Heimatmuseum Seulberg

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Spuren jüdischen Lebens in Seulberg

Spuren jüdischen Lebens in Seulberg

Die Geschichte der Juden in unserer Gegend beginnt mit dem kaiserlichen Erlaß von 1335,
der den Herren von Eppstein die Ansiedlung von zehn Juden „in Burg und Tal“ erlaubte.
Bereits seit 1236 waren alle Juden als „königliche Kammerknechte“ unterstellt und ihnen
gegen eine gewisse Zahlung Schutz vor Verfolgung gewährt worden. Diese lukrative
Einnahmequelle nutzten später viele Ortsherren, so auch in Homburg.
Erst 1828 wurde jüdischen Mitbürgern in der Landgrafschaft das Schutzgeld erlassen.
Bürgerrechte erhielten sie erst 1848.


Nayum, Meyer, Massaumb, Abraham, Beer, Eisweiler, Mendele und Gombrecht, Lichtenstein -
Steuerregister überliefern die örtlichen Familiennamen. Bis in das 17. Jahrhundert hinein
unterschied man selten zwischen Vor- und Nachname, es genügte die Beifügung „der Judt“.
Erst ab dem 18. Jahrhundert reichte diese Unterscheidung wegen der reichen
Nachkommenschaft nicht mehr aus.

Viehhändler und Lumpensammler
Haupterwerb bot das Handwerk, einige waren Glaser und sogar Büchsenmacher, waren Metzger,
viele Viehhändler, Seifensieder, Schneider und Schuhmacher. Erst seit dem 18. Jahrhundert lebten
viele vom Makeln, besonders vom Handel mit Edelmetallen und dem Geldwechsel. Nachdem in Köppern
Papier hergestellt wurde, war der Lumpensammler ein begehrter (Neben-)Beruf.

„Ich gehe nach Schul“
Von 1790 bis 1866, zu dieser Zeit lebten elf jüdische Familien im Ort, bestand eine unabhängige
Synagogengemeinschaft, die sich im Haus Alt-Seulberg 38 traf. Schon 1844 beantragte die Gemeinde
selbst deren Auflösung wegen mangelnder Einrichtung und ärmlicher Verhältnisse, doch wurde dieses
Gesuch abgelehnt. Nicht gezahlte Beiträge wurden bei den Familien Aumann (1860) und Lang (1866)
gleich mehrfach gepfändet. Gemeindeordnungen achteten darauf, dass der christliche wie auch der
jüdische Feiertag nicht gestört wurde. Nur 1860 störten die „jüdischen Einwohner Jakob Moses Haas
und sein Sohn Markus den israelitischen Gottesdienst“.  
Die „Schul“ besuchten auch die Köpperner Juden, während die Burgholzhäuser – die auch einen eigenen
Friedhof besaßen - nach Rodheim gingen.


Friedhof

Am Rande des Hardtwalds liegt idyllisch der Jüdische Friedhof mit seinen noch 199 erhalten Grabsteinen
des 18. und 19. Jahrhunderts. Erwähnt wird er erstmals 1580. Nachdem die Homburger Kultgemeinde
1690 zwei Morgen Acker zur Erweiterung gekauft hatte, erhielten sie von Landgraf Friedrich II. die Erlaubnis
zur Anlage eines Friedhofes für alle Juden des Amtes. Ihnen war sogar gestattet, „ausländische Juden“
zu bestatten. Tatsächlich nennen einige Grabinschriften Frankfurt und an der Lahn gelegene Orte.
Die Kosten für ein Kindergrab lagen bei einem halben Gulden, für das eines Erwachsenen bei einem Gulden.
Das Aufstellen eines Grabsteines musste extra bezahlt werden.
Bereits die 1684 erlassene Judenordnung erlaubte, den Friedhof mit einem Zaun samt Tor zu umschließen,
doch sollte die Hecke nicht über einen Meter hoch werden.