurde sie 1833 geboren. Und sie wuchs in der damals hugenottischen Gemeinde in dem kleinen Häuschen der heutigen Taunusstraße 4 auf. Marie hatte elf Geschwister. Der Vater war Schuster, und die Familie betrieb eine Spinnerei, die aber bald pleite ging.
Marie musste zu Hause viel helfen, so wie es damals üblich war. Sie muss ein braves Mädchen gewesen sein: „Marie war eifrig und fehlte nie in der Schule“, kann heute die Friedrichsdorfer Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich aus Unterlagen folgern.
Dass Marie mal zu Höherem aufsteigen würde, damit war nun erst einmal nicht zu rechnen. Und schon gar nicht damit, dass sie einmal Menschen reich beschenken könnte. Doch ihr Leben veränderte sich, als sie 14 Jahre alt war. Sie brachte die besten Voraussetzungen mit, um als Dienstmädchen zu arbeiten.

Verliebt

Ein Verwandter empfahl sie, und zwar in den Haushalt des Franzosen Francois Blanc. Weil sie aus einer Hugenotten-Familie stammte, sprach die junge Marie Französisch – ein Pfund, mit dem sie wuchern konnte. Der wesentlich ältere Herr Blanc und die junge Marie verliebten sich schließlich ineinander. Francois schickte Marie nach Paris, um sie zur Dame ausbilden zu lassen und heiratete sie, als sie volljährig war. Fortan gehörte Marie zur höheren Gesellschaft, doch das stieg ihr offenbar nicht zu Kopfe. Marie ließ andere an ihrem Wohlstand teilhaben, war sehr großzügig, schenkte ihren Eltern Immobilien und regelmäßig Geld und hielt immer den Kontakt zu ihnen. Auch viele andere Friedrichsdorfer sollen, laut Überlieferung, von ihr Gutes erfahren haben. Ein Valentinstag zu Zeiten der Marie Blanc wäre wohl ein Festtag gewesen. Marie Blanc hätte vermutlich große Freude daran gehabt, anderen eine Freude zu bereiten.
Wie war sie aber zu all dem Reichtum gekommen, der ihr diese Großzügigkeit erlaubte? Ihr Mann war zwar, bevor sie sich kannten, in Bankgeschäften tätig gewesen, kam aber in die Bredouille, als bekannt wurde, dass er Insidergeschäfte gemacht hatte. In Paris wurde ihm der Prozess gemacht, er verlor. „Finanziell war das gar nicht so schlimm, aber sein Ruf als Bänker war dahin“, schildert Dittrich.
Blanc selber kam auf den Trichter, in Bad Homburg eine Spielbank zu eröffnen und setzte dies 1841 in die Tat um. Hessen-Homburg brauchte Geld, eine Spielbank brachte Geld in den Ort. Marie Blanc hatte schließlich die Idee, mit dem Spielbankgeschäft auch in Frankreich aktiv zu werden.
François Blanc erhielt 1863 die 50-jährige Konzession für die Spielbank Monaco. Aus dem einstigen Piratennest wurde ein Pilgerort für Spieler und Vergnügungssüchtige. Die Gegend erblühte, es wurden Straßen gebaut, in Monaco wurde die Steuerfreiheit eingeführt. Die Basis legten die Gewinne der Spielbank, denn die sprudelten enorm. Und umso mehr, nachdem der einstige Homburger Casino-Chef Francois Blanc endgültig mit seiner Familie an die Cote d’Azur gezogen war. Denn Preußen hatte zwischenzeitlich das Glücksspiel verboten. Als eine der reichsten Frauen Europas errichtete sich Marie Blanc eine prachtvolle Welt mit mehreren Schlössern in Paris und der Schweiz. „Ja, so ein sozialer Aufstieg hat schon was“, lächelt Dr. Erika Dittrich.
Durch ihre Kreativität und Geschäftstüchtigkeit unterstützte Marie Blanc ihren Mann in seinen Geschäften, und das in einer Zeit, in der es Frauen nicht einmal erlaubt war, selbst Verträge zu zeichnen. Während sie selbst ihren Wohlstand dem Glücksspiel verdankte, bläute sie ihrer Verwandtschaft ein: Niemals spielen!

Jung gestorben

Als ihr Mann im Alter von 71 Jahren im Jahr 1877 starb, hinterließ er ihr mehr als 170 Millionen Goldfranc. Als Witwe durfte sie die Geschäfte ihres Mannes fortführen und übernahm die Position des Generaldirektors der Casino-Gesellschaft Monte Carlo.
Sie blieb Friedrichsdorf aber stets verbunden, finanzierte unter anderem den ersten Kindergarten und Teile der Kirche. Viel hatte sie aber nicht von all dem Prunk. Sie war nur 48 Jahre alt, als sie vier Jahre nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1881 starb.

 

Taunus Zeitung, 10. Februar 2015

 

Preis der Regionalgeschichte 2015

Rund 80 Teilnehmer erkundeten beim zweiten Regionaltag der Geschichte im Historischen Museum in Frankfurt Archivmaterial zum Ersten Weltkrieg und zu Kriegsdenkmälern. Dabei ging es auch um Friedrichsdorf

Von Gernot Gottwals

Friedrichsdorf/Frankfurt. Heute birgt die einstige Munitionskiste des Instituts für Personengeschichte in Bensheim einen Schatz mit Briefen, Akten und sonstigen Dokumenten zum Ersten Weltkrieg. „Zurzeit liegen wir bei Verdun nördlich von Bras und werden reichlich mit feindlicher Artillerie bedacht“, heißt es 1916 in einem Brief von Hans Schimmelpfennig an Ottilie Hecker. Ihr Nachname lässt sich auch auf der Kiste entziffern. „Denn die Adressatin ist zufällig die Schwester von Adolf Hecker, dem die Munitionskiste gehörte. Doch der war schon 1914 in Nordfrankreich gefallen“, erklärt Anina Künner, Mitarbeiterin am Historischen Museum. Der Erste Weltkrieg hat viele solcher Geschichten zu erzählen. Im Workshop „Feldpostbriefe und andere Dokumente“ gingen rund 30 Teilnehmer des zweiten Tags der Regionalgeschichte im Historischen Museum und Haus am Dom auf Spurensuche zum Thema „Der Erste Weltkrieg in Frankfurt und Rhein-Main“. Zu Beginn beleuchteten die Professoren Christoph Cornelißen und Jürgen Müller Aspekte zur Schuldfrage im Ersten Weltkrieg und zur besseren Versorgungslage in den hessischen Dörfern, während Städte wie Frankfurt von Lebensmittellieferungen oft abgeschnitten waren.

Gewissenskampf

Eine besondere Überraschung unter den fünf Arbeitsgruppen bot der Workshop „Deutschtum oder Franzosenliebe – Friedrichsdorf und der Erste Weltkrieg“ zum gleichnamigen mit dem Preis der Regionalgeschichte 2015 ausgezeichneten Buch. Denn hierin stellte die Leiterin des Stadtarchivs, Heimatmuseums und Philipp-Reis-Hauses in Friedrichsdorf, Erika Dittrich, den Gewissenskampf ihrer Heimatstadt vor, in der viele Nachfahren von Hugenotten noch Französisch sprachen und nun gegen den „Erbfeind“ Frankreich in den Krieg ziehen sollten.
„Für jeden (zivilen) Friedrichsdorfer galt, dass er aus der Not eine Tugend machte und mit Disziplin und Pflichterfüllung die vier Kriegsjahre überstand“, heißt es im Sonderband 7 der Friedrichsdorfer Schriften. „Doch bald galt die Sprache des Kriegsgegners als fremdländisch, und Französisch verschwand später fast völlig aus dem Alltag“, berichtete Dittrich.
Neben städtischen Archiven und Instituten bewahren auch viele Kirchen wie Frauenfrieden in Frankfurt als Gedenk- und Archivstätten das Gedächtnis an den Ersten Weltkrieg. Deshalb stellte das Haus am Dom nicht nur die Seminarräume für die Workshops bereit, sondern organisierte auch einen eigenen Workshop zum Thema „Die Kirchen im Ersten Weltkrieg – Gemeindekirchen geben Auskunft“. Die Leiterin des Diözesanmuseums, Martina Wagner, zitierte aus einer Villmarer Pfarrchronik, nach der ein dortiger Pfarrer noch Messen las und Beichten abnahm, ehe er die Soldaten an die Front verabschiedete.
„Die zeitlichen Sperrfristen, die für Pfarrchroniken gelten, haben für den Ersten Weltkrieg nach 100 Jahren keine Bedeutung mehr“, erklärte die Stadtteilhistorikerin der Polytechnischen Gesellschaft und Pfarrsekretärin von Frauenfrieden, Kerstin Stoffels. „Gewisse Formulierungen sollte man zwischen den Zeilen lesen und auch bei den Fotos auf kleinste Hinweise achten.“

Erinnerungen

Kurator Dominik Burkhard stellte die Frankfurter Abteilung zum Ersten Weltkrieg im Historischen Museum vor, Anna Turré vom Volksbund Kriegsgräberfürsorge und Hans Günter Thorwarth diskutierten über Gedenkstätten und Male im Rhein-Main-Gebiet.
„Neben Frauenfrieden haben wir noch eine Kriegerdedächtniskapelle in Flörsheim, die Schnupperpilger auf dem Jakobsweg dazu anregte, sich über ihre Erinnerungen und Familiengeschichten auszutauschen“, erinnerte Hans Prömper, Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung.
„Wir müssen auch die Gedenkkultur in den Nachbarländern berücksichtigen und uns fragen, ob Gefallenendenkmäler noch zeitgemäß sind“, gab Turré zu bedenken. „Spannend ist immer die Frage, wie die Historiker an ihre Quellen herankommen und die darin beschriebenen Personen mit Leben gefüllt werden“, fand Hans-Dieter Schneider, Teilnehmer des Workshops über Deutschtum und Franzosenliebe. Vor allem dann, wenn der eigene Vater selbst in beiden Weltkriegen kämpfte und man sogar als Kriegswaise aufwuchs.

 

Taunus Zeitung, 31. Januar 2015

Im Range eines Textilzentrums

Von Montag an gibt es im Friedrichsdorfer Rathaus Geschichte zum Anfassen: Die Ausstellung „Krieg und Freiheit“ beleuchtet die „Franzosenzeit und Befreiungskriege“ in der Rhein-Main-Region in den Jahren 1792 bis 1815.

Von Katja Schuricht

Friedrichsdorf. Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich hätte es sich einfach machen können: Einfach nur 16 Bilder- und Textfahnen im oberen Rathausfoyer zu verteilen, und schon wäre die Wanderausstellung zum Thema „Krieg und Freiheit – Franzosenzeit und Befreiungskrieg in der Rhein-Main-Region“ fertig gewesen. Doch das war der Leiterin des Philipp-Reis-Hauses zu langweilig. Also hat sie gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen im Archiv und im Stadtmuseum Ausschau nach passenden Exponaten gehalten und ist fündig geworden.

Schöne Stücke

„So haben wir noch den lokalen Bezug und die regionale Geschichte aus dieser Epoche von 1790 bis 1815 herstellen können und zeigen manche schöne Stücke“, sagt Dittrich. Die historischen Dokumente wie Fotografien, Briefe sowie die Verleihungsurkunde des Stadtwappens und ein Erlass aus dem Jahr 1797, der den Friedrichsdorfern bescheinigt, dass sie von Steuern und Einquartierungen französischer Soldaten befreit werden, zeigen, dass in dieser Zeit in Friedrichsdorf Spannendes passiert ist.

Geist der Freiheit

Doch der rote Faden der Schau ist die Wanderausstellung der „Kulturregion FrankfurtRheinMain“. Sie wurde von der Arbeitsgemeinschaft „Geist der Freiheit – Freiheit des Geistes“ konzipiert, der auch Erika Dittrich angehört. Die Fahnen der Wanderausstellung beleuchten in Schrift und Bild die Geschichte von den Revolutionskriegen 1792 bis zum Wiener Kongress 1815 ebenfalls anhand vieler lokaler Beispiele. Entstanden ist die Dokumentation in Kooperation mit Kommunen, Museen, Archiven und dem Geschichtsverein der Kulturregion.
„Wir haben für die Ausstellung ein echtes Prunkstück aus dem Archiv hervorgeholt“, verrät Dittrich. „Ein weißes Kleid im Empire-Stil aus dem Jahr 1800. Es stammt aus dem Besitz einer Friedrichsdorfer Familie“, erzählt sie.
Die Zeit um 1800 und schon die Zeit davor, erzählt Dittrich, war wirtschaftlich gesehen für Friedrichsdorf eine gute Zeit: „Die Textilherstellung in der französischen Kolonie erlebte ab den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts einen rasanten Aufschwung“, sagt Dittrich. Arbeiteten zunächst nur wenige Meister in dem Bereich der Leinen- und Feinleinenweberei, stellte man sich ab 1740 auf die Fabrikation von Streifenflanell um, so die Stadtarchivarin. „Gemeinsam mit den Strumpfwebern lässt sich ein stetiger Anstieg der ,flanelliers’ in Friedrichsdorf, das 1771 seine Stadtrechte erhielt, nachweisen.“ 1722 waren es noch 22 Flanellmacher, 1801 bereits 74. „In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte die Hugenottenstadt bereits den Rang eines Textilzentrums inne und war zum Mittelpunkt einer blühenden Industrie avanciert“, erläutert Dittrich.
Auch wenn der Textilhandel florierte – mit Ausbruch der Koalitionskriege 1792 hatte das gesamte Taunusgebiet unter den Kriegsfolgen zu leiden. „Regelmäßige Einquartierungen der Franzosen, aber auch Soldaten der alliierten Mächte, belasteten Friedrichsdorf, Köppern, Seulberg und Holzhausen erheblich“, berichtet die Stadtarchivarin. „Und damit nicht genug: Die Einquartierten nahmen mit, was sie brauchen konnten, darunter Kleidung, landwirtschaftliche Geräte und Nahrungsmittel.“
Ab 1797 blieb Friedrichsdorf jedoch von alledem verschont. „Ein Schreiben an den französischen Kommandanten in Friedberg beeindruckte diesen dermaßen, dass er den Ort per Schutzbrief von Steuern und Einquartierungen befreite“, führt Dittrich aus. „In ihrem Brief verwiesen die Nachfahren der Hugenotten auf ihre französische Abstammung und forderten eine Wiedergutmachung für die Leiden ihrer Vorfahren, die wegen ihres Glaubens aus Frankreich vertrieben wurden.“ Dieser Schutzbrief wurde noch zwei Mal verlängert. Erst 1806, als Folge der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation und der damit einhergehenden Neuordnung des Verwaltungssystems, wurden in Friedrichsdorf sämtliche Privilegien der einstigen Glaubensflüchtlinge aufgehoben. „Trotz eines erneuten Schreibens der Friedrichsdorfer an die Darmstädter Regierung mit der Bitte, ihre Sonderstellung zu erneuern, mussten sie bis zum Erlangen der Souveränität der Landgrafschaft 1815 warten, um die entzogenen Befugnisse zurückzuerhalten.“

Bürgermeister Horst Burghardt wird die Schau am kommenden Montag um 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses eröffnen. Magdalena Zeller von der „Kulturregion FrankfurtRheinMain“ wird gemeinsam mit Erika Dittrich eine Einführung geben.

Am Dienstag, 3. März, lädt die Museums- und Archivleiterin Dittrich um 19 Uhr zu einem Vortrag mit dem Thema „Wir sind Frankreich nicht völlig fremd“ ins Rathaus ein.

 

Friedrichsdorfer Woche, 29. Januar 2015

 

Als Mädchen noch kunstvoll ihre Aussteuer gestalteten

 

Friedrichsdorf (fw). Am 25. Januar hat das Heimatmuseum Seulberg den Faden aufgenommen und eine neue Sonderausstellung eröffnet. Unter dem Titel „Gestickte Leidenschaft – Stickmustertücher“ sind bis zum 2. April Kunstwerke junger Mädchen aus zwei Jahrhunderten und damit ein Stück Sozialgeschichte junger Frauen zu sehen.
Lang ist die Tradition, die Aussteuer kunstvoll mit Motiven und Monogrammen zu besticken, erleichterte dies doch beim gemeinsamen Waschen und Bleichen das Wiederfinden. Zahlreiche Schablonen halfen der jungen Hausfrau beim Übertragen der Buchstaben auf den Stoff, wie die reiche Sammlung zeigt, die Inge Rupprecht dem Heimatmuseum Seulberg überlassen hat. Doch waren diese Schablonen ausgesprochen teuer und für ein ansprechendes Äußeres benötigte die Stickerin das handwerkliche Können zum Gestalten der Buchstaben. Diese Fähigkeiten erlernten die zarten Mädchenhände zunächst daheim unter mütterlicher Anleitung oder in Klosterschulen durch die Anfertigung eines eigenen Stickmustertuches. Geduldig übten sich die jungen Damen im Umgang mit Nadel und Faden, indem sie Motive, Buchstaben und Sticktechniken auf feinem Leinen sammelten und verwahrten, um später nach diesen Vorlagen ihre Aussteuer zu gestalten.
Die Ginsheimer Berufsschullehrerin Elke Guthmann, selbst begeisterte Stickerin, sammelt seit rund 30 Jahren mit großer Leidenschaft historische Stickmustertücher, bei denen die Stickerinnen ihrer persönlichen Kreativität freien Lauf lassen durften und daher jedes ein Unikat darstellt. Mittlerweile verfügt sie über 110 Objekte aus zwei Jahrhunderten, von denen rund ein Drittel im Heimatmuseum Seulberg zu sehen ist, die meisten davon erstmals öffentlich.
Sie geben Einblick in die vielfältigen Motive, die von Bibelszenen über Tiere bis zu aufwändigen Landschaftsbildern reichen. In dieser komplexen Symbolsprache – die in der Ausstellung entschlüsselt wird – gibt es je nach Ursprungsregion und –land verschiedene Schwerpunkte. Während in katholischen Landstrichen bunte Farben vorherrschen und viele Symbole der Bibel entlehnt wurden, sind etwa die Stickereien der Friedrichsdorfer Hugenotten wesentlich einfacher gehalten, geprägt vom strengen Bilderverbot des reformierten Glaubens. Dass die Frauen dennoch kunstfertig mit der Nadel umzugehen wussten, beweisen die aus hochwertigen Garnen gefertigten Weißstickereien der Abendmahlstücher. Denn Frauenhände sollten nicht ruhen. Mit der Kaiserzeit kam den Mustertüchern im Lehrplan des Unterrichtsfaches Handarbeit ein wichtiger Stellenwert zu. Mit türkischrotem Wollgarn gestalten auch Seulberger Mädchen ihre Tücher nach den strengen staatlichen Vorgaben, wovon die Exemplare von Margarete Landvogt und Karoline See in der Ausstellung zeugen. In dieser Zeit galt die Maxime: Eine ordentliche Arbeit zeugt von einem lauteren Charakter. Weit hatte man sich inzwischen von den freien Arbeiten des Biedermeiers entfernt, die einen Großteil der Ausstellung ausmachen.
Die Sonderausstellung „Gestickte Leidenschaft – Stickmustertücher“ im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46, ist mittwochs und donnerstags von 9 bis 12.30 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen finden am Aschermittwoch, 18. Februar, und am Dienstag, 17. März, jeweils um 18 Uhr statt. Es wird eine Gebühr von drei Euro erhoben. Am Sonntag, 22. März, zeigt während des traditionellen Ostermarkts im Heimatmuseum die Sammlerin Elke Guthmann an einem eigenen Stand ihre eigenen Arbeiten.
Museumskobold Sulinchen begleitet die Schau mit Kinderveranstaltungen. Am Mittwoch, 25. Februar, wendet sich das Koboldmädchen der lustigen Filzerei zu. Der Tag steht im Zeichen der Freundschaft. Für die Kinderzimmer basteln sich die Kleinen am Mittwoch, 1. März, Sockenpuppen und dürfen mit Sulinchen am Mittwoch, 25. März, endlich bunte Eier mit Naturfarben färben. „Sulinchens Kindereien“ finden jeweils um 15.15 Uhr statt. Es wird ein Teilnehmerbeitrag von drei Euro erhoben. Weitere Auskünfte erteilt Dr. Erika Dittrich unter Tel. 06172-7313100 oder E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de.

 

Taunus Zeitung, 24. Januar 2015

Stichhaltige Arbeitsproben

Um kleine und große Kunstwerke aus bunten Stoffen und Fäden dreht sich die neue Sonderausstellung im Heimatmuseum: Die Schau „Gestickte Leidenschaft – Stickmustertücher“ wird morgen eröffnet.

Von Katja Schuricht

Seulberg. Helma Hohmann musste als Schulmädchen ihre Nähkünste nicht verstecken: Die Seulbergerin, eine geborene Bingenheimer, hatte im Fach Nadelarbeiten stets ein „sehr gut“, wie der Blick auf ihr Zeugnis aus dem Jahr 1952 beweist.
Bestes Beispiel dafür, wie gut sie mit Nadel und Faden umzugehen weiß, ist die immer noch blütenweiße Schürze, die mit blauen und roten Blumen und Herzen verziert ist. Helma Hohmanns Glanzstücke aus dem Handarbeitsunterricht der 1950er Jahre sind in der neuen Sonderausstellung zu bewundern, die morgen um 15 Uhr im Heimatmuseum eröffnet wird.
„Gestickte Leidenschaft – Stickmustertücher“ lautet der Titel. „Wir zeigen Kunstwerke von Mädchen aus zwei Jahrhunderten und bilden damit auch ein Stück Sozialgeschichte junger Frauen ab“, erklärt Dr. Erika Dittrich. Die Stadtarchivarin und Vorsitzende des Vereins für Geschichte und Heimatkunde hat die Sonderschau organisiert.
„Wir haben zwei Schwerpunkte“, erläutert Dittrich. „Zum einen zeigen wir einen Teil der Sammlung historischer Stickmustertücher der Ginsheimer Berufsschullehrerin Elke Guthmann. Zum anderen präsentieren wir Beispiele dieser Handarbeitskunst aus Seulberger Familien, aus der Kaiserzeit bis in die 1950er Jahre“, so Dittrich.
Schon lange besteht der Kontakt zwischen der Sammlerin Elke Guthmann und dem Heimatmuseum. Guthmann ist seit vielen Jahren beim Ostermarkt vertreten und stickt am Markttag in der Schusterstube Weihetücher. Seit 30 Jahren sammelt Guthmann, die als Berufsschullehrerin für Textilgestaltung arbeitet, Zeugnisse dieser verloren gegangenen Welt. „Da sie sich aus Platzgründen von Teilen ihrer Sammlung trennen muss, wollten wir vorher die Gelegenheit nutzen, die schönsten Objekte in einer Ausstellung zu zeigen“, informiert die Museumsleiterin. „Die meisten Stickmustertücher sind erstmals öffentlich zu sehen.“
Bei den historischen Stickmustertüchern, so Dittrich, konnten die Stickerinnen ihrer persönlichen Kreativität freien Lauf lassen. Deshalb ist jede der Arbeiten ein Unikat. „Die Tücher zeigen vielfältige Motive, meist sind es Bibelszenen und Tiere, aber auch Anker oder flammende Herzen, deren symbolische Bedeutung ebenfalls Bezug zur Bibel hat“, erklärt sie. „So steht das flammende Herz für die Liebe zu Christus und der Anker für die Kardinaltugenden Glaube, Liebe und Hoffnung. Diese komplexe Symbolsprache entschlüsseln wir auch in der Ausstellung.“

Bunt oder puristisch

Zu sehen sind in den Vitrinen auch Stickmustertücher aus Italien, England oder Schweden. Je nach Ursprungsregion und -land gibt es dabei verschiedene Schwerpunkte. Dittrich: „Während in katholischen Landstrichen bunte Farben vorherrschen und viele Symbole der Bibel entlehnt wurden, sind etwa die der Friedrichsdorfer Hugenotten wesentlich einfacher gehalten, geprägt vom strengen Bilderverbot des reformierten Glaubens.“
Dass die Puristen unter den Kreativen dennoch kunstfertig mit der Nadel umzugehen wussten, beweisen die aus hochwertigen Garnen gefertigten Weißstickereien der Abendmahlstücher, die man zu besonderen Kirchgängen getragen hat. Je feiner und reicher man die Brusttücher verziert hatte, umso deutlicher war die Botschaft, dass man es zu etwas gebracht hatte.
Mit der Kaiserzeit, so Dittrich, kam den Mustertüchern im Lehrplan des Unterrichtsfachs Handarbeit ein wichtiger Stellenwert zu. „Der Lehrplan verlangte zwei Mustersticktücher: ein Weißsticktuch mit Monogrammen und ein Zeichentuch mit dem Alphabet und mit Zahlen sowie dem eingestickten Namen.“ Mit türkischrotem Wollgarn gestalteten auch Seulberger Mädchen ihre Tücher nach den strengen staatlichen Vorgaben, berichtet die Stadtarchivarin.

Von der Mutter gelernt

Veranschaulicht wird dies dank der Leihgaben der Familien Landvogt und See. „In dieser Zeit galt die Maxime, eine ordentliche Arbeit zeugt von einem lauteren Charakter. Damals hatte man sich von den freien Arbeiten des Biedermeiers entfernt, die jedoch einen Großteil der Ausstellung ausmachen.“
Junge Mädchen mussten schon im Alter von sechs bis 15 Jahren mit Handarbeiten und vor allem dem Sticken der Mustertücher beginnen. „Diese Fähigkeiten erlernten die zarten Mädchenhände zunächst zu Hause unter mütterlicher Anleitung oder in Klosterschulen über die Anfertigung eines eigenen Stickmustertuches“, erklärt Dittrich.
„Die jungen Damen übten sich geduldig im Umgang mit Nadel und Faden, indem sie Motive, Buchstaben und Sticktechniken auf feinem Leinen sammelten und verwahrten, um später nach diesen Vorlagen ihre Aussteuer zu gestalten“, berichtet Dittrich. Die Tradition, die Aussteuer kunstvoll mit Motiven und Monogrammen zu versehen, hatte dabei durchaus auch einen praktischen Wert. „Schließlich erleichterten die Initialen beim gemeinsamen Waschen und Bleichen das Wiederfinden der Wäsche.“ Zahlreiche Schablonen halfen der jungen Hausfrau beim Übertragen der Buchstaben auf den Stoff, wie die reiche Sammlung zeigt, die Inge Rupprecht dem Heimatmuseum überlassen hat.

Die Ausstellung ist mittwochs und donnerstags von 9 bis 12.30 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. In den Ferien bleibt das Museum geschlossen. Auch zu dieser Sonderschau hat das Museumsteam ein Begleitprogramm zusammengestellt: Führungen finden am 18. Februar , 18 Uhr, und am 17. März, 18 Uhr, statt. Die Teilnahme kostet 3 Euro. Am 22. März zeigt Sammlerin Guthmann während des Ostermarkts im Heimatmuseum an einem eigenen Stand ihre Arbeiten.
Weitere Auskünfte erteilt Dr. Erika Dittrich unter der Telefonnummer (0 61 72) 7 31 31 00 oder per E-Mail: erika.dittrich@friedrichsdorf.de.

 

Friedrichsdorfer Woche, 22. Januar 2015

Gestickte Leidenschaft im Museum

 

Seulberg (fw). Am Sonntag, 25. Januar, um 15 Uhr eröffnet Bürgermeister Horst Burghardt im Heimatmuseum Seulberg die neue Sonderausstellung „Gestickte Leidenschaft – Stickmustertücher“.
Einst schufen zarte Mädchenhände aufwendig gestaltete Stickmustertücher, die als sorgsam gehüteter Schatz nur in der eigenen Familie weitergegeben wurden. Als Teil der erzieherischen Ausbildung junger Damen haben die mit Buchstaben und Mustern verzierten Leinen eine lange Tradition. Selbstverständlich auch bei den Seulbergern Mädchen, von denen sich neben zahlreichen Mustertüchern sogar die Zeugnisse, die nicht immer Bestnoten im Fach „Handarbeiten“ zeigen, erhalten haben. Dabei galten die gerahmten Arbeiten doch als Ausweis ihrer Fertigkeiten – immerhin mussten die Mädchen ihre Aussteuer besticken, um sich so auf die Rolle der Hausfrau vorzubereiten. Die Stickmustertücher waren somit weitaus mehr als eine Sammlung von Vorlagen.
Rund 110 Mustertücher aus zwei Jahrhunderten und aus aller Welt umfasst die Sammlung von Elke Guthmann, die zur Eröffnung durch die Ausstellung führt. Durch kostbare Muster- und Modellbücher kann der Besucher die Vielfalt und die Entwicklung der grazilen Handarbeit verfolgen. Die Entschlüsselung der komplexen Symbolsprache der einzelnen Regionen und Länder ist ebenso Inhalt der Ausstellung wie der Übergang zu österlichen Weihekorbtüchern. Selbst in der feinen Kunst geübt, gestaltet Elke Guthmann zur Eröffnung die schönsten Stickereien. In der gemütlichen Museumsklause warten auf den Besucher Kaffee und Kuchen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.
Zu sehen ist die Sonderausstellung bis zum 2. April zu den üblichen Öffnungszeiten mittwochs und donnerstags von 9 bis 12.30 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46. Museumskobold Sulinchen begleitet die Schau mit Kinderveranstaltungen. Am 28. Januar stickt der Kobold um 15.15 Uhr zusammen mit den Kindern tolle Stickbilder. Es war ein Teilnehmerbeitrag von drei Euro erhoben. Weitere Infos bei Dr. Erika Dittrich, Tel. 0672-7313100 oder E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de.

 

Taunus Zeitung, 15. Januar 2015

 

Briefe von der Front

Die Schicksale Friedrichsdorfer Bürger im Ersten Weltkrieg werden in einem neuen Sonderband der „Friedrichsdorfer Schriften“ eindrucksvoll geschildert. Vorgestellt wird das Buch am heutigen Donnerstag von 19 Uhr an im Rathaus von Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) sowie Marianne Peilstöcker vom Arbeitskreis. Alle an Geschichte Interessierten sind eingeladen.

Friedrichsdorf. „Deutschtum oder Franzosenliebe?“ steht mit Fragezeichen über dem 272 Seiten starken Buch, das die Sonderausstellung im Seulberger Heimatmuseum zum 100. Jahrestag des Kriegsbeginns nun erweitert und vertieft. In Wort und zahlreichen Bildern ist nachzuerleben, wie sich die Folgen des Ersten Weltkrieges auf die Menschen auswirkten. Friedrichsdorf bietet hierfür viele Facetten, da seine fünf damals selbstständigen Ortsteile recht verschieden waren, teils noch ländlich geprägt wie Seulberg, Dillingen und (Burg)Holzhausen, teils aber auch schon gewerblich-industriell wie Köppern und Friedrichsdorf selbst. So leitet denn das Kapitel „Friedrichsdorf im Aufschwung“ den Band auch ein.

Zwei Jahre Recherche

Zwei Jahre lang recherchierten acht Mitglieder des Arbeitskreises „Friedrichsdorfer Geschichte“ gemeinsam mit der Leiterin des Stadtarchivs, Dr. Erika Dittrich, bei monatlichen Treffen in den Räumen des Archivs das reiche Quellenmaterial und werteten es aus. Dies galt vor allem für die vielen Feldpostbriefe und Tagebücher aus Privatbesitz, durch die das Leben unter Kriegsbedingungen sowohl im zivilen wie militärischen Bereich an Authentizität gewinnt. „Vor allem wurde deutlich, wie bald sich die Kriegsbegeisterung in Kriegsmüdigkeit verwandelte“, erklärt Dittrich. „Sogar von ,Menschenopfern’ war die Rede.“ Überrascht waren Dittrich und die Mitglieder des Arbeitskreises darüber, wie viel Material aus den Kriegszeiten gefunden wurde. „Wir haben nicht nur das Archiv zu Rate gezogen, sondern auch bei einigen Privatpersonen nachgefragt“, sagt Dittrich.
Besonders bemerkenswert sind der Erfahrungsbericht des Seulbergers Philipp Hennemann über seine Gefangenschaft in Russland und die grausigen Tagebucheinträge des Friedrich van Basshuisen an der Westfront, die im neuen Buch erstmals vollständig veröffentlicht werden. Hinzu kommt die Sonderstellung der Kernstadt als Gründung protestantischer Glaubensflüchtlinge aus Frankreich. Es führt zu der Frage, ob der Krieg gegen den „Erbfeind“ ihre Nachfahren in einen Gewissenskonflikt zwischen französischer Herkunft und deutscher Heimat stürzte.
Während die Menschen zu Hause unter Hunger und Entbehrungen litten, galt ihre Hauptsorge dem im Felde stehenden Vater, Sohn oder Ehemann. Mit den wiederkehrenden Soldaten kamen dann die Soldaten- und Arbeiterräte, deren primäre Sorge die Probleme der Ernährung der Bevölkerung war. Dittrich: „Kaum noch bekannt ist, dass es in Friedrichsdorf sogar einen ‚Kommunistenaufstand’, gab, der mit Waffengewalt niedergeschlagen wurde. Nach nur 20 Minuten war der ganze Aufstand aber auch schon wieder vorbei.“
Es ist die biografische Nähe zu den Menschen, die dieses Buch auszeichnet. Fernab strategischer Militärhistorie erzählen ausgewählte Einzelschicksale und 300 Fotos beeindruckende Geschichte(n) aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Krankenschwester Anna Gauterin kommt ebenso zu Wort wie Langemarck-Kämpfer Fritz Levermann – sogar ein Spion wird enttarnt.

Bewegende Briefe

Bewegende und unzensierte Briefe schrieb Charles Rees aus Verdun seiner Familie nach Friedrichsdorf. Den Schwerpunkt aber bildet die Heimatfront, für die Lehrer Wilhelm Gruner steht. Mit Hurra zogen elf seiner Schüler nach dem Augusterlebnis sogleich in die Schlacht. Jeder sechste der gut 1200 aus der Gesamtstadt Eingezogenen kehrte nie zurück, und wer überlebte, war für immer an Körper und Seele gezeichnet. „Kriegszitterer“ kamen in Nervenheilanstalten, um sie mit brachialen Methoden wie Elektroschocks und Exerzieren zu „behandeln“.
Auch dieses wenig bekannte Kapitel ist Gegenstand der Gesamtbetrachtung Friedrichsdorfs in den schicksalhaften Jahren 1914 bis 1918 und darüber hinaus. Nicht genug, dass die Ernährung problematisch blieb, die tiefgreifenden Folgen, insbesondere die inflationsbedingte Enteignung fast aller Deutschen, sollten sich ja erst danach zeigen.

Das mit 300 Originalfotos bebilderte und grafisch aufwendig gestaltete Buch kann für 15 Euro an der Information im Rathaus, im Stadtarchiv sowie den Museen der Stadt erworben werden. Weitere Infos erteilt Dr. Erika Dittrich unter der Telefonnummer (0 61 72) 7 31 31 00 sowie per E-Mail an erika.dittrich@friedrichsdorf.de

 

Friedrichsdorfer Woche, 15. Januar 2015

 

Ganz nah an den Kriegsschicksalen dran

Friedrichsdorf (fw).

„Deutschtum oder Franzosenliebe?“ steht mit Fragezeichen über dem 272-Seiten starken Buch, das die eindrucksvolle Sonderausstellung im Seulberger Heimatmuseum zum 100. Jahrestag des Kriegsbeginns erweitert und vertieft. Das Stadtarchiv hat für Donnerstag, 15. Januar, um 19 Uhr zur Vorstellung des siebten Sonderbands der „Friedrichsdorfer Schriften“ in das Rathaus eingeladen.

In Wort und zahlreichen Bildern ist nachzuerleben, wie sich die Folgen des vierjährigen Waffengangs auf die Menschen auswirkten. Friedrichsdorf bietet hierfür viele Facetten, da seine fünf damals selbständigen Ortsteile recht verschieden waren, teils noch ländlich geprägt wie Seulberg, Dillingen und (Burg-)Holzhausen, teils aber auch schon gewerblich-industriell wie Köppern und Friedrichsdorf selbst. So leitet denn das Kapitel „Friedrichsdorf im Aufschwung“ den Band auch ein.
Der Arbeitskreis Friedrichsdorfer Geschichte, für den Marianne Peilstöcker bei der Buchvorstellung neben Bürgermeister Horst Burghardt ein Grußwort an alle Geschichtsinteressierten richtet, hat zwei Jahre lang gemeinsam mit Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich im Stadtarchiv recherchiert und das reiche Quellenmaterial erstmals zur Auswertung herangezogen. Dies gilt natürlich erst recht für die vielen Feldpostbriefe und Tagebücher aus Privatbesitz, durch die das Leben unter Kriegsbedingungen sowohl im zivilen wie militärischen Bereich an Authentizität gewinnt. Bemerkenswert der Erfahrungsbericht des Seulbergers Philipp Hennemann über seine Gefangenschaft in Russland oder die grausigen Tagebucheinträge des Friedrich van Basshuisen an der Westfront, die erstmals vollständig veröffentlicht werden.
Hinzu kommt die Sonderstellung der Kernstadt als Gründung protestantischer Glaubensflüchtlinge aus Frankreich. Hier ist zu fragen, ob ihre Nachfahren der Krieg gegen den „Erbfeind“ in einen Gewissenskonflikt zwischen französischer Herkunft sowie deutscher Heimat stürzte. Während die Menschen zuhause selbst unter Hunger und Entbehrungen litten, galt ihre Hauptsorge dem im Felde stehenden Vater, Sohn oder Ehemann. Mit den wiederkehrenden Soldaten kamen dann die Soldaten- und Arbeiterräte, deren primäre Sorge die Probleme Ernährung der Bevölkerung war. Kaum noch bekannt ist, dass es in Friedrichsdorf sogar einen „Kommunistenaufstand“ gab, der mit Waffengewalt niedergeschlagen wurde. Hoffnungsvoll endet das Buch dann mit einer kirchlichen Stiftung des Julius Foucar, die noch heute in der Köpperner Kirche an die Kriegsjahre erinnert.
Es ist die biographische Nähe zu den Menschen, die dieses Buch auszeichnet. Fernab strategischer Militärhistorie erzählen ausgewählte Einzelschicksale und 300 opulente Fotos vielfältig und spannend Geschichte(n) aus der Zeit des Großen Kriegs. Krankenschwester Anna Gauterin kommt ebenso zu Wort wie Langemarck-Kämpfer Fritz Levermann – sogar ein Spion wird enttarnt. Bewegende und unzensierte Briefe schrieb Charles Rees aus Verdun seiner Familie nach Friedrichsdorf. Schwerpunkt aber bildet die Heimatfront, für die Lehrer Wilhelm Gruner steht. Mit Hurra zogen elf seiner Schüler nach dem Augusterlebnis sogleich in die Schlacht. Jeder sechste der gut 1200 aus der Gesamtstadt Eingezogenen kehrte nie zurück und wer überlebte, war für immer an Körper und Seele gezeichnet. „Kriegszitterer“ kamen in Nervenheilanstalten, um dort mit brachialen Methoden wie Elektroschocks und Exerzieren „behandelt“ zu werden. Auch dieses wenig bekannte Kapitel ist Gegenstand der Gesamtbetrachtung Friedrichsdorf in den schicksalhaften Jahren 1914 bis 1918 und darüber hinaus. Nicht genug, dass die Ernährung problematisch blieb, die tiefgreifenden Folgen, insbesondere die inflationsbedingte Enteignung fast aller Deutschen, sollten sich ja erst danach zeigen.
Das mit 300 Originalfotos bebilderte und grafisch aufwendig gestaltete Buch umfasst 272 Seiten und kann für 15 Euro an der Information im Rathaus, im Stadtarchiv sowie den Museen der Stadt erworben werden. Weitere Informationen gibt es bei Dr. Erika Dittrich unter Tel. 06172-7313100 oder E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de.

 

Taunus Zeitung, 5. Januar 2015

 

Mehr als ein nüchterner Chronist

Heute vor 150 Jahren wurde Wilhelm Gruner geboren. Zum Jahrestag blickt Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich für die TZ auf Leben und Werk des 1956 verstorbenen Heimatforschers und Ehrenbürgers zurück.

Friedrichsdorf. „5. Januar 1915: militärischer Kraftwagenverkehr auf der Holzhäuser Landstraße, 50 Jahre alt“ – diese karge und emotionslose Tagebuchnotiz an seinem 50. Geburtstag ist charakteristisch für Wilhelm Gruner. Sie entspricht ganz dem hugenottischen Geist, dem er sich verpflichtet fühlte.
Dabei wurde er in Köppern geboren, genauer: Das Licht der Welt erblickte Gruner am 5. Januar 1865 in der Tannenmühle, die nach seiner Familie auch Grunermühle genannt wird. Nach dem Besuch der dortigen Volksschule wechselte er später an die kostspielige Privatschule Institut Garnier in Friedrichsdorf. Seine Ausbildung setzte er am Lehrerseminar in Friedberg fort.
Nachdem er seine Lehrbefähigung in (Burg)Holzhausen, Bad Nauheim und Lollar bewiesen hatte, erfolgte 1889 endlich der Ruf an seine alte Schule, das Institut Garnier, an der er 38 Jahre lang Mathematik und Geschichte unterrichtete. Seine Vorgesetzten, Dr. Karl Schenk und Prof. Dr. Ludwig Proescholdt, lobten ihn als einen Pädagogen, der es verstehe, „mit Güte und großem Verständnis für die Jugend die ihm anvertrauten Schüler in jeder Hinsicht zu fördern“. Immer wieder unternahm der Lehrer mit seinen Schülern Streifzüge durch den Taunus, um die Flora bis ins Kleinste zu erforschen.
Seine größte Leidenschaft aber war die Geschichte, vor allem die seiner Heimat. Er interessierte sich für die Mühlen in Köppern, für mittelalterliche Urkunden Rodheims oder Seulbergs. Ganz besonders aber schenkte er seine Aufmerksamkeit der hugenottischen Vergangenheit Friedrichsdorfs. Eifrig trug er zusammen, was er in Archiven und Zeitungen aufstöberte. Rund 80 Schulkladden füllten am Ende seine heute im Stadtarchiv verwahrten Abschriften, in einer Zeit, als es noch keinen Fotokopierer gab.
Was auf den ersten Blick erratisch wirkt, erweist sich inzwischen als wertvolle Quelle für heimatkundliche Recherchen, nachdem im vergangenen Jahr in mühevoller Kleinarbeit der „Arbeitskreis Friedrichsdorfer Geschichte“ die eng beschriebenen Seiten auswertete und ein Inhaltsverzeichnis erstellte. Denn inzwischen existieren viele der von ihm eingesehenen Schriftstücke nicht mehr im Original, darunter etwa einige aus dem Staatsarchiv Wiesbaden, die fatalerweise im Zweiten Weltkrieg während der Auslagerung bei Bombenangriffen zerstört wurden.
Gruner selbst führte im August 1949 den französischen Militärgouverneur General König bei dessen Besuch durch die „colonie française“, zeigte ihm die Kirche sowie die französischen Inschriften auf dem Friedhof. Dort ehrte er stets mit besonderer Aufmerksamkeit den Telefonerfinder Philipp Reis, über den Gruner alles sammelte, was in seine Finger kam. Auch hatte er sich sehr für dessen verarmte Familie sowie den Erhalt des Hauses tatkräftig eingesetzt, durfte sogar die von Reis’ Witwe und Tochter verwahrten Unterlagen einsehen und für das Archiv sichten.

Kurz und knapp

Doch widmete sich Gruner nicht nur alten Urkunden, sondern führte innerhalb seiner Abschriften bis in sein Sterbejahr hinein eine eigene Chronik. Knapp notierte er darin aktuelle Ereignisse: „18. September 1910: Der Zar und der Großherzog von Hessen in der Gartenwirtschaft zum weißen Turm.“ Gerne hätte man einen ausführlicheren Bericht solcher Begebenheiten gelesen, doch das war seine Sache nicht. Nahezu unbeteiligt und emotionslos scheinen seine kontinuierlichen Einträge. Wertungen überließ Gruner lieber der Nachwelt. Eine Ausnahme bilden grundsätzliche Überlegungen wie die, die er gegen Ende des Krieges in eines der Schulhefte schrieb: „Viele Leute sind in den Kriegsjahren erstaunlich gealtert. Sind wir auch erfahrener geworden?“
Gerade für die Zeit des Ersten Weltkrieges sind seine Aufzeichnungen von Bedeutung, da er sich zudem um Feldpostbriefe und Karten bemühte, die er ebenfalls sorgfältig in gesonderte Hefte eintrug. Eigene Beobachtungen ergeben eine private Chronik und damit einen authentischen Einblick in die Situation an der Heimatfront mit den immer geringer werdenden Rationen. Wie mühselig die Beschaffung von Nahrungsmitteln und das Hamstern wurden, veranschaulichen die gewissenhaft angegebenen Mengen erworbener Vorräte. Kein Wunder also, dass ihn die Stadtverwaltung in eine Kommission berief, die unter anderem das mit viel Sorgfalt angefertigte Ehrenbuch für die Friedrichsdorfer Soldaten des Großen Krieges verfasste, das derzeit im Rathaus ausgestellt ist.
Immer wieder suchte bei Gruner Rat, wer sich mit der Heimatgeschichte befasste, darunter auch seine ehemaligen Schüler Emil Constantin Privat, Lederfabrikant und Autor des Buches „Hugenottisches Lebens“, oder Albert Maurer. Wenn er selbst auch keine eigene größere Publikation vorlegte, würdigte die Stadt Gruners reges Schaffen und die Bemühungen um die Heimatgeschichte 1955 mit der Verleihung des ersten Ehrenbürgerbriefes. Bereits 90 Jahre alt, erfreute er sich noch bester Gesundheit und tätigte noch immer die Einkäufe der Familie. Ein Jahr später, am 12. März 1956, verstarb Wilhelm Gruner im Alter von 91 Jahren.