Heimatmuseum Seulberg

Sulinchen macht Spass!

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Von Suleburc nach Seulberg


Von Suleburc nach Seulberg

767/8 Suleburc, 783 Sulenburc, 784 Suleburc,
821 Suleburc, 849 Sulenburc, 947 Suleburc,
1290 Sulburc, 1311 Suleburch, 1329 Sulburg,
1321 Zulborc, 1333 Sulburg, 1346 Seulburg,
1357 Sulburg, 1364 Sulleburg, 1388 Sulburc,
1380 Sulberg, 1423 Sulburc, 1448 Seulberg,
1446 Seulberg-Erlenbacher Mark, 1486 Sulburg,
1586 Seulbergk

Viele Namen, ein Ort. Seit dem 8. Jahrhundert änderte sich die Schreibweise von „Seulberg“ oft.
Aber noch in der heutigen Sprachform klingen die Anfänge nach, als die befestigte Siedlung in einer
feuchten Niederung entstand und vermutlich in Anlehnung an das althochdeutsche „sul“ - für Schlammloch –
benannt wurde.

Seulberg – eine runde Sache

Nahe des Seulbachs entstanden im Frühmittelalter einige Hofgruppen.
Den Kern dieser Gemarkung bildete das erstmals im Jahre 767 genannte „Suleburc“.
Weitere Höfe lagen bachabwärts am Zusammenfluss von drei Quellarmen,
während am Oberlauf Wilkenshausen sowie Tulingen (Dillingen) erwuchsen.

Zuflucht fanden die Bewohner in einem wallumwehrten Wohnturm (Motte).
Sein Standort ist im Bereich der Schnepfenburg zwischen Friedrichsdorf und Dillingen zu suchen.
Anders als einige der später wieder aufgegebenen Siedlungen entwickelte sich Seulberg
zu einem Dörfchen, dessen Rundform durch die Lage an einer Schleife des Seulbachs
vorgegeben war. Neben diesem natürlichen Wassergraben schützte eine Befestigung
das Gemeinwesen. Auf einer hochwasserfreien Anhöhe bildeten nach und nach Kirche,
Herrenhof und Friehof (Deutsches Haus) den Ortsmittelpunkt.

 

Als Suleburc wird 767 Seulberg erstmals im „Codex Laureshamensis“, dem handschriftlichen Urkundenbuch des Klosters Lorsch, erwähnt: Für sein Seelenheil schenkt Aliulf dem Heiligen Nazarius seine Güter im Niddagau, in Seulberg und Bockenheim .

 

Herren kommen und gehen

Die wachsende Bedeutung Seulbergs spiegelt seine häufige Nennung in mittelalterlichen Urkunden,
vor allem zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert. Seulberg gehörte, wie auch Köppern und (Burg-)Holzhausen,
zum Niddagau und kirchlich zum Archidiakonat St. Peter in Mainz.

Mit dem Erstarken von Territorialherren erging es den Seulbergern nicht anders wie den meisten Menschen
– sie wurden zum Spielball auswärtiger Mächte. Auch wenn die Gemeinde über Jahrhunderte eng mit dem
Schicksal des nahen Homburg verbunden war, bestimmten auch hier Besitzwechsel, Verpfändungen
oder Güterverkäufe den Werdegang.

Nach der Sicherung mit Wassergraben und Verhau durch Ritter Wortwin zu Hohenberg, dem Erbauer der Burg
in Homburg, kam Seulberg mit deren Verkauf um 1200 an die Herren von Eppstein. Unter ihnen wurde der Ort
weiter ausgebaut und eine gewisse Selbstständigkeit zugestanden. Rechts- und Gemeindeangelegenheiten
verhandelte man im Spill- oder Rathaus. Jetzt hatten die Seulberger auch das Privileg, bei Gefahr hinter
der Frankfurter Stadtmauer Schutz zu suchen. Allerdings musste man hierfür beim Reinigen der Befestigungsgräben
mitwirken. Jährlich wurde das Schutzrecht gegen eine Gebühr erneuert, bis es 1483 verloren ging.

Über eine Pfandschaft gelangte Seulberg später an die Grafen von Hanau (1487), nur um bald,
im Gefolge der Pfälzischen Fehde 1504, an die Landgrafschaft Hessen weitergereicht zu werden.
Nach dessen Teilung 1567 kam Seulberg zu Hessen-Darmstadt und 1622 zu deren Homburger Nebenlinie,
wo es bis 1866, dem Ende der Landgrafschaft Homburg, verblieb.

 

Rekonstruktion des Untertors

Zwei Tore sicherten bis ins 19. Jahrhundert das durch Gebück und Graben geschützte Seulberg.
Den Hauptzugang bildete das 1588 erneuerte Untertor, bestehend aus einem Turm samt
zweigeschossigen Tor. Fußgängern stand die Kleinpforte mit Drehkreuz tagsüber offen,
Wagen passierten das große Tor. Darüber lag die Wachstube. Später wurde die Wohnung
vermietet, zuletzt an eine jüdische Familie.

Durch die sogenannte Wassertüre floss die in den Seulbach mündende Weethe.
Der aus Feldsteinen aufgemauerte Turm galt als brandsicher und beherbergte deshalb eine Schmiede.
Zuletzt betrieb sie Georg Isslaub. Als die Pforte abgebrochen werden sollte, erhob er,
Vater von sieben Kindern, Einspruch. Doch als Isslaub 1834 seine Familie verließ,
stand dem Abbruch nichts mehr im Wege.