Heimatmuseum Seulberg

Sulinchen macht Spass!

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Rohrstock, Tintenfass und Einraumklasse

Rohrstock und Tintenfaß

Seit wann Seulberger Kinder regelmäßig die Schulbank drückten, ist nicht bekannt. Die Erwähnung
einer Schule 1570 gibt einen ersten Hinweis. Genannt ist sie im Zusammenhang mit dem obligaten
Grenzgang, bei dem Jung und Alt gemeinsam die Gemeindegrenze abschritten, um sich deren
Verlauf einzuprägen. Das zu wissen war so wichtig wie Rechnen und Schreiben. Schließlich konnte
schon die Nachbargemeinde „Ausland“ sein.

 

Ein neues Schulhaus kaufte die Gemeinde 1646 – es diente zugleich als Rathaus - (heute das Heimatmuseum),
und kurz darauf hören wir erstmals von Schülern. Wie die Protokolle überliefern, wurden bei den Hexenprozessen
(1652 bis 1656) Kinder zu Verhören aus dem Unterricht geholt. Sie waren gemeinsam in einem Raum untergebracht.
Bis Ende des 19. Jahrhunderts gab es nur eine Klasse für alle Altersstufen und einen Lehrer. Erst als die Schülerzahlen
stiegen, unterrichteten drei Pädagogen. Wegen des erhöhten Raumbedarfs zog man 1898 in das neue Schulgebäude
in der Herrenhofstraße (jetzt Vereinshaus). Heute besuchen rund 350 Schüler die Hardtwaldschule.

 

 

Talentiert aber arm – die Lehrer

Obgleich Lehrer früher viele Begabungen haben mussten und als wichtige Vertreter der Obrigkeit dienten,
lebten sie in äußerst bescheidenen Verhältnissen. Als Angestellte der Gemeinde erhielten sie zwar eine
(kleine) Dienstwohnung, entlohnt wurden sie aber noch bis ins 19. Jahrhundert überwiegend mit Naturalien.
Zur Aufbesserung der Einkünfte dienten die Pädagogen deshalb in der Kirche als Glöckner, Organist und Vorsänger.
Außerdem hatten sie, wie in Seulberg, das Rügenregister zu führen, begleiteten „öffentliche Leichen“ und bedienten
die Mehlwaage. Nur mit Privatunterricht sowie eigenem Gemüseanbau und dem Halten von Haustieren konnten Lehrer
ihre häufig vielköpfigen Familien ernähren.

Entsprechend war der Spott:

 

„Des Sonntags ist er Organist,
des Montags fährt er seinen Mist,
des Dienstags hütet er die Schwein,
das arme Dorfschulmeisterlein.“