Heimatmuseum Seulberg

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30-jähriger Krieg

Greuel ohne Ende

„Sie haben ubel mit ihme gehauset“

Bis zum Dreißigjährigen Krieg blieb Seulberg von militärischen Auseinandersetzungen verschont, wenn es auch gelegentlich zu Requirierungen durchziehender Truppen kam. Mit Beginn des großen Religionskrieges 1618 verschärfte sich die Lage und artete schließlich in eine nicht endende Abfolge von Drangsal und Willkür aus. Es half auch nicht, dass sich die (evangelische) Landgrafschaft Homburg formal für „neutral“ erklärt hatte. Beide Parteien, die kaiserlich-katholische wie die protestantische, standen sich in ihrer Rücksichtslosigkeit nicht nach. Laut dem Satz „Krieg ernährt den Krieg“ wurden die Menschen ausgepresst, Dörfer niedergebrannt, Vieh und Ernten vernichtet. Seuchen wie die Pest entvölkerten zusätzlich ganze Landstriche.

Erstmals wütete 1622 die Kriegsfurie in Gestalt des Herzogs Christian von Braunschweig in Seulberg. Dem Ruf als „toller Christian“ machte er unrühmliche Ehre:

Schutzbriefe missachtend, plünderten seine 2 000 Mann die Gehöfte aus, selbst Kirche und Rathaus blieben nicht verschont. „Ubel gehauset“ hätten sie, heißt es in Seulberger Chroniken. Das restliche Vieh stahlen andere Truppen ein Jahr später. Als dann Soldaten des kaiserlichen Generals Tilly hier Winterquartier nahmen, mussten für ihre Verpflegung eigens Rinder angekauft werden. Die Herausgabe versteckter Ersparnisse erzwang man.

Noch härter traf es Seulberg im April 1626. Die Soldateska „welscher“ Herkunft nahm unter brutaler Gewaltanwendung alles nur irgend Transportable mit - was eine kurz darauf durchziehende Kompanie nicht hinderte, für drei Tage Proviant und Kleidung einzufordern. Aller materiellen Güter beraubt, waren die Dorfbewohner in den Folgejahren gezwungen, den Regimentern ihre Ernteerträge auszuliefern. Das Übriggebliebene fiel einer Mäuseplage zum Opfer. Von den Nagern wurde schließlich die Pest auf die entkräfteten Menschen übertragen. In den 56 noch stehenden Gebäuden Seulbergs lebten 1634 kaum mehr als 50 Personen.

An Feldbestellung war nicht zu denken. Die restlichen Bewohner mussten sich 1638 gar hinter die schützenden Mauern von Homburg begeben. Ein zaghafter Neuanfang mit dem Ankauf von Saatgut und Ochsen ward bald wieder von versprengten schwedischen Truppen zunichte gemacht. Den Spuk erledigten kaiserliche Verbände, nicht ohne das Zurückgelassene mitzunehmen. Das Morden und Brennen beendete erst der Westfälische Frieden von 1648. Allerdings dauerte es Jahrzehnte, bis die Kriegsfolgen in Seulberg überwunden waren.

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