Heimatmuseum Seulberg

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Ausstellungen

Hanf - Ein besonderer Stoff

Hanf
Ein besonderer Stoff

Sonderausstellung über eine alte Kulturpflanze

30. August bis 24. Dezember

 

Als eine der ältesten Kulturpflanzen wuchs Hanf noch bis in das beginnende 20. Jahrhunderts auf unseren Feldern. Dann schoben Baumwolle und Holz den Hanf vom Markt; verdrängten synthetische Präparate Cannabis aus der Medizin – seine industrielle Verwertung wurde unrentabel. In Form von Haschisch oder Marihuana geriet er in den 30er Jahren dann endgültig in Verruf.
Dabei bauten bereits vor 12 000 Jahren Perser und Chinesen Hanf als Getreide an. Der Samen wurde gegessen, aus den Fasern Kleidung und Papier hergestellt. Darauf druckte sogar Gutenberg 1455 seine erste Bibel. Als Kolumbus 1492 Amerika entdeckte, bestanden Segeltuch und Tauwerk der Schiffe aus dem besonderen Stoff. Und sogar der in die USA ausgewanderte Bayer Levi Strauss produzierte 1870 seine erste Jeans aus Hanf. Mit der Industrialisierung aber begann der Niedergang der Kulturpflanze, denn damals konnte sie noch nicht maschinell geerntet und gebrochen werden.
Das rauschfördende Cannabis wurde noch im 19. Jahrhundert als Genussmittel konsumiert, das zur Entspannung und Regeneration beitrug, wie Wilhelm Buschs Bildergeschichte „Krischan mit der Piepe“ zeigt. Noch 1860 gehörte Ahornsirup-Haschisch-Konfekt zu den beliebtesten Süßigkeiten der USA: Cannabis-Extrakte boten alle Apotheken an und wurde Kindern regelmäßig verschrieben. Obwohl seine Rauschwirkung bestens bekannt war, galt Cannabis als stimulierendes, aber auch beruhigendes Präparat, die antibakterielle Wirkung des Haschischs als probates, antiseptisches Mittel.
Gerade in den letzten Monaten keimt erneut die Diskussion um einen legalen Anbau und inzwischen auch Genuss auf. Dabei werden die Pflanzen nach ihrem THC-Gehalt (Tetra-hydro-cannabinol) unterschieden, die Grundlage für halluzinogene Drogen. Keine Rauschmittel liefert der Faserhanf, aus dem sich Dämm- und Isolierstoffe ebenso gewinnen lassen wie Textil- und Papierprodukte. Der proteinreiche Samen bietet Basis für kosmetische Präparate ebenso wie für Nahrungsmittel. Die Faser indes ist ungewöhnlich elastisch, reißfest und haltbar, was gerade Automobilkonzerne, inzwischen die größten Hanf-Abnehmer, für Innenverkleidungen schätzen. Im Gegensatz zu aus Holz gewonnenem Papier hat das aus Hanf eine höhere Wertig- und Haltbarkeit: Es vergilbt so gut wie nicht. Nach einem Jahrhundert der Verdrängung dringt die Nutzpflanze als Ökowunder wieder vermehrt ins öffentliche Bewusstsein.

 

Eröffnung

am Sonntag, 30. August, um 15 Uhr im Heimatmuseum Seulberg

Einführung in die Ausstellung mit Dr. Erika Dittrich. Als Rahmenprogramm präsentiert Petra Rusch von Cannamoda einige Stücke aus ihrer Kollektion und verschiedene Leckereien aus Hanf.
Für das weitere leibliche Wohl sorgen Kaffee und Kuchen in der Museumsklause.

Der Eintritt ist frei.

 

Führungstermine

Mittwoch, 16. September um 18 Uhr
Dienstag, 8. Oktober um 18 Uhr
Donnerstag, 19. November um 18 Uhr
Montag, 21. Dezember um 18 Uhr