Heimatmuseum Seulberg

Sulinchen macht Spass!

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Presse 2013

Presse 2015

Taunus Zeitung, 27. Juni 2015

 

Philipp-Reis-Schule: Schüler tauchen in die Welt der Hugenotten ein

Ist die Thematik „Migration und Integration“ ein gegenwärtiges Phänomen oder lassen sich dafür auch Spuren in der Vergangenheit finden? Die Klasse 8 H 1 der Philipp-Reis-Schule hat sich im Seulberger Heimatmuseum auf Spurensuche begeben.

Von Katja Schuricht

Seulberg. So macht Geschichtsunterricht Spaß: In der für die Hugenotten typischen schwarze Kopfbedeckung präsentieren Kevin und Morsched ihr Plakat. „Wir haben uns die Geschichte einer Hugenottenfamilie ausgedacht, die der Familie Foucar“, erzählt Morsched. Die Familie musste nach dem Edikt von Fontainebleau, das 1685 erlassen wurde und das den Hugenotten in Frankreich ihre Religionsfreiheit nahm, fliehen und kam nach Friedrichsdorf. „Das war der neue Zufluchtsort für diese Familie.“ Morsched und Kevin haben sich in die Situation der Familie hineinversetzt, indem sie ein Tagebuch erfunden haben, in dem der Vater Jean Foucar von seiner Flucht und den Schwierigkeiten in der neuen Heimat berichtet. Die beiden Schüler der Klasse 8 H 1 der PRS haben an dem Projekt „Von den Römern, Juden und Hugenotten bis heute“ teilgenommen. Es ist eine Kooperation des Teams des Heimatmuseums und des Stadtarchivs mit Klassenlehrer Peter Tokai.
„In den Museen können die Schüler recherchieren, Dokumente und Texte einsehen und auch die passenden Exponate zu den gewählten Themen anschauen“, sagt Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich. Gemeinsam mit den Museumsvolontärinnen Katja Schneider und Christina Schäfer sowie dem Klassenlehrer hat Dittrich ein Konzept für die Klasse erarbeitet. Die Teenager haben in Gruppenarbeiten Plakate und Zeitleisten zu den Themen „Römer in Seulberg“, „Hexen in Seulberg“, „die Hugenotten“ und „Juden in Seulberg“ erarbeitet. Am Ende der Mini-Projektwoche stand der aufregendste Teil auf dem Programm: die Ergebnisse in Kurzreferaten vor Publikum zu präsentieren. „Das ist ein sehr gutes Training für die Abschlussprüfung im kommenden Jahr“, so Tokai.
Außer den Mitschülern und dem Museumsteam gab es noch weitere Zuhörer: die Schüler der 7 H 1 mit Klassenlehrerin Wiebke Stüben. „Das hat thematisch gut gepasst, die Römer hatten wir schon. Und die Hugenotten stehen in Klasse sieben auch auf dem Lehrplan“, berichtet sie. Und die Referenten haben ihre Sache prima gemacht: Teilweise in passenden Kostümen und mit kleinen Requisiten aus dem Museumsfundus haben die Schüler ihren Vorträgen eine individuelle Note gegeben.

 

Verständnis für andere

Ziel des Projekts ist, die Jugendlichen für das Thema „Migration und Integration“ zu sensibilisieren. „Die Schüler sollen sich bewusst mit dem Fremden und Andersartigen beschäftigen, denn immerhin leben wir heute im Alltag einer multikulturellen Gesellschaft“, so Dittrich. „Ein Verständnis der Migrationsbewegung und die Konfrontation mit Xenophobie bilden die Basis einer globalen Friedenserziehung.“ Den Schülern solle anhand konkreter historischer Personen vor Augen geführt werden, welche Folgen Vorurteile haben können. „Hierbei hilft die persönliche und damit emotionale Nähe.“
Auch der Frage, unter welchen Bedingungen eine Integration gelinge, wird nachgegangen. „Der Blick auf die Geschichte zeigt den Schülern nicht nur unterschiedliche Muster von Verfolgung und Diskriminierung, sondern auch unterschiedliche Motive für eine Immigration.“ Und die aus unterschiedlichen Zeiten gewählten Beispiele verdeutlichen zugleich, dass Migrationsbewegungen kein aktuelles Phänomen sind. „Die Schüler sollen reflektieren, warum Menschen ihre Heimat und ihre Familien verlassen.“ Durch das Schreiben eines Tagebuchs, wie es Kevin und Morsched gemacht haben, versetzen sich die Schüler in die Situation eines Flüchtenden. „Wir haben ganz gut nachfühlen können, wie sich diese Ängste und die Verzweiflung angefühlt haben müssen“, sagt Morsched.
Nicht nur in fachlicher Hinsicht – in Sachen Geschichts- oder Ethikunterricht – haben die Hauptschüler etwas dazugelernt: „Sie haben auch das konzentrierte Lesen eines Textes, und vor allem das Strukturieren und Zusammenfügen der Ereignisse zu einem narrativen Handlungsgeschehen und das Formulieren geübt“, berichtet Dittrich und ergänzt einen wichtigen Aspekt: „Gleichzeitig sind sie im Umgang mit den Originalen im Museum für deren Wertigkeit sensibilisiert worden.“ Das Resümee des Museumsteams und der beiden Lehrer nach der Kooperation ist durchweg positiv. „An diese Tage im Museum und diese andere Art des Arbeitens werden sich die Schüler sicher auch nach ihrer Schulzeit noch erinnern“, so der Klassenlehrer. Im Alltag der Klasse 8 H1 an der PRS übrigens, erzählt Tokai, spielt es gar keine Rolle, dass die Jugendlichen aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen. „Wir haben Schüler mit türkischen, afghanischen, russischen und tunesischen Wurzeln. Doch diese Vielfalt empfinden wir für uns alle bereichernd.“

 

Taunus Zeitung, 18. Juni 2015

Forscher mit Vorbildcharakter

Saalburgpreis 2015 geht an den Kirdorfer Stefan Ohmeis

Im Bad Homburger Stadtteil hat Heimatforschung einen Namen: Stefan Ohmeis. Dafür gibt’s jetzt den Saalburgpreis. Der Förderpreis geht an eine Friedrichsdorfer Autorengruppe um Dr. Erika Dittrich.

Von Marc Kolbe

Kirdorf. An der Wohnzimmerwand von Stefan Ohmeis dürfte es langsam eng werden. Keinen Monat ist es her, da bekam der Kirdorfer den Ehrenbrief des Landes Hessen überreicht (wir berichteten). Mitte September nun darf sich der 58-Jährige auch noch über den Saalburgpreis freuen.
„Stefan Ohmeis engagiert sich seit vielen Jahren eindrucksvoll für heimatgeschichtliche Themen und leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Geschichte und Heimatpflege im Hochtaunuskreis“, erklärt Landrat Ulrich Krebs (CDU). Wobei die Formulierung „seit vielen Jahren“ noch eine Untertreibung ist – Ohmeis trat bereits im Alter von 20 Jahren der Arbeitsgemeinschaft „Unser Kirdorf“ bei – aus dem später der Verein „Kirdorfer Heimatmuseum“ hervorging. Ohmeis, so Krebs, sei der praktische Beweis dafür, dass eine berufliche Tätigkeit und intensives ehrenamtliches Engagement einander nicht ausschließen müssen.
Mit der Verleihung des Saalburgpreises würdigt der Kreis „eine im Umfang und in der inhaltlichen Qualität eindrucksvolle heimatgeschichtliche Leistung mit Vorbildcharakter“. Für Krebs ist Ohmeis eine „treibende Kraft“ an einem besonderen Ort. Schließlich pflege Kirdorf sein Selbstbewusstsein wie nur wenige Stadtteile. Der künftige Saalburgpreisträger – die Verleihung findet am 13. September auf der Saalburg statt – beeindruckt den Landrat aber nicht nur durch sein Engagement, sondern auch durch seine zahlreichen Publikationen und dem in Eigenregie erstellten Ortsarchiv, „das wissenschaftlichen Ansprüchen genügt“. Außerdem war er einer der ersten Heimatforscher, der die Bedeutung des Internets erkannte. 1999 erstellte er eine Homepage für „Unser Kirdorf“, die er stets auf dem neuesten Stand hält. Auf www.unser- kirdorf.de findet man unter anderem Infos über die Geschichte Kirdorfs sowie Ton-Dateien, auf denen man Anekdoten im Kirdorfer Dialekt zu hören bekommt.
„Dass ich in diesem Jahr gleich zwei Auszeichnungen erhalte, ist schon eine eigenartige Fügung. Aber ich freue mich natürlich sehr“, so Ohmeis. Er begleite das Kreisarchiv und auch die Entwicklung des Saalburgpreises seit ihrer jeweiligen Entstehung, war eines der ersten Mitglieder des Fördervereins Kreisarchiv. Ohmeis: „Das Thema lag mir immer am Herzen.“
Der Förderpreis zum Saalburgpreis geht an die Projektgruppe „Friedrichsdorf im Ersten Weltkrieg“ um die Friedrichsdorfer Stadtarchivarin und Museumsleiterin Dr. Erika Dittrich. Ein zwölfköpfiges Autorenteam um Dr. Dittrich hat den Band „Deutschtum oder Franzosenliebe?“ herausgegeben – eine Studie zu den Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf das Alltagsleben einer Kleinstadt.

 

Taunus Zeitung, 8. Juni 2015

 

15 200 Euro für Philipp-Reis-Haus

Friedrichsdorf. Einen Zuschuss des Landes in Höhe von 15 200 Euro bekommt das Philipp-Reis-Haus. Wie der Landtagsabgeordnete Holger Bellino (CDU) aus dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst erfuhr, genehmigte der Minister eine entsprechende Zuwendung aus dem Mitteln des KFA. Die Mittel sollen zweckgebunden für die Abteilung „Hugenotten/Erfinderwerkstatt“ (hier ist die Erweiterung der Dauerausstellung durch weitere Grafiken und Vitrinen vorgesehen) und für den Ausbau der Museumspädagogik eingesetzt werden.
Bellino habe das Museum im vergangenen Jahr besucht und schätze die Qualität der bereits vorhandenen Ausstellungen im Umfeld der Telefonie und der Geschichte der Hugenotten. Die Mittel werden aus dem Haushalt, der mit den Stimmen von CDU und Grünen beschlossen wurde, bereitgestellt.
(red)

 

Taunus Zeitung, 19. Mai 2015

 

Lieblingsspielzeug in Miniatur

Internationaler Museumstag im Heimatmuseum mit Bastelaktion und Dialekt-Quiz

Am Internationalen Museumstag am Sonntag, der das Motto „Museum. Gesellschaft. Zukunft“ hatte, lud das Heimatmuseum Seulberg zur Rallye und zum lustigen Dialektraten ein. Der Rücklauf bei der Kinderbastelaktion „Dein Museum der Zukunft“ war mit nur einer Teilnehmerin zwar eher enttäuschend. Das eingereichte Museum in Schuhkarton der achtjährigen Caitlin hatte es jedoch in sich.

Von Gabriele Calvo Henning

Seulberg. Wie sieht „Dein Museum der Zukunft“ aus? Mit dieser Frage hatte das Heimatmuseum Seulberg schon vor dem Internationalen Museumstag zu einer Bastelaktion aufgerufen, bei der Kinder ihr Museum in einem Schuhkarton einrichten sollten. „Leider war der Rücklauf mit nur einer Teilnehmerin sehr gering“, sagte Stadtarchivarin und Museumsleiterin Dr. Erika Dittrich am Sonntag der TZ. „Wir hatten uns erhofft, durch die Kinderaktion neue Ideen für die Ausstellungsgestaltung zu bekommen. Ein Grund für die schwache Beteiligung könnte sein, dass wir den Aufruf auch über die Kindergärten haben laufenlassen. Und die sind ja nun seit einer Woche im Streik.“ Möglicherweise, so vermutete Dittrich weiter, habe es auch deshalb etwas gehakt.
Nichtsdestotrotz, das von der achtjährigen Caitlin eingereichte Museum im Schuhkarton hatte es in sich: Aufgeteilt in drei kleine, bunte Räume konnten hier eine Büchergalerie, eine Spielzeugausstellung mit einem winzigen Kuschelelefanten aus Knete genauso bewundert werden wie ein „Bücher-Bilder-Spaß-Raum“. Für den hatte Caitlin kleine Bilder ihrer Lieblingsbücher-Helden gemalt. Der Spaß daran: Harry Potter hatte darauf rote und die in ihren Büchern blonde Connie grüne Haare bekommen. Sie erklärte: „Für mein Museum der Zukunft habe ich alle meine wirklichen Lieblingsspielzeuge und Bücher nachgebastelt“, also Dinge von heute für die Menschen von morgen. Dafür gab es als Preis eine Leinentasche voll kleiner Überraschungen inklusive eines Gutscheins für die Friedrichsdorfer Kinderkulturzeit.

Sulinchen hat gespukt

Übergeben hat diesen Preis der museumseigene Kobold Sulinchen. Das ansonsten eher kleine Wesen hat an diesem Tag die 13-jährige Josephine Roßkamp verkörpert und sich dafür mit einem grünen Kittel, langen Spitzenunterhosen, gestreifter Zipfelmütze auf der roten Langhaarperücke und Holzpantinen verkleidet. So ausstaffiert spukte Josephine alias Sulinchen durch die Mundart-Führung und begleitete die Kinder durch das Programm mit Gabi Zieschs Kasperletheater und einer Museumsrallye. Dabei machte der achtjährige Elias Buchkremer den ersten Platz. Er hatte sich mit seinem Wissen über römische Zahlen, die altdeutsche Schrift und die Kleidung von gestern bis heute (und ein kleines bisschen mit Mamas Hilfe) durchgesetzt.
Gestärkt mit Kaffee und Kuchen aus der Museumsklause konnten die älteren Besucher beim lustigen Dialektraten ihr Wissen rund um die Seulberger Mundart testen. Dafür hatten die Mitglieder des Sellwicher Schwätzkreises Rita Schächer und Friedrich-Wilhelm Jeckel eine ganze Reihe „Ausdrick un Sprich“ (Ausdrücke und Sprüche) vorbereitet. Es gab viel Gelächter, wenn sie verrieten, dass „Banatzel“ Kopf oder Gesicht bedeutet, „Gommer“ Gurken sind und „Schloof ruond desde ned eggich wirsd“ nichts anderes bedeutet als „Schlaf gut“, wörtlich übersetzt heißt der Spruch sehr bildlich: „Schlaf rund, damit du nicht eckig wirst“. Das kam bei den Besuchern im Innenhof des Museums so gut an, dass der Dialektquiz gleich in eine zweite Runde ging.

 

Taunus Zeitung, 16. Mai 2015

 

Morgen lockt das Heimatmuseum

„Museum. Gesellschaft. Zukunft.“ – unter diesem Motto steht der Internationale Museumstag, der seit 38 Jahren gefeiert wird, um auf die Vielfalt und kulturelle Bedeutung der Museen hinzuweisen. Das Heimatmuseum Seulberg nimmt morgen von 14 bis 18 Uhr mit einem bunten Programm für Groß und Klein teil.

red

Seulberg. Rund 10 000 Besucher jährlich ziehen die Sonderausstellungen und vielfältigen Veranstaltungen des größten Heimatmuseums im Taunus an. Dabei werden alle Generationen gleichermaßen angesprochen. Und um möglichst jedem den Zugang zu ermöglichen, wird noch nicht einmal Eintritt erhoben.
Bereits seit Jahren trifft sich in der Museumsklause der „Schwätzkreis“, um einen vom Aussterben bedrohten Dialekt für die Zukunft zu bewahren. Wer wissen möchte, wie die „Sellwicher Mundart“ klingt, erfährt das von 14 Uhr an bei der Mundart-Museumsführung durch die Seulberger Vergangenheit mit Friedrich-Wilhelm Jeckel. Auch der kleine Museumskobold Sulinchen hat sich für die jungen Besucher etwas Tolles ausgedacht: Er hat Gabi Ziesch und ihr Kasperletheater eingeladen. Um 15 Uhr öffnet sich der Vorhang und eine Geschichte mit Kasper und einer geheimnisvollen Dose wird erzählt.
Von 16 Uhr an prämieren Dr. Erika Dittrich, Vorsitzende des Museumsvereins, und Sulinchen die Ergebnisse der Bastelaktion „Dein Museum der Zukunft“. Dabei geht kein Teilnehmer ohne einen Preis nach Hause. Im Anschluss geht es für Groß und Klein bei der spannenden Museumsrallye treppauf-treppab durch das gesamte Haus. Knifflige Fragen müssen da beantwortet werden und so manches Neues kann entdeckt werden. Den Aktionstag beendet um 17 Uhr der Sellwicher Schwätzkreis mit heiterem Dialekt-Raten. Die Klause ist geöffnet. Dort gibt es Kaffee und Kuchen.

 

Friedrichsdorfer Woche, 13. Mai 2015

 

Internationaler Museumstag mit Aktionen und Workshops

Bad Homburg/Friedrichsdorf (hw). Am Internationalen Museumstag am Sonntag, 17. Mai, ist im Museum im Gotischen Haus, Tannenwaldweg 102, und im Horex Museum, Horexstraße 6, für Besucher der Eintritt frei. Zwischen 12 und 16 Uhr finden im Gotischen Haus kostenlose Führungen statt. Um 14.30 und 15.30 Uhr spielt Daphne Milio im Romantikzimmer auf der restaurierten Erard-Harfe. Der Internationale Museumstag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Museum. Gesellschaft. Zukunft“.
Im Nachklang zu der sehr erfolgreichen Porträt-Ausstellung, die von November bis April im Gotischen Haus lief, findet ein Workshop „Porträtmalerei“ mit dem bekannten Kronberger Maler Georgi Takev von 11 bis 16 Uhr statt. Die möglichen Techniken umfassen Bleistift, Kohle, Kreide und Pastell, Tempera und Aquarell. Die Teilnehmer können ihre eigenen Malutensilien mitbringen oder gegen einen Kostenbeitrag von zehn Euro das Material sowie Zeichenpapier oder Malblöcke im Gotischen Haus erwerben.
Themen und Motive des Workshops sind: malen nach dem lebenden Modell (idealerweise das Gegenüber im Raum), malen nach Porträtfotos, die die Teilnehmer mitbringen, malen nach Schaufensterpuppen oder Hutbüsten sowie das Selbstporträt vor Spiegeln. Um Anmeldung zum Workshop im Museum im Gotischen Haus unter Tel. 06172-37618 oder per E-Mail an museum@bad-homburg.de wird gebeten.
Im Schloss Bad Homburg finden am Internationalen Museumstag zwischen 10 und 17 Uhr stündlich Führungen auf dem Schlossgelände, in der Schlosskirche und dem Englischen Flügel statt. Das Atelier der Museumspädagogik öffnet von 14 bis 17 Uhr seine Türen für Kinder und Erwachsene. Dort können verschiedene Techniken ausprobiert werden, die in den verschiedenen Workshops des museumspädagogischen Programms angeboten werden. Der Eintritt für alle Veranstaltungen ist frei, Spenden in eine Box im Museumsshop sind willkommen.
as Museum der Heimatstube Ober-Erlenbach, Am alten Rathaus 9, ist an diesem Tag von 15 bis 17 Uhr geöffnet, ebenso die Fotoausstellung von Joachim Hanner mit dem Titel „Die Heimat bleibt doch immer der schönste Fleck der Welt“. Die neueste Veröffentlichung des Vereins „Michael Julius Weil, Ober-Erlenbach im Wandel der Zeiten“ kann für sechs Euro erworben werden.

Das Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46, nimmt am Sonntag von 14 bis 18 Uhr mit einem buntem Programm für Groß und Klein an dem Internationalen Museumstag teil. Bereits seit Jahren trifft sich in der Museumsklause der „Schwätzkreis“, um einen vom Aussterben bedrohten Dialekt für die Zukunft zu bewahren. Wer wissen möchte, wie „Sellwich“ klingt, erfährt dies um 14 Uhr bei der Mundart-Museumsführung durch die Seulberger Vergangenheit mit Friedrich-Wilhelm Jeckel. Der kleine Museumskobold Sulinchen hat für die jungen Besucher Gabi Ziesch und ihr Kasperletheater eingeladen. Um 15 Uhr öffnet sich der Vorhang für eine spannende Geschichte mit Kasper und einer geheimnisvollen Dose.
Um 16 Uhr prämieren Dr. Erika Dittrich, die Vorsitzende des Museumsvereins, und Sulinchen die Ergebnisse der Bastelaktion „Dein Museum der Zukunft“, der im Vorfeld ausgeschrieben war. Dabei geht kein Teilnehmer ohne einen Preis nach Hause. Im Anschluss geht es für Groß und Klein bei einer Museumsrallye treppauf und treppab durch das ganze Haus. Knifflige Fragen müssen gelöst und so manches Neues kann entdeckt werden. Den Aktionstag beendet um 17 Uhr der Sellwicher Schwätzkreis, wenn er zum heiteren Dialekteraten einlädt. Die Klause ist geöffnet und hält für die Besucher Kaffee und Kuchen bereit. Der Eintritt ist frei.

 

Friedrichsdorfer Woche, 7. Mai 2015

 

Mit einer Liebesgabe für die Oma fing es an

Seulberg. Rund 450 Fingerhüte hat Ingeborg Dittler ins Heimatmuseum Seulberg gebracht. Aus verschiedenen Materialien hergestellt, zeigen sie ein breites Spektrum kunsthandwerklicher Fähigkeiten aus vergangenen Zeiten.

Von Bernd Ehmler

Unter dem Titel „Nähutensil und Liebesgabe – Fingerhüte aus aller Welt“ sind die Fingerhüte in einer Sonderausstellung bis zum 26. Juli im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46, zu sehen. Bei der Eröffnung hat Ingeborg Dittler in die Ausstellung eingeführt. Seit der Mensch mit Nadel und Faden arbeitet, schützt er sich vor Stichverletzungen und nutzt dafür den Fingerhut. Obwohl schon seit der Steinzeit bekannt, brachten ihn erst die Römer nach Germanien. Und selbst heute noch freuen sich nähende Frauen aller Kulturen, überreicht man(n) ihnen einen als Liebesgabe – dann aber aus kostbarem Material gefertigt.
1970 hat die Diplom-Museologin Ingeborg Dittler angefangen, Fingerhüte zu sammeln, als sie von der Großmutter ihres Mannes einen Fingerhut aus Alabaster mit Goldreif vermacht bekam. Die Großmutter bekam den Fingerhut einst von ihrem Liebsten geschenkt, denn damals waren Fingerhüte eine Liebesgabe. Seither ist Ingeborg Dittlers Sammlung auf über 450 Exemplare angewachsen. Das älteste Stück stammt aus der Zeit um das Jahr 1600 und ist aus Messing und Rohzink gefertigt. Die zahlreichen Exponate lassen nachverfolgen, wie sich im Laufe der Zeit Materialien, Formen und Verzierungen veränderten. Was vornehme Damen bereits seit dem 14. Jahrhundert nutzten, produzierten ab dem 15. Jahrhundert Gelbgießer in Massen aus Messing. Fingerhüte wurden in den verschiedenen Zeitepochen aus Metall, Glas, Porzellan, Silber oder aus Gold hergestellt. Die Gestaltung hing zu allen Zeiten meistens vom Ursprungsland ab, wie exotische Ausstellungsstücke etwa aus China und einer ganzen Reihe weiterer Länder belegen. Bereits im Altertum versah man den Fingerschutz mit den charakteristischen „Grübchen“, die ein Abrutschen der Nähnadel verhindern. Manchmal zieren ihn auch Malereien, kleine Kunstwerke für sich. Als die Nähmaschine aufkam, verschönerten die Fingerhuthersteller ihre Produkte besonders sorgfältig, um sie zu verkaufen. Inzwischen hat ihn die Industrie als Werbeträger oder als Souvenirstück entdeckt.
Effizienter für die Näharbeiten erwies sich der Fingerring, der neben weiteren Fingerschützern gezeigt wird. So erfährt der Besucher Wissenswertes und Kurioses rund um ein kleines, bald vom Aussterben bedrohtes Gebrauchsutensil. Vielleicht löst sich dann auch das Sprichwort, eine Frau könne mit dem Fingerhut mehr verschütten, als der Mann mit dem Eimer schöpfen.
Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 26. Juli zu den üblichen Öffnungszeiten mittwochs und donnerstags von 9 bis 12.30 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46. Der Eintritt ist frei. Führungen finden am Mittwoch, 13. Mai, sowie an den Donnerstagen, 18. Juni und 2. Juli, jeweils um 18 Uhr statt. Weitere Informationen erteilt Dr. Erika Dittrich unter Tel. 06172-7313100 oder E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de.

 

Taunus Zeitung, 16. April und 6. Mai 2015

Bastelaktion „Museum der Zukunft“ im Schuhkarton

 

Seulberg. (red) Schon seit vielen Jahren lebt der kleine Museumskobold Sulinchen im Heimatmuseum Seulberg. Und da hat sich inzwischen so einiges geändert. Viele Sachen, die früher modern waren, kennt heute kaum noch jemand. „Wie das wohl in 50 Jahren sein wird?“, grübelt das kleine Kobold-Mädchen. „Und was wird wie ausgestellt? Gibt es vielleicht schon Roboter, die den Besuchern alles erklären?“ Da kommt Sulinchen eine oberkoboldtastische Idee: Sie bastelt sich ihr eigenes „Museum der Zukunft“ in einem Schuhkarton. Und weil das so viel Spaß macht, dürfen alle im Alter von 3 bis 99 Jahren ihr eigenes Museum gestalten. Weil man das aber nicht an einem einzigen Tag schaffen kann, darf zu Hause gebastelt werden.
Am Internationalen Museumstag, Sonntag, 17. Mai, wenn ganz viele Leute im Museum sind, werden die Bastelarbeiten ausgestellt und sogar prämiert. Und keiner geht dabei leer aus!

Die Basteleien können bis zum Freitag, 15. Mai, im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46, außerdem im Philipp-Reis-Haus in der Hugenottenstraße 93 sowie im Kulturamt Friedrichsdorf in der Hugenottenstraße 57 (über dem Standesamt) zu den üblichen Öffnungszeiten abgegeben werden.

Alle Schuhkarton-Museen werden am Sonntag, 17. Mai, um 16 Uhr im Heimatmuseum Seulberg prämiert. Die Bastelaktion wird vom Magistrat der Stadt Friedrichsdorf, der Metzgerei Rompel sowie der Taunus Sparkasse gesponsert. Informationen erteilt Dr. Erika Dittrich unter der Telefonnummer (0 61 72) 7 31 31 00 (montags bis freitags 9 bis 16 Uhr) oder (0 61 72) 7 31 31 20 (mittwochs und donnerstags 9 bis 12.30 Uhr) sowie per E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de.

 

Taunus Zeitung, 14. April 2015

 

Ein Fingerhut für die Liebste

Nicht nur Nähutensil: Heimatmuseum präsentiert 450 kleine Kostbarkeiten aus aller Welt

Im Heimatmuseum Seulberg laufen zurzeit die Vorbereitungen für eine Sonderausstellung rund um den Fingerhut. Unter dem Titel „Nähutensil und Liebesgabe“ werden zum ersten Mal überhaupt alle 450 Fingerhüte aus verschiedenen Epochen, Ländern und Materialien gezeigt, die die Sammlerin und ehemalige Museumsleiterin Ingeborg Dittler aus Seligenstadt in über 40 Jahren zusammengetragen hat. Die Ausstellung mit Begleitprogramm startet am 19. April und läuft bis 26. Juli.

Von Gabriele Calvo Henning

Seulberg. Es begann mit einem zierlichen Fingerhut aus Alabaster mit zartem Goldreif. Den hatte seinerzeit die Urgroßmutter von Ingeborg Dittlers Ehemann beim Nähen am Finger. Aber erst mit dem zweiten Fingerhut, einem mexikanischen Stück aus Silber, verziert mit einem aufgelöteten floralen Muster aus feinem Silberdraht, packte die Seligenstädterin 1970 die Sammelleidenschaft so richtig. Seitdem hat die ehemalige Leiterin des Dreieich-Museums 450 Fingerhüte aus aller Welt, verschiedenen Epochen und aus den unterschiedlichsten Materialien zusammengetragen.
Dass die Prachtstücke demnächst für 14 Wochen im Seulberger Heimatmuseum zu sehen sind, ist auch insofern eine Premiere, als die Sammlung, die Ingeborg Dittler ansonsten zuhause in vielen Setzkästen aufbewahrt, hier zum ersten Mal vollständig zu bewundern ist.
Das älteste Stück ist ein antiker, leicht verbeulter, bräunlicher Fingerhut aus Messing, Rohzink und Kupfer, der aus dem 16. Jahrhundert stammt. Der nimmt sich fast schon bescheiden aus, wurde aber, anders als seine mit bunten Dekoren geschmückten Brüder aus Porzellan, tatsächlich als Fingerschutz beim Nähen benutzt. Die Porzellanfingerhüte waren, genauso wie die aus Kristall, dafür nie gedacht, weiß Ingeborg Dittler zu berichten. Sie waren vielmehr kleine Mitbringsel oder Liebesgaben für die Angebetete. Damit war dieses spezielle Nähutensil über Jahrhunderte nicht nur ein kleines nützliches Werkzeug für Schneider, Näherinnen, Hausfrauen, Perücken- und Segelmacher sondern immer auch Reisesouvenier oder kleiner Schmuckgegenstand. Die Wahl der Materialien scheint dabei keine Grenzen zu kennen. So sind in der liebevoll eingerichteten Ausstellung in insgesamt sieben Vitrinen japanische Fingerhüte aus Leder ebenso zu sehen wie empfindliche Exponate aus filigraner Emaille, edlem Elfenbein, Perlmutt, Olivenholz und sogar aus Pappmaché.

Steinzeitliche Spindeln

Gerade die Stücke aus Gold oder Silber erzielen unter Sammlern heute Preise von 150 Euro an aufwärts“, weiß die diplomierte Museologin zu berichten. Aber auch als Formgeber für Pfeffer- und Salzstreuer und kleine Schnapsbecher machte der Fingerhut Furore. Auch solche Exemplare sind in der Ausstellung zu sehen, die weit über eine einfache Präsentation hinausgeht. Denn sie ist zugleich eine chronologisch aufbereitete Kulturgeschichte, in der auch Nachbauten steinzeitlicher Wollspindeln, interessante Näh-Etuis, Stopf-Eier und fingerlange. mit edlen Steinen verzierte Fingernagelschützer zu sehen sind, wie sie die feinen Damen im alten China trugen.
Dass diese Sammlung nun im Heimatmuseum präsentiert werden kann, ist auch der langjährigen ehrenamtlichen Mitarbeiterin Reinhild Massey zu verdanken, die im vergangenen Jahr im Offenbacher Haus der Stadtgeschichte auf Ingeborg Dittler aufmerksam wurde, die dort einen Teil ihrer Fingerhüte zeigte. Und so habe das Heimatmuseum die Sammlung nach Seulberg geholt, sagt die stellvertretende Leiterin des Museumsvereins, Ute Desch.
„Wir sind immer auf der Suche nach interessanten Ausstellungen. Jetzt kurz vor dem Start geht es uns darum, die richtige Umgebung für die vielen Fingerhüte zu schaffen.“ Dafür sind Nähkörbe und -kästen aus Beständen des Museums und aus privatem Besitz genauso herangeholt und ausgeliehen worden wie Schneiderpuppen, alte Schnittmuster, weiteres Schneiderwerkzeug sowie Modellkleider und Stoffballen.
Abgerundet wird die Nähstuben-Atmosphäre mit einer rund 100 Jahre alten Singer-Nähmaschine mit schmiedeeisernem Fußtritt und Schwungrad, die Freunde von Ute Desch dem Museum anlässlich der Ausstellung kurzerhand schenkten. Begleitet wird die Fingerhutpräsentation außerdem von einem eigenen Führungs- und Veranstaltungsprogramm, bei dem natürlich auch an die bastelbegeisterten Kinder gedacht wurde. Diese können sich bei den Workshops „Sulinchens Kindereien“ unter anderem mit dem Knüpfen von Puppen und dem Besticken von Muttertagskarten beschäftigen.

 

Info: Sonderausstellung

Die Sonderausstellung der Fingerhutsammlung „Nähutensil und Liebesgabe – Fingerhüte aus aller Welt“ wird am kommenden Sonntag im Heimatmuseum, Alt Seulberg, eröffnet und läuft bis Sonntag, 26. Juli. Für den Eröffnungstag ist von 15 Uhr an eine Einführung durch die Sammlerin und Museologin Ingeborg Dittler geplant.

Führungen durch die Ausstellung finden am 13. Mai, 18. Juni und 2. Juli jeweils von 18 Uhr an statt.

Informationen, auch zum begleitenden Kinderprogramm und allen weiteren Angeboten des Heimatmuseums gibt es im Internet unter der Adresse www.heimatmuseum-seulberg.de oder telefonisch unter (0 61 72) 7 31 31 20 (montags und donnerstags 9 bis 12 Uhr) oder (0 61 72) 7 31 31 00 (montags bis freitags 9 bis 16 Uhr). (alv)

 

Frankfurter Rundschau, 31. März 2015

 

Krieg, Revolution und Wilderei

Friedrichsdorf

Preis der Regionalgeschichte für neuen Band des Stadtarchivs

von Olaf Velte

Unter dem Titel „Deutschtum oder Franzosenliebe?“ gibt es eine vorbildliche Darstellung des Themenkomplexes „Friedrichsdorf im Ersten Weltkrieg“.
Ein Abenteuerbuch ist es in gewissem Sinne auch. Da tritt ein Karl Schneider auf, der sich plötzlich in Reihen der „Bagdad-Armee“ wiederfindet und ständig einen Desinfektionsapparat mitschleppt. In die Wirren der russischen Februar-Revolution verschlägt es den Seulberger Schreiner Philipp Hennemann. Den Vogel schießt indes ein Zögling des Instituts Garnier ab: Hermann Consten arbeitet als Agent unter dem Decknamen „Konto-Fritz“, bietet seine Dienste drei Regierungen an und lebt am Ende als Gescheiterter in Peking.
Auch solche Episoden liefert ein reich bebilderter Band, der als Sonderband 7 innerhalb der „Friedrichsdorfer Schriften“-Reihe daherkommt. Unter dem Titel „Deutschtum oder Franzosenliebe?“ bietet der lokale Arbeitskreis Geschichte unter Federführung von Erika Dittrich vom Stadtarchiv die Erkenntnisse der am 21. Dezember zu Ende gegangenen gleichnamigen Ausstellung nun in publizierter Form.
Umfangreiche Recherchen und viele Informationen (nebst Leihgaben) aus der Bevölkerung haben zu einer vorbildlichen Darstellung des Themenkomplexes „Friedrichsdorf im Ersten Weltkrieg“ geführt. „Der Band wurde schließlich umfangreicher als geplant“, so Archivarin Dittrich.

Preis für „beispielgebendes Projekt unter Beteiligung der Menschen vor Ort“

Für die Arbeit wurde den beteiligten Historikern im Februar der Preis der Regionalgeschichte 2015 verliehen. Das Historische Museum Frankfurt hatte nach „beispielgebenden Projekten, in denen die Geschichte unserer Region ehrenamtlich und unter Beteiligung der Menschen vor Ort erforscht wird“, gefahndet.
Hier wird der Bogen von dem im wirtschaftlichen Aufschwung befindlichen Vorkriegs-Städtchen über „Krieg im Klassenzimmer“ und die Situation abseits der Kriegsschauplätze bis zu den Nöten nach 1918 geschlagen. Dass die alltäglichen Schrecken des Soldatenlebens dem Leser nahe gehen, ist den zahlreichen Tagebuch- und Briefauszügen aus heimischen Familienbeständen zu verdanken. „Sie bleiben einfach liegen, holen tut sie niemand und so stöhnen sie noch ein, zwei Tage, bis sie entweder gestorben oder von ihrer eigenen Artillerie noch ganz totgeschossen sind“, heißt es im September 1914 bei Friedrich von Basshuisen, der auf das eigene Weiterleben „keinen Pfennig mehr“ gibt.
Gesichter, in die das Unsagbare eingeschrieben ist – die Porträtaufnahmen der Weltkriegsteilnehmer Wilhelm Weidinger, Karl See oder Heinrich George sprechen für sich. Wer im Felde war – „jeder sechste der gut 1200 aus der Gesamtstadt Eingezogenen kehrte nie zurück“ –, brachte das überlebte Grauen mit zurück. Traumatisierte Soldaten fanden Aufnahme in der im Köpperner Tal gelegenen Heilanstalt (heute Waldkrankenhaus), wo die „Zitterer“ mit Stromstößen traktiert, aber selten geheilt wurden.
Als das erste große Völkerschlachten des 20. Jahrhunderts vorbei war, war auch das alte Deutschland untergegangen. Politische Neuorientierung mündete beispielsweise in einen 20 Minuten währenden „Kommunistenaufstand“ am Bahnhof von Friedrichsdorf. Schüsse peitschten aber auch durch die Taunuswälder: Um die hungernde Bevölkerung mit Fleisch zu versorgen und sich zu bereichern, wilderten der Köpperner Johann Mieger und Sohn Wilhelm rücksichtslos. Im gesamten Umland gingen fortan bewaffnete Dorfbewohner auf die verbotene Jagd. – Ein Kapitel, das in direktem Zusammenhang mit den 1918er Auswirkungen steht und in der neuen Publikation nicht ausgespart wird.

 

 

DAS BUCH

Überschrieben ist der neue Sonderband der Friedrichsdorfer Schriften mit „Deutschtum oder Franzosenliebe?“. Das 270-seitige Buch widmet sich den Auswirkungen, die der Erste Weltkrieg auf die Bevölkerung der Zwiebackstadt hatte.
Im vergangenen Jahr gab es eine gleichnamige Ausstellung.

Für die Publikation, zu der alle lokalen Geschichtsvereine mit aufwendigen Recherchen beigetragen haben, erhielt das Stadtarchiv der Regionalgeschichte-Preis 2015. Verliehen wurde er am 7. Februar vom Historischen Museum Frankfurt.

Der Sonderband enthält rund 300 Abbildungen und kann in den Friedrichsdorfer Museen, im Stadtarchiv und an der Rathaus-Information zum Preis von 15 Euro erworben werden.
(ov)

 

Friedrichsdorfer Woche, 26. März 2015

 

Der Philipp-Reis-Preis wird dieses Jahr wieder vergeben

Friedrichsdorf (fw). Am 26. Oktober 1861 hielt Johann Philipp Reis vor dem damaligen Physikalischen Verein in Frankfurt seinen grundlegenden Vortrag über „Das Telefonieren mit galvanischem Strom“. Seine Idee leitete eine Wende in der elektrischen Übertragung von Nachrichten ein. Er war der erste, der nicht Zeichen, sondern Sprache elektrisch übertrug. Erstmals war es möglich, im wahrsten Sinne des Wortes „fern“ zu sprechen. Doch bevor er sein Telefon für die praktische Nutzung weiterentwickeln konnte, starb Johann Philipp Reis, nur 40-jährig, 1874.
Sein Apparat wurde in kleiner Serie handwerklich gefertigt und in vielen Laboratorien in Europa und Amerika erprobt. Er hatte damit die Grundlage für eine bahnbrechende technische Entwicklung geschaffen, die sich bis heute, mit über vier Milliarden Anschlüssen, zum „größten Automaten“ der Welt entwickelt hat. Das Besondere an der Idee des Johann Philipp Reis waren nicht nur das technisch Neue, sondern auch die umwälzenden volkswirtschaftlichen Auswirkungen, die seine Erfindung mit sich brachte.
Das 125-jährige Jubiläum der erstmaligen Präsentation seiner genialen Idee hatten die Städte Friedrichsdorf und Gelnhausen, die Deutsche Telekom und der Verband der Elektrotechnik Informationstechnik (VDE) zum Anlass genommen, einen mit 10 000 Euro dotierten Preis für eine herausragende, innovative Veröffentlichung auf dem Gebiet der Nachrichtentechnik zu vergeben. Der 1987 erstmalig vergebene Preis wird seither alle zwei Jahre vergeben.
Auch in diesem Jahr soll der Preis an Ingenieure oder Naturwissenschaftler (Altersgrenze 40 Jahre) verliehen werden, die eine bedeutende nachrichtentechnische Neuerung, die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft hat, in Gang gesetzt haben oder eine solche Entwicklung erwarten lassen. Verliehen wird diesmal der Preis entsprechend den Statuten durch den Bürgermeister der Stadt Friedrichsdorf.
Alle vier Stifter des Preises sind mit Johann Philipp Reis auf besondere Art und Weise verbunden. Johann Philipp Reis wurde 1834 in Gelnhausen geboren, sein Telefon entwickelte er als Lehrer in Friedrichsdorf. Generalpostmeister Heinrich Stephan erkannte schon sehr früh die Bedeutung des Telefons und führte es zielstrebig und schnell in Deutschland ein.
Die Durchführung der Preisvergabe wird in Zusammenarbeit mit den anderen Stiftern durch die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (ITG) durchgeführt, die mit fast 10 300 Mitgliedern aus den verschiedensten Sektoren der Informationstechnik und ihren über 1000 in den unterschiedlichen Fachausschüssen und Fachgruppen der Informationstechnik aktiv und ehrenamtlich mitarbeitenden Wissenschaftlern über das erforderliche Wissen zur Vorauswahl und Reihung der Preisträger verfügt.
Der Einsendeschluss für die Bewerbungen um die Vergabe des Preises ist der 13. April. Bewerbungen sind zu richten an die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (ITG), Stresemannallee 15, 60596 Frankfurt, Tel. 069-6308-360 oder -362, Fax: 069-63089821, E-Mail: itg@vde.com.

 

Taunus Zeitung, 23. März 2015

 

Ostermarkt: Labkraut färbt die Eier leuchtend gelb

Beim Ostermarkt im Seulberger Heimatmuseum ist oval Trumpf – Viele praktische Tipps zum Nachmachen

Zum 28. Mal hat das Heimatmuseum Seulberg am Sonntag zum Ostermarkt eingeladen. Im Innenhof und auf jeder der drei Etagen zeigten an die 30 Aussteller, was ihnen zum Thema Ostern eingefallen ist. Handbemalte, lackierte und mit Seide und Spitze bezogene Ostereier gehörten ebenso dazu, wie Arbeiten aus Holz und Papier, Blumengestecke, süße Leckereien und selbstgenähte Stoffhühner. Nach Langem gab es auch wieder Kräuter zu kaufen, mit denen man Ostereier in leuchtenden Naturfarben färben kann.

Von Gabriele Calvo-Henning

Seulberg. Barbara Schwarz hatte am Sonntagmorgen ordentlich zu schleppen. Als eine von rund 30 Ausstellern hatte sie beim Ostermarkt im Heimatmuseum ihren Platz ganz oben in der Dachetage gefunden. Dort zeigte die Bad Schwalbacherin, dass mit Naturfarben gefärbte Ostereier nicht nur beige-braun daherkommen müssen. „Das strahlende Gelb bekomme ich mit Labkraut, dem ich etwas Alaun zusetze. In dem Sud werden die Eier dann hart gekocht“, verriet die gelernte Drogistin, die schon seit mehr als 40 Jahren dem Geheimnis des Färbens mit Kräutern auf der Spur ist. Mate färbt die Schalen dunkelgrün, schwarze Stockrosen färben weiße Eier hellblau bis türkis.

Bestellung per Telefon

„Mich freut sehr, dass wir mit Frau Schwarz endlich wieder jemanden dabei haben, der zeigt, wie natürlich gefärbt werden kann“, sagt Ute Desch, die als stellvertretende Leiterin des Museumsvereins zusammen mit ihren engagierten Vereinskollegen auch diesen 28. Ostermarkt organisiert hat. Sie konnte sich über viele große und kleine Besucher freuen, denn der stimmungsvolle Ostermarkt hat bei vielen einen festen Termin im Kalender. „Es gibt Besucher, die mich schon vorher anrufen, um nach bestimmten Ausstellern zu fragen“, berichtet Desch. Die Telefonanrufe gingen auch nach dem Ostermarkt weiter, wenn Besucher gezielt Kontakt zu einzelnen Ausstellern aufnehmen wollen, um nachträglich etwas zu ordern.
Vielleicht ja eine oder mehrere der liebevoll gestalteten Frühlings- und Osterkarten von Ingeborg Ahlschwedt. Für die sammelt sie zarte Blüten von rosa Ginster, kleinen Veilchen oder auch Stiefmütterchen, die sie dann bis zu 14 Tagen in ihrer Blumenpresse presst und zu ausdrucksvollen Blütenbildern neu arrangiert. Sie verrät, wie die zarten Blüten ihre Farben behalten: „Am besten ist es, wenn man nur gerade aufgeblühte Blüten verwendet und die um 11 Uhr vormittags pflückt.“

Beschriftete Straußeneier

Und während oben unterm Dach die Kinder bunte Ostersträuße aus Buchs banden oder das Papiermodell des alten Seulberger Aulofens zusammenklebten, konnten sich die Erwachsenen an den Ständen von handbemalten, lackierten, mit Seide und Spitze bezogenen Ostereiern beeindrucken lassen. Ein besonderer Hingucker waren dabei die mit kunstvollen Kalligraphien von Roma Fromme-Monsees beschrifteten Straußeneier, auf die sogar die komplette Schöpfungsgeschichte passt.

Nähpause beendet

Ostereier aus Holz oder zarter Keramik gab es ebenso wie mit Ton nachgebildete Abgüsse von alten Backmodeln, Papierarbeiten, frische Gestecke und lustige Hasen und Hühner aus Stoff. Für die hatte Anka Christen sich dann doch noch mal an die heimische Nähmaschine gesetzt. Und das, obwohl sie sich nach ihrer Teilnahme am Nikolausmarkt zunächst geschworen hatte, erst mal eine Nähpause zu machen.
Wie immer kam auch das Kulinarische nicht zu kurz: Im Innenhof duftete es schon kurz nach der Eröffnung um 10 Uhr nach Waffeln. Wer lieber etwas Deftiges wollte, konnte bei einer heißen Suppe zugreifen. Abgerundet wurde das Ganze von der liebevollen eigenen Osterdekoration vor und im Museum, zu der gleich über der Eingangstür auch die von den Seulberger Landfrauen gestaltete Osterkrone gehörte.

 

Friedrichsdorfer Woche, 19. März 2015

 

Bunte Eier und leckere Lämmer im Museum

Auf allen Etagen und auch draußen vor der Tür hatten die 30 Aussteller, die ihr Kunsthandwerk auf dem 28. Ostermarkt im Heimatmuseum Seulberg feilboten, ihre Stände aufgebaut. Keinen davon wollten die kleinen und großen Gäste, die trotz wenig frühlingshafter Temperaturen am Sonntag zum vorösterlichen Treiben gekommen waren, verpassen.

Seulberg. Schon kurz nach Eröffnung war das Gedränge am Eingang des Seulberger Heimatmuseums groß. Die Besucherschar schob sich von links nach rechts, geradeaus in den Innenhof des hübschen Gebäudes und von dort zurück die enge Treppe hinauf in die beiden oberen Geschosse. Für die richtige Mischung des Dargebotenen hatte wie immer Organisatorin Ute Desch gesorgt. So waren Aussteller, die dem Ostermarkt seit Jahren und Jahrzehnten treu sind, ebenso zu finden wie ein paar „Neulinge“. „Das muss schon sein. Wir wollen unseren Gästen ja immer etwas Überraschendes bieten“, sagte Desch. Bei der Planung und Umsetzung des Marktes kann sie auf ein Team aus etwa 40 Ehrenamtlichen bauen, die nicht nur Ideen zusammentragen sowie auf- und abbauen, sondern auch Kuchen und Waffeln backen, verkaufen und anpacken, wann immer Hilfe gefragt ist.
Desch selbst hatte in der Woche vor Eröffnung des Ostermarktes noch eine ganz spezielle Aufgabe: Sie musste backen. Seit Jahren sind das mit Trockenfrüchten gespickte Osterbrot und die süßen, mit Puderzucker bestreuten Osterlämmer eine gefragte Markt-Spezialität. „Das Rezept habe ich selbst entwickelt. Die Lämmer werden in alten Formen gebacken“, erläuterte sie. Bereits um 11 Uhr, nur eine Stunde nach Beginn, waren bereits alle gebackenen Tiere verkauft.
An den zahlreichen hübsch dekorierten Ständen hatten die Besucher die Qual der Wahl. Im österlichen Sortiment hatten die Verkäufer köstliche Marmeladen, kunstvoll gestaltete Karten, Hasen und Küken aus Stoff, Filz und Holz, farbenfrohe Kerzen, dekorative Blumengestecke, duftende Kissen und fantasievolle Anhänger, aber natürlich auch Ostereier in allen Formen und Farben – bemalt und besprüht, gefräst und gefärbt, bestickt und mit Stoff bezogen. Weniger zerbrechliche ovale Kunstwerke bot Uschi Küpper aus Groß-Umstadt. Nach der Technik der japanischen Papierfaltkunst Origami hatte sie Schmetterlinge, Schmuckeier, aber auch Blütenkugeln gefertigt. „Die große Blütenkugel besteht aus 60 Einzelteilen“, informierte die Künstlerin, die gerne neue Kreationen aus Papier entwickelt. Ungewöhnliche Eierkunst für echte Unikate-Jäger hatte Uschi Küppers Ehemann Heinz im Angebot. Er führte den Besuchern vor, wie beim Drechseln aus unterschiedlichen Holzarten hübsch gemaserte Ostereier entstehen, und zeigte dabei auch hölzerne Kunstwerke aus dem australischen Banksia-Zapfen. „Anders als herkömmliche Zapfen haben diese keine Schuppen, sondern Samentaschen. Innen sind sie massiv.“ Die gedrechselten Exemplare hatten ihren Preis: „Sie sind teurer als andere Holzeier der Größe. Schließlich müssen sie um die halbe Erde transportiert werden“, so Hans, der „Holzwurm aus dem Odenwald“.
Die Kälte konnte Karin Oefner aus Herbstein nicht schrecken. Trotz nur weniger Grad über Null griff sie zu Farbe und Pinsel und zeigte im Innenhof, wie sie Mohn- und Kornblumen, Rittersporn und Gänseblümchen, Gräser und Buschwindröschen auf ihren Eiern wachsen lässt. Ebenfalls eine ruhige Hand stellte Roma Fromme-Monsees unter Beweis, die Kalligraphie auf dem Ei demonstrierte. Mit Feder und Schellack beschriftet die Hatzfelderin, die Architektur, Grafik und Kunstgeschichte studiert hat, Eier der verschiedensten Größen mit religiösen und philosophischen Texten. Die besondere Herausforderung sei die Tatsache, dass ihre Leinwand dreidimensional sei. „Der Buchstabe muss Gymnastik machen“, sagte sie. Dass dieses Kunststück auch auf kleinsten ovalen Leinwänden gelingt, zeigte sie an einem Wellensittich-Ei, das sie mit dem Vaterunser beschriftet hat, und einem Tauben-Ei, auf dem das gesamte Glaubensbekenntnis Platz gefunden hat. Passiert ein Fehler, ist ein Neubeginn unumgänglich, denn Schellack lässt sich nicht entfernen. „Aber mir passieren kaum Fehler, denn wenn ich schreibe, bin ich in Meditation, so die Künstlerin.
Wie Eier gefärbt werden können, ohne auf Chemie zurückzugreifen, erläuterte Barbara Schwarz aus Bad Schwalbach. Ein leuchtendes Pink etwa ergibt ein Farbstoff, der aus Koschenille-Schildläusen gewonnen wird, mit Labkraut und Alaun wird gelb gefärbt, Stockrosen ergeben einen bläulichen Farbton und Sandelholz ein schönes Braun. In kleinen Tüten hatte die Färbe-Expertin die Kräuter und Wurzeln verpackt, dazu bekamen die Kunden eine Anleitung. „Ein Rundum-Sorglos-Paket“, so Schwarz.
Während die Eltern in aller Ruhe das vielfältige Angebot betrachteten, konnten die Kinder kreativ werden. Im Innenhof bastelte Holzgestalter Matthias Schmidt aus Schmitten mit den Mädchen und Jungen hölzerne Hasen, Hähne und Schmetterlinge. Etwas wärmer war es in Sulinchens Bastelstube unter dem Museumsdach. Dort konnten die Jüngsten Buchsbaumsträußchen binden, mit bunten Kreppbändern verzieren und das Museumsmaskottchen ausmalen.

 

Taunus Zeitung, 14. Februar 2015

 

Die Großzügigkeit der „Lady Monte Carlo“

Heimatliebe und ein großes Herz ließen Marie Blanc dem kleinen Friedrichsdorf treu bleiben

Von Nina Meier

Was hätte wohl Marie Blanc am Valentinstag verschenkt? Ein Haus, teuren Schmuck, gar ein Schloss? Sie kam zwar aus einfachen Verhältnissen. Aber es kam der Tag, an dem sie großzügige Geschenke machen konnte. Und sie hat ihre Heimat nie vergessen.

Friedrichsdorf. Marie Blanc, geboren Hensel, war nicht nur die „Lady Monte Carlo“, sie war auch eine Friedrichsdorfer Tochter. In Friedrichsdorf wurde sie 1833 geboren. Und sie wuchs in der damals hugenottischen Gemeinde in dem kleinen Häuschen der heutigen Taunusstraße 4 auf. Marie hatte elf Geschwister. Der Vater war Schuster, und die Familie betrieb eine Spinnerei, die aber bald pleite ging.
Marie musste zu Hause viel helfen, so wie es damals üblich war. Sie muss ein braves Mädchen gewesen sein: „Marie war eifrig und fehlte nie in der Schule“, kann heute die Friedrichsdorfer Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich aus Unterlagen folgern.
Dass Marie mal zu Höherem aufsteigen würde, damit war nun erst einmal nicht zu rechnen. Und schon gar nicht damit, dass sie einmal Menschen reich beschenken könnte. Doch ihr Leben veränderte sich, als sie 14 Jahre alt war. Sie brachte die besten Voraussetzungen mit, um als Dienstmädchen zu arbeiten.

Verliebt

Ein Verwandter empfahl sie, und zwar in den Haushalt des Franzosen Francois Blanc. Weil sie aus einer Hugenotten-Familie stammte, sprach die junge Marie Französisch – ein Pfund, mit dem sie wuchern konnte. Der wesentlich ältere Herr Blanc und die junge Marie verliebten sich schließlich ineinander. Francois schickte Marie nach Paris, um sie zur Dame ausbilden zu lassen und heiratete sie, als sie volljährig war. Fortan gehörte Marie zur höheren Gesellschaft, doch das stieg ihr offenbar nicht zu Kopfe. Marie ließ andere an ihrem Wohlstand teilhaben, war sehr großzügig, schenkte ihren Eltern Immobilien und regelmäßig Geld und hielt immer den Kontakt zu ihnen. Auch viele andere Friedrichsdorfer sollen, laut Überlieferung, von ihr Gutes erfahren haben. Ein Valentinstag zu Zeiten der Marie Blanc wäre wohl ein Festtag gewesen. Marie Blanc hätte vermutlich große Freude daran gehabt, anderen eine Freude zu bereiten.
Wie war sie aber zu all dem Reichtum gekommen, der ihr diese Großzügigkeit erlaubte? Ihr Mann war zwar, bevor sie sich kannten, in Bankgeschäften tätig gewesen, kam aber in die Bredouille, als bekannt wurde, dass er Insidergeschäfte gemacht hatte. In Paris wurde ihm der Prozess gemacht, er verlor. „Finanziell war das gar nicht so schlimm, aber sein Ruf als Bänker war dahin“, schildert Dittrich.
Blanc selber kam auf den Trichter, in Bad Homburg eine Spielbank zu eröffnen und setzte dies 1841 in die Tat um. Hessen-Homburg brauchte Geld, eine Spielbank brachte Geld in den Ort. Marie Blanc hatte schließlich die Idee, mit dem Spielbankgeschäft auch in Frankreich aktiv zu werden.
François Blanc erhielt 1863 die 50-jährige Konzession für die Spielbank Monaco. Aus dem einstigen Piratennest wurde ein Pilgerort für Spieler und Vergnügungssüchtige. Die Gegend erblühte, es wurden Straßen gebaut, in Monaco wurde die Steuerfreiheit eingeführt. Die Basis legten die Gewinne der Spielbank, denn die sprudelten enorm. Und umso mehr, nachdem der einstige Homburger Casino-Chef Francois Blanc endgültig mit seiner Familie an die Cote d’Azur gezogen war. Denn Preußen hatte zwischenzeitlich das Glücksspiel verboten. Als eine der reichsten Frauen Europas errichtete sich Marie Blanc eine prachtvolle Welt mit mehreren Schlössern in Paris und der Schweiz. „Ja, so ein sozialer Aufstieg hat schon was“, lächelt Dr. Erika Dittrich.
Durch ihre Kreativität und Geschäftstüchtigkeit unterstützte Marie Blanc ihren Mann in seinen Geschäften, und das in einer Zeit, in der es Frauen nicht einmal erlaubt war, selbst Verträge zu zeichnen. Während sie selbst ihren Wohlstand dem Glücksspiel verdankte, bläute sie ihrer Verwandtschaft ein: Niemals spielen!

Jung gestorben

Als ihr Mann im Alter von 71 Jahren im Jahr 1877 starb, hinterließ er ihr mehr als 170 Millionen Goldfranc. Als Witwe durfte sie die Geschäfte ihres Mannes fortführen und übernahm die Position des Generaldirektors der Casino-Gesellschaft Monte Carlo.
Sie blieb Friedrichsdorf aber stets verbunden, finanzierte unter anderem den ersten Kindergarten und Teile der Kirche. Viel hatte sie aber nicht von all dem Prunk. Sie war nur 48 Jahre alt, als sie vier Jahre nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1881 starb.

 

Taunus Zeitung, 10. Februar 2015

 

Preis der Regionalgeschichte 2015

Rund 80 Teilnehmer erkundeten beim zweiten Regionaltag der Geschichte im Historischen Museum in Frankfurt Archivmaterial zum Ersten Weltkrieg und zu Kriegsdenkmälern. Dabei ging es auch um Friedrichsdorf

Von Gernot Gottwals

Friedrichsdorf/Frankfurt. Heute birgt die einstige Munitionskiste des Instituts für Personengeschichte in Bensheim einen Schatz mit Briefen, Akten und sonstigen Dokumenten zum Ersten Weltkrieg. „Zurzeit liegen wir bei Verdun nördlich von Bras und werden reichlich mit feindlicher Artillerie bedacht“, heißt es 1916 in einem Brief von Hans Schimmelpfennig an Ottilie Hecker. Ihr Nachname lässt sich auch auf der Kiste entziffern. „Denn die Adressatin ist zufällig die Schwester von Adolf Hecker, dem die Munitionskiste gehörte. Doch der war schon 1914 in Nordfrankreich gefallen“, erklärt Anina Künner, Mitarbeiterin am Historischen Museum. Der Erste Weltkrieg hat viele solcher Geschichten zu erzählen. Im Workshop „Feldpostbriefe und andere Dokumente“ gingen rund 30 Teilnehmer des zweiten Tags der Regionalgeschichte im Historischen Museum und Haus am Dom auf Spurensuche zum Thema „Der Erste Weltkrieg in Frankfurt und Rhein-Main“. Zu Beginn beleuchteten die Professoren Christoph Cornelißen und Jürgen Müller Aspekte zur Schuldfrage im Ersten Weltkrieg und zur besseren Versorgungslage in den hessischen Dörfern, während Städte wie Frankfurt von Lebensmittellieferungen oft abgeschnitten waren.

Gewissenskampf

Eine besondere Überraschung unter den fünf Arbeitsgruppen bot der Workshop „Deutschtum oder Franzosenliebe – Friedrichsdorf und der Erste Weltkrieg“ zum gleichnamigen mit dem Preis der Regionalgeschichte 2015 ausgezeichneten Buch. Denn hierin stellte die Leiterin des Stadtarchivs, Heimatmuseums und Philipp-Reis-Hauses in Friedrichsdorf, Erika Dittrich, den Gewissenskampf ihrer Heimatstadt vor, in der viele Nachfahren von Hugenotten noch Französisch sprachen und nun gegen den „Erbfeind“ Frankreich in den Krieg ziehen sollten.
„Für jeden (zivilen) Friedrichsdorfer galt, dass er aus der Not eine Tugend machte und mit Disziplin und Pflichterfüllung die vier Kriegsjahre überstand“, heißt es im Sonderband 7 der Friedrichsdorfer Schriften. „Doch bald galt die Sprache des Kriegsgegners als fremdländisch, und Französisch verschwand später fast völlig aus dem Alltag“, berichtete Dittrich.
Neben städtischen Archiven und Instituten bewahren auch viele Kirchen wie Frauenfrieden in Frankfurt als Gedenk- und Archivstätten das Gedächtnis an den Ersten Weltkrieg. Deshalb stellte das Haus am Dom nicht nur die Seminarräume für die Workshops bereit, sondern organisierte auch einen eigenen Workshop zum Thema „Die Kirchen im Ersten Weltkrieg – Gemeindekirchen geben Auskunft“. Die Leiterin des Diözesanmuseums, Martina Wagner, zitierte aus einer Villmarer Pfarrchronik, nach der ein dortiger Pfarrer noch Messen las und Beichten abnahm, ehe er die Soldaten an die Front verabschiedete.
„Die zeitlichen Sperrfristen, die für Pfarrchroniken gelten, haben für den Ersten Weltkrieg nach 100 Jahren keine Bedeutung mehr“, erklärte die Stadtteilhistorikerin der Polytechnischen Gesellschaft und Pfarrsekretärin von Frauenfrieden, Kerstin Stoffels. „Gewisse Formulierungen sollte man zwischen den Zeilen lesen und auch bei den Fotos auf kleinste Hinweise achten.“

Erinnerungen

Kurator Dominik Burkhard stellte die Frankfurter Abteilung zum Ersten Weltkrieg im Historischen Museum vor, Anna Turré vom Volksbund Kriegsgräberfürsorge und Hans Günter Thorwarth diskutierten über Gedenkstätten und Male im Rhein-Main-Gebiet.
„Neben Frauenfrieden haben wir noch eine Kriegerdedächtniskapelle in Flörsheim, die Schnupperpilger auf dem Jakobsweg dazu anregte, sich über ihre Erinnerungen und Familiengeschichten auszutauschen“, erinnerte Hans Prömper, Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung.
„Wir müssen auch die Gedenkkultur in den Nachbarländern berücksichtigen und uns fragen, ob Gefallenendenkmäler noch zeitgemäß sind“, gab Turré zu bedenken. „Spannend ist immer die Frage, wie die Historiker an ihre Quellen herankommen und die darin beschriebenen Personen mit Leben gefüllt werden“, fand Hans-Dieter Schneider, Teilnehmer des Workshops über Deutschtum und Franzosenliebe. Vor allem dann, wenn der eigene Vater selbst in beiden Weltkriegen kämpfte und man sogar als Kriegswaise aufwuchs.

 

Taunus Zeitung, 31. Januar 2015

Im Range eines Textilzentrums

Von Montag an gibt es im Friedrichsdorfer Rathaus Geschichte zum Anfassen: Die Ausstellung „Krieg und Freiheit“ beleuchtet die „Franzosenzeit und Befreiungskriege“ in der Rhein-Main-Region in den Jahren 1792 bis 1815.

Von Katja Schuricht

Friedrichsdorf. Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich hätte es sich einfach machen können: Einfach nur 16 Bilder- und Textfahnen im oberen Rathausfoyer zu verteilen, und schon wäre die Wanderausstellung zum Thema „Krieg und Freiheit – Franzosenzeit und Befreiungskrieg in der Rhein-Main-Region“ fertig gewesen. Doch das war der Leiterin des Philipp-Reis-Hauses zu langweilig. Also hat sie gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen im Archiv und im Stadtmuseum Ausschau nach passenden Exponaten gehalten und ist fündig geworden.

Schöne Stücke

„So haben wir noch den lokalen Bezug und die regionale Geschichte aus dieser Epoche von 1790 bis 1815 herstellen können und zeigen manche schöne Stücke“, sagt Dittrich. Die historischen Dokumente wie Fotografien, Briefe sowie die Verleihungsurkunde des Stadtwappens und ein Erlass aus dem Jahr 1797, der den Friedrichsdorfern bescheinigt, dass sie von Steuern und Einquartierungen französischer Soldaten befreit werden, zeigen, dass in dieser Zeit in Friedrichsdorf Spannendes passiert ist.

Geist der Freiheit

Doch der rote Faden der Schau ist die Wanderausstellung der „Kulturregion FrankfurtRheinMain“. Sie wurde von der Arbeitsgemeinschaft „Geist der Freiheit – Freiheit des Geistes“ konzipiert, der auch Erika Dittrich angehört. Die Fahnen der Wanderausstellung beleuchten in Schrift und Bild die Geschichte von den Revolutionskriegen 1792 bis zum Wiener Kongress 1815 ebenfalls anhand vieler lokaler Beispiele. Entstanden ist die Dokumentation in Kooperation mit Kommunen, Museen, Archiven und dem Geschichtsverein der Kulturregion.
„Wir haben für die Ausstellung ein echtes Prunkstück aus dem Archiv hervorgeholt“, verrät Dittrich. „Ein weißes Kleid im Empire-Stil aus dem Jahr 1800. Es stammt aus dem Besitz einer Friedrichsdorfer Familie“, erzählt sie.
Die Zeit um 1800 und schon die Zeit davor, erzählt Dittrich, war wirtschaftlich gesehen für Friedrichsdorf eine gute Zeit: „Die Textilherstellung in der französischen Kolonie erlebte ab den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts einen rasanten Aufschwung“, sagt Dittrich. Arbeiteten zunächst nur wenige Meister in dem Bereich der Leinen- und Feinleinenweberei, stellte man sich ab 1740 auf die Fabrikation von Streifenflanell um, so die Stadtarchivarin. „Gemeinsam mit den Strumpfwebern lässt sich ein stetiger Anstieg der ,flanelliers’ in Friedrichsdorf, das 1771 seine Stadtrechte erhielt, nachweisen.“ 1722 waren es noch 22 Flanellmacher, 1801 bereits 74. „In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte die Hugenottenstadt bereits den Rang eines Textilzentrums inne und war zum Mittelpunkt einer blühenden Industrie avanciert“, erläutert Dittrich.
Auch wenn der Textilhandel florierte – mit Ausbruch der Koalitionskriege 1792 hatte das gesamte Taunusgebiet unter den Kriegsfolgen zu leiden. „Regelmäßige Einquartierungen der Franzosen, aber auch Soldaten der alliierten Mächte, belasteten Friedrichsdorf, Köppern, Seulberg und Holzhausen erheblich“, berichtet die Stadtarchivarin. „Und damit nicht genug: Die Einquartierten nahmen mit, was sie brauchen konnten, darunter Kleidung, landwirtschaftliche Geräte und Nahrungsmittel.“
Ab 1797 blieb Friedrichsdorf jedoch von alledem verschont. „Ein Schreiben an den französischen Kommandanten in Friedberg beeindruckte diesen dermaßen, dass er den Ort per Schutzbrief von Steuern und Einquartierungen befreite“, führt Dittrich aus. „In ihrem Brief verwiesen die Nachfahren der Hugenotten auf ihre französische Abstammung und forderten eine Wiedergutmachung für die Leiden ihrer Vorfahren, die wegen ihres Glaubens aus Frankreich vertrieben wurden.“ Dieser Schutzbrief wurde noch zwei Mal verlängert. Erst 1806, als Folge der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation und der damit einhergehenden Neuordnung des Verwaltungssystems, wurden in Friedrichsdorf sämtliche Privilegien der einstigen Glaubensflüchtlinge aufgehoben. „Trotz eines erneuten Schreibens der Friedrichsdorfer an die Darmstädter Regierung mit der Bitte, ihre Sonderstellung zu erneuern, mussten sie bis zum Erlangen der Souveränität der Landgrafschaft 1815 warten, um die entzogenen Befugnisse zurückzuerhalten.“

Bürgermeister Horst Burghardt wird die Schau am kommenden Montag um 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses eröffnen. Magdalena Zeller von der „Kulturregion FrankfurtRheinMain“ wird gemeinsam mit Erika Dittrich eine Einführung geben.

Am Dienstag, 3. März, lädt die Museums- und Archivleiterin Dittrich um 19 Uhr zu einem Vortrag mit dem Thema „Wir sind Frankreich nicht völlig fremd“ ins Rathaus ein.

 

Friedrichsdorfer Woche, 29. Januar 2015

 

Als Mädchen noch kunstvoll ihre Aussteuer gestalteten

 

Friedrichsdorf (fw). Am 25. Januar hat das Heimatmuseum Seulberg den Faden aufgenommen und eine neue Sonderausstellung eröffnet. Unter dem Titel „Gestickte Leidenschaft – Stickmustertücher“ sind bis zum 2. April Kunstwerke junger Mädchen aus zwei Jahrhunderten und damit ein Stück Sozialgeschichte junger Frauen zu sehen.
Lang ist die Tradition, die Aussteuer kunstvoll mit Motiven und Monogrammen zu besticken, erleichterte dies doch beim gemeinsamen Waschen und Bleichen das Wiederfinden. Zahlreiche Schablonen halfen der jungen Hausfrau beim Übertragen der Buchstaben auf den Stoff, wie die reiche Sammlung zeigt, die Inge Rupprecht dem Heimatmuseum Seulberg überlassen hat. Doch waren diese Schablonen ausgesprochen teuer und für ein ansprechendes Äußeres benötigte die Stickerin das handwerkliche Können zum Gestalten der Buchstaben. Diese Fähigkeiten erlernten die zarten Mädchenhände zunächst daheim unter mütterlicher Anleitung oder in Klosterschulen durch die Anfertigung eines eigenen Stickmustertuches. Geduldig übten sich die jungen Damen im Umgang mit Nadel und Faden, indem sie Motive, Buchstaben und Sticktechniken auf feinem Leinen sammelten und verwahrten, um später nach diesen Vorlagen ihre Aussteuer zu gestalten.
Die Ginsheimer Berufsschullehrerin Elke Guthmann, selbst begeisterte Stickerin, sammelt seit rund 30 Jahren mit großer Leidenschaft historische Stickmustertücher, bei denen die Stickerinnen ihrer persönlichen Kreativität freien Lauf lassen durften und daher jedes ein Unikat darstellt. Mittlerweile verfügt sie über 110 Objekte aus zwei Jahrhunderten, von denen rund ein Drittel im Heimatmuseum Seulberg zu sehen ist, die meisten davon erstmals öffentlich.
Sie geben Einblick in die vielfältigen Motive, die von Bibelszenen über Tiere bis zu aufwändigen Landschaftsbildern reichen. In dieser komplexen Symbolsprache – die in der Ausstellung entschlüsselt wird – gibt es je nach Ursprungsregion und –land verschiedene Schwerpunkte. Während in katholischen Landstrichen bunte Farben vorherrschen und viele Symbole der Bibel entlehnt wurden, sind etwa die Stickereien der Friedrichsdorfer Hugenotten wesentlich einfacher gehalten, geprägt vom strengen Bilderverbot des reformierten Glaubens. Dass die Frauen dennoch kunstfertig mit der Nadel umzugehen wussten, beweisen die aus hochwertigen Garnen gefertigten Weißstickereien der Abendmahlstücher. Denn Frauenhände sollten nicht ruhen. Mit der Kaiserzeit kam den Mustertüchern im Lehrplan des Unterrichtsfaches Handarbeit ein wichtiger Stellenwert zu. Mit türkischrotem Wollgarn gestalten auch Seulberger Mädchen ihre Tücher nach den strengen staatlichen Vorgaben, wovon die Exemplare von Margarete Landvogt und Karoline See in der Ausstellung zeugen. In dieser Zeit galt die Maxime: Eine ordentliche Arbeit zeugt von einem lauteren Charakter. Weit hatte man sich inzwischen von den freien Arbeiten des Biedermeiers entfernt, die einen Großteil der Ausstellung ausmachen.
Die Sonderausstellung „Gestickte Leidenschaft – Stickmustertücher“ im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46, ist mittwochs und donnerstags von 9 bis 12.30 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen finden am Aschermittwoch, 18. Februar, und am Dienstag, 17. März, jeweils um 18 Uhr statt. Es wird eine Gebühr von drei Euro erhoben. Am Sonntag, 22. März, zeigt während des traditionellen Ostermarkts im Heimatmuseum die Sammlerin Elke Guthmann an einem eigenen Stand ihre eigenen Arbeiten.
Museumskobold Sulinchen begleitet die Schau mit Kinderveranstaltungen. Am Mittwoch, 25. Februar, wendet sich das Koboldmädchen der lustigen Filzerei zu. Der Tag steht im Zeichen der Freundschaft. Für die Kinderzimmer basteln sich die Kleinen am Mittwoch, 1. März, Sockenpuppen und dürfen mit Sulinchen am Mittwoch, 25. März, endlich bunte Eier mit Naturfarben färben. „Sulinchens Kindereien“ finden jeweils um 15.15 Uhr statt. Es wird ein Teilnehmerbeitrag von drei Euro erhoben. Weitere Auskünfte erteilt Dr. Erika Dittrich unter Tel. 06172-7313100 oder E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de.

 

Taunus Zeitung, 24. Januar 2015

Stichhaltige Arbeitsproben

Um kleine und große Kunstwerke aus bunten Stoffen und Fäden dreht sich die neue Sonderausstellung im Heimatmuseum: Die Schau „Gestickte Leidenschaft – Stickmustertücher“ wird morgen eröffnet.

Von Katja Schuricht

Seulberg. Helma Hohmann musste als Schulmädchen ihre Nähkünste nicht verstecken: Die Seulbergerin, eine geborene Bingenheimer, hatte im Fach Nadelarbeiten stets ein „sehr gut“, wie der Blick auf ihr Zeugnis aus dem Jahr 1952 beweist.
Bestes Beispiel dafür, wie gut sie mit Nadel und Faden umzugehen weiß, ist die immer noch blütenweiße Schürze, die mit blauen und roten Blumen und Herzen verziert ist. Helma Hohmanns Glanzstücke aus dem Handarbeitsunterricht der 1950er Jahre sind in der neuen Sonderausstellung zu bewundern, die morgen um 15 Uhr im Heimatmuseum eröffnet wird.
„Gestickte Leidenschaft – Stickmustertücher“ lautet der Titel. „Wir zeigen Kunstwerke von Mädchen aus zwei Jahrhunderten und bilden damit auch ein Stück Sozialgeschichte junger Frauen ab“, erklärt Dr. Erika Dittrich. Die Stadtarchivarin und Vorsitzende des Vereins für Geschichte und Heimatkunde hat die Sonderschau organisiert.
„Wir haben zwei Schwerpunkte“, erläutert Dittrich. „Zum einen zeigen wir einen Teil der Sammlung historischer Stickmustertücher der Ginsheimer Berufsschullehrerin Elke Guthmann. Zum anderen präsentieren wir Beispiele dieser Handarbeitskunst aus Seulberger Familien, aus der Kaiserzeit bis in die 1950er Jahre“, so Dittrich.
Schon lange besteht der Kontakt zwischen der Sammlerin Elke Guthmann und dem Heimatmuseum. Guthmann ist seit vielen Jahren beim Ostermarkt vertreten und stickt am Markttag in der Schusterstube Weihetücher. Seit 30 Jahren sammelt Guthmann, die als Berufsschullehrerin für Textilgestaltung arbeitet, Zeugnisse dieser verloren gegangenen Welt. „Da sie sich aus Platzgründen von Teilen ihrer Sammlung trennen muss, wollten wir vorher die Gelegenheit nutzen, die schönsten Objekte in einer Ausstellung zu zeigen“, informiert die Museumsleiterin. „Die meisten Stickmustertücher sind erstmals öffentlich zu sehen.“
Bei den historischen Stickmustertüchern, so Dittrich, konnten die Stickerinnen ihrer persönlichen Kreativität freien Lauf lassen. Deshalb ist jede der Arbeiten ein Unikat. „Die Tücher zeigen vielfältige Motive, meist sind es Bibelszenen und Tiere, aber auch Anker oder flammende Herzen, deren symbolische Bedeutung ebenfalls Bezug zur Bibel hat“, erklärt sie. „So steht das flammende Herz für die Liebe zu Christus und der Anker für die Kardinaltugenden Glaube, Liebe und Hoffnung. Diese komplexe Symbolsprache entschlüsseln wir auch in der Ausstellung.“

Bunt oder puristisch

Zu sehen sind in den Vitrinen auch Stickmustertücher aus Italien, England oder Schweden. Je nach Ursprungsregion und -land gibt es dabei verschiedene Schwerpunkte. Dittrich: „Während in katholischen Landstrichen bunte Farben vorherrschen und viele Symbole der Bibel entlehnt wurden, sind etwa die der Friedrichsdorfer Hugenotten wesentlich einfacher gehalten, geprägt vom strengen Bilderverbot des reformierten Glaubens.“
Dass die Puristen unter den Kreativen dennoch kunstfertig mit der Nadel umzugehen wussten, beweisen die aus hochwertigen Garnen gefertigten Weißstickereien der Abendmahlstücher, die man zu besonderen Kirchgängen getragen hat. Je feiner und reicher man die Brusttücher verziert hatte, umso deutlicher war die Botschaft, dass man es zu etwas gebracht hatte.
Mit der Kaiserzeit, so Dittrich, kam den Mustertüchern im Lehrplan des Unterrichtsfachs Handarbeit ein wichtiger Stellenwert zu. „Der Lehrplan verlangte zwei Mustersticktücher: ein Weißsticktuch mit Monogrammen und ein Zeichentuch mit dem Alphabet und mit Zahlen sowie dem eingestickten Namen.“ Mit türkischrotem Wollgarn gestalteten auch Seulberger Mädchen ihre Tücher nach den strengen staatlichen Vorgaben, berichtet die Stadtarchivarin.

Von der Mutter gelernt

Veranschaulicht wird dies dank der Leihgaben der Familien Landvogt und See. „In dieser Zeit galt die Maxime, eine ordentliche Arbeit zeugt von einem lauteren Charakter. Damals hatte man sich von den freien Arbeiten des Biedermeiers entfernt, die jedoch einen Großteil der Ausstellung ausmachen.“
Junge Mädchen mussten schon im Alter von sechs bis 15 Jahren mit Handarbeiten und vor allem dem Sticken der Mustertücher beginnen. „Diese Fähigkeiten erlernten die zarten Mädchenhände zunächst zu Hause unter mütterlicher Anleitung oder in Klosterschulen über die Anfertigung eines eigenen Stickmustertuches“, erklärt Dittrich.
„Die jungen Damen übten sich geduldig im Umgang mit Nadel und Faden, indem sie Motive, Buchstaben und Sticktechniken auf feinem Leinen sammelten und verwahrten, um später nach diesen Vorlagen ihre Aussteuer zu gestalten“, berichtet Dittrich. Die Tradition, die Aussteuer kunstvoll mit Motiven und Monogrammen zu versehen, hatte dabei durchaus auch einen praktischen Wert. „Schließlich erleichterten die Initialen beim gemeinsamen Waschen und Bleichen das Wiederfinden der Wäsche.“ Zahlreiche Schablonen halfen der jungen Hausfrau beim Übertragen der Buchstaben auf den Stoff, wie die reiche Sammlung zeigt, die Inge Rupprecht dem Heimatmuseum überlassen hat.

Die Ausstellung ist mittwochs und donnerstags von 9 bis 12.30 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. In den Ferien bleibt das Museum geschlossen. Auch zu dieser Sonderschau hat das Museumsteam ein Begleitprogramm zusammengestellt: Führungen finden am 18. Februar , 18 Uhr, und am 17. März, 18 Uhr, statt. Die Teilnahme kostet 3 Euro. Am 22. März zeigt Sammlerin Guthmann während des Ostermarkts im Heimatmuseum an einem eigenen Stand ihre Arbeiten.
Weitere Auskünfte erteilt Dr. Erika Dittrich unter der Telefonnummer (0 61 72) 7 31 31 00 oder per E-Mail: erika.dittrich@friedrichsdorf.de.

 

Friedrichsdorfer Woche, 22. Januar 2015

Gestickte Leidenschaft im Museum

 

Seulberg (fw). Am Sonntag, 25. Januar, um 15 Uhr eröffnet Bürgermeister Horst Burghardt im Heimatmuseum Seulberg die neue Sonderausstellung „Gestickte Leidenschaft – Stickmustertücher“.
Einst schufen zarte Mädchenhände aufwendig gestaltete Stickmustertücher, die als sorgsam gehüteter Schatz nur in der eigenen Familie weitergegeben wurden. Als Teil der erzieherischen Ausbildung junger Damen haben die mit Buchstaben und Mustern verzierten Leinen eine lange Tradition. Selbstverständlich auch bei den Seulbergern Mädchen, von denen sich neben zahlreichen Mustertüchern sogar die Zeugnisse, die nicht immer Bestnoten im Fach „Handarbeiten“ zeigen, erhalten haben. Dabei galten die gerahmten Arbeiten doch als Ausweis ihrer Fertigkeiten – immerhin mussten die Mädchen ihre Aussteuer besticken, um sich so auf die Rolle der Hausfrau vorzubereiten. Die Stickmustertücher waren somit weitaus mehr als eine Sammlung von Vorlagen.
Rund 110 Mustertücher aus zwei Jahrhunderten und aus aller Welt umfasst die Sammlung von Elke Guthmann, die zur Eröffnung durch die Ausstellung führt. Durch kostbare Muster- und Modellbücher kann der Besucher die Vielfalt und die Entwicklung der grazilen Handarbeit verfolgen. Die Entschlüsselung der komplexen Symbolsprache der einzelnen Regionen und Länder ist ebenso Inhalt der Ausstellung wie der Übergang zu österlichen Weihekorbtüchern. Selbst in der feinen Kunst geübt, gestaltet Elke Guthmann zur Eröffnung die schönsten Stickereien. In der gemütlichen Museumsklause warten auf den Besucher Kaffee und Kuchen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.
Zu sehen ist die Sonderausstellung bis zum 2. April zu den üblichen Öffnungszeiten mittwochs und donnerstags von 9 bis 12.30 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46. Museumskobold Sulinchen begleitet die Schau mit Kinderveranstaltungen. Am 28. Januar stickt der Kobold um 15.15 Uhr zusammen mit den Kindern tolle Stickbilder. Es war ein Teilnehmerbeitrag von drei Euro erhoben. Weitere Infos bei Dr. Erika Dittrich, Tel. 0672-7313100 oder E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de.

 

Taunus Zeitung, 15. Januar 2015

 

Briefe von der Front

Die Schicksale Friedrichsdorfer Bürger im Ersten Weltkrieg werden in einem neuen Sonderband der „Friedrichsdorfer Schriften“ eindrucksvoll geschildert. Vorgestellt wird das Buch am heutigen Donnerstag von 19 Uhr an im Rathaus von Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) sowie Marianne Peilstöcker vom Arbeitskreis. Alle an Geschichte Interessierten sind eingeladen.

Friedrichsdorf. „Deutschtum oder Franzosenliebe?“ steht mit Fragezeichen über dem 272 Seiten starken Buch, das die Sonderausstellung im Seulberger Heimatmuseum zum 100. Jahrestag des Kriegsbeginns nun erweitert und vertieft. In Wort und zahlreichen Bildern ist nachzuerleben, wie sich die Folgen des Ersten Weltkrieges auf die Menschen auswirkten. Friedrichsdorf bietet hierfür viele Facetten, da seine fünf damals selbstständigen Ortsteile recht verschieden waren, teils noch ländlich geprägt wie Seulberg, Dillingen und (Burg)Holzhausen, teils aber auch schon gewerblich-industriell wie Köppern und Friedrichsdorf selbst. So leitet denn das Kapitel „Friedrichsdorf im Aufschwung“ den Band auch ein.

Zwei Jahre Recherche

Zwei Jahre lang recherchierten acht Mitglieder des Arbeitskreises „Friedrichsdorfer Geschichte“ gemeinsam mit der Leiterin des Stadtarchivs, Dr. Erika Dittrich, bei monatlichen Treffen in den Räumen des Archivs das reiche Quellenmaterial und werteten es aus. Dies galt vor allem für die vielen Feldpostbriefe und Tagebücher aus Privatbesitz, durch die das Leben unter Kriegsbedingungen sowohl im zivilen wie militärischen Bereich an Authentizität gewinnt. „Vor allem wurde deutlich, wie bald sich die Kriegsbegeisterung in Kriegsmüdigkeit verwandelte“, erklärt Dittrich. „Sogar von ,Menschenopfern’ war die Rede.“ Überrascht waren Dittrich und die Mitglieder des Arbeitskreises darüber, wie viel Material aus den Kriegszeiten gefunden wurde. „Wir haben nicht nur das Archiv zu Rate gezogen, sondern auch bei einigen Privatpersonen nachgefragt“, sagt Dittrich.
Besonders bemerkenswert sind der Erfahrungsbericht des Seulbergers Philipp Hennemann über seine Gefangenschaft in Russland und die grausigen Tagebucheinträge des Friedrich van Basshuisen an der Westfront, die im neuen Buch erstmals vollständig veröffentlicht werden. Hinzu kommt die Sonderstellung der Kernstadt als Gründung protestantischer Glaubensflüchtlinge aus Frankreich. Es führt zu der Frage, ob der Krieg gegen den „Erbfeind“ ihre Nachfahren in einen Gewissenskonflikt zwischen französischer Herkunft und deutscher Heimat stürzte.
Während die Menschen zu Hause unter Hunger und Entbehrungen litten, galt ihre Hauptsorge dem im Felde stehenden Vater, Sohn oder Ehemann. Mit den wiederkehrenden Soldaten kamen dann die Soldaten- und Arbeiterräte, deren primäre Sorge die Probleme der Ernährung der Bevölkerung war. Dittrich: „Kaum noch bekannt ist, dass es in Friedrichsdorf sogar einen ‚Kommunistenaufstand’, gab, der mit Waffengewalt niedergeschlagen wurde. Nach nur 20 Minuten war der ganze Aufstand aber auch schon wieder vorbei.“
Es ist die biografische Nähe zu den Menschen, die dieses Buch auszeichnet. Fernab strategischer Militärhistorie erzählen ausgewählte Einzelschicksale und 300 Fotos beeindruckende Geschichte(n) aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Krankenschwester Anna Gauterin kommt ebenso zu Wort wie Langemarck-Kämpfer Fritz Levermann – sogar ein Spion wird enttarnt.

Bewegende Briefe

Bewegende und unzensierte Briefe schrieb Charles Rees aus Verdun seiner Familie nach Friedrichsdorf. Den Schwerpunkt aber bildet die Heimatfront, für die Lehrer Wilhelm Gruner steht. Mit Hurra zogen elf seiner Schüler nach dem Augusterlebnis sogleich in die Schlacht. Jeder sechste der gut 1200 aus der Gesamtstadt Eingezogenen kehrte nie zurück, und wer überlebte, war für immer an Körper und Seele gezeichnet. „Kriegszitterer“ kamen in Nervenheilanstalten, um sie mit brachialen Methoden wie Elektroschocks und Exerzieren zu „behandeln“.
Auch dieses wenig bekannte Kapitel ist Gegenstand der Gesamtbetrachtung Friedrichsdorfs in den schicksalhaften Jahren 1914 bis 1918 und darüber hinaus. Nicht genug, dass die Ernährung problematisch blieb, die tiefgreifenden Folgen, insbesondere die inflationsbedingte Enteignung fast aller Deutschen, sollten sich ja erst danach zeigen.

Das mit 300 Originalfotos bebilderte und grafisch aufwendig gestaltete Buch kann für 15 Euro an der Information im Rathaus, im Stadtarchiv sowie den Museen der Stadt erworben werden. Weitere Infos erteilt Dr. Erika Dittrich unter der Telefonnummer (0 61 72) 7 31 31 00 sowie per E-Mail an erika.dittrich@friedrichsdorf.de

 

Friedrichsdorfer Woche, 15. Januar 2015

 

Ganz nah an den Kriegsschicksalen dran

Friedrichsdorf (fw).

„Deutschtum oder Franzosenliebe?“ steht mit Fragezeichen über dem 272-Seiten starken Buch, das die eindrucksvolle Sonderausstellung im Seulberger Heimatmuseum zum 100. Jahrestag des Kriegsbeginns erweitert und vertieft. Das Stadtarchiv hat für Donnerstag, 15. Januar, um 19 Uhr zur Vorstellung des siebten Sonderbands der „Friedrichsdorfer Schriften“ in das Rathaus eingeladen.

In Wort und zahlreichen Bildern ist nachzuerleben, wie sich die Folgen des vierjährigen Waffengangs auf die Menschen auswirkten. Friedrichsdorf bietet hierfür viele Facetten, da seine fünf damals selbständigen Ortsteile recht verschieden waren, teils noch ländlich geprägt wie Seulberg, Dillingen und (Burg-)Holzhausen, teils aber auch schon gewerblich-industriell wie Köppern und Friedrichsdorf selbst. So leitet denn das Kapitel „Friedrichsdorf im Aufschwung“ den Band auch ein.
Der Arbeitskreis Friedrichsdorfer Geschichte, für den Marianne Peilstöcker bei der Buchvorstellung neben Bürgermeister Horst Burghardt ein Grußwort an alle Geschichtsinteressierten richtet, hat zwei Jahre lang gemeinsam mit Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich im Stadtarchiv recherchiert und das reiche Quellenmaterial erstmals zur Auswertung herangezogen. Dies gilt natürlich erst recht für die vielen Feldpostbriefe und Tagebücher aus Privatbesitz, durch die das Leben unter Kriegsbedingungen sowohl im zivilen wie militärischen Bereich an Authentizität gewinnt. Bemerkenswert der Erfahrungsbericht des Seulbergers Philipp Hennemann über seine Gefangenschaft in Russland oder die grausigen Tagebucheinträge des Friedrich van Basshuisen an der Westfront, die erstmals vollständig veröffentlicht werden.
Hinzu kommt die Sonderstellung der Kernstadt als Gründung protestantischer Glaubensflüchtlinge aus Frankreich. Hier ist zu fragen, ob ihre Nachfahren der Krieg gegen den „Erbfeind“ in einen Gewissenskonflikt zwischen französischer Herkunft sowie deutscher Heimat stürzte. Während die Menschen zuhause selbst unter Hunger und Entbehrungen litten, galt ihre Hauptsorge dem im Felde stehenden Vater, Sohn oder Ehemann. Mit den wiederkehrenden Soldaten kamen dann die Soldaten- und Arbeiterräte, deren primäre Sorge die Probleme Ernährung der Bevölkerung war. Kaum noch bekannt ist, dass es in Friedrichsdorf sogar einen „Kommunistenaufstand“ gab, der mit Waffengewalt niedergeschlagen wurde. Hoffnungsvoll endet das Buch dann mit einer kirchlichen Stiftung des Julius Foucar, die noch heute in der Köpperner Kirche an die Kriegsjahre erinnert.
Es ist die biographische Nähe zu den Menschen, die dieses Buch auszeichnet. Fernab strategischer Militärhistorie erzählen ausgewählte Einzelschicksale und 300 opulente Fotos vielfältig und spannend Geschichte(n) aus der Zeit des Großen Kriegs. Krankenschwester Anna Gauterin kommt ebenso zu Wort wie Langemarck-Kämpfer Fritz Levermann – sogar ein Spion wird enttarnt. Bewegende und unzensierte Briefe schrieb Charles Rees aus Verdun seiner Familie nach Friedrichsdorf. Schwerpunkt aber bildet die Heimatfront, für die Lehrer Wilhelm Gruner steht. Mit Hurra zogen elf seiner Schüler nach dem Augusterlebnis sogleich in die Schlacht. Jeder sechste der gut 1200 aus der Gesamtstadt Eingezogenen kehrte nie zurück und wer überlebte, war für immer an Körper und Seele gezeichnet. „Kriegszitterer“ kamen in Nervenheilanstalten, um dort mit brachialen Methoden wie Elektroschocks und Exerzieren „behandelt“ zu werden. Auch dieses wenig bekannte Kapitel ist Gegenstand der Gesamtbetrachtung Friedrichsdorf in den schicksalhaften Jahren 1914 bis 1918 und darüber hinaus. Nicht genug, dass die Ernährung problematisch blieb, die tiefgreifenden Folgen, insbesondere die inflationsbedingte Enteignung fast aller Deutschen, sollten sich ja erst danach zeigen.
Das mit 300 Originalfotos bebilderte und grafisch aufwendig gestaltete Buch umfasst 272 Seiten und kann für 15 Euro an der Information im Rathaus, im Stadtarchiv sowie den Museen der Stadt erworben werden. Weitere Informationen gibt es bei Dr. Erika Dittrich unter Tel. 06172-7313100 oder E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de.

 

Taunus Zeitung, 5. Januar 2015

 

Mehr als ein nüchterner Chronist

Heute vor 150 Jahren wurde Wilhelm Gruner geboren. Zum Jahrestag blickt Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich für die TZ auf Leben und Werk des 1956 verstorbenen Heimatforschers und Ehrenbürgers zurück.

Friedrichsdorf. „5. Januar 1915: militärischer Kraftwagenverkehr auf der Holzhäuser Landstraße, 50 Jahre alt“ – diese karge und emotionslose Tagebuchnotiz an seinem 50. Geburtstag ist charakteristisch für Wilhelm Gruner. Sie entspricht ganz dem hugenottischen Geist, dem er sich verpflichtet fühlte.
Dabei wurde er in Köppern geboren, genauer: Das Licht der Welt erblickte Gruner am 5. Januar 1865 in der Tannenmühle, die nach seiner Familie auch Grunermühle genannt wird. Nach dem Besuch der dortigen Volksschule wechselte er später an die kostspielige Privatschule Institut Garnier in Friedrichsdorf. Seine Ausbildung setzte er am Lehrerseminar in Friedberg fort.
Nachdem er seine Lehrbefähigung in (Burg)Holzhausen, Bad Nauheim und Lollar bewiesen hatte, erfolgte 1889 endlich der Ruf an seine alte Schule, das Institut Garnier, an der er 38 Jahre lang Mathematik und Geschichte unterrichtete. Seine Vorgesetzten, Dr. Karl Schenk und Prof. Dr. Ludwig Proescholdt, lobten ihn als einen Pädagogen, der es verstehe, „mit Güte und großem Verständnis für die Jugend die ihm anvertrauten Schüler in jeder Hinsicht zu fördern“. Immer wieder unternahm der Lehrer mit seinen Schülern Streifzüge durch den Taunus, um die Flora bis ins Kleinste zu erforschen.
Seine größte Leidenschaft aber war die Geschichte, vor allem die seiner Heimat. Er interessierte sich für die Mühlen in Köppern, für mittelalterliche Urkunden Rodheims oder Seulbergs. Ganz besonders aber schenkte er seine Aufmerksamkeit der hugenottischen Vergangenheit Friedrichsdorfs. Eifrig trug er zusammen, was er in Archiven und Zeitungen aufstöberte. Rund 80 Schulkladden füllten am Ende seine heute im Stadtarchiv verwahrten Abschriften, in einer Zeit, als es noch keinen Fotokopierer gab.
Was auf den ersten Blick erratisch wirkt, erweist sich inzwischen als wertvolle Quelle für heimatkundliche Recherchen, nachdem im vergangenen Jahr in mühevoller Kleinarbeit der „Arbeitskreis Friedrichsdorfer Geschichte“ die eng beschriebenen Seiten auswertete und ein Inhaltsverzeichnis erstellte. Denn inzwischen existieren viele der von ihm eingesehenen Schriftstücke nicht mehr im Original, darunter etwa einige aus dem Staatsarchiv Wiesbaden, die fatalerweise im Zweiten Weltkrieg während der Auslagerung bei Bombenangriffen zerstört wurden.
Gruner selbst führte im August 1949 den französischen Militärgouverneur General König bei dessen Besuch durch die „colonie française“, zeigte ihm die Kirche sowie die französischen Inschriften auf dem Friedhof. Dort ehrte er stets mit besonderer Aufmerksamkeit den Telefonerfinder Philipp Reis, über den Gruner alles sammelte, was in seine Finger kam. Auch hatte er sich sehr für dessen verarmte Familie sowie den Erhalt des Hauses tatkräftig eingesetzt, durfte sogar die von Reis’ Witwe und Tochter verwahrten Unterlagen einsehen und für das Archiv sichten.

Kurz und knapp

Doch widmete sich Gruner nicht nur alten Urkunden, sondern führte innerhalb seiner Abschriften bis in sein Sterbejahr hinein eine eigene Chronik. Knapp notierte er darin aktuelle Ereignisse: „18. September 1910: Der Zar und der Großherzog von Hessen in der Gartenwirtschaft zum weißen Turm.“ Gerne hätte man einen ausführlicheren Bericht solcher Begebenheiten gelesen, doch das war seine Sache nicht. Nahezu unbeteiligt und emotionslos scheinen seine kontinuierlichen Einträge. Wertungen überließ Gruner lieber der Nachwelt. Eine Ausnahme bilden grundsätzliche Überlegungen wie die, die er gegen Ende des Krieges in eines der Schulhefte schrieb: „Viele Leute sind in den Kriegsjahren erstaunlich gealtert. Sind wir auch erfahrener geworden?“
Gerade für die Zeit des Ersten Weltkrieges sind seine Aufzeichnungen von Bedeutung, da er sich zudem um Feldpostbriefe und Karten bemühte, die er ebenfalls sorgfältig in gesonderte Hefte eintrug. Eigene Beobachtungen ergeben eine private Chronik und damit einen authentischen Einblick in die Situation an der Heimatfront mit den immer geringer werdenden Rationen. Wie mühselig die Beschaffung von Nahrungsmitteln und das Hamstern wurden, veranschaulichen die gewissenhaft angegebenen Mengen erworbener Vorräte. Kein Wunder also, dass ihn die Stadtverwaltung in eine Kommission berief, die unter anderem das mit viel Sorgfalt angefertigte Ehrenbuch für die Friedrichsdorfer Soldaten des Großen Krieges verfasste, das derzeit im Rathaus ausgestellt ist.
Immer wieder suchte bei Gruner Rat, wer sich mit der Heimatgeschichte befasste, darunter auch seine ehemaligen Schüler Emil Constantin Privat, Lederfabrikant und Autor des Buches „Hugenottisches Lebens“, oder Albert Maurer. Wenn er selbst auch keine eigene größere Publikation vorlegte, würdigte die Stadt Gruners reges Schaffen und die Bemühungen um die Heimatgeschichte 1955 mit der Verleihung des ersten Ehrenbürgerbriefes. Bereits 90 Jahre alt, erfreute er sich noch bester Gesundheit und tätigte noch immer die Einkäufe der Familie. Ein Jahr später, am 12. März 1956, verstarb Wilhelm Gruner im Alter von 91 Jahren.

 

Presse 2014

Taunus Zeitung, 29. Dezember 2014

 

In Gedanken an der Front

Die meisten Friedrichsdorfer Soldaten waren Weihnachten 1914 in Flandern stationiert

Weihnachtsfriede an der Front: 1914 hielten, unter anderem bei Ypern (Belgien), deutsche und britische Soldaten bis ins neue Jahr hinein Frieden und spielten sogar miteinander Fußball. Aber bereits zwischen den Jahren mussten neu rekrutierte Deutsche ausrücken, auch aus Friedrichsdorf. Unter ihnen war Dr. Karl Marmier, der Leiter des Instituts Garnier. Museumsleiterin Dr. Erika Dittrich berichtet aus dem Stadtarchiv.

Friedrichsdorf. „Heimatlos, umherirrend mußten wir uns wie Maria und Joseph Raum für unser Weihnachten suchen“, beschrieb 1915 der Friedrichsdorfer Charles Rees den Eltern sein Christfest an der Front. Es war nun bereits sein zweites Weihnachten im Feld und sollte sein letztes werden. Waren im August 1914 die Soldaten aller Kriegsparteien voller Siegesgewissheit in den Kampf gezogen und hatten geglaubt, spätestens Weihnachten wieder zu Hause zu sein, war diese Euphorie nach einigen Monaten im Schlamm erstickt. Der Stellungskrieg ernüchterte. Fernab der Heimat und der Lieben war gerade Weihnachten eine schwere Zeit für die Soldaten. Der 24. Dezember 1914 jedoch ging als „Weihnachtsfrieden“ in die Geschichte ein als sich in Flandern und an der Westfront deutsche und britische Soldaten spontan verbrüderten, eine nicht autorisierte Waffenruhe einlegten und sogar Geschenke tauschten. Mitten unter ihnen auch junge Soldaten aus Friedrichsdorf, Köppern und Seulberg.
Es sind ausgerechnet die „Fritzens“, wie die als gnadenlose Pickelhauben-Träger verhassten Deutschen genannt werden, die den Anstoß geben zum Frieden mitten im Krieg: Leise singen sie „Stille Nacht, heilige Nacht“ vor den mit brennenden Kerzen geschmückten Tannenbäumchen, die auf den Brustwehren der Schützengräben standen. „Die reinste Illumination“, so ein deutscher Soldat, und eigentlich eine Einladung an Scharfschützen. Oder eine Kriegslist? Doch die Deutschen riefen „We not shoot, you not shoot“, als die Briten dem Gesang applaudierten.
Vielerorts an der gesamten Westfront ruhten an den Weihnachtstagen 1914 die Waffen – vor allem in einem 50-Kilometer-Abschnitt um das belgische Ypern, wo sich im Stellungskrieg dicht in den Gräben die Gegner gegenüberlagen.

Ratten und Läuse
Nahezu alle der aus der heutigen Gesamtstadt Friedrichsdorf eingezogenen Soldaten war nach Flandern verlegt, wie etwa Heinrich Will, der seiner Schwester regelmäßig Karten schickte. Die Situation wir im „In Flanders Fields Museum“ in Ypern gezeigt: Weihnachten 1914 lagen sich Alliierte und Deutsch an der Westfront gegenüber, keine Seite schaffte entscheidenden Landgewinn. Für nur ein paar Meter Boden waren bereits je 300 000 Deutsch und Franzosen sowie 160 000 Briten gestorben. Erst am 18. Dezember hatte es ein grauenhaftes Gefecht gegeben. Die Soldaten sehnten den Frieden herbei, wünschten, „dass endlich Schluss sein möge“ (Charles Rees).
Am schlimmsten schien der knietiefe, eisige Schlamm in den engen Gängen und Gräben, die oft in Hörweite des Feindes lagen. Matsch, der die Füße zerfraß, die nie trocken wurden. Dazu Ratten, groß wie Hunde, Läuse, Geruch von Blut und Verwesung, Schlaflosigkeit, Todesangst. „Schützengraben, welch ein Ekel“ (Charles Rees). Nun aber war die Nacht nach tagelangem Regen sternenklar, kalt, windstill, Raureif lag auf den Gräben. Vor allem aber irritierte die Stille, „als habe eine Uhr plötzlich aufgehört zu ticken“, so der Brite William Tapp. Keine schwirrenden Kugeln, kein Mörserbeschuss.

Der Kaiser feierte
Eigentlich sollten während einer Waffenruhe nur endlich die Gefallenen bestattet werden, die teils seit Wochen auf den nassen Äckern lagen, an denen sich längst Ratten zu schaffen gemacht hatten. Und die Unterstände sollten ausgebessert werden. Auch am ersten Weihnachtstag fiel, wie vielfach vereinbart, kein Schuss. „Auf dem Posten neben mir“, so Heinrich Matthäi, „flogen auf einmal vier große Stücke Weißbrot rüber“. Mit einer Nachricht: „In dem Zettel meinten sie, es wäre gut, wenn der Krieg rum sei.“ Kurz darauf wagten sich die Ersten aus dem Schützengraben heraus und tauschten im Niemandsland Geschenke aus, Orangen, Äpfel und Tabak. Man fotografierte sich sogar, entzündete Lagerfeuer und grillte gemeinsam. Dann wurden Fußball-Spiele ausgetragen, mit Lederbällen aus England und deutschen Pickelhauben und Bahren als Tore. Unterdessen feierte Kaiser Wilhelm II. im belgischen Spa mit 960 Gästen, Wein, Sekt und Gänsen und rief aus: „In den Staub mit allen Feinden Deutschlands! Amen!“ Wie die anderen Parteien auch, hatte er den Friedensappell des Papstes abgelehnt.
Verstört reagiert man in den Generalstäben auf den Weihnachtsfrieden an der Front – bis die Offiziere die Rückkehr in die Feuerstellungen befahlen. Das Fraternisieren sei verboten, hieß es im Tagesbefehl der deutschen Obersten Heeresleitung an Weihnachten. Dabei waren sie es, die tausende fertig dekorierte Miniaturweihnachtsbäume an die Front geschickt hatten.
Noch eine Weile warnten sich die Soldaten beider Seiten gegenseitig, schossen absichtlich daneben. Schließlich sei es fast schon Mord, auf jemanden zu schießen, in dessen Augen man gesehen hatte, meinte ein Brite. Silvester sangen sie wieder und schossen zum Gruß in die Luft. Erst als drakonische Disziplinierungs-Strafen drohten, endete der Weihnachtsfrieden.

Voller Heimweh
Erich von Falkenhayn, oberster Befehlshaber an der Westfront, hatte befohlen, jeder, der seinen Posten verlasse und in Richtung Feind gehe, solle sofort erschossen werden. So war Weihnachten in den folgenden Jahren traurig. Auch die „Liebesgaben“ aus der Heimat wurden spärlicher, mangelte es doch inzwischen nicht nur an Lebensmitteln. Feldgeistliche, wie der Seulberger Albert Chun, mussten nun tröstende und zugleich ermutigende Worte zu finden. „Frierend, hungrig und voller Heimweh“ verbrachte Alfred Rees 1916 mit seinem Trupp Weihnachten auf dem Bahnhofsplatz von Saarb. Nach einer kurzen Ansprache des Pfarrers stimmten alle in das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ ein, wobei „es […] mehr Tränen als Sänger“ gab. „Sonst am Heiligen Abend stand ich fröhlich vor dem brennenden Tannenbaum“, schrieb ein Dillinger Soldat im Januar 1918 nach Hause, „dieses Jahr vor toten Kameraden.“ Sie hatten die Stellung leichtfertig ohne Gasmaske verlassen.
In Friedrichsdorf verzichteten viele auf ein traditionelles Fest und waren in Gedanken bei ihren Söhnen, Brüdern und Männern an der Front. „24. Dezember 1914“, notierte Lehrer Wilhelm Gruner in sein Tagebuch: „Diesmal haben wir wegen des Krieges keinen Weihnachtsbaum gehabt und keine Geschenke gegeben.“ Bereits zwischen den Jahren rückten neu rekrutierte Soldaten aus, darunter Dr. Karl Marmier, der Leiter des Instituts Garnier, an dem der Chronist Wilhelm Gruner unterrichtete. Ihn besuchte Charles Rees, der unerwartet Heimaturlaub bekommen hatte und zu Silvester zu Hause sein durfte.
Den Jahreswechsel beschrieb Gruner: „31. Dezember: Infolge der ernsten Lage herrscht der allgemeine Wunsch, daß das Jahr in Ruhe beschlossen werde. So ist es auch geschehen. Nur wenige junge Leute, z. B. in Köppern, hatten in ihrer leichtfertigen Art in der Neujahrsnacht gelärmt.“
“Friedrirchsdorf im Ersten Weltkrieg“ ist das Thema der Foto-Ausstellung im Rathaus. Im Heimatmuseum beginnt am 7. Januar um 18 Uhr eine Führung durch die Sonderausstellung „Deutschtum oder Franzosenliebe“.

 

Taunus Zeitung, 24. Dezember 2014

 

Heißer Draht zum Christkind

„Hallo, hier ist das Christkind am Apparat“, heißt es ein Mal im Jahr im Philipp-Reis-Haus. Jetzt war das himmlische Weihnachtstelefon im Stadtmuseum wieder geschaltet, und die Kinder konnten dem Christkind persönlich ihre Weihnachtswünsche mitteilen.

Von Katja Schuricht

Friedrichsdorf. „Wie schaffst du das, dass du uns hier unten bei dir da oben hörst?“ Henry ist fünf und stellt dem Christkind pfiffige Fragen. Er gehört zu den Mädchen und Jungen, die jetzt ins Philipp-Reis-Haus gekommen sind, um mit dem Christkind zu telefonieren. Der Apparat, mit dem diese exklusive Verbindung möglich ist, ist spinatgrün und stammt aus den 1970er Jahren.
Seit vielen Jahren gehört es zur Tradition in der Adventszeit, dass dieser besondere Fernsprecher für eine Stunde im Stadtmuseum den Kindern zur Verfügung steht. „Damit das Christkind weiß, dass ihr jetzt da seid, müsst ihr es alle ganz laut rufen“, erklärt Museumsmitarbeiterin Katja Schneider.
Nach drei lauten „Christkind-Rufen“ klingelt das mit einer goldenen Sternenkette geschmückte Himmels-Telefon prompt. Henry verrät, dass er sich eine Uhr wünscht. Dann ist der vierjährige Noah an der Reihe. „Ich wünsche mir Fußballhandschuhe, Schienbeinschoner und für meinen kleinen Bruder Lego“, sagt er. Lilly traut sich nur gemeinsam mit ihrer Mutter, zum Hörer zu greifen. „Ich wünsche mir ein Biene-Maja-Spiel und Lotti-Karotti“, informiert sie das Christkind.

Handwerker mit Federn

Wie es dazu kommt, dass Stadtarchivarin und Museumsleiterin Dr. Erika Dittrich mit dem himmlische Weihnachtstelefon seit 14 Jahren so gute Kontakte nach oben hat, erzählt Katja Schneider den Mädchen und Jungen: „Eines Tages standen zwei Handwerker vor unserer Museumstür und erklärten, dass wir hier im Museum ein neues Telefon bekommen. Beim Installieren des Apparats staunte ich, als ich unter der Arbeitskleidung der Männer weiße Federn rausgucken sah. Sie erklärten mir, was es mit diesem Apparat auf sich hat: Philipp Reis hatte im Himmel weiter an seiner Erfindung gebastelt, gebosselt, wie er immer sagte. Und so baute er schließlich ein Telefon, mit dem man vom Himmel hinunter auf die Erde telefonieren konnte. Diesen ganz besonderen Telefonapparat schenkte er dann dem Christkind zu Weihnachten.“

 

Friedrichsdorfer Woche, 11. Dezember 2014

 

Fotos zeigen „Friedrichsdorf im Großen Krieg“

Friedrichsdorf (fw). „Deutschtum oder Franzosenliebe?“, unter diesem Fragezeichen steht die Sonderausstellung, die das Heimatmuseum Seulberg mit großem Erfolg zeigt. Inzwischen wurde im Rathaus in der Hugenottenstraße 55 eine ergänzende Fotodokumentation über „Friedrichsdorf im Großen Krieg“ aufgebaut.
Geradezu hysterisch war in den ersten Kriegstagen die Angst vor Spionen. Bahnwachen wurden eingerichtet und regelmäßig das Trinkwasser überwacht. Barrikaden regelten die Zufahrten in Friedrichsdorf und Köppern. Dort hatte 1909 Toni Werntgen das erste Deutsche Fluginstitut eingerichtet, nun wurde sie wegen Landesverrat angeklagt. Was kaum jemand wusste: Unterdessen war mit Hermann Consten ein ehemaliger Schüler des Instituts Garnier tatsächlich als kleiner Agent im Ersten Weltkrieg tätig. Auf einer Expedition nach Afghanistan sollte in den arabischen Ländern zum Djihad gegen die Kolonialmächte aufgerufen werden. Das Unternehmen scheiterte allerdings und Consten begab sich in die Dienste des türkischen Militärs. Da er jedoch seine Berichte zugleich nach Berlin und nach Wien sandte, lebte er als Doppelagent in Budapest.
Bei ihren Verlegungen von West nach Ost und umgekehrt legten die Soldaten immer wieder ungeheure Entfernungen zurück, wie Karten zu ausgewählten Biografien veranschaulichen. Auf einer sind die Wege des Kriegsgefangenen Philipp Hennemanns markiert, der in russische Gefangenschaft geraten war. Erste französische Kriegsgefangene waren gleich im August 1914 in Friedrichsdorf angekommen, untergebracht im Institut Garnier. Von ihnen existieren sogar Fotos, darunter eines von der Beerdigung von Jacques Durantet, der einer Lungenentzündung erlag und auf dem Köpperner Friedhof beigesetzt wurde.
Argwöhnisch beäugte die Verwaltung „Tändeleien“ zwischen Friedrichsdorferinnen und Gefangenen und drohte mit Strafen. Dabei fiel die Verständigung leicht, weil die vorherrschende Umgangssprache in Friedrichsdorf noch Französisch war.
Die Ausstellung um das Leben unter Kriegsbedingungen ist im Rathaus zu den Öffnungszeiten der Stadtverwaltung bis Mitte Januar zu sehen, die Schau im Heimatmuseum Seulberg bis zum 21. Dezember. Geöffnet hat das Museum mittwochs und Donnerstag von 9 bis 12.30 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist bei beiden Ausstellungen frei.

 

Friedrichsdorfer Woche, 11. Dezember 2014

St. Nikolaus kam zum Museumsmarkt

Von Beppo Bachfischer

Seulberg. 2000 Besucher fanden Weihnachtsschmuck und Geschenke beim Nikolausmarkt im Heimatmuseum Seulberg, ließen sich Glühwein und Plätzchen, auch Bratwurst und Frikadellen schmecken. Kinder verzierten Lebkuchen und staunten, als der Heilige Bischof Nikolaus sie ansprach.

So treue und vor allem auch pünktliche Fans wie bei den Märkten im Heimatmuseum Seulberg findet man sonst kaum. Die Tür ist noch gar nicht ganz offen, da strömen schon die Freunde traditionellen Kunsthandwerks in das Haus und erspähen mit sicherem Blick, wo sie finden, was sie zum Fest suchen. Einige der 40 Anbieter waren alte Bekannte, die zum Teil seit Jahrzehnten auf dem Nikolausmarkt vertreten sind. Aber es gab auch wieder neue Gesichter und damit neue Angebote zu entdecken. Christiane Schmidt aus Rosbach war eine von denen, die mit ihren farbenfrohen, warmen, selbstgestrickten Socken beim 28. Nikolausmarkt ihr Debüt feierte: „Meine drei Kinder spielen hier Handball. So war mir der Markt nicht unbekannt. Ich habe mich beworben und freue mich, dass ich bei diesem sehr schönen Adventsereignis dabei sein darf“, sagt die Frau aus dem Nachbarort in der Wetterau. Mit ihren Socken, die mit kreativen Ideen in ehrlicher Handarbeit selbst hergestellt werden, passt sie genau in das hochwertige, aus der Masse von Adventsmärkten herausragende Konzept des Museumsmarktes. Die Freude an ihrem Hobby ist ihr anzusehen. „Stricken ist die schönste Freizeitbeschäftigung“, sagt sie im überdachten Museumshof. Da widerspricht ihre Standnachbarin, die Seulbergerin Petra Goldbach, nicht. Auch sie bietet Gestricktes an, allerdings ohne den Socken ihrer Nachbarin Konkurrenz zu machen. Denn sie fertigt Mützen, Schals, Ponchos und Handschuhe, die sie seit vier Jahren erfolgreich anbietet. Und die zwölfjährige Tochter war zum ersten Mal mit Papierkunst dabei. „Die Atmosphäre auf diesem Markt ist etwas ganz Besonderes. Es ist menschlich, vertraut, nicht so kommerziell wie anderswo.“ Ihr größter Wunsch: „Jetzt, da auch Pia noch mitarbeitet, träume ich davon, dass mein Mann die Garage für uns räumt“, gesteht sie lachend.
Nicht nur Anbieter aus dem Ort oder der näheren Umgebung sind vertreten, sondern der Nikolausmarkt genießt einen Ruf sogar über die Landesgrenzen hinaus. Seit 22 Jahren kommen Karin und Uwe Weiß aus Bochum mit ihren Handarbeiten nach Seulberg – und ausschließlich dorthin. „Wir sind nicht die typischen Weihnachtsmarktanbieter, sondern haben zu Hause unsere festen Kunden“, erklärt Uwe Weiß. Der Klimatechniker hatte immer Spaß an der Arbeit mit Holz, fertigte Skulpturen und baute seinen ersten Stall von Bethlehem für eine gute Freundin. Bekannte sahen ihn und drängten ihn, auch für sie eine Krippe zu fertigen. Seine Frau arbeitet mit Ton und bemalt vom kleinsten Anhänger bis zur stattlichen Figur ihre Werke, so dass beide zusammen ein breites Sortiment führen.
Ute Desch, deren Kind der Nikolausmarkt ist, war das Verbindungsglied der Bochumer zu Seulberg. Und so kamen sie diesmal zu ihren langjährigen Kunden und Bekannten, auch wenn ihre Freundin sich auf einer Asienreise befindet. An ihrer Stelle hatte Volontärin Katja Schneider erstmals die organisatorische Verantwortung übernommen und machte ihre Sache großartig. Immer wieder huschte sie vorbei an duftenden Seifen, Patchwork-, Filz-, Papier- und Stoffarbeiten, an Schmuck und Weihnachtsschmuck. Puppen, Engeln und Figuren die Treppe hinauf zu den kleinen Zuckerbäckern, die unter Anleitung von Barbara Kuhn Odenwälder Lebkuchen in Form von Sternen, Autos, Schaukelpferdchen und Herzen mit Zuckerguss, Rosinen, Nüssen und süßem, bunten Sternenstaub gestalteten. Zur Entspannung wartet zwischen den Hütten vor dem Museum das „Märchenzelt“, eine Jurte des Pfadfinderstamms der „Grauen Wölfe“, wo Katja Schneider am Lagerfeuer abwechselnd mit anderen Helfern spannende Geschichten vortrug. Ein Lebkuchenhaus, der ganze Stolz von Museumschefin Dr. Erika Dittrich, wies den Weg zum Eingang.
Dort draußen wie im gesamten Museumsbereich verteilte der Nikolaus, in dessen Mantel Civan Karamaric, der Wirt des Restaurants „Stadt Berlin“, geschlüpft war, kleine Geschenke an die Kinder. Umso größere Augen machten die kleinen Marktbesucher, als am frühen Nachmittag auch noch der Heilige Nikolaus im Bischofsgewand erschien. Die katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius hatte dafür gesorgt, dass der Namensgeber des Nikolausmarktes persönlich einen Rundgang machte und Martin Harreus demonstrierte die erstaunliche Wandlungsfähigkeit eine Boni Bjutie Beus.
Auch Jugendliche mit roter Mütze und Plätzchen-Bauchladen waren zwischen den Besuchern unterwegs. Es waren größere Geschwister der Hardtwald-Grundschüler, die mit Unterstützung des Schulfördervereins eigens für den Weihnachtsmarkt eine Backaktion veranstaltet hatten und aus dem Erlös Anschaffungen für die Schule ermöglichen wollen. Doch nicht nur das süße Gebäck wurde in größeren Mengen gekauft. Nähdesignerin Anke Christen wurde fast ihre gesamten Stoffsterne an eine Kundschaft los. Dirk Velte und Anja Fischer hatten nämlich beschlossen, ihren Weihnachtsbaum dieses Jahr mit Stoffsternen zu schmücken. Und weil noch so ein hübscher Eulenkranz da war, hatten die beiden gleich ein Mitbringsel für Anjas Mutter.

 

Taunus Zeitung, 08. Dezember 2014

Zwischen Puppen und Fröbelsternen

Zum 28. Mal hatte das Heimatmuseum Seulberg zum Nikolausmarkt eingeladen

An über 40 Ständen konnten die Besucher auf dem Nikolausmarkt im Heimatmuseum Kunsthandwerk erwerben oder es sich bei Glühwein und Waffeln gemütlich machen. Und der Heilige Nikolaus schaute auch vorbei.

Von Gabriele Calvo Henning

Seulberg. Wer bis jetzt noch nicht so richtig in Adventsstimmung war, der konnte das gestern im und um das Heimatmuseum in Seulberg nachholen. Denn das liebevoll mit Weihnachtsschmuck dekorierte Haus hatte innen und außen vieles zu bieten. Zum 28. Mal fand der traditionelle Nikolausmarkt statt, bei dem 43 Kunsthandwerker ihre Kreationen zum Kauf anboten.
Mützen und Schals aus Filz, Patchwork, Seifen, Schmuck aus Strass und Glasperlen, Fröbelsterne, Weihnachtskarten, kleine und große Puppen und Krippen, Weihnachtsmänner, Engel und allerlei Tierchen aus Stoff, Holz und anderen Materialien stellten die rund 2000 Besucher vor die Qual der Wahl.
Dafür nahmen sie gerne die steilen Museumstreppen in Kauf und landeten auf dem Dachboden direkt vor den Stand von Bärbel Menzel. Die Neu-Anspacherin bot Lichterketten an, deren Blüten aus zum Teil selbstgefärbtem Papier in 34 Schritten gefaltet werden.
So wie sie schätzen auch die anderen Kunsthandwerker die heimelige Atmosphäre im Museum. Unter ihnen Nicole Wink, die glitzernden Schmuck im Angebot hatte: „Dieser Markt ist etwas ganz Besonderes“, sagte sie und freute sich über ihr Eckchen im ersten Stock gleich vor der Vitrine mit dem Brautkleid und unter den Augen eines Seulberger Brautpaares auf einem Foto an der Wand.
Für die Kinder gab es unterm Dach die Möglichkeit, Lebkuchen mit buntem Zuckerguss und Streuseln zu dekorieren – 160 Lebkuchen lagen bereit. Vor dem Museum und bewacht vom großen Nussknacker hatten die Pfadfinder der „Grauen Wölfe“ schon am Abend vorher eine große Jurte aufgebaut, mit Lichterketten geschmückt und mit Teppichen ausgelegt. Die wurde zum Märchenzelt, in dem den ganzen Tag über Weihnachtsgeschichten vorgelesen wurden. So konnten sich die Kinder die Zeit bis zum Besuch des Nikolaus vertreiben.

Viel Engagement

Der kam nicht einfach nur im roten Mantel, um seine kleinen Gaben zu verteilen. „In diesem Jahr wird er zum ersten Mal im Bischofsgewand erscheinen,“ und damit an den tatsächlichen Heiligen Nikolaus erinnern, kündigte Katja Schneider an, die als Volontärin im Stadtarchiv und im Museum arbeitet. Sie hat in den vergangenen zwei Wochen die Koordination des Marktes übernommen, weil die stellvertretende Leiterin des Museumsvereins, Ute Desch, die ansonsten für die Organisation verantwortlich ist, in diesem Jahr in Asien auf Reisen ist. „Zum Glück hatte sie aber alles super vorbereitet“, freut sich Katja Schneider. „Auch dank der tollen Mitarbeit der Mitglieder des Vereins für Geschichte und Heimatkunde und der vielen anderen Helfer hat alles gut geklappt.“
So viel Engagement wird honoriert, denn bei vielen Besuchern ist gerade dieser Nikolausmarkt im Terminkalender ganz dick unterstrichen. „Wir kommen jedes Jahr hier her. Die Kinder finden es klasse und uns gefällt die liebevolle Dekoration, das schöne Angebot – hier passt einfach alles zusammen“, erzählt eine Besucherin begeistert, die den Auftritt des Posaunenchors auf keinen Fall verpassen will.
Zur Stärkung gab es Bratwurst und Brezeln, Kuchen in der Klause und die heiß begehrten Waffeln im Innenhof. Dort konnten sich die Gäste auch gleich mit kleinen und größeren Tüten voll selbst gebackener Weihnachtsplätzchen versorgen, die die Schüler und Eltern der Hardtwaldschule zum Kauf anboten. Der Erlös kommt geplanten Neuanschaffungen für die Grundschule zu Gute.

 

Taunus Zeitung, 29. November 2014

Ein Doppelspion aus dem Institut Garnier

Die Leihgaben der Friedrichsdorfer für die aktuelle Ausstellung im Heimatmuseum „Deutschtum oder Franzosenliebe? Friedrichsdorf und der Erste Weltkrieg“ waren so zahlreich, die Themen so vielfältig, dass am kommenden Montag als Ergänzung eine Fotoausstellung im Rathaus eröffnet wird.

Von Katja Schuricht

Friedrichsdorf. Er war so etwas wie der James Bond des Ersten Weltkrieges: Hermann Consten, ehemaliger Schüler des Instituts Garniers. „Er hatte auch die nötige Ausstattung, wie einen Gürtel mit integriertem Fotoapparat“, erzählt Dr. Erika Dittrich.
Die Stadtarchivarin hat gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen Katja Schneider und Christina Schäfer aus den unzähligen Leihgaben der Friedrichsdorfer zum Thema Erster Weltkrieg eine ergänzende Fotoausstellung zusammengestellt, die am Montag um 18 Uhr im Rathaus eröffnet wird.
“Wir hatten so viel Material und noch so viele Themen, die wir im Heimatmuseum nicht berücksichtigen konnten. So entstand die Idee, eine Extra-Schau zu den Themen Heimatfront und Kriegsgefangenschaft zu konzipieren“, erläutert Dittrich. Die Exponate sind fast ausschließlich Fotos aus den privaten Alben von Friedrichsdorfer Familien.
Sie selbst hat das filmreife Leben von Hermann Consten als Doppelspion recherchiert. „Mit den ersten Soldaten überschritt er im August 1914 die Grenze in das neutrale Belgien, getarnt als Rot-Kreuz-Sanitäter.“ Auch nach Afghanistan verschlug es Consten, „um in den islamischen Ländern einen ‚Heiligen Krieg‘ gegen ihre Kolonialmächte zu entfesseln.“ Doch Streit um Führungsrollen und Ausrüstung ließen die Pläne der Expedition scheitern. „Consten kam zunächst in die Dienste des türkischen Heeres. Für das Osmanische Reich sondierte er die Lage in Bulgarien, knüpfte aber zugleich Kontakte zu Österreich-Ungarn und war fortan als Dreifachagent unterwegs. Denn noch immer schickte er regelmäßig geheime Berichte nach Berlin.“
Die Angst vor Spionage führt auch dazu, dass Unschuldige verdächtigt wurden. Wie im Fall der Flugzeugpionierin Toni Werntgen, die einige Zeit in Köppern das erste Deutsche Flugtechnische Institut leitete. Über ihren angeblichen Landesverrat berichtete der Frankfurter Generalanzeiger am 15. März 1915: „Sehr erstaunt war man bei der Mobilmachung, zu hören: Frau W. hat sich der Militärverwaltung zur Verfügung gestellt. Bei jeder Gelegenheit hat sie es verstanden, sich an maßgebende oder gar hohe Persönlichkeiten heranzumachen.“
Verdächtig erschien plötzlich alles Ausländische und Fremde, unter ihnen natürlich die vom Krieg überraschten Homburger Kurgäste. Bei den Soldaten hat das Team Einzelschicksale herausgegriffen, wie das des Burgholzhäusers Johannes Matthäi, der bei der Reserve-Eisenbahn-Bau Kompagnie 15 war.
Zu sehen ist die Ausstellung zu den Öffnungszeiten des Rathauses, Hugenottenstraße 55, bis zum 15. Januar.

Frankfurter Rundschau, 18./19. Oktober 2014

Elektroschocks gegen das Zittern

FRIEDRICHSDORF Neue Ausstellung dokumentiert die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf das örtliche Leben

von Olaf Velte

Aus Friedrichsdorf, Köppern, Burgholzhausen und Seulberg zogen 1200 Männer in den Krieg. Jeder sechste kehrte nicht mehr zurück. Von den Überlebenden war die Hälfte durch schwere Verletzungen gezeichnet. So nüchtern die Bestandsaufnahme, so anrührend das individuelle Schicksal. Die bis vor Weihnachten geöffnete Ausstellung „Deutschtum oder Franzosenliebe? – Friedrichsdorf und der Erste Weltkrieg“ besticht durch ihre Hinwendung ins Private.
Stadtarchivarin Erika Dittrich hat die Materialfülle in Themenblöcken gebündelt, den Bogen über die eigentlichen Kriegsjahre hinaus gespannt. „Wir wollen hier Geschichten erzählen.“ Geschichten, die sich aus den Hinterlassenschaften einstiger Weltkriegsteilnehmer speisen: Das gesamte Bild- und Zitatmaterial stammt aus Friedrichsdorfer Beständen, wurde von hiesigen Bürgern zur Verfügung gestellt. – Mit einem Male bleiben die Ereignisse nicht mehr im Ungefähren, rücken heran und werden in ihrer Monstrosität begreifbar.
Menschen, die zur Stunde der Mobilmachung spontan „Die Wacht am Rhein“ anstimmen, sind nur wenige Wochen später desillusioniert. „Von den 258 Mann, die wir ausrückten, stehen noch 12 Mann an der Front“, heißt es in einem Brief von Charles Rees, den schon im Jahr darauf der Tod ereilt. Auf einem Operationstisch – „teile Euch kurz mit, dass ich (…) meines linken Armes unterhalb der Schulter verlustig gegangen bin“ – stirbt Adolf Privat. Die Nachkommen hugenottischer Familien bringen eine weitere Facette ins dokumentierte Spiel: An der Loyalität jener einst aus Frankreich eingewanderten Volksgruppe wurde 1914 gezweifelt, ein Klima der Belauerung prägte den dörflichen Alltag. „Die Hugenotten“, sagt Erika Dittrich, „haben sich schon 1870/71 als Deutsche gefühlt.“ Und scheuten nicht den Waffengang – während dem sie nicht selten in den Landschaften ihrer Herkunftsgebiete zugange waren.

In Köppern gab es eine „Anstalt für Irre und Epileptische“

Was in einer „militarisierten Gesellschaft“ – das mit handschriftlicher Widmung versehene Bildnis Kaiser Wilhelms I. fand sich im Rathauskeller – beginnt, führt über den mit Sandsäcken, Stacheldraht und Munitionskisten nachgebauten Schützengraben in die Köpperner „Anstalt für Irre und Epileptische“. Hier, wo die sogenannten Kriegszitterer mit Elektroschocks kuriert werden sollten, stieß der Forscherdrang an seine Grenzen. Dieser Aspekt, so Dittrich, sei schwierig zu recherchieren. „Die alten Patientenakten sind nicht zu bekommen.“
Friedrichsdorf ist nach 1918 nicht nur Wohnstatt für viele versehrte Heimkehrer, in den Häusern und Remisen befinden sich auch die mitgeführten Gewehre. Es herrscht Knappheit, die Währung verliert rapide an Wert, Witwen können sich kaum ernähren. Es ist auch die Zeit hemmungsloser Wilderei. In der Ausstellung wird der Name nicht genannt, schwingt aber mit: Johann Mieger und Sohn nutzen ihre Karabiner, um Jagd auf Tier und Mensch zu machen. Nach einem Mord finden Kriminalbeamte in den Häusern von Köppern mehr als 50 Feuerwaffen.
Geschossen wird auch auf den Straßen von Friedrichsdorf und Seulberg. Mit roten Fahnen hält die Räterepublik im November 1918 Einzug. „Der Aufstand der Kommunisten dauerte aber nur zwanzig Minuten.“ Mit Beginn des darauffolgenden Jahres dürfen die Bürger wählen – erstmals sind auch Frauen zugelassen.
In der sehenswerten Präsentation des Stadtarchives sind Entdeckungen zu machen, die das Themenfeld Erster Weltkrieg im Lokalen verankern und ausloten.

 

 

DIE AUSSTELLUNG

 

Die Sonderausstellung „Deutschtum oder Franzosenliebe?“ ist bis 21. Dezember im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46, zu sehen. Mittwochs und donnerstags zwischen 9 und 12 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr ist geöffnet.
Im Friedrichsdorfer Rathaus wird am 1. Dezember um 18.30 Uhr eine begleitende Fotoausstellung eröffnet – sie kann bis zum 15. Januar während der üblichen Öffnungszeiten besucht werden.
Führungen in Seulberg sind geplant am 23. Oktober (ab 19 Uhr) sowie am 3. November und 3. Dezember (jeweils ab 18 Uhr). Weitere Informationen unter Telefon 06172/731 310 0. Ov

Taunus Zeitung, 11. Oktober 2014

Im Einsatz für das Vaterland

Neue Ausstellung im Heimatmuseum beleuchtet die Zeit des Ersten Weltkriegs in Friedrichsdorf

Ein nachgebauter Schützengraben, Feldpostbriefe und historische Fotografien – in der neuen Schau im Heimatmuseum geht es um Friedrichsdorf und den Ersten Weltkrieg. Beleuchtet wird dabei auch eine Besonderheit der Hugenottenstadt.

Von Katja Schuricht

Seulberg. Die Schulaufsätze, die Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich im Archiv gefunden hat, sind ein Glücksfall: „Bevor es für die Jungen nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs an die Front ging, durften sie an ihrer Schule, dem Institut Garnier, eine Notprüfung ablegen“, erzählt Dittrich. „Die Aufgabe war, einen Aufsatz zum Thema ‚Meine Erlebnisse in den ersten Tagen des Kriegs‘ zu schreiben.“ Elf Arbeiten aus dem Jahr 1914 sind erhalten. „Und diese beschreiben die Aufregung, die sogar einer Hysterie glich, die sich sofort in Friedrichsdorf verbreitete“, so Dittrich. „Jeder witterte überall Spione, man vermutete sogar, dass die Brunnen vergiftet waren. Man begann, sich zu verbarrikadieren und Bahnwachen einzurichten.“
Die Schulaufsätze sind für Dittrich eine der wenigen Quellen, die Einblicke in das Alltagsgeschehen in Friedrichsdorf in dieser Zeit geben. „Eine zusammenhängende Kriegschronik existiert leider nicht. Was wir allerdings haben, ist ein Stück Zivilgeschichte, die der Lehrer Wilhelm Gruner geschrieben hat. Seine Chronik besteht aus 80 Bänden. Darin stoßen wir auch auf einige Notizen aus der Kriegszeit, die seinen Alltag betreffen“, erklärt Dittrich. Die Stadtarchivarin und Leiterin des Heimat- und Geschichtsvereins hat zwei Jahre gebraucht, um in mühevoller Kleinstarbeit aus den verschiedenen Quellen Material für die Sonderausstellung zum Gedenken an den Kriegsausbruch vor 100 Jahren zusammenzutragen und auszuwerten. Jetzt ist alles sortiert: Am morgigen Sonntag wird die Schau mit dem Titel „Deutschtum oder Franzosenliebe? – Friedrichsdorf und der Erste Weltkrieg“ im Heimatmuseum eröffnet.
Die aufwendig gestaltete Ausstellung spannt den Bogen von der Kaiserzeit und dem aufkeimenden Patriotismus über den Ersten Weltkrieg bis hin zum Jahr 1919 und der ersten demokratischen Wahl. Sogar einen Schützengraben inklusive Stacheldraht und vergrößerten Abzügen historischer Aufnahmen von Friedrichsdorfer Soldaten an der Front haben Dittrich und ihr Team im Museum nachgestellt. „Wir haben erfreulicherweise sehr viele Leihgaben von Privatleuten bekommen“, verrät sie.

Loyalitätskonflikt

Auch das Schulmuseum in Lohr hat sich als wertvolle Quelle erwiesen: „Wir haben Exponate zur Verfügung gestellt bekommen, die veranschaulichen, wie extrem die Militarisierung in der Gesellschaft vorangeschritten war“, so Dittrich. „Denn mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs erlebte Deutschland einen noch nie dagewesenen Patriotismus. Die Männer, und selbst die Friedrichsdorfer Schulbuben des Instituts Garnier mit gerade mal 17 Jahren, zogen freudig in den Krieg“, berichtet die Stadtarchivarin. „Schließlich glaubte man, bis Weihnachten sei alles überstanden. Doch aus Monaten wurden mehrere Jahre und statt Euphorie stellte sich Kriegsmüdigkeit ein.“ Insgesamt, so Dittrich, erhielten 383 Friedrichsdorfer und aus der heutigen Gesamtstadt 1200 Männer den Gestellungsbefehl. „Etwa jeder siebte kehrte nicht zurück“, so Dittrich. Eine Friedrichsdorfer Besonderheit war der Loyalitätskonflikt, in dem sich die Nachfahren der Hugenotten befanden. Dittrich: „Wie sollte man sich verhalten – als Urenkel der Gauterins, Privats, Désors und Foucars als „gute Deutsche“ gegen den französischen Erbfeind in den Krieg ziehen.“

Schmerzvolle Therapie

Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf dem Leben an der „Heimatfront“. Zu sehen sind Feldpostbriefe, Fotografien und Pickelhauben, aber auch Frontsouvenirs. Auch das Thema Kriegstrauma greift die Ausstellung auf. „Die 1901 in Köppern gegründete Nervenheilanstalt, das heutige Waldkrankenhaus, wurde zum Lazarett“, erläutert die Ausstellungsmacherin. „Anfangs standen 54 Betten zur Verfügung, um bis dato unbekannte Traumatisierungen wie das Phänomen der Kriegszitterer in den Griff zu bekommen.“ Mit den Kriegsjahren nahm die Zahl der zu behandelnden Soldaten stetig zu und erreichte mit 174 Patienten im Jahr 1916 den Höchststand. Erstmalig hat Erika Dittrich in der Ausstellung aufgearbeitet, mit welchen schmerzvollen Therapiemethoden die Ärzte eine rasche Heilung erzielen wollten: mit Elektroschocks. „Wir zeigen einen dieser ersten Elektroschockapparate, mit denen die aus der Bahn geratenen Nerven wieder richtig sortiert werden sollten“, informiert Dittrich.

 

Bürgermeister Horst Burghardt eröffnet die Ausstellung am morgigen Sonntag um 15 Uhr, Erika Dittrich gibt eine Einführung, Jürgen Poth präsentiert Lieder aus der Kriegszeit. Zu sehen ist die Schau bis zum 21. Dezember. Das Museum ist mittwochs und donnerstags von 9 bis 12 Uhr, sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Friedrichsdorfer Woche, 09. Oktober 2014

 

Stricken für die Helden im Schützengraben

von Beppo Bachfischer

Seulberg. Am Sonntag wird im Heimatmuseum Seulberg anlässlich des Kriegsausbruchs vor 100 Jahren die neue Sonderausstellung „Deutschtum oder Franzosenliebe? – Friedrichsdorf und der Erste Weltkrieg“ eröffnet.

„Hätte der Wilhelm die Erfindung vom Philipp schon gehabt, wäre der Erste Weltkrieg vielleicht nie ausgebrochen.“ Das vermuten laut Dr. Erika Dittrich, Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins, der das Museum trägt, einige Historiker. Sie sprechen vom Roten Telefon, das Staatsmänner heutzutage in die Lage versetzt, internationale Krisen im letzten Moment diplomatisch statt militärisch zu lösen. Doch ob Kaiser Wilhelm II. und andere Herrscher überhaupt eine diplomatische Lösung mittels der Erfindung von Philipp Reis wollten? Militärmotive auf Puppengeschirr für Mädchen aus der Vorkriegszeit, Offiziershelme aus Pappe und Sammelalben für Soldatenbilder für Jungs und „Im Zickzack voran – ein deutsches Kampfspiel“ für die ganze Familie lassen daran ebenso Zweifel aufkommen wie die Grundstimmung, die sich in der Blüte von Kriegervereinen und in der Vorliebe für Reservistenkrüge widerspiegelt. Die Ausstellung beleuchtet schon die Stimmung vor dem Krieg, die kaum geeignet war, die Katastrophe zu verhindern.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges erlebte Deutschland einen noch nie dagewesenen Patriotismus. Seulberg war 1914 in Feierlaune. Ein großes Gauturnfest fand dort statt und den ersten hauptamtlichen Bürgermeister ließ man in einem großen Fest hochleben. Als die Nachricht vom Kriegsausbruch das international geprägte Institut Garnier erreichte, soll die „Wacht am Rhein“ gesungen worden sein und ältere Schüler meldeten sich freiwillig zum Militär. Ehe sie einrückten, konnten sie eine Notprüfung ablegen. Thema des Deutschaufsatzes war: „Meine Erlebnisse zu Beginn des Krieges“. „Eine unerschöpfliche Quelle“, so Dittrich, „die die damalige Stimmung in die Gegenwart übermittelt“. Es habe auch ernste Gedanken daran gegeben, ob man sich wiedersieht. Beim Abschiedsgottesdienst sollen auch Tränen geflossen sein. Doch dann zogen die Männer freudig in den Krieg – 1200 aus allen heutigen Stadtteilen Friedrichsdorfs. Jeder Sechste kehrte nicht zurück.
Schon nach wenigen Monaten breitete sich an die Stelle der Euphorie eine gewisse Kriegsmüdigkeit aus. Die langwährenden Kämpfe gegen die Franzosen nahmen kein Einde, und es hätte nicht überrascht, wäre mancher Friedrichsdorfer in einen Loyalitätskonflikt geraten. Denn nun sollten die Nachfahren der 36 Hugenottenfamilien, die 1687 Friedrichsdorf gegründet hatten, als „gute Deutsche“ gegen den französischen Erbfeind ins Feld ziehen. Die meisten von ihnen taten es offensichtlich, ohne tiefer darüber zu reflektieren. Tagebücher und Feldpostbriefe – ebenfalls unschätzbare Quellen aus erster Hand – belegen es. Überall in der Ausstellung angebrachte Zitate daraus erreichen den Besucher eindringlicher als jede Erklärung. Auf welche Seite die Hugenotten tendierten, belegt nichts besser als der Umstieg von der französischen zur deutschen Sprache im Ersten Weltkrieg. Was allerdings niemanden nach dem Krieg hinderte, Vergünstigungen zu genießen, als die zunächst neutrale Zone französisch besetzt wurde und Generäle das „Franzosendorf mitten in Deutschland“ recht pfleglich behandelten.
Eine besondere Rolle in medizinischer Hinsicht spielte das Waldkrankenhaus in Köppern, wo „Kriegszitterer“ mit Elektroschocks wieder fit für die Front gemacht werden sollten. Einer der Ersten, der dieses Krankheitsbild beschrieben hat, war Alois Alzheimer, ein Lehrer von Emil Sioli, der die „Anstalt für Irre und Epileptische“ gegründet hat. Er ging davon aus, dass Erschütterungen an der Front Hirnströme durcheinandergebracht haben, die es mit Strom wieder zu ordnen galt. Mit „Konvulsatoren“ wurden mehrmals hintereinander im Wechsel mit Exerzierübungen schmerzhafte Ströme durch den Kopf geschickt. Große Erfolge hat man damit nicht erzielt.
Ein Augenmerk wirft die Ausstellung auch auf die Heimatfront. Frauen strickten für die Soldaten Leibbinden, Socken und Kopfschützer und der Pfarrer las ihnen dabei die Feldpost vor. Bald gab es Lebensmittelkarten. Brot wurde mit Kartoffelmehl und später sogar mit Sägespänen gestreckt, Öl aus Bucheckern gepresst. Eine Kuriosität war der Schauschützengraben am Rotlaufweg. Für 30 Pfennig konnte man dort ansehen, wie die Soldaten an der Front lebten. Selbst der Kaiser war dort. Doch das ganze Elend mit Hunger, Durchfall, Läusen und Schlamm war nicht wirklich nachvollziehbar. Ein Kriegsteilnehmer schrieb an Weihnachten, dass er seit März zum ersten Mal seine Hose ausziehen konnte.
Die Menschen stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Anhand von Einzelschicksalen und Zeitzeugenberichten blickt die Ausstellung auf das Leben in Friedrichsdorf zur Zeit des Großen Krieges. Dokumente, Feldpostbriefe, Fotografien und Alltagsgegenstände wie die Kochkiste, in der Vorgekochtes in Stroh verpackt aus Mangel an Heizmaterial fertig garte, veranschaulichen die Situation in der Heimat und an der Front.
Die Sonderausstellung wird am 12. Oktober um 15 Uhr eröffnet. Nach dem Grußwort von Bürgermeister Horst Burghardt gibt Dr. Erika Dittrich eine Einführung. Jürgen Poth präsentiert Lieder aus der Zeit des Großen Krieges. In der Klause gibt es Kaffee und Kuchen. Die Ausstellung ist bis 21. Dezember im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46, mittwochs und donnerstags von 9 bis 12 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Infos unter Tel. 06172-7313100 mittwochs bis freitags von 9 bis 16 Uhr oder erika.dittrich@friedrichsdorf.de.

Taunus Zeitung, 07. Oktober 2014

 

Ausstellung zum Ersten Weltkrieg wird eröffnet

Friedrichsdorf. Dokumente, Feldpostbriefe und Fotografien veranschaulichen die Situation in der Heimat und an der Front: Zur Eröffnung der Sonderausstellung „Deutschtum oder Franzosenliebe? – Friedrichsdorf und der Erste Weltkrieg“ lädt das Heimatmuseum Seulberg ein.
Freudig waren viele Männer vor 100 Jahren in den Krieg gezogen – darunter 1200 aus allen heutigen Stadtteilen Friedrichsdorfs. Doch nach einigen Monaten war die Euphorie vorbei. Und so mancher Friedrichsdorfer befand sich zudem in einen regelrechten Loyalitätskonflikt. Denn die Nachfahren der französischstämmigen Hugenotten sollten als „gute Deutsche“ gegen den „französischen Erbfeind“ kämpfen. Und wie verlief das Leben an der „Heimatfront“? Während die Kleinen stolz in Uniform Soldat spielten, sorgten sich die Frauen um ihre Männer, Väter, Söhne und Brüder von denen etwa jeder sechste nicht mehr zurückkehrte. Viele Männer indes hatten in den vier Jahren Schreckliches gesehen und erlebt, weshalb einige von ihnen schwere Kriegsneurosen entwickelten. Als „Kriegszitterer“ wurden sie in die Köpperner „Anstalt für Irre und Epileptische“, dem heutigen Waldkrankenhaus, behandelt. Erstmalig aufgearbeitet sind die grausamen Therapiemethoden. So zeigt die Ausstellung dem Besucher auch Elektroschockapparate, mit denen die aus der Bahn geratenen Nerven wieder richtig sortiert werden sollten, um die Erkrankten schnellst möglich wieder an die Front schicken zu können.
Die Eröffnung der Sonderausstellung beginnt am Sonntag um 15 Uhr im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46. Jürgen Poth untermalt die Veranstaltung mit Liedern aus der Zeit des Großen Krieges. In der Klause warten Kaffee und Kuchen auf den Besucher. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung ist bis 21. Dezember zu den üblichen Öffnungszeiten mittwochs und donnerstags von 9 bis 12 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen. In den Ferien bleibt das Museum geschlossen. Informationen gibt es bei Dr. Erika Dittrich unter der Telefonnummer (06172) 731 31 00 (mittwochs bis freitags 9 bis 16 Uhr) oder per E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de. red

Taunus Zeitung, 28. August 2014

Sie haben Grauenvolles erlebt

Zwei Ehrenbücher aus Friedrichsdorf und Köppern erzählen Soldaten-Schicksale

Mehr als 1200 Männer aus Friedrichsdorf und den damals unabhängigen Gemeinden Köppern, Seulberg und Burgholzhausen nahmen am Ersten Weltkrieg teil. Viele von ihnen waren in Verdun. Nur etwa die Hälfte von ihnen überlebte. Von Christiane Paiement-Gensrich

 

Friedrichsdorf. Fürs Foto trägt Fritz Felke Galauniform. Der Offiziershelm mit Quaste gehört dazu. Aber der junge Unteroffizier mit dem feschen Schnurrbart wurde nur 22 Jahre alt. Der Friedrichsdorfer starb am 9. September 1914 im Gefecht an der Marne (Frankreich). Das steht im Ehrenbuch der Stadt Friedrichsdorf zu lesen. Auch sein Foto ist eingeklebt. Jedem der 383 Weltkriegsteilnehmer aus dem Städtchen ist darin eine Seite gewidmet. Nur etwa die Hälfte von ihnen kehrte zurück. Auch für Köppern gibt es so ein schweres, in blaues Leinen gebundenes Erinnerungsbuch. Die Ehrenbücher für Seulberg und Burgholzhausen dagegen sind verschollen, berichtet Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich. Sie kann jedoch die Gesamtzahl der Kriegsteilnehmer aus den vier früher unabhängigen Gemeinden schätzen: „Es waren über 1200.“
„Die Ehrenbücher geben den Toten ein Gesicht“, sagt die Historikerin. Lorbeer-Girlanden schmücken jede Seite. Bei den Männern, die lebend zurückgekommen sind, sind die Girlanden grün koloriert. Da steht dann etwa – teils vorgedruckt – zu lesen: „Herr Julius Foucar aus Friedrichsdorf, geboren zu Friedrichsdorf am 28. Oktober 1892, war Mitkämpfer im Ringen für des Reiches Bestand und des deutschen Volkes Ehre und Ruhm in den Jahren des großen Krieges 1914-1918.“ Und: „Er folgte seines obersten Kriegsherrn Ruf zu den Waffen im August 1914, kehrte aus dem Feldzug im November 1918 in die Heimat zurück.“ Auch der Art seiner Verwundung („Durchschuss linker Oberschenkel“) ist verzeichnet. Und die Namen der Orte, an denen er an Schlachten teilgenommen hat, sind: „Polen, Lodz, Roye, Tarnopol, Riga, Chemin de Dame, Somme, Chateau Thirry, Argonnen, St. Quentin und Charleville.”
„Ein Viertel der Heimkehrer war schwer krank. Viele sind an den Kriegsfolgen gestorben“, berichtet Dittrich. Einige seien verschüttet gewesen. „Viele hatten Granatsplitter- und Schussverletzungen, Chlorgas-Vergiftungen und Senfgas-Verätzungen. Andere hatten Lungenkrankheiten und Nierenleiden oder bekamen später Magenkrebs.“ Auch so genannte „Kriegszitterer“ – Soldaten, die so schwer traumatisiert waren, dass sie unkontrolliert zittern mussten – waren unter ihnen.
Die Ehrenbuch-Seiten mit den Bildern der Gefallenen sind mit schwarz-weißem Lorbeer umkränzt. Da heißt es etwa: „Herr Eduard Weil aus Friedrichsdorf, geboren zu Friedrichsdorf am 29. Februar 1892, starb den Heldentod fürs Vaterland im heißen Kampf um des Reiches Bestand zu seines und des deutschen Volkes Ehre und Ruhm, getreu seiner Pflicht als tapferer Soldat im großen Krieg von 1914-1918. Ehre seinem Andenken!“ Weiter heißt es: Er starb am 24.8.14 infolge der am 12.8.14 in Arlons (Belgien) erlittenen Verwundungen, Lanzenstich durch Hals, Kopfverletzungen, Quetschungen an der Brust.“
Grauenvolles mussten die Soldaten an der Front erlebt haben. Ferdinand Weil aus Friedrichsdorf, der am 30. Mai 1918 „im Gefecht bei Voormezeele“ starb, schrieb am 24. August aus Nordfrankreich an seine Eltern und Geschwister: „Was wollte ich, dass dieser schreckliche Krieg bald ein Ende hätte.“ Noch deutlicher wird Fr. van Basshuisen aus Bad Nauheim in seinem Tagebuch. Im Eintrag vom 31. August 1914 schreibt er in Mouzon in den Ardennen: „Hier liegen mindestens 1500 Verwundete. Leichen von toten Franzosen bedecken hier haufenweise das Schlachtfeld. Das Stöhnen und Jammern ist nicht mitanzuhören. Den Gestank von Leichen und toten Pferden, welche alle schon tagelang liegen, kann man sich nicht vorstellen.“
Der Kriegsfreiwillige Theodor Foucar, geboren zu Friedrichsdorf am 11. November 1897, kam in Serbien ums Leben. „Seines obersten Kriegsherrn Ruf zu den Waffen war er gefolgt am 4.4.1915; er starb am 9.10.1915 im Gefecht bei Rescica“, steht auf seinem Erinnerungsblatt zu lesen. Ein anderer Kriegsfreiwilliger überlebte: Fritz Levermann aus Köppern, geboren am 26. August 1895 und Vater des früheren Köpperner Bürgermeisters, der den gleichen Namen trug. „Er war wohl, wie viele andere, mit anfänglicher Begeisterung in den Krieg gezogen und hat möglicherweise an den Gefechten in Langemarck (Flandern) teilgenommen, die später zum Mythos gemacht wurden“, berichtet Dittrich. Junge deutsche Männer sollen demnach das Deutschlandlied singend in die Schlacht gezogen sein. In Wahrheit gab es schwere Verluste auf deutscher Seite und kaum nennenswerte Geländegewinne. Bald darauf begann dort, wie in Frankreich, ein jahrelanger Stellungskrieg. Eingesetzt waren auf deutscher Seite vor allem mangelhaft ausgebildete Reserveregimenter mit Freiwilligen und Ersatzreservisten.
Fritz Levermann hatte am 18. Oktober 1914 einen Kopf- und einen Bein-Schuss erlitten. Erst einige Tage später wurde er mit erfrorenem Fuß gefunden, der amputiert werden musste. Immerhin konnte der junge Mann später studieren und erhielt 1921 eine Lehrerstelle in Köppern. Doch er wurde nur 30 Jahre alt. 1925 starb er an einem Lungenleiden.

Zum Euphrat


Schier unglaublich dagegen ist der Bericht, der dem Schlosser Karl Schneider im Köpperner Ehrenbuch gewidmet ist. Dieses enthält übrigens keine Fotos, dafür aber ausführlichere Texte als das Friedrichsdorfer Erinnerungsstück. Schneider wurde am 26. November 1892 in Köppern geboren und rückte am 16. März 1915 als Ersatz-Reservist ein. Zuerst musste er nach Galicien (Polen). „Nahkämpfe an der Strypa sind vom 15. Mai bis 10. Juni 1916“ vermerkt, später folgen „Rückzugsgefechte vom 8. bis 14. August“ und „Nahkämpfe an der Bystrzyca“. Am 17. Oktober 1916 dann folgt der Übertritt zur 6. Türkischen Armee/Bagdadarmee: „der Ausmarsch erfolgte teils mit der Bahn, teils mit Fuhrkolonne zum Euphrat und mit Flößen auf dem Strom in 45 Tagen/1040 Kilometer/ bis Riswandy, von hier 45 Kilometer über Land bis Bagdad.“ Dort bediente er einen mitgebrachten Desinfektionsapparat. „Seinen Heimaturlaub und Rückreise machte er zu Land, wie auch den Rückmarsch nach dem Zusammenbruch der Türkei. Letzterer wurde am 29. Oktober 1918 angetreten und am 1. Januar bei Samsum das Schwarze Meer erreicht.“ Nachdem 1400 Kilometer zurückgelegt waren, wurde er von Engländern in Konstantinopel (Istanbul) interniert. Am 12. Januar 1919 wurde er zur Heimreise auf einen Dampfer verladen. „Die Fahrt führte durch das Mittelländische Meer, Straße von Gibraltar, Atlantischen Ocean, Kanal, Nordsee und am 23. März 1919 in Wilhelmshafen gelandet.“ Weiter heißt es: „die Fahrt war sehr nervenaufregend, da die Meere immer noch voll treibender Minen waren“. Der Bericht schließt mit dem Satz: „Schneider besitzt Eisernes Kreuz. Zweiter Klasse, den Eisernen Türkischen Halbmond und die Beförderung zum Gefreiten.“
Noch ein weiterer Köpperner kam mit der eisernen Medaille des Türkischen Halbmondes nach Hause. Der Krankenpfleger Georg Uth, geboren am 25. April 1895, kam zuerst (im Juli 1915) zu einer Sanitätskompanie nach Frankreich. Unter anderem war er in Verdun und an der Siegfried-Stellung. 1917 dann kam er zum Asien-Korps nach Palästina, wurde später ebenfalls in Konstantinopel interniert und kam ebenfalls per Schiff zurück nach Deutschland.
Dass das Köpperner Ehrenbuch erhalten ist, ist übrigens dem Zufall und einem aufmerksamen Bauhof-Mitarbeiter zu verdanken. Denn als Köppern 1972 ein Stadtteil Friedrichsdorfs wurde, wurde das damalige Köpperner Rathaus aufgelöst. „Da hat jemand gründlich aufgeräumt. Das Ehrenbuch lag schon auf dem Müll“, berichtet Dittrich. Herbert See aber, der nicht nur mit der Entsorgung des alten Gerümpels betraut war, sondern auch ein Faible für alte Bücher hatte, schaute hinein, erkannte, was für ein Schatz da lag und rettete das wertvolle Erinnerungsstück.

 


Taunus Zeitung, 14. August 2014

 

Wohlige Wärme seit 100 Jahren

Der Herd im Heimatmuseum muss zwar mit Holz und Kohle befeuert werden, ist aber immer noch funktionstüchtig

Im Seulberger Heimatmuseum steht ein über 100 Jahre alter Herd, der sogar noch funktionstüchtig ist – dazu gehört allerdings jede Menge Erfahrung, weiß Brigitte Wenzel. Die Museumsmitarbeiterin hat noch als junge Frau im eigenen Haushalt auf einem solchen Herd gekocht. Für unsere Sommerserie „Aufgetischt“ hat sie TZ-Mitarbeiterin Gabriele Calvo Henning die richtige Handhabung erklärt.

Seulberg. Normalerweise ist er in der Museumsklause in einer Ecke vor einer Kuchentheke untergebracht. Gläser mit Marmelade oder sauer eingelegtem Gartengemüse stehen auf dem eisernen Kochfeld. Doch manchmal hat er seinen großen Auftritt, dann wird er in den Hof geschoben und angefeuert. Die Rede ist von einem weiß emaillierten, gusseisernen Herd. Gerade mal hüfthoch ist er, etwa einen Meter breit, vorne hat er vier Klappen. Drei übereinanderliegende, kleine Klappen für die Feuerstelle, die Lüftung sowie die Aschereste und eine große Backofenplatte rechts daneben. Ein bisschen sieht man ihm seine über 100 Jahre an – die Emaille ist etwas abgestoßen, das Kochfeld fleckig und verschrammt. Aber er ist noch voll funktionstüchtig, sagt Brigitte Wenzel, die seit 19 Jahren als Teilzeitkraft im Heimatmuseum arbeitet.

Suppe und Spiegeleier

Brigitte Wenzel muss es wissen, denn sie hat schon auf ihm gekocht: „Als es noch den Herbstmarkt im Heimatmuseum gab, habe ich draußen im Hof Latwerge, ein stark eingekochtes Zwetschgenmus, auf ihm gekocht. Unsere Gäste konnte nicht nur zusehen, sondern sich auf gleich rund um den Herd aufwärmen.“ Suppe hat sie auch schon auf ihm zubereitet – und Spiegeleier gebraten. „Dafür wurden einige der eisernen Ringe von der Kochstelle genommen und eine gusseiserne Pfanne in die Öffnung direkt über dem Feuer gesetzt. Das Braten geht wegen der großen Hitze sehr schnell, da muss man aufpassen, dass nicht verbrennt." Mit der Temperaturregelung ist das bei so einem mit Holz und Kohle befeuerten Gerät eine ganz spezielle Sache. Einfach an einem Schalter drehen geht nicht. Töpfe schieben ist angesagt: „Die große Kochstelle, die genau über der Feuerstelle sitzt, ist am heißesten und bleibt das auch die ganze Zeit. Rechts daneben gibt es eine kleinere Kochstelle, die wird zwar auch heiß, aber nicht so stark. Auf dieser Seite wird nachgegart, leicht geköchelt oder warmgestellt“, erklärt Brigitte Wenzel. Sie kennt das Kochen auf einem solchen Herd. Noch als junge Ehefrau hatte sie Ende der 1970er- Jahre zusätzlich zum Elektroherd einen gusseisernen Herd in ihrer Küche. „Die hatte damals noch keine Heizung. Also bin ich nach dem Aufstehen direkt in die Küche gegangen und habe Feuer gemacht.“ Auch in ihrem Elternhaus spielte solch ein Herd eine ganz zentrale Rolle: „Mit so einem Herd müssen Sie leben, der beschäftigt einen den ganzen Tag, weil man immer dabei bleiben muss.“ Gleich morgens wurde mit alten Zeitungen und Holzspänen angefeuert, dann kamen Briketts und Holzscheite darauf. Das Feuer brannte fast den ganzen Tag und musste regelmäßig mit neuem Brennmaterial gefüttert werden. Schon die erste Wärme kurz nach dem Anfeuern wurde genutzt. Rinderbrühe oder Sauerkraut köchelten über Stunden vor sich hin. Irgendwie stand immer etwas auf dem Herd und wenn es bloß das sogenannte „Schiff“ war. Das ist ein Metallgefäß mit Deckel, das oben in den Herd eingelassen und in dem Wasser warmgemacht und vorgehalten wurde. Darüber verfügt der kleine Museumsherd aus der Klause zwar nicht, wohl aber ein etwas größerer Herd im zweiten Stock der Dauerausstellung. Dort steht er in einer „Küche um 1900“ und bietet neben dem Wasserschiff noch ein Waffel- und ein Oblateneisen sowie eine Vorrichtung, an der die Geschirrtücher rund um das Ofenrohr trocknen konnten.

XXL-Ofenrohr

Apropos Ofenrohr: Das ist bei dem Klausen-Herd mit etwa zwei Metern besonders lang und das auf einem besonderen Grund. Gekocht wird auf dem Ofen im Museumshof, der dann mit großen Sonnenschirmen bestückt wird. Damit sich der Qualm nicht unter den Schirmen staut, haben einige Männer vom Geschichtsverein das XXL-Ofenrohr zusammengebaut. Sie waren es auch, die den schweren Gussofen mit einem fahrbaren Unterbau mit vier Rollen mobil gemacht haben. Gerne erinnert sich Brigitte Wenzel an das „Dämmerstündchen“, zu dem ihre Großmutter im Herbst und Winter am späten Nachmittag einlud, wenn das Feuer im Familienherd schon heruntergebrannt war. Dann hat die Großmutter die große Ofenklappe aufgemacht und ihre Füße in die Wärme gehalten- ein Moment wohliger Ruhe und Entspannung. Um sich die morgendliche Mühe beim Anfeuern etwas zu erleichtern, gab es außerdem einen Trick: Auf die letzte noch glimmende Glut wurden zwei dick in Zeitungspapier eingewickelte Briketts gelegt. Bei geschlossenen Klappen hielt dieses Paket die Glut, wurde am Morgen mit dem Schürhaken auseinander gezogen. Mit Hilfe von Holt und neuen Briketts brannte schnell ein neues Feuer.
Seit vielen Jahren ist der kleine Herd aus der Klause schon im Besitz des Heimatmuseums und kommt mit großer Wahrscheinlichkeit aus einem Seulberger Haushalt. Aus welchem Jahr er genau stammt, ist den Museumsmitarbeitern leider nicht bekannt. Ein Schild auf der Vorderseite weist aber darauf hin, dass es ein Modell der Niedersächsischen Herdfabrik Delligsen ist, die im Jahr 1904 gegründet wurde. Wer den alten Herd aus nächster Nähe betrachten möchte, kann dies am kommenden Sonntag 17. August, zwischen 14 und 17 Uhr, tun.

 

REZEPT Anisplätzchen (Macarons)

Im Heimatmuseum Seulberg und im Stadtarchiv gibt es noch etliche historische Kochbücher und Rezeptsammlungen. Für unsere Sommerserie „Aufgetischt“ hat Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich diese alte Rezept für Friedrichsdorfer Anisplätzchen (Macarons) herausgesucht, das im Stadtarchiv als handschriftliches Eigenrezept hinterlegt ist.

Zutaten:

  • 1 Pfund Mehl
  • 1 Pfund Zucker
  • 6 Eier und ein Teelöffel Anis

Zubereitung:
Zucker und Eier mindestens eine Viertelstunde verrühren. Löffelweise das Mehl unterrühren, dann den Anis dazu geben. Mit einem Löffel kleine Häufchen abstechen und auf ein Blech aufsetzen. Über Nacht trocknen lassen.
Zwar stehen Backtemperaturen und die Backzeit nicht im Originalrezept, es empfiehlt sich aber, die Plätzchen bei 150 Grad für 15 Minuten in den Backofen zu schieben.


Taunus Zeitung, 14. Juli 2014

 

Erfolgreiches Gebabbel

80 Teilnehmer: Zum zehnten Mal trafen sich die Seulberger zum nachbarschaftlichen Plausch

Das zehnte Brunnengebabbel lockte zahlreiche Alteingesessene und Neubürger ins Seulberger Schürzenhaus. Diesmal ging es um den Wald.

Von Christel Wösner-Rafael

Seulberg. Keine Frage, das „Brunnegebabbel“ ist in Seulberg der Renner: Rund 80 Gäste strömten zur zehnten Auflage ins Schützenhaus in der Hardtwaldallee. „Wir können kaum glauben, dass unsere Idee des Gesprächs unter Nachbarn so gut angenommen wird“, freute sich Erika Becker vom Organisatoren-Team.
2011 wurde das „Brunnengebabbel“ ins Leben gerufen. Denn in früheren Zeiten waren die Brunnen in Seulberg der Treffpunkt, um über Gott und die Welt zu „babbeln“, den neuesten Tratsch zu verbreiten oder Geschäfte anzukurbeln. Heute kommen zum „Gebabbel“ nicht nur Alteingesessene, sondern auch jede Menge Neubürger. „Nachbarn näher kennenzulernen und mehr über Seulberg zu erfahren ist ihr Wunsch“, so Becker.
Zu hören gab es dieses Mal einiges zum Thema „Wald“. Wie immer bei von Reinhold Bingenheimer gestiftetem Apfelwein sowie leckeren Grillwürsten. Als Grillmeister hatte sich Norbert Schneider verpflichtet, dessen Opa und Uropa die Gaststätte „Zum Schützenhaus“ betrieben hatten. Werner Tröger war mit seinem Akkordeon im Einsatz.
Kahler Taunus
Zum Thema Wald sprach Friedrich Wilhelm Jeckel – in Sellwicher (Seulberger) Mundart. „In früheren Zeiten wurden viele Gegenstände aus Holz gefertigt, sogar die landwirtschaftlichen Geräte wie Egge, Pflug und Forke (Heugabel). Außerdem waren Löffel, Teller und Schüsseln aus Holz. Nicht nur zum Bau der Fachwerkhäuser, sondern auch zum Heizen diente es. Man kann sagen, Holz wurde an allen Ecken und Enden gebraucht. Auch die Zimmerleute, die Wagner und die Küfer brauchten es und auch die Kutschenbauer. Und woher kam das Holz? „Na klar, aus dem Wald.“.
Die Zunahme der Bevölkerung und das Kahlschlagen der Taunushänge hatten zu einer wahren Holznot geführt. „Weiderechte waren vergeben worden, Schweinemast im Wald war üblich, Abholzen der Bäume auch. Der Taunuswald war so massiv genutzt worden, dass er völlig kahl wurde, nur noch das Gebirge blieb übrig.“ Es war die Zeit, in der ernsthaft über Nachhaltigkeit nachgedacht werden musste. Kaum vorstellbar heute, denn nach Aussagen vom ortskundigen Referenten „haben wir jetzt so viel Wald im Taunus wie noch nie“.
Und Wölfe gab es in früheren Zeiten im Taunus. Der letzte Wolf in Seulberg wurde im 17. Jahrhundert erlegt, der letzte Wolf im Taunus 1841 bei Brandoberndorf. Doch nach Aussagen von Forstleuten wird inzwischen hin und wieder ein Isegrim in Hessen gesichtet.
Bei so viel erfolgreichem Brunnengebabbel kam auch Ortsvorsteherin im Ortsbeirat Pia Marx Friedrichsdorf (Grüne) „auf einen Sprung vorbei“ und freute sich mit Organisatoren und Gästen über das fröhliche Miteinander.


Friedrichsdorfer Woche, 22. Mai 2014

 

Ein Fest, dass Herrn Reis der Hut hoch ging

Friedrichsdorf. Ein Stadtfest mit verkaufsoffenem Sonntag, das den gesamten Innenstadtbereich mit Hugenottenstraße, Landgrafenplatz, Taunus Carré und Houiller Platz einschloss, das war eine Premiere. Und dank des schönen Sommerwetters eine sehr erfolgreiche dazu. Tausende Besucher genossen den „Tag des Telefons".

Von Beppo Bachfischer

Gemütliches Schlendern war das Tempo, das sich beim Fest zu Ehren des Telefonerfinders Philipp Reis am Internationalen Museumstag anbot. Die vornehmen Herrschaften, die aus dem 19. Jahrhundert den Sprung in die Gegenwart geschafft hatten, machten vor wie es geht Allen voran Philipp Reis selbst mit seiner Frau Margarethe am Arm, natürlich Madame Blanc, die Hugenotten durften nicht fehlen und ein Bäckersbursch, der an die große Zwiebacktradition der Stadt erinnerte, aber vielleicht den Tüftler und Erfinder Philipp an seine Herkunft in der elterlichen Bäckerstube in Gelnhausen erinnerte. Sie alle und weitere Friedrichsdorfer Figuren luden den ganzen Tag über zu historischen Stadtführungen ein. Ziel der Spaziergänge, die sich als informativ und zugleich äußerst unterhaltsam herausstellten, war das Wohnhaus der Familie Reis, wo im Hinterhof die künstlerische Sinuswelle heute daran erinnert, wie Philipp von der Scheune aus zu seiner Margarethe im Haus die ersten Töne hinüberwackeln ließ. Heute ist das Philipp-Reis-Haus das Stadtmuseum, das der Telefonie und Kommunikationstechnik gewidmet ist. Dort war der Andrang zeitweise so stark, dass gar kein Hineinkommen mehr war. Schon morgens um 9 Uhr - zwei Stunden vor der offiziellen Eröffnung - waren die ersten Besucher gekommen. Dass sie noch über Kisten steigen mussten, störte sie nicht.
Bürgermeister Horst Burghardt und Museumsleiterin Dr. Erika Dittrich zankten sich kurz, wer für das schöne Wetter verantwortlich war. Sie einigten sich darauf, dass der Mut der Stadt, der Wirtschaftsförderung, des Museums, der Einzelhändler und aller weiteren Beteiligten am Tag des Telefons belohnt wurde, das Fest größer und in enger Abstimmung untereinander zu feiern. Der Bürgermeister verwies auf die enge Verbindung von Friedrichsdorf und Philipp Reis und wollte sich ein Lehen ohne Telefon bis hin zum Smart Phone gar nicht mehr vorstellen . „Wir sind stolz, dass hier in Friedrichsdorf die Ursprünge liegen", sagte der Bürgermeister und erinnerte neben Philipp Reis auch an die Pionierarbeit, die Professor Willy Wagner geleistet hat. Das Motto des Museumstages „Sammeln verbindet", wollte er über das museale Sammeln hinaus verstanden wissen, dankte sowohl den Traktor- als auch den Motorradfreunden, dass sie mit ihren zumindest teilweise schon historischen Fahrzeugen vielen Fans unter den Festbesuchern eine große Freude machten. Gerade, als er das Fest eröffnete, blies ein Lüftchen Philipp Reis den Hut weg. Burghardt sah darin ein Zeichen für den frischen Wind und Tatendrang, der durch die Stadt weht, und ein gutes Vorzeichen für das schöne Fest.
Nicht nur auf der Hugenottenstraße waren alte Fahrzeuge zu bewundern. Wer Chrom und Käfersound liebt, der musste gleich zum Taunus Carré. Dort waren die 50er-Jahre ausgebrochen mit aller Konsequenz. Die Museumsleute hatten die Schaufenster der Geschäfte mit Nierentischen und Cocktailsesseln aufgepeppt und auf dem Platz vor dem Einkaufszentrum waren herrlich nostalgische Autos geparkt, die zugegebenermaßen mehrheitlich erst in den 60em gebaut wurden. Das tat ihrem Charme keinen Abbruch, vor allem, wenn Center Managerin Julia Steinmetz mit Pferdeschwanz im gepunkteten Jackie 0.-Kleid gut gelaunt durch die Oldtimer flanierte und ein Auge auf einen flotten Jaguar MK 240 warf. Natürlich war das Auto gemeint, wenn auf der vollen Terrasse der Bewirtungsbetriebe vor dem Taunus Carré die Männer ins Schwärmen gerieten. Sogar Marylin Monroe und Elvis Presley tauchten auf, Rock'n'Roll wurde getanzt und die jüngere Generation konnte verstehen, dass man auch damals schon - oder erst recht – seinen Spaß haben konnte.
Einerseits nicht ganz so weit zurückgedreht hatte man die Zeit auf dem Houiller Platz mit der großen Flower Power-Party. Andererseits griff man mit dem Auftritt des historischen Tanzensembles „Stante Pede“ noch deutlich weiter in die Zeit vor Philipp Reis zurück. Eine weitere Attraktion waren dort die Handwerker und Kunsthandwerker, die sich gern über die Schulter schauen und sogar helfen ließen. Goldschmiedemeisterin Beate Schellhas hatte ein Heimspiel direkt vor ihrem Geschäft. Holzkünstler Rolf Donnecker ließ sich bei seiner Eiche helfen, die er aus dem Stamm einer Eiche schnitzt. Harald Kramer legte mit Hand an. Im Werkunterricht während seiner Schulzeit hat er viel mit Holz und Laubsäge gearbeitet. Nun hat er „einfach mal gefragt, ob ich mitmachen darf". Der Künstler, der Helfer auf Festen gern mitarbeiten lässt, bis das Werk fertig ist, erlaubte ihm sogar, seine Initialen in den Sockel zu stemmen.
Wem nun der Fußweg zum Philipp-Reis-Haus zu weit war, der brauchte nur auf die Taunus-Kutsche, die aus Wehrheim gekommen war, zu warten. Regina Nedwed lenkte den Planwagen, der von den Pferden Dina (6) und Layla (14) gezogen wurde. War man bei den Liedern der Hofheimer Moritatensänger losgezogen, so erreichte man nun den Landgrafenplatz wieder, als Myriam Jabaly Chansons sang. Vor allem Kinder belagerten die Stände und Fahrzeuge der Hilfs- und Rettungsdienste, die zwar ihre Kommunikationsmittel für den Einsatzfall vorführten, aber darüber hinaus noch so viel Spannendes zu bieten hatten, dass die kleinen Retter sich kaum losreißen konnten. Während der fünfjährige Ibrahim sich ganz stolz von der DRK-Sanitätshelferin Ronja Andreew einen weißen Schutzhelm mit dem weithin sichtbaren Zeichen des Roten Kreuzes aufsetzen ließ, erzählten seine Eltern, dass sie schon acht Jahre in Friedrichsdorf leben, aber zum ersten Mal ein so großes Fest mitfeiern. „Bei diesem schönen Wetter mussten wir einfach gucken, was hier los ist“, sagen sie und versichern: "Wir werden jetzt öfter mitfeiern, denn Friedrichsdorf macht richtig Spaß."


Taunus Zeitung, 22. Mai 2014

 

9400 Euro für’s Museum

Friedrichsdorf. Das Philipp-Reis-Haus in Friedrichsdorf erhält eine Landeszuwendung in Höhe von 9400 Euro. Das berichtet der direkt gewählte Landtagsabgeordnete Holger Bellino (CDU), der das Museum vor wenigen Tagen besucht hat. Bellino hat die gute Nachricht vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Wiesbaden erhalten. Das Philipp-Reis-Haus mit Dauer-Ausstellungen zum Telefonerfinder Philipp Reis, zu den Hugenotten und zum Färberhandwerk soll das Geld für verschiedene Projekte erhalten: Museumspädagogische Stationen, eine Sonderausstellung zum Ersten Weltkrieg, eine Sonderausstellung „Bin on…“ und weitere museumspädagogische Aktionen. Bellino lobte die professionelle Führung des Hauses und die Werthaltigkeit der Ausstellungen. red


Taunus Zeitung, 20. Mai 2014

 

Telefontag: Über 8000 Besucher

Überall zufriedene Gesichter: Neues Konzept für Stadtfest war genau richtig und soll künftig als Modell dienen

Philipp Reis hat nicht nur 1860 das Telefon erfunden, sondern am vorigen Sonntag auch zahlreiche Gäste nach Friedrichsdorf gelockt. Und die waren begeistert: Wirtschaftsförderung und Museumsleitung ziehen positive Bilanz.

Von Christiane Paiement-Gensrich

Friedrichsdorf. Das Konzept war neu und erfolgreich: Der Tag des Telefons war zum ersten Mal als großes Stadtfest mit verkaufsoffenem Sonntag angelegt. Uwe Hild, Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung, hat am Sonntag und gestern nur zufriedene Gesichter gesehen. Auf über 8000 schätzt er die Zahl der Besucher. Und dadurch, dass der Fest-Rundweg zu Ehren des Telefonerfinders Philipp Reis weitläufig war, haben sich die Besucher gut verteilt. Außerdem war das Wetter ideal: Sonnig, nicht zu warm und nicht zu kalt.
Die historischen Stände vor dem Philipp-Reis-Haus waren ein Publikumsmagnet. „Und in allen drei Einkaufsbereichen (Hugenottenstraße/Landgrafenplatz, Houiller Platz und Taunus Carré) waren die Geschäfte geöffnet und gut besucht.“ Der Weg durch die Stadt, der die drei Standorte miteinander verbunden habe, sei gut angenommen worden. Die „Einkaufsstadt Friedrichsdorf“ zu bewerben sei gelungen. Auch die weniger bekannte Strecke über die Taunus-Carré-Treppe durch das alte Viadukt zum Houiller Platz hätten viele Besucher genutzt.
„Die Gäste kamen aus Wehrheim, Neu-Anspach, Karben, Bad Homburg und Frankfurt.“ Teilweise seien sie sicher von der Radio-Werbung angelockt worden. „Manchmal war es schwierig, einen freien Parkplatz zu finden, obwohl wir insgesamt rund 750 öffentliche Parkplätze in der Innenstadt haben, die Tiefgarage des Taunus Carré mitgerechnet“, sagte Hild. Zum ersten Mal ist der Telefontag ohne den gewohnten großen Flohmarkt über die Bühne gegangen. „Die historischen Aktionen rund um Philipp Reis sind sonst im Vergleich zum Flohmarkt immer ein bisschen ins Hintertreffen geraten. Das war jetzt anders“, so Hild.
Hochzufrieden war daher auch Museumsleiterin Dr. Erika Dittrich: „Bei uns war ständig Betrieb und von den Besuchern kamen gestern und heute ausschließlich Lob und Anerkennung“, berichtete sie. Besonders gut habe ihr die Mischung des Publikums gefallen: „Alle Altersgruppen waren unterwegs, Fachpublikum, darunter Mitglieder des Physikalischen Vereins, ebenso wie junge Familien. Alte Friedrichsdorfer standen neben auswärtigen Gästen.“

Unterhaltsame Physik

Auch das Zusammenspiel der verschiedenen Akteure habe sehr gut funktioniert. „Viel Spaß hatten die Ehrenamtlichen, die etwa bei der Kostümführung in historische Rollen geschlüpft waren oder eine Aktion in den Zelten betreuten. Die Mischung wurde sehr gut angenommen.“ Sogar die Physik – mit den Flammen aus der Rubens-Röhre, die Schallwellen sichtbar machten – sei unterhaltsam gewesen. Ihr Publikum fanden auch die Moritatensänger, die Dittrich engagiert hatte, weil Reis gern mit kleinen Spottliedern seine Schüler neckte. „Das Märchenzelt aus Vlotho besuchten sogar Erwachsene. Und im Museum war es mitunter so voll, dass ‚Frau Reis‘ mit ihrem Reifrock nicht mehr hineinpasste“, berichtete Dittrich, die selbst in die Rolle der Telefonerfinder-Ehefrau und den Reifrock geschlüpft war.
Besonders gut angekommen sei auch Familie Böttcher mit den alten Fahrrädern, die im Hof der Firma Wiefett eine kleine Ausstellung zusammengestellt hatte. Sehr bewundert wurde Madame Blanc (Angelika Lebeau) in ihrem eleganten Kleid. Die Besucher lobten vor allem, dass an vielen Stellen Attraktionen zu finden waren. „Heute kamen Mails aus dem Umland, aus Frankfurt etwa, wie schön es doch in Friedrichsdorf gewesen sei.“
Der Tag sei auch für das Museum ein großer Erfolg gewesen. „Vor allem wurde die Stadtgeschichte mit der wohl wichtigsten Person, Philipp Reis, in den Mittelpunkt gerückt.“ Mehrere Anmeldungen für Führungen im Reis-Haus und für die Erfinderwerkstatt lägen bereits vor.
Auf den guten Erfahrungen wollen die Wirtschaftsförderung aufbauen, sagte Hild abschließend. Das heiße zwar nicht, dass es nächstes Jahr gleich wieder einen Telefontag geben müsse – er findet im zweijährigen Rhythmus und aus Anlass des internationalen Museumstags statt. Aber das Konzept, die gesamte Innenstadt einzubeziehen, könne als Modell für Autoschau und Künstlertage dienen, die im nächsten Jahr wieder an der Reihe sind.


Taunus Zeitung, 19. Mai 2013

 

Vom Reifrock bis zum Petticoat

Erfolgreicher „Tag des Telefons“: Historische Persönlichkeiten locken Besucher in Museum und Geschäfte

Zum Flanieren luden gestern Hugenottenstraße, Landgrafenplatz, Houiller Platz und Taunus-Carré ein. Anlass war der internationale Museumstag mit verkaufsoffenem Sonntag.

Von Christiane Paiement-Gensrich

Friedrichsdorf. Allerliebst sieht die junge Hugenottendame aus, mit ihren beiden dunklen Zöpfen, die unter dem weißen Häubchen hervorschauen. Zum Tag des Telefons hat Christina Schäfer gestern das historische Kostüm angezogen. Manfred Fels unterdessen ist in eine Zwieback-Bäcker-Kluft geschlüpft. Und Museumsleiterin Dr. Erika Dittrich kommt im Reifrock als Gattin des Friedrichsdorfer Telefonerfinders Philipp Reis. Ihm ist der Tag des Telefons, der alle zwei Jahre am internationalen Museumstag stattfindet, gewidmet.
Ein sympathisches und beliebtes Stadtfest mit verkaufsoffenem Sonntag ist inzwischen daraus geworden – so dass die Parkplätze knapp wurden. Zahlreiche Besucher waren gekommen, die Veranstalter waren sehr zufrieden.
In der Hugenottenstraße vor dem Philipp-Reis-Haus waren zwar die meisten historischen Gestalten anzutreffen. Aber Attraktionen gab es auch auf dem Landgrafenplatz, im Einkaufszentrum Taunus-Carré und davor sowie auf dem Houiller Platz. Dort, bei Holzbildhauer Rolf Donnecker, durften die Besucher am Blattwerk eines Baums mitschnitzen. Eine Töpferin zeigte, wie an der Scheibe runde Gefäße entstehen, und bei Bianca Odenthal aus Wölfersheim gab es fein duftende Seife. Am Stand von Beate Schellhas ging es um Goldschmiedetechniken, und neben dem Brunnen hatten die Wald-Ritter aus Rosbach ihr Lager aufgeschlagen. Dort mussten Kinder einem kleinen Plüschdrachen helfen, seine Zaubersteine wiederzufinden. Wer sich lieber ausruhen wollte, der nahm einfach in einem der Strandkörbe Platz. Das Ensemble „Stante Pede“ präsentierte in Sichtweite mittelalterliche Tänze und auf der anderen Seite des Platzes zeigten junge Karatekämpfer und Inline-Hockey-Spieler, was sie konnten.
Oldtimer-Fans kamen vor dem Taunus-Carré ins Schwärmen. Ob allerdings der dunkelblaue Jaguar, Baujahr 1959, oder der silbrig schimmernde Mercedes 230 SL, Baujahr 1966, das schönere Cabriolet war, war sicher Geschmackssache. Gute Laune machte jedenfalls der dottergelbe Buggy Apal von 1965. Und dahinter, auf der großen Café-Terrasse, waren alle Plätze besetzt. Da sah man junge Damen im Petticoat am Cappuccino nippen. Und Elvis Presley und Marilyn Monroe spazierten als Life-Acts über den Platz. Denn hier drehte sich alles um die 1950er-Jahre. Deshalb waren auch in den Schaufenstern der Geschäfte Kleider, Spielsachen und Möbel aus der Rock’n’Roll-Zeit zu bewundern. Die Ausstellung mit Exponaten aus dem Heimatmuseum (wir berichteten) ist noch bis Mittwoch, 28. Mai, zu sehen.

Mit schwarzem Dreispitz

Nostalgiker konnten aber auch in der Pferdekutsche eine Runde drehen und wieder zurück in noch frühere Jahrhunderte reisen: Zum Beispiel, wenn sie sich von Helmut Schneider durch die Stadt führen ließen. Er war leicht zu erkennen, an seiner Hugenotten-Kluft mit schwarzem Dreispitz, langer schwarzer ärmelloser Jacke über weißer Bluse und halblanger Hose sowie weißen Kniestrümpfen. Unterwegs begegneten sie dann auch der eleganten Gründerin der Spielbank von Monte Carlo, Madame Blanc, die in Friedrichsdorf geboren ist und in deren Rolle Angelika Lebeau geschlüpft war. Sie wiederum hat tatsächlich hugenottische Vorfahren und trug jetzt zum ovalen Reifrock ein schwarzes Samtjäckchen.
Als Pappkamerad stand der Naturforscher Édouard Désor vor einem Stand, an dem Kinder in Schüsseln voller Sand Ausgrabungen machen durften. Sie beförderten Glasmurmeln, tönerne Tiere und sogar einen Knochen ans Tageslicht. Und der pensionierte Schulleiter Paul Helmut Hundhausen aus Köppern brachte den Besuchern ein paar Schritte weiter den Unterschied zwischen Kurrentschrift, Sütterlin und deutscher Schreibschrift bei. Schiefertafeln und Griffel lagen zum Ausprobieren bereit.
Am spektakulärsten war sich die Rubens-Röhre, mit deren Hilfe Professor Dr. Fritz Siemsen von der Frankfurter Universität Schallwellen sichtbar machte: Das ging mit etwa 100 kleinen Flammen, die aus einer Gasflasche gespeist wurden. Nebenan färbte Tanja Muth weiße Säckchen blau und erklärte, dass man im Mittelalter die Blätter einer Pflanze namens „Färberwaid“ dafür verwendete. Und weil zum Fermentieren Urin gebraucht wurde, wurde zuvor immer viel Bier getrunken.
Deshalb wankte der 14-jährige Sven von der Burgspielschar auch sehr überzeugend als betrunkener Färbergeselle zwischen den Ständen hindurch – und war in Wirklichkeit völlig nüchtern. Auf der Bühne am Landgrafenplatz sang Myriam Jabaly, am Klavier begleitet von Bettina Höger-Loesch, französische Chansons. Junge Balletttänzerinnen traten auf und kleine Sänger präsentierten Musical-Lieder.
Hugenottin Christina Schäfer übrigens lockte die Besucher an den Spieltisch. Dort mussten sie Fragen zur Stadtgeschichte beantworten, wie: „Was beherbergt das Philipp-Reis-Haus heute?“ Die richtige Antwort lautet: „Das Stadtmuseum.“ Reis‘ erste Telefone sind dort zu sehen, und in der Hugenottenabteilung geht es unter anderem um das spezielle (mit Deutsch vermischte) „Friedrichsdorfer Französisch“. Das Haus war natürlich zur Feier des Tages geöffnet.

 

Weitere Fotos zum Tag des Telefons finden Sie auf unserer Internet-Seite unter der Adresse www.taunuszeitung.de/telefon


Taunus Zeitung, 17. Mai 2014

 

Tag des Telefons: Das Programm

Friedrichsdorf. Der Tag des Telefons wird morgen um 11 Uhr von Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) auf der Bühne auf dem Landgrafenplatz eröffnet. Um 11.30 Uhr folgen Lieder aus den 1920er- und -30er-Jahren. Um 12 und 15.30 Uhr treten die kleinen Ballerinen von der Ballettschule Schneider auf. Um 14 und 17 Uhr singt Myriam Jabaly, begleitet von Bettina Höger-Loesch am Klavier, und um 16 Uhr präsentieren Chorkinder unter der Leitung von Jochen Schimmelschmidt Musical-Lieder. Ins Philipp-Reis-Haus locken historische Gestalten und von 12 Uhr an sind die Geschäfte in der Hugenottenstraße, im Taunus-Carré und am Houiller Platz geöffnet.
Im Taunus-Carré stehen die Zeichen – passend zur 1950er-Jahre-Ausstellung (siehe nebenstehender Bericht) ganz auf Rock’n’Roll. Auf die Kinder wartet das Spielmobil. Und die Gäste können sich mit Elvis-Presley- und Marilyn-Monroe-Doubles fotografieren. Wer die Bilder auf Facebook stellt, kann gewinnen.
Auf der Bühne am Houiller Platz beginnt um 12 Uhr eine Überraschungs-Matinee. Von 14 Uhr an zeigt das Ensemble „Stante Pede“ mittelalterliche Tänze. Um 14.30 Uhr starten dort Zumba und HipHop für die Jugend. Von 16 Uhr an moderiert DJ Julian Erhardt die „FlowerPower“-Plattenparty, zu der die Besucher ihre Lieblings-Scheiben mitbringen und tanzen dürfen. Außerdem können die Besucher dort über den Handwerkermarkt schlendern sowie Kürschner und Töpfer bewundern. cg


Taunus Zeitung, 17. Mai 2014

 

Käse-Igel unter der Tütenlampe

Zum Tag des Telefons wird das neue Einkaufszentrum Taunus Carré historisch

Wenn Schaufenster zu Vitrinen werden: „Zurück in die 1950er-Jahre“ heißt es in der Sonderausstellung im Einkaufszentrum.

Von Christiane Paiement-Gensrich

Friedrichsdorf. Die pastellfarbenen Kochtöpfe ließen sich sicher heute noch gut verkaufen. Das schicke Kleid mit Hahnentritt-Muster und passendem Bolero-Jäckchen bestimmt ebenfalls. Und der Zeichentrick-Werbefilm, in dem ein freundlicher Matrose den Pinguinen mit Persil den Bauch wieder weiß wäscht, ist einfach allerliebst. Den 1950er-Jahren begegnet man jetzt im Einkaufszentrum Taunus-Carré auf Schritt und Tritt. Denn zum Tag des Telefons präsentieren die 28 Geschäfte in ihren Schaufenstern Museumsstücke aus dem Magazin des Seulberger Heimatmuseums – mit passenden Erklärungstafeln versteht sich.
Dass da im Handy-Laden das legendäre Bakelit-Telefon W 48 in den Farben Schwarz und Elfenbein Platz gefunden hat, ist Ehrensache. Sogar ein Nachbau des ersten Telefons von Philipp Reis, der das Gerät in Friedrichsdorf erfunden hat, ist hier zu bewundern. Museumsleiterin Dr. Erika Dittrich hat die Schau konzipiert und sich dann auch gleich – für’s Foto – zusammen mit Center-Managerin Julia Steinmetz in das 1950er-Jahre-Wohnzimmer im Schaufenster des „Depot“ gesetzt. Da warten schon kleine Friedrichsdorfer Salzbrezeln auf dem passenden Ständer. Und am Sonntag soll es für die Besucher Käse-Igel geben, verspricht Steinmetz.
Nierentisch, Tütenlampe und Gummibaum gehören zur Einrichtung und wer sie sieht, der erinnert sich vielleicht noch an die Fußball-Weltmeisterschaft und das Wunder von – Seulberg. Denn nicht nur dass Deutschland 1954 Fußballweltmeister wurde: Die Seulberger Fußballer stiegen in die A-Klasse auf. Und der King of Rock’n’Roll, Elvis Presleys, war in Friedberg stationiert. „Er machte in Köppern Station, um ein Bier zu trinken und schrieb einer Köppernerin sein Autogramm ins Poesie-Album“, berichtet Dittrich.
Auch „Wirtschaftswunder“ und „Fresswelle“ sind Schlagworte, die für die 1950er-Jahre stehen. Es war eine Ära des Aufbruchs und des Vergessens seit den ökonomischen und kulturellen Entbehrungen des Zweiten Weltkriegs. „Nierentisch, Petticoat und Rock’n’Roll“ ist der Titel der Schau. Deshalb tragen auch einige Rewe-Verkäuferinnen am Sonntag Petticoats.

Toupiertes Haar

Auf historischen Fotos sind die Bürgermeister der früher selbstständigen Gemeinden Köppern, Burgholzhausen, Seulberg und Friedrichsdorf zu sehen. Und junge Damen mit toupierten Kurzhaar-Frisuren. „Damals schnitten sich die jungen Mädchen nach ihrer Konfirmation mit 14 Jahren die Zöpfe ab“, berichtet Dr. Dittrich. Ein blank polierter Pritschenwagen „Barkas Haininchen“, Baujahr 1959, mit 25 PS steht vor dem Expert-Elektronik-Markt. Drinnen hat sich ein elektrischer Wäschestampfer zwischen die modernen Waschmaschinen gemogelt. Auch die seit 1952 in Friedrichsdorf gedrehten Filme von Anton Beuss über das Alltags- und Wirtschaftsleben werden hier gezeigt. Und an die Reisewelle mit dem VW-Käfer nach Italien erinnern ein Koffer mit Holzbeschlägen, ein korsettartiger Badeanzug, ein blau gemusterter Bikini und zwei Strohhüte. „Es gibt noch immer Friedrichsdorfer Familien, die seit damals jedes Jahr für vier Wochen Urlaub in Jesolo (Italien) machen“, weiß Dittrich. Und was könnte den Wiederaufbau nach dem Krieg besser illustrieren, als die vom Baustoffunternehmer Braas hergestellte „Köpperner Dachpfanne“?

 

Die Ausstellung „Nierentisch, Petticoat und Rock’n’Roll – zurück in die 50er“ ist bis 28. Mai zu den Geschäftszeiten 9 bis 20 Uhr im Taunus Carré, Wilhelmstraße 23, zu sehen. Führungen werden am Freitag, 23. Mai, von 19 Uhr an sowie am Samstag, 24. Mai, von 15 Uhr an angeboten. Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei.


Friedrichsdorfer Woche, 15. Mai 2014

 

Tag des Telefons 2014

Nicht nur das Telefon und sein Erfinder werden gefeiert

Alle zwei Jahre zum internationalen Museumstag feiert Friedrichsdorf zu Ehren seines berühmten Bürgers Philipp Reis den „Tag des Telefons“. Am Sonntag, 18. Mai, von 11 bis 20 Uhr findet in der ganzen Innenstadt ein großes Stadtfest statt. An den vier Schwerpunkten Philipp-Reis-Haus, Landgrafenplatz, Houiller Platz und Taunus Carré, die alle bequem zu Fuß erreichbar sind, erwartet die Besucher ein bunter Mix aus Mitmach-Aktionen, spannenden Präsentationen und unterhaltsamen Programmen auf und neben drei Bühnen.
Vor dem Philipp-Reis-Haus sind sieben Zelte berühmten Persönlichkeiten der Friedrichsdorfer Geschichte gewidmet. Im Zelt von Telefon-Erfinder Philipp Reis lädt die Erfinderwerkstatt zum Experimentieren ein. Professor Fritz Siemsen vom Physikalischen Verein lässt sogar Flammen aus einem zwei Meter langen Rohr tanzen. Bei Professor Karl Willy Wagner geht es um die moderne Kommunikation. Gleich nebenan präsentiert die Firma „peiker acustic“ modernste Mobilkommunikation für das Auto.
Typisch für Friedrichsdorf war das Färben. Es wird nicht nur gezeigt, wie früher mit Naturstoffen „blau“ gemacht wurde, sondern die Besucher können selbst färben. Wer möchte, darf sogar eigene Stoffe in T-Shirt-Größe mitbringen und diese einfärben. Édouard Désor schließlich bietet die Möglichkeit, wie echte Profis in der Archäologiebox unter fachmännischer Anleitung Fundstücke auszugraben. Im Zelt von Louis Frédéric Garnier werden Schiefertafeln und Schreibgriffel ausgepackt. Man erfährt wie es vor 100 Jahren in der Schule zuging. Spannend geht es bei Marie Blanc zu, denn sie lädt ins Spielcasino ein: Hier wird nicht um Geld gespielt, aber um das Wissen aus der Stadtgeschichte. Wenn sich nach den Aktionen Hunger einstellt, kann er im Zelt von Hortense, der Hugenottin, gestillt werden. Im Erzählcafé gibt die Autorin und Kabarettistin Uschi Flacke bei Kaffee und Kuchen Anekdoten aus dem alten Friedrichsdorf zum Besten. Vielleicht fällt auch den Zuhörern etwas ein. Peiker acustic zeigt in einem Zelt vor dem Museum nicht nur modernste Technik, sondern in der Philipp-Reis-Passage auch die Historie der Autotelefonie. Die alte Postkutsche beginnt von der Kirche aus regelmäßig ihre Fahrten. Aus Vlotho kommt die Märchenbühne angereist und erzählt im 30-Minuten-Takt „Geschichten zum Träumen“. Rittel Ulrich von Eppstein erklärt historische Musikinstrumente, und Familie Böttcher aus Friedrichsdorf ist auf ihren Fahrrädern unterwegs – wie vor 100 Jahren. Dazu passen die von den Hofheimer Moritatensängern rezitierten Gesänge. Weitaus moderner muten die knatternden Motorräder und bubbernden Traktoren an, die bestaunt werden können. Die Salusklinik setzt sich mit Segen und Fluch des Handys auseinander.
„Notruf am Telefon“, das ist das Motto, unter dem die Aktionen am Landgrafenplatz stehen. Polizei, Rettungsdienst, Technisches Hilfswerk und Feuerwehr, die zusätzlich mit einer Drehleiter am Philipp-Reis-Haus ist, zeigen nicht nur, wie man einen Notruf richtig absetzt. Die Polizei rückt sogar mit einem richtigen Ermittlungswagen an. Am Tabakwarenladen beginnen um 11.15, 14.15 und 15.15 Uhr die beliebten Kostümführungen. Zusätzlich gibt es ein Telefontags-Buffet mit verschiedenen Gerichten von Gurkenschaumsuppe über Bratwurst bis zum frisch gezapften Bier.
Auf der Bühne des Landgrafenplatzes findet um 11 Uhr die offizielle Eröffnung des Telefontages durch Bürgermeister Horst Burghardt statt. Lokale Musiker gestalten das Programm. Ganz der Stadtgeschichte verpflichtet, singt Myriam Jabaly französische Klassiker, Bettina Höger-Lösch spielt mit weiteren Mitwirkenden „Tangomusik des Ensembles Papas C“, die Ballettschule Schneider tritt auf und Chorkinder unter der Leitung von Jochen Schimmelschmidt singen ein Musical-Potpourri.
Die wilden 50er-Jahre erwachen am Taunus Carré zu neuem Leben. Inmitten einer Oldtimer-Show fetzt auf der Bühne flotter Rockabilly-Sound, bei dem selbst trainierte Tanzpaare ins Schwitzen kommen. Die Kleinen beschäftigen sich am roten Spielmobil mit Hula-Hoop-Reifen, Gummitwist und anderen Kinderspielen aus der Zeit des Rock’n’Roll. Die Mall verwandelt sich in ein Museum, wenn in den Schaufenstern unter dem Motto „Pettycoat, Nierentisch und Rock’n’Roll“ von 28 Geschäften vor historischen Bildern Exponate der 50er Jahre – alles Leihgaben des Heimatmuseums Seulberg – an die gute, alte Zeit erinnern. Diese Ausstellung läuft bis 28. Mai. Am Freitag, 23. Mai, um 19 Uhr und am Samstag, 24. Mai, um 15 Uhr werden sogar zwei Führungen angeboten.
Am Houiller Platz lassen sich auf dem Handwerkermarkt Goldschmiede, Glasbläser und Filzer bei der Arbeit über die Schulter schauen. Unterdessen zeigt auf der Bühne „Stante pede“ mittelalterliche Tänze. Das Studio „BE Tanz & Event“ bietet Zumba und Hip-Hop zum Mitmachen und Ausprobieren an. Von 16 bis 20 Uhr läuft DJ Julian Ehrhardts „Flower-Power Plattenparty“ der 70er-Jahre. Jeder kann seine alte Lieblingsschallplatte mitbringen.
Nicht nur „uff de Gass“, sondern auch in den Schaufenstern gibt es viel zu gucken. Die verwandeln sich am verkaufsoffenen Sonntag regelrecht in eine Galerie: Historische Fotografien aus dem Stadtarchiv wurden auf Leinwand gebracht und in den Geschäften ausgestellt. Gezeigt wird, wie es früher in Friedrichsdorf aussah. In einigen Fenstern verbergen sich Buchstaben, die aufmerksame Betrachter zu einem Lösungswort verbinden. Trägt man die Lettern in einen Teilnahmeschein ein, den Geschäfte und Bürgerstand bereithalten, kann man mit etwas Glück einen Einkaufsgutschein in Höhe von 100 Euro gewinnen oder einen der neuen Gutscheinblöcke, die zum „Tag des Telefons“ aufgelegt wurden. Von 12 bis 18 Uhr laden die Geschäfte der Innenstadt zum gemütlichen Shoppen ein und halten am verkaufsoffenen Sonntag attraktive Angebote bereit.


Taunus Zeitung, 15. Mai 2014

 

Telefon-Fest mit Nostalgie und modernster Technik

Die ganze Stadt ist am Sonntag auf den Beinen, denn zum Tag des Telefons gibt es Aktionen in der gesamten Innenstadt, von der Hugenottenstraße über den Landgrafenplatz und das neue Einkaufszentrum Taunus Carré bis zum Houiller Platz.

Friedrichsdorf. Vor dem Philipp-Reis-Haus stehen am Sonntag sieben Zelte. Sie sind berühmten Persönlichkeiten der Friedrichsdorfer Geschichte gewidmet, allen voran dem Telefonerfinder Philipp Reis. Denn die Stadt feiert alle zwei Jahre zum internationalen Museumstag, zu Ehren ihres berühmten Bürgers, den „Tag des Telefons“. Von 11 bis 20 Uhr steigt deshalb in der ganzen Innenstadt ein großes Fest: Die Schwerpunkte – Philipp-Reis-Haus, Hugenottenstraße und Landgrafenplatz, Houiller Platz sowie Taunus Carré – sind bequem zu Fuß erreichbar. Dort gibt es Historisches und Aktuelles rund um das Thema Telefon sowie Mitmach-Aktionen und Kulinarisches. Auf drei Bühnen läuft ein buntes Programm.
Um 11 Uhr eröffnet Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) den Telefontag auf der Bühne am Landgrafenplatz. Myriam Jabaly singt französische Klassiker, begleitet von Bettina Höger-Lösch. Chorkinder unter der Leitung von Jochen Schimmelschmidt präsentieren Musical-Melodien.
Im Philipp-Reis-Zelt lädt die Erfinderwerkstatt zum Experimentieren ein. Ein richtiger Physiker, Professor Fritz Siemsen vom Physikalischen Verein, lässt dort Flammen aus einem zwei Meter langen Rohr tanzen. Im Zelt für Professor Karl Willy Wagner geht es um moderne Kommunikation und die Frage: Wie kommen Daten in eine Wolke und wieder heraus? Gleich nebenan präsentiert die Firma „Peiker Acustic“ modernste Mobil-Kommunikation für das Auto. Die Geschichte der Auto-Telefonie stellt Peiker in einem Ladengeschäft in der Philipp-Reis-Passage vor.
Typisch für Friedrichsdorf in früheren Zeiten war das Färben: Eine Blaufärberin zeigt, wie mit Naturstoffen „Blau“ gemacht wurde. Und die Besucher können auch selbst färben. Wer möchte, darf dafür eigene Stoffe (maximal in T-Shirt-Größe) mitbringen. Im Édouard Désor-Zelt können Nachwuchsforscher in der Archäologiebox unter fachmännischer Anleitung Fundstücke ausgraben.
Im Zelt für Louis Frédéric Garnier kommen Schiefertafeln und Schreibgriffel zum Einsatz. Denn dort wird gezeigt, wie es vor 100 Jahren in der Schule zuging und wie Sütterlin in Schönschrift aussieht. Bei Marie Blanc, die aus Friedrichsdorf stammte und die den Spielbank-Gründer François Blanc geheiratet hat, geht es zwar nicht um Geld, aber um Wissen aus der Stadtgeschichte.
Wer bei alledem Appetit bekommen hat, der kann sich im Zelt von Hortense, der Hugenottin, stärken. Am Telefontags-Buffet gibt es unter andrem Gurkenschaumsuppe, Bratwurst und frisch gezapftes Bier.
Und im Erzählcafé gibt die Autorin und Kabarettistin Uschi Flacke Anekdoten aus dem Alten Friedrichsdorf zum Besten. Vor der Kirche startet die Postkutsche zu kleinen Rundfahrten. Aus Vlotho kommt die Märchenbühne mit „Geschichten zum Träumen“. Ritter Ulrich von Eppstein erklärt historische Musikinstrumente, und Familie Böttcher aus Friedrichsdorf ist auf 100 Jahre alten Fahrrädern unterwegs. Dazu passen die Liedchen der Hofheimer Moritatensänger – übrigens liebte es Philipp Reis, auf solche Weise Schüler zu necken.
Technik-Liebhaber freuen sich sicher über historische Motorräder und Traktoren, die zu bewundern sind. Bei der Salusklinik geht es um Handy-Sucht und Suchtbekämpfung per Mobil-Telefon. „Notruf am Telefon“ ist das Motto am Landgrafenplatz. Dort stehen Polizei, Rettungsdienst, Technisches Hilfswerk und Feuerwehr bereit. Die Polizei rückt sogar mit einem Ermittlungswagen an. Zudem steht die Drehleiter der Feuerwehr am Philipp-Reis-Haus. Und am Tabakwarenladen, einem einstigen Färbhaus, starten um 11.15, 14.15 und 15.15 Uhr Kostümführungen.

Hula-Hoop-Reifen

Die wilden 50er-Jahre erwachen im Taunus Carré zu neuem Leben. Dazu gehören Oldtimer-Show – und Rockabilly-Sound, bei dem Tanzpaare ganz schön ins Schwitzen kommen können. Das Bühnenprogramm moderiert Radio Antenne Frankfurt. Die Kleinen beschäftigen sich am roten Spielmobil mit Spielen wie Hula-Hoop-Reifen und Gummitwist. Drinnen in den Geschäften werden Schaufenster zu Museums-Vitrinen mit Objekten aus den 1950er-Jahren. Die Leihgaben stammen aus dem Heimatmuseum Seulberg.
Auf dem Handwerkermarkt am Houiller Platz können die Besucher Goldschmieden, Glasbläsern und Filzern über die Schulter schauen. Auf der Bühne zeigt das Tanz-Ensemble „Stante pede“ mittelalterliche Tänze. Und das Studio „BE Tanz&Event“ präsentiert Zumba und HipHop zum Mitmachen. Von 16 Uhr an geht es zurück in die 1970er-Jahre. Dann startet DJ Julian Ehrhardt die „Flower-Power Plattenparty“. Gäste können dann mit ihrer alten Lieblingsschallplatte vorbeikommen und sie auflegen lassen. Vielleicht gibt es noch eine Geschichte dazu? „Let’s dance“ heißt es dort jedenfalls bis 20 Uhr.
Zudem ist von 12 Uhr an verkaufsoffener Sonntag und in den Schaufenstern der Geschäfte in der Hugenottenstraße, auf dem Landgrafenplatz, am Houiller Platz und im Taunus Carré sind zudem historische Fotos – und Gewinnspiel-Buchstaben – versteckt. Sie ergeben ein Lösungswort, das die Gäste auf einen Teilnahmeschein schreiben können. Mit etwas Glück können sie dann einen Einkaufsgutschein oder einen der neuen Gutscheinblöcke gewinnen.
Infos zum „Tag des Telefons“ gibt es auch unter: www.mach-mal-friedrichsdorf.de. Fragen beantworten Dr. Erika Dittrich unter Telefon (06172) 7313100, E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de und Uwe Hild, Telefon (06172) 7311285, E-Mail uwe.hild@friedrichsdorf.de. cg


Frankfurter Rundschau, 12. Mai 2014

 

Der stolze Kirchturm von Seulberg

FRIEDRICHSDORF. Jubiläum für ein Jahre altes Bauwerk, das nicht im Schatten der Hugenotten stehen sollte

Von Andrea Herzig

Es gibt Seulberger, die hat das Leben zum Beispiel in das benachbarte Neubaugebiet Schäferborn verschlagen, Luftlinie unter einem Kilometer. Weil sie aber dort inmitten der kleinteilig verbauten Reihenhausagglomeration den hohen, spitzen Kirchturm von Seulberg nicht mehr sehen können, plagt sie das Heimweh.
Stadthistorikerin Erika Dittrich nickt und lacht, wenn sie solche Geschichten hört. Ja, der Kirchturm sei etwas Besonderes, nicht nur was die Höhe von weithin als prominente Landmarke sichtbaren Metern angeht. Und auch nicht wegen seiner für eine Dorfkirche aufwendigen neogotischen Architektur. Der Turm gibt auch Seulbergern, die nichts mit der Institution Kirche zu tun haben, ihr Heimatgefühl.
Solche Geschichten hat Dittrich viele gehört, als sie die Ausstellung von Turm und Kirche zu Seulberg vorbereitete. Das ganze Dorf half mit, „waschkörbeweise“ wurden die Erinnerungsstücke der Familien ins Heimatmuseum getragen: Familienbücher, Hochzeitfotos, Taufkleider, alte Bibeln. Viele Zeugnisse des Gemeindelebens über Generation sind nun zu sehen.

In die reformierte Hugenottenkirche gingen nämlich nur die „Franzosen“

Die Seulberger Kirche ist groß, 500 Sitzplätze. Als man sich 1848 überlegte, statt der baufälligen Martinskapelle aus dem Mittelalter ein neues Gotteshaus zu errichten, bestand Seulberg aus lediglich 130 Häusern. Aber die Gemeinde war lutherisch. Schon 1540 ist der erste evangelisch-lutherische Pfarrer, Curt Linden, in den Kirchenbüchern belegt.
In die reformierte Hugenottenkirche in Friedrichsdorf gingen nämlich nur die „Franzosen“, die deutschen Friedrichsdorfer besuchten den Gottesdienst in Seulberg. So zum Beispiel auch die protestantischen Schüler der zwei Friedrichsdorfer Internate. Zudem bauten die Hugenotten auch gerade eine neue Kirche, da wollten die Seulberger nicht hintenanstehen. Landgraf Ferdinand in Bad Homburg befürwortete den Neubau, schlussendlich spendierte er der Kirche sogar den Altar und das Taufbecken aus schwarzem Marmor. Aber die Seulberger sollten erst mal eine Weile sparen. Ein Kirchenfonds wurde eingerichtet.
Die Gemeindefinanzen hatten aus heutiger Sicht auch ungewöhnliche Quellen, erklärt Dittrich. Zum Beispiel ließ man sich die besten Plätze im Kirchenschiff bezahlen, wer neben wem den langen Predigten zuhörte, war von großer sozialer Bedeutung. Prozesse wurden um die Kirchenbänke geführt.
Erika Dittrich weist eine Vitrine tiefer auf ein anderes Schriftstück: „Kirchenzucht“. Lange Listen dokumentieren die Verfehlungen der Seulberger. Zum Beispiel wurde der nichteheliche Beischlaf mit zwölf Gulden an die Gemeinde bestraft. Wie die Beweisführung verlief, lässt sich aus den alten Blättern nicht ersehen. Denn nicht immer seien aus solch registrierten Fehltritten Kinder entstanden, sagt Dittrich, die Historikerin hat’s mit dem Taufregister verglichen. Und übrigens habe sie alle Seulberger Familiennamen mal in dem Strafregister gefunden. „Muss einträglich gewesen sein“, lacht Dittrich. „Vielleicht konnte man sich deshalb die große Kirche leisten?“
Die wurde dann von 1862 bis 64 gebaut, aus heimischen Backsteinen, mit einem sehr soliden Fundament und ein bisschen erhöht, der Seulberger Untergrund ist sumpfig. 55 262 Gulden und 48 Kreuzer hat sie gekostet, Architekt war Christian Holler.
Zuvor hatte sich der Kirchenvorstand aber gründlich Gedanken gemacht, wie das neue Gotteshaus aussehen sollte. Belege für regelrechte Studienreisen fand Archivarin Dittrich in den Kirchenbüchern. Fündig wurde man in Bingen, die dortige Johanneskirche ist das Vorbild der Seulberger. Allerdings ließ man deutlich größer bauen und gönnte sich zudem eine Orgel mit 1600 Pfeifen des bekannten Orgelbauers August Ratzmann. Auf der wird heute noch gern von renommierten Organisten gespielt.

 

Das Programm

Die Ausstellung im Heimatmuseum ist bis zum 19. September zu sehen. Infos und Begleitprogramm unter www.heimatmuseum-seulberg.de
Die Festwoche zum Jubiläum findet vom 30.8. bis zum 9.9. statt.
Geplant ist unter anderem ein Festkonzert, eine Podiumsdiskussion zum Thema „Brauchen wir eine neue Reformation?“, ein Taizé-Gottesdienst, ein Abend mit dem Pfarrerkabarett Duo Camillo und ein großes Gemeindefest.
Als Highlight spielen am 3.9. die Jazz-Organistin Barbara Dennerlein und der Saxophonist Peter Lehel.
1900 Mitglieder hat die Gemeinde.


Friedrichsdorfer Woche, 08. Mai 2014

 

Auf den Platz (in) der Kirche kam es an

Von Beppo Bachfischer

Seulberg.

Ein mittelalterlisches Kruzifix ist eines der herausragenden Exponate in der Sonderausstellung des Heimatmuseums zum 150. Geburtstag der Seulberger Kirche. Es hat diese Kirche nie geschmückt, doch als eines der letzten erhaltenen Stücke der St. Martins-Kapelle, an deren Platz die „neue“ Kirche gebaut wurde, steht das Kreuz für die lange Geschichte des Kirchenstandortes Seulberg.

Die spätgotische Kapelle, die 1326 erstmals erwähnt ist und im Barock umgestaltet wurde, war Mitte des 19. Jahrhunderts „brockfällig“ geworden, so berichtet Stadtarchivarin und Vorsitzende des Geschichts- und Heimatkundevereins Dr. Erika Dittrich. „Die Wände klafften auseinander, das Holz war morsch und spätestens, als während eines Gottesdienstes Teile der Decke auf die andächtige Gemeinde herunterrieselten, war klar, dass etwas geschehen musste.“ Einen Neubau hielt Ferdinand, der letzte Landgraf von Hessen-Homburg, für zu teuer. Trotzdem wurde ein Kirchenbaufonds eingerichtet, allerdings zunächst für eine Renovierung der St. Martins-Kapelle. Ein weiterer Vorstoß für einen Neubau war allerdings von Erfolg gekrönt. Die Gemeinde fand Unterstützung durch die Lutheraner in Friedrichsdorf. Die Schülerschaft der Friedrichsdorfer Internate musste zum Konfirmationsunterricht die Seulberger Kirche besuchen, da in Friedrichsdorf nur die französisch-reformierte Kirche ansässig war. Groß sollte deshalb das neue Gotteshaus in Seulberg sein.
Heinrich Christian Holler, Sohn eines Friedrichsdorfer Strumpfwirkers und Bauern, der mit landgräflichem Stipendiat in München Baukunst studierte und Werke unter anderem in Zürich, Heidelberg und Straßburg hinterließ, wurde mit der Planung beauftragt. Er war mittlerweile Kreisbaumeister, gab am Institut Garnier Zeichenunterricht und lebte mit seiner Frau, einer Kammerzofe, in der Villa Privat in der heutigen Hugenottenstraße 97. Auch in Bad Homburg hat Heinrich Christian Holler unter anderem mit dem Kriegerdenkmal am Waisenhausplatz Spuren hinterlassen.
In Seulberg wurde lange um den Stil der neuen Kirche gekämpft. Schließlich einigte man sich darauf, dass die Johanneskirche in Bingen als Vorbild dienen sollte. Das Baumaterial sollte Feldbrandstein aus den örtlichen Töpfereien sein, da es preisgünstig war. Durch die Temperaturunterschiede beim Brennen ergaben sich verschiedene Farbtöne, die dem neugotischen 16 Meter breiten und 20 Meter langen Bauwerk für bis zu 500 Personen mit seinem 50 Meter hohen Turm eine besondere Lebendigkeit verleihen. Um das deutlich größere Bauwerk auf dem Grundstück unterzubringen, wurde die kirchliche Genehmigung eingeholt, es gegenüber der exakt nach Osten ausgerichteten St. Martins-Kapelle zu drehen. Das war möglich, da der Kirchhof schon 1814 verlegt worden war. Wegen des nassen Untergrunds wurde die Kirche geweiht. Dank des frühzeitig eingerichteten Kirchenfonds war die neue Kirche bereits 1869 vollständig abbezahlt. Landgraf Ferdinand stiftete den Altar und den Taufstein aus schwarzem Marmor und wurde dafür in der Kirche verewigt.
Das mittelalterliche Kruzifix kam zunächst in die Köpperner Kirche und 1936 ins Museum nach Wiesbaden. Für die Ausstellung im Heimatmuseum ist es vorübergehend als Leihgabe nach Seulberg zurückgekehrt. Nie verlassen hat den Ort die 600 Kilo schwere Betglocke der St. Martins-Kapelle, die 1695 gegossen wurde. Andere Glocken wurden im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen, allerdings schon im März 1922 ersetzt und in einem großen Festzug, von dem es in der Ausstellung Bilder und einen Beitrag in der Hörstation gibt, zur Kirche gebracht. Im Zweiten Weltkrieg fielen sie erneut dem Krieg zum Opfer. Zwei neue Glocken wurden 1951 angeschafft und 1952 feierlich in Betrieb genommen.
Eine Besonderheit ist auch die Orgel. Heinrich Christian Holler hatte den Prospekt entworfen und der Auftrag war – ohne kirchenobrigkeitliche Genehmigung – schon an die Gelnhausener Orgelbaufirma Ratzmann vergeben, doch das Instrument wurde bis zur Einweihung der Kirche nicht fertig, sondern klang erst ab 1865. Ganz in Luthers musikalischer Tradition war es sehr anspruchsvoll und vielfältig. So war es eine der frühesten Orgeln mit Klarinette. Sie wurde 1987 von der Firma Förster und Nikolaus grundlegend restauriert und leicht zurückgebaut.
Die Ausstellung bietet deutlich mehr als den Blick auf die Baugeschichte der Kirche, die direkt gegenüber dem Heimatmuseum steht. Familienbibeln, Fotos und Erinnerungsstücke Seulberger Familien- und kirchliche Feste lassen die Geschichte der Kirche lebendig werden und geben ihr einen persönlichen Bezug. So lässt sich anhand zahlreicher Exponate, die Helma Hohmann zur Verfügung gestellt hat, die enge Verbindung ihrer Familie zur Kirche bis zur Taufe ihrer Großmutter 1883 zurückverfolgen. Ein Taufkleid aus dem Museumsfundus ist über 100 Jahre alt. Brautkleider – ältere in Schwarz und ab etwa 1920 in Weiß – lassen einen Blick auf die Modeentwicklung zu. Und aus einer Glückwunschkarte geht hervor, dass der Onkel aus „USA, Amerika Nord, New Yorck Citi“ 1895 seinem Neffen zur Silberhochzeit gratuliert hat. Eine Rechnung vom 29. August 1890 belegt, dass die Histien damals über das Kolonialwarengeschäft der Familie Foucar in der Hugenottenstraße bezogen wurden. 1000 Stück kosteten 1,60 Gulden. Der Streifzug durch die liturgische Geschichte endet nicht zuletzt dank des Engagements von Christel Steinbach, die 29 Jahre Pfarramtssekretärin war und seit über 50 Jahren im Kirchenchor singt, in der Gegenwart bei den Taizé-Gottesdiensten.
Eine Bank für die Pfarrer im Altarraum, die in der Sakristei der Ausstellung zu sehen ist, leitet zum spannenden Thema des Kirchengestühls. Die Versteigerung der besten Plätze an den Meistbietenden und die Kennzeichnung mit Familienschildern war eine wichtige Einnahmequelle für die Gemeinde und ein Statussymbol für die, die während der langen Predigten und den Verkündigungen des Landesherrn am bequemsten mit dem besten Blick zur Kanzel sitzen konnten. Sogar Prozesse wurden um den Platz in der Kirche geführt. Dabei musste der enttäuschte Käufer eines Hauses erfahren, dass darin nicht die Kirchenbank der Familie enthalten war. Drei junge Burschen, die sich einen Spaß daraus machten, fremde Plätze zu besetzen, schrammten knapp an einer Bestrafung vorbei. Schließlich beschäftigte die Frage, wo Obristen der Landwehr sitzen sollten, die Gremien. Nach dem Vorbild von Köppern wurden sie neben den Gerichtsschöffen platziert.
Die Ausstellung mit ihrer Fülle an Informationen, Exponaten, erstaunlichen Details und Schmunzelgeschichten ist bis zum 19. September im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46, zu den üblichen Öffnungszeiten mittwochs und donnerstags von 9 bis 12 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen.


Taunus Zeitung, 06. Mai 2014

 

Historische Kirchen-Dokumente

Zum 150. Geburtstag des evangelischen Gotteshauses: Ausstellung im Seulberger Heimatmuseum eröffnet

„Zur Erbauung der Gemeinde“ heißt die neue Sonderausstellung im Heimatmuseum. Zu sehen sind Hausbibeln, Sammeltassen und Brautkleider aus vergangenen Zeiten.

Von Katja Schuricht

Seulberg. Dr. Erika Dittrich wusste kaum noch, wohin mit den Exponaten: „Die Seulberger haben uns fast schon körbeweise ihre historischen Schätze für unsere Ausstellung zur Verfügung gestellt“, freut sich die Stadtarchivarin und Vorsitzende des Seulberger Heimat- und Geschichtsverein. „Wir haben besonders viele Hausbibeln als Leihgaben zur Verfügung gestellt bekommen. Und da sind einige alte und prächtige Exemplare dabei“, freut sich die Macherin der aktuellen Sonderausstellung „Zur Erbauung der Gemeinde – 150 Jahre evangelische Kirche Seulberg“. Zu sehen ist die Ausstellung, die am Sonntag eröffnet worden ist, bis 19. September.
In den Vitrinen bestaunt der Besucher Teile des alten Holzkruzifix aus der Vorgängerkirche. „Im Mittelalter wurde die Martins-Kapelle errichtet. Leider gibt es nur ein Aquarell, das zeigt, wie sie ausgesehen hat“, berichtet Dittrich. „Die Kapelle war Mitte des 19. Jahrhunderts bereits marode, der Kirchenturm hatte sich zur Seite geneigt und wankte beim Läuten der Glocken bedenklich hin und her. Das alte Holzwerk im Inneren war ebenfalls marode. Als dann im Gottesdienst ein Stück der Decke herabfiel, beschloss man 1848, eine neue, größere Kirche zu bauen. Größer vor allem wegen der Friedrichsdorfer lutheranischen Internatsschüler, die den Seulberger Gottesdienst besuchten“, erläutert sie.
Am 4. Februar 1862 erhielt die Gemeinde die Baugenehmigung, am 12. September 1864 fand die Grundsteinlegung statt. Zwei Jahre später feierten die Seulberger die Einweihung ihrer neuen Kirche mit mehr als 500 Plätzen im Inneren und dem 50 Meter hohen Turm, dem Chorraum mit seinen drei Buntglasfenstern und der markanten Fassade aus sogenannten „Russensteinen“.
Der Architekt, Stadt- und Kreisbaummeister Christian Holler hat das Gotteshaus im neugotischen Stil nach dem Vorbild der Johannes-Kirche in Bingen entworfen und errichtet. Dittrich: „Laut Kirchenbaurechnung betrugen die gesamten Kosten 55 262 Gulden und 48 Kreuzer. Die Summe wurde aus dem Verkaufserlös von versteigertem Holz und Schiefer der alten Kirche, aus der Kirchenkasse sowie aus der Gemeindekasse bezahlt. Für den Rest nahm die Gemeinde 10 000 Gulden aus.“

Fragmente vom Kreuz

„Die Kreuz-Fragmente sind etwas ganz Besonderes und sicher das wertvollste Stück der Schau“, betont Dittrich. „Sie sind eine Leihgabe aus dem Landesmuseum Wiesbaden.“ Ebenfalls von unschätzbarem Wert ist das Kirchenbuch aus dem Jahr 1677. „Der damalige Pfarrer Johann Jacob Orth hatte begonnen, in dem Kirchenbuch Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und Beerdigungen zu notieren“, erzählt Dittrich. „Diese Chronik aus dem 17. Jahrhundert ist heute für die Ahnenforschung die Hauptquelle“, betont sie. Das Kirchenbuch ist nur eine von zahlreichen Leihgabe der Gemeinde. Erhalten ist aus der alten Kapelle zudem noch eine Glocke.
Ein Kleinod, das in der Sonderausstellung zu sehen ist, ist die Bibel aus dem Jahre 1682, die Richard Markloff zur Verfügung gestellt hat. „Eine weitere prächtige Bibel ist aus dem Jahr 1690. Sie stammt aus dem Besitz der Familie Fischer“, so Dittrich. Selbst Brautkleider aus Seulberger Familienbesitz aus den 1920er Jahren, Haarkränze für silberne und goldene Hochzeiten sowie Stammbücher, Konfirmationsurkunden, Trauscheine und Sammeltassen habe die Seulberger für die Jubiläumsausstellung aus ihren Schubladen und Schränken geholt und dem Museum zur Verfügung gestellt.
Die Ausstellung rückt vor allem eins in den Fokus: Das regen Gemeindeleben: Taufe, Konfirmation und Hochzeit – kirchliche Feste, die eine Glaubensgemeinschaft ebenso ausmachen wie die Feiertage im Kirchenjahr. Und wie das in Seulberg anno dazumal ausgesehen hat, veranschaulichen die thematisch geordneten Vitrinen mit liebevoll arrangierten Dokumenten. Eine Rechnung von 1890 für 1000 Hostien gehört dazu und Fotos aus der 150-jährigen Vergangenheit der evangelischen Gemeinde. Dazu hat Dittrich an markanten Punkten kleine Audio-Stationen installiert. So kann der Ausstellungsbesucher auf der original Kirchenbank sitzen, die sonst im Chorraum steht (und auf der sich der Pfarrer während des Gottesdienstes kurz ausruhen kann) und einem der kurzen Hörspiele lauschen. Wie dem mit Pfarrer Grebing, der in 15 Minuten erzählt, wie es früher war.
Die Öffnungszeiten: mittwochs und donnerstags von 9 bis 12 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr.

 

Info für Erwachsene und Kinder

Führungen durch die Ausstellung bietet das Museumsteam am Mittwoch, 4. Juni, am Montag, 7. Juli, (jeweils von 18 Uhr an), am Donnerstag, 28. August, von 19 Uhr an, am Montag, 15. September, von 18 Uhr an, sowie nach Vereinbarung. Der Teilnehmerbeitrag beträgt 3 Euro pro Person. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Für Kindergärten und Schulen bietet Dr. Erika Dittrich ein spezielles Programm an. Sie ist zu erreichen unter der Telefonnummer (06172) 7313100 oder per E-Mail unter erika.dittrich@friedrichsdorf.de.
Auch Museumskobold Sulinchen hat sich mit seinen „Kindereien“ durch die neue Ausstellung inspirieren lassen. Jeweils mittwochs um 15.15 Uhr geht’s los: Am 14. Mai mit dem Thema „Sulinchens Kirchenfenster“, am 28. Mai mit „Sulinchen blüht auf“, am 11. Juni heißt es „Sulinchen kräht mit dem Wetterhahn“, am 25. Juni dreht sich alles um Sulinchens Blütenkreuz, am 9. Juli schöpft Sulinchen Papier. Am 23. Juli gestaltet der Kobold mit den Kindern eine Chronik und am 10. September heißt es „Sulinchen wachst“. Eine Anmeldung ist nicht nötig, die Teilnahme kostet 3 Euro. ksp


Taunus Zeitung, 03. Mai 2014

 

Bilder zum 150.

Die Evangelische Kirche Seulberg feiert im November ihren 150. Geburtstag. Dieses Jubiläum soll gebührend gefeiert werden. Daher eröffnet die Sonderausstellung „Zur Erbauung der Gemeinde – 150 Jahre Evangelische Kirche Seulberg“ bereits am kommenden Sonntag.
„Ein äußerer Bau, der die Gemeinde im Inneren erbauen soll“, dieser fromme Wunsch begleitete bereits die Grundsteinlegung der Kirche am 19. September 1862. Nach Abriss der baufällig gewordenen St. Martins-Kapelle, entwarf Christian Holler ein neugotisches Gebäude von 20 Metern Länge und 16 Metern Breite. Bereits am 6. November 1864 konnte die Einweihung feierlich vollzogen werden, aber erst neun Monate später erfüllte die heute unter Denkmalschutz stehende Ratzmann-Orgel das Gebäude mit ihrem Klang. Leider mussten ihre zinnernen Pfeifen im Ersten Weltkrieg ebenso abgeliefert werden wie die Glocken.
Doch nicht nur die Geschichte des „äußeren Baus“ steht im Zentrum der Ausstellung, sondern auch das aktive Gemeindeleben: #taufe, Konfirmation und Hochzeit – kirchliche Feste, die eine Glaubensgemeinschaft ebenso ausmachen wie die Feiertage im Kirchenjahr. Dokumente und Fotos aus der 150-jährigen Geschichte bebildern das Gemeindeleben.
Bei Glockengeläut und einem Sektempfang wird die Ausstellung am Sonntag, 4. Mai, um 15 Uhr feierlich im Heimatmuseum Seulberg eröffnet. Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) und Pfarrer Frank Couard sprechen die Grußworte. Anschließend gibt Dr. Erika Dittrich eine Einführung in die Sonderausstellung. In der Klause warten Kaffee und Kuchen auf die Besucher. Außerdem ist die Besichtigung der Kirche möglich; Dieter Gebhard spielt und erklärt die Ratzmann-Orgel. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.
Die Ausstellung ist bis 19. September 2014 im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46, immer mittwochs und donnerstags, jeweils 9 bis 12 Uhr, sowie sonntags, 14 bis 17 Uhr, zu sehen.
Weitere Informationen gibt es bei Dr. Erika Dittrich unter der Telefonnummer (06172) 7313100 oder per E-Mail unter erika.dittrich@friedrichsdorf.de. red


Friedrichsdorfer Woche, 30. April 2014

 

Ausstellung im Heimatmuseum würdigt das Kirchenjubiläum

Seulberg (fw). Bei Sektempfang und Glockengeläut wird am Sonntag, 4. Mai, um 15 Uhr die Sonderausstellung „Zur Erbauung der Gemeinde – 150 Jahre Evangelische Kirche Seulberg“ feierlich im Heimatmuseum Seulberg eröffnet. Bürgermeister Horst Burghardt und Pfarrer Frank Couard sprechen die Grußworte. Anschließend gibt Stadtarchivarin und Vorsitzende des Vereins für Geschichte und Heimatkunde Dr. Erika Dittrich eine Einführung. In der Klause warten Kaffee und Kuchen auf die Eröffnungsgäste. Zudem ist eine Besichtigung der Kirche möglich; Dieter Gebhard spielt und erklärt die Ratzmann-Orgel. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich; der Eintritt ist frei.
Aus weiter Ferne sichtbar ist der rund 50 Meter hohe Turm und zeigt: Die Seulberger lassen ihre Kirche im Dorf. Als die mittelalterlich St. Martins-Kapelle baufällig wurde, riss man sie kurzerhand 1861 ab. Pläne für einen Neubau indes lagen da noch keine vor. Dennoch weihte die aktive Gemeinde bereits am 6. November 1864 feierlich ihr neues Gotteshaus. „Ein äußerer Bau, der die Gemeinde im Inneren erbauen soll“, dieser fromme Wunsch begleitete bereits die Grundsteinlegung am 19. September 1862, wobei der Urkunde sogleich eine detaillierte Kostenaufstellung in Höhe von 45 000 Taler hinzugefügt wurde. Den größten Teil davon stiftete die landgräfliche Herrschaft, deren Wappen noch heute an der Stirnwand zu sehen ist.
Seulberg zählte damals gerade einmal 130 Häuser. Trotzdem plante man mit mehr als 500 Sitzplätzen das Bauwerk recht großzügig. Das 16 Meter breite und 20 Meter lange Gebäude entwarf der Homburger Baumeister Christian Holler im neugotischen Stil. Seine lebendige Struktur erhält es durch die sogenannten „Russensteine“, also den im Feldbrand hergestellten Backsteinen. Eindrucksvoll, geradezu himmlisch gestaltet ist nach der jüngsten Renovierung wieder der Chorraum mit seinen Sternenmalereien sowie den drei Buntglasfenstern. Zwar zeichnete Holler zugleich die Pläne für den Prospekt der Orgel, doch erklang diese erstmals 1865. Sie stammt aus der angesehenen Werkstatt von Wilhelm August Ratzmann. Leider mussten die zinnernen Pfeifen während des Ersten Weltkrieges ebenso abgeliefert werden wie die Glocken.
Aber nicht nur die Geschichte des „äußeren Baus“ erhellt die Ausstellung, sondern sie blickt ebenso auf das rege Gemeindeleben: Taufe, Konfirmation und Hochzeit – kirchliche Feste, die eine Glaubensgemeinschaft ebenso ausmachen wie die Feiertage im Kirchenjahr. Reich bebildern es die gezeigten Dokumente und Fotos aus der 150-jährigen Vergangenheit.
Die Ausstellung ist vom 4. Mai bis zum 19. September im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46, zu den üblichen Öffnungszeiten mittwochs und donnerstags von 9 bis 12 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Führungen durch die Ausstellung bietet Dr. Erika Dittrich am Mittwoch, 4. Juni, 18 Uhr, Montag, 7. Juli, 18 Uhr, Donnerstag, 28. August, 19 Uhr sowie Montag, 15. September, 18 Uhr an. Die Teilnahme kostet drei Euro. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen erteilt Dr. Erika Dittrich unter Tel. 06172-7313100 montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr oder per E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de.

 

Taunus Zeitung, 10. April 2014

 

150. Kirchen-Geburtstag

1862 wurde der Grundstein für das evangelische Gotteshaus gelegt, 1864 war der neugotische Bau fertig

Die evangelische Gemeinde Seulberg feiert Jubiläum: Vor 150 Jahren wurde ihre Kirche gebaut. Der Vorgängerbau war feucht und marode gewesen. Von Christel Wösner-Rafael


Seulberg. Das stattliche Kirchengebäude der evangelischen Gemeinde Seulberg feiert Geburtstag. Vor 150 Jahren, am 6. November 1864 nachmittags um 14 Uhr, fand die feierliche Einweihung statt. Dieser Anlass soll mit verschiedenen Veranstaltungen im Laufe des Jahres gebührend gefeiert werden.
„Über die Baugeschichte der Kirche sind wir nur spärlich unterrichtet, wir hören von einer im Jahre 1698 durch die landgräfliche Regierung bewilligten Kollekte zur Reparatur und Renovierung des Gotteshauses, die 1809 stattfand“, so berichtet der Gemeindevorstand in seinem Text von 1968 „1200 Jahre Seulberg“.
Und weiter: „Im Jahre 1838 wurde mit dem Ansammeln eines Kirchenfonds für eine neue Kirche begonnen. Man war zu Einsicht gekommen, dass eine neuerliche Renovierung der altenSt. Martinus-Kapelle bei einem bedeutenden Kostenaufwand nur ein ärmliches Flickwerk sein würde“.
Diese Kapelle wiederum wird zum ersten Mal im Jahre 1326 erwähnt – mit Erzpriester Konrad von Stecklinburg, Pfarrherr in Seulberg. Als erster evangelischer Pfarrer amtierte Curt Linden von 1540 an.
Die Suleburc Chronik berichtet, wie richtig die Überlegung zum Bau einer neuen Kirche waren und beschreibt den Zustand der Kapelle: „An einem Sonntag während des Gottesdienstes war ein bedeutendes Stück der Decke abgefallen, so dass mitten in der Predigt der Gottesdienst beendet werden musste. Es war zu befürchten, dass beim kleinsten Fehler im Gebälk der ganze Bau zusammenstürzen könnte. Außerdem wankte der Kirchturm während des Läutens bedenklich nach beiden Seiten und hatte ein starke Neigung angenommen. Die Seiten- und Giebelwände zeigten klaffende Risse bis hin zum Fundament. Das Innere der Kapelle war morsch, faul und äußerst feucht.“ Sie wurde 1861 abgebrochen. Aus dem versteigerten Holz und Schiefer flossen 426 Florin (fl.) und 31 Kreuzer in die Kirchenbaurechnung für die neue Kirche.

Roter Mainsandstein

Am 15. August 1861 hatten Kirchenvorstand und Gemeindevorstand den völligen Neubau der Kirche beschlossen, am 26. Oktober wurde von beiden Gremien der Bauplan von Baumeister Heinrich Christian Holler angenommen. 1862 gab die Landgräfliche Regierung zum Neubau der Kirche und dem Kostendeckungsplan ihre Zustimmung, am 19. September 1862 nachmittags um 16 Uhr begann die Grundsteinlegung für die im neugotischen Stil gebauten Kirche.
Das Fundament entstand aus Bruchsteinen. Die Sockel, die Tür und die Fenstereinfassungen sowie die Fialen wurden aus rotem Mainsandstein und der Oberbau aus Backsteinen, die in der Nähe gebrannt wurden, gebaut. Die Höherlegung der gesamten Kirche war wegen des feuchten Untergrundes notwendig, um nicht wieder eine nasse Kirche zu haben. Wegen der Enge, und weil der Ankauf von angrenzenden Grundstücken nicht zustande gekommen war, entstand der Zugang über die lange, zweiteilige Treppe.
Das große Schiff der Kirche ist rund 16 Meter breit und 20 Meter lang. Der abgetrennte Chorraum mit drei hohen Buntglasfenstern lässt den Altarraum hell und freundlich erscheinen. An der linken Seite des Chorraumes befindet sich das landgräfliche Wappen, gegenüber die Inschrift: 'Erbauet unter der Regierung des souveränen Landgrafen zu Hessen, des durchlauchtigsten Patrons dieser Kirchen in den Jahren 1862-1864' Das byzantinische-romanische Kreuz im Chorraum ist von einer Seulberger Familie im Jahr 1922 gestiftet worden. Der hohe, schlanke Turm mit zierlichen Fialen, einem Kreuz und einem goldenen Wetterhahn ist 165 „Werkfuß“ hoch (zirka 50 Meter). Er ist zugleich ein trigonometrischer Punkt des Landesvermessungsamtes. Die gesamten Baukosten beliefen sich auf 55 264 fl. und 48 Kreuzer.
Seulberg zählte zu dieser Zeit 130 Häuser und insgesamt 797 Einwohner. Doch die mit 500 Sitzplätzen ausgestattete Kirche wurde auch von Friedrichsdorfer Lutheranern besucht. Außerdem konnten die Internatsschulen in Friedrichsdorf im 19. Jahrhundert nicht für alle Kinder Schlafplätze anbieten. So vermieteten die Bürger und Bauern in den umliegenden Dörfern – auch in Seulberg – Zimmer an die Schüler. Deren evangelisch-lutherischen Eltern wollten oft ihre Kinder nicht in der französisch-reformierten Kirche konfirmieren lassen, deshalb schickten sie ihren Nachwuchs in die evangelisch-lutherischen Gottesdienste nach Seulberg.
Die Seulberger Kirche steht heute unter Denkmalschutz. Nachträglich wurde eine behindertengerechte Toilette im benachbarten Gemeindehaus eingebaut, Gesangbücher in Großschrift für Menschen mit Sehbehinderungen liegen aus. Die Soundanlage ist so ausgelegt, dass an bestimmten Plätzen der Gottesdienst besser zu hören ist. Der Weg zum Hinterausgang mit 7 Stufen soll Rollstuhlfahrer-freundlich gestaltet werden. Wie der erleichterte Zugang zum Kirchenraum über diese Stufen aussehen kann, ist zurzeit in Arbeit. Nach Auskunft des stellvertretenden Vorsitzenden des Kirchenvorstandes Erhard Schuster sowie Pfarrer Frank Couard beschäftigt sich das Gremium intensiv mit einer Lösung. Ein Architekt und ein Sachverständiger der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau seien bereits eingeschaltet.


Info Festwoche

Das Jubiläumsprogramm startet am Sonntag, 4. Mai, mit der Eröffnung einer Ausstellung zur Seulberger Kirche und ihrer Geschichte im Heimatmuseum Seulberg.
Eine ganze Festwoche beginnt am 30. August mit einem Konzert des Kirchenchors und weiteren Mitwirkenden. Der Festgottesdienst am Sonntag, 31. August, wird von Pfarrer Frank Couard unter Mitwirkung des Posaunenchors der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau (EKHN) gehalten. Anschließend ist die Gemeinde zum Frühschoppen eingeladen.
Am Dienstag, 2. September, findet eine Podiumsdiskussion statt der Titel: „Brauchen wir eine neue Reformation?“ Mit Dr. Volker Jung, Präsident der EKHN, Ruth Wagner, Staatsministerin a. D., Sybille Mussler, Gemeinde Seulberg und Moderator Meinhard Schmidt-Degenhard, Hessischer Rundfunk.
Ein Jazzkonzert folgt am Mittwoch, 3. September, mit der Star-Organistin Barbara Dennerlein und dem Saxofonisten Peter Lehel, der Eintritt kostet 20 Euro, Reservierungen werden im Gemeindebüro angenommen. Am Donnerstag, 4. September, steht ein Taizé-Gottesdienst auf dem Programm. Am Freitag, 5. September, folgen Konzert und Gemeinde-Singen mit Flötengruppen und Violinistinnen der Gemeinde, Orgel und Gamshorn-Quartett.
Am Samstag, 6. September lockt der Auftritt des christlichen Pfarrerkabaretts „Duo Camillo“ mit Martin Schultheiß und Fabian Vogt, Eintritt 10 Euro. Ein Festgottesdienst am 7. September beginnt um 14 Uhr mit Propst Sigurd Rink und dem Posaunenchor Oberursel. Im Anschluss bildet das Gemeindefest den Abschluss der Festwoche mit der MSS Big Band. wös

 

Friedrichsdorfer Woche, 10. April 2014

 

Hasen und Küken beim Markt im Museum

Friedrichsdorf (jam). Strahlender Sonnenschein und frühlingshafte Temperaturen machten am Sonntag den Besuchern des Seulberger Ostermarktes so richtig Lust auf das nahende Fest.

Über 30 Aussteller hatten österliches Kunsthandwerk und Florales mit ins Heimatmuseum gebracht und boten auf allen Etagen des Hauses sowie im Innenhof ihre Waren feil. Den Besuchern bot sich eine beeindruckende Vielfalt, bei der natürlich immer das Ei im Mittelpunkt stand. Angeboten wurden nicht nur Gestecke, Kränze und in Form geschnittene Myrtenbäumchen, sondern Hunderte von ovalen Kunstwerken – bemalt, bestickt, besprüht, gefräst und gefilzt – handgefertigte Karten, Schmuck, Kerzen, Kunstwerke aus Holz, Origami-Arbeiten, Stoffe und Selbstgenähtes. Schon traditionell verkaufte das Museumsteam auch wieder sein beliebtes Osterbrot sowie selbst gebackene Osterlämmer und Osterhasen.
Über zahlreiche beim Ostermarkt bestens bekannte Aussteller, aber auch über neue Kunsthandwerker konnte sich Organisatorin Ute Desch freuen. „Für die Kinder haben wir diesmal zwei ganz besondere Attraktionen“, sagte sie. Zum einen hatten zwei Kaninchen im Innenhof des Museum ihren Platz gefunden, zum anderen konnten die Mädchen und Jungen niedliche, gerade erst drei Tage alte Hühnerküken bewundern. Während die Kaninchen sich geduldig von ihren Bewunderern streicheln ließen, konnten die Küken nur durch die Glasscheibe betrachtet werden. „Wir hatten uns gewünscht, dass sie hier auf dem Ostermarkt schlüpfen, aber da wir keine konstante Temperatur bieten konnten, konnte man auch den Zeitpunkt nicht genau vorhersagen“, sagte Desch.
Nicht nur im Museumshof, sondern auf allen Etagen des Heimatmuseums waren die Stände dicht umlagert. Interessiert beobachteten die Besucher, wie Roma Fromme-Monsees zerbrechliche Eier mit kunstvollen Buchstaben verzierte. Werke der Hatzfelder Künstlerin, die Architekturgrafik und Kunstgeschichte studiert hat, sind derzeit in der Sonderausstellung „Eier SchreiberEi – Kalligraphie auf AllerlEi“ zu sehen. Ich kann 120 verschiedene Schriften schreiben. Vorlagen brauche ich nicht“, sagte sie.
Auf naturgrünen Eiern des Araucana-Huhns malt Liselotte Pfeil ihre Motive. Die Eikünstlerin, die ebenfalls aus Hatzfeld kommt, liebt Blumen: „Wissen Sie, ich wohne direkt an der Eder. Wiesenblumen haben es mir angetan.“ Auch auf schwarz grundierten Eiern lässt sie die zarten Gewächse ranken. Vorlagen braucht Pfeil, die in Seulberg eine Altbekannte ist, lediglich für ihre hellblau gefärbten Eier, die mit Motiven der hessischen Weißstickerei verziert sind. Florales hatten Eva Margit Vogler und Uschi Küpper im Angebot. Während Küpper bunte, im Origami-Technik gefaltete Tulpen und Narzissen anbot, hatte Vogler Myrtenbäumchen mitgebracht: „Seit 14 Jahren ziehe ich Myrte und schneide sie in Form. Alle meine Pflanzen stammen von einer Mutterpflanze.“
Eine alte Färbetechnik für Ostereier präsentierte Marianne Mebold aus Siegen. Zum ersten Mal war sie mit ihren österlichen Kunstwerken beim Ostermarkt vertreten: „Ich koche die Eier in einem Sud aus Zwiebelschalen. Daher haben sie ihre braune Färbung.“ Vorher wird auf das Ei ein Blatt gebunden. Die bedeckte Stelle bleibt hell. Entstanden waren auf diese Weise Eier mit Farn-, Hahnenfuß-, Kleeblatt- und Buschwindröschen-Motiv. In das Geheimnis gefilzter Eier weihte Sabine Schöngarth aus Liederbach die Besucher ein und zeigte das Vorgehen. Gedrechselte Holzeier hingegen sind die Spezialität des Odenwälder Holzwurms Heinz Küpper aus Groß-Umstadt.
Bei Sammlern heiß begehrt waren die Kunstwerke aus Stoff, die Anka Christen anbot. Das ganze Jahr näht die Ortenbergerin witzige Hasen, Schnecken und Gänse für den Seulberger Markt. „Das ist reines Hobby“, sagte sie und freute sich, dass schon kurz nach Öffnung der Osterschau zahlreiche Exponate Liebhaber gefunden hatten. Das Geheimnis des begehrten Osterbrotes, das unter anderem Ute Desch auf Vorrat backt, verriet Erika Hansen, die wiederum Spezialistin für das ebenfalls gern genommene Natursauerteigbrot ist. „Im Osterbrot sind Feigen, Pflaumen, Mandeln, Datteln und Feigen verarbeitet.“
Kreativ werden konnten die jüngsten Besucher beim Schmittener Holzgestalter Matthias Schmidt. Aus vorgefertigten Holzscheiben klebten sie Hühner, Hasen und Gänse zusammen. Im Dachgeschoss des Museums bastellten Ulrike Brossog und Barbara Kuhn mit den Kindern Ostergestecke aus Buchsbaum. Verziert wurden sie mit bunten Kreppbändern und Museum-Maskottchen Sulinchen.

 

Taunus Zeitung, 07. April 2014

 

Vom Wellensittich bis zum Strauß

Eier in allen Größen und mit unterschiedlichen Verzierungen gab es beim Seulberger Ostermarkt zu entdecken

Der Andrang beim Ostermarkt im Seulberger Heimatmuseum am gestrigen Sonntag war groß. Auf engstem Raum gab es für die kleinen und großen Besucher allerlei zu entdecken. Von Simone Dittmar

Seulberg. Es war kein gewöhnlicher Sonntagvormittag in Seulberg: Am Ortseingang regelten Freiwillige Feuerwehr sowie Polizei den Verkehr, und schon zu früher Stunde waren zahlreiche Passanten auf den Beinen – aus der Handtasche einer Frau ragte etwa ein großer Stoff-Osterhase heraus, andere trugen wiederum einen Osterstrauß, verziert mit bunten Bändern, in den Händen.
Anlässlich des Ostermarktes hatten gestern im Seulberger Heimatmuseum rund 30 Künstler ihre Werke ausgestellt, verteilt über drei Stockwerke und den Innenhof. Das Angebot reichte von kunstvoll gefalteten Blumen und Eiern aus Papier, die Uschi Küpper nach der japanischen Papier-Faltkunst Origami angefertigt hatte, bis hin zu Eiern, die mit gehäkelter oder geklöppelter Spitze überzogen waren. Der Eiermalerei sowie dem Kunst- und Brauchtum hat sich auch Lieselotte Pfeil verschrieben, die unter anderem kleine Lavendel-Duftkissen verkaufte. Die sorgen nicht nur für einen angenehmen Duft im Kleiderschrank, sondern sind, laut Großmutters Hausapotheke, auch als Einschlafhilfe geeignet.

120 Schrifttypen

Im Erdgeschoss beschriftete Künstlerin Roma Fromme-Monsees mit Hilfe von Feder, Tusche und einer ruhigen Hand ein Hühnerei. „Ob Mensch, ob Tier, es bleibt dabei. Ihr Ursprung ist ein kleines Ei“, war darauf zu lesen. „Dies hier ist eine Renaissance-Schrift aus dem 15. Jahrhundert. Insgesamt beherrsche ich 120 verschiedene Schriften“, erklärte die Künstlerin mit den schwarzen Locken, die anlässlich des Ostermarktes gemeinsam mit ihrem Mann von Hatzfeld an der Eder in Nordhessen nach Seulberg gekommen war. Dort betreibt Fromme-Monsees, die 1958 in Südafrika geboren wurde, seit 28 Jahren ein Atelier für Kalligraphie und Heraldik samt Schule, dem Scriptorium, und einem Schriftenmuseum. Die Künstlerin ist in Seulberg keine Unbekannte: Noch bis Donnerstag, 17. April, sind ihre bemalten Eier im Rahmen einer Sonderausstellung im Heimatmuseum zu sehen; in Vitrinen sind sie verschiedenen Themenbereichen, wie Bibel, Frieden und Zeit zugeordnet. „Ich beschrifte Eier aller Größen, vom Ei eines Wellensittichs bis hin zum Straußenei“, betonte Fromme-Monsees.
Zahlreiche Eier bot sie am Sonntag auch zum Verkauf an, versehen mit religiösen Motiven und Versen etwa von Hildegard von Bingen oder Franz von Assisi, wie: „Die Augen sind das Fenster zur Seele“ oder „Schon ein ganz kleines Lied kann viel Dunkel erhellen“.

Palmbuschen verzieren

Währenddessen schmückten die Zwillinge Jana und Romina, gemeinsam mit ihrer kleinen Schwester Anastasia, im zweiten Stock sogenannten Palmbuschen, die in der katholischen Kirche traditionell am Palmsonntag gesegnet werden – auch wenn dieses Prozedere erst am kommenden Sonntag vollzogen wird. Die Buchsbaumzweige waren bereits fertig gebunden, die Mädchen mussten nur noch mit Filzstiften den Museumskobold Sulinchen ausmalen, ausschneiden und auf ein Holzstäbchen aufkleben. Außerdem konnten die grünen Zweige noch mit bunten Bändern aus Krepp-Papier verziert werden. So kamen am Sonntag nicht nur die großen, sondern auch die kleinen Ostermarktbesucher auf ihre Kosten.

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, November 2010

 

Ausflug am Wochenende: Friedrichsdorf-Seulberg

Sulinchen zeigt, wie man einst lebte

Von Thomas F. Klein

Bekannt wurde die Vordertaunusgemeinde Friedrichsdorf als Stadt der Hugenotten. Es war Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg, der 1687 französische Glaubensflüchtlinge vor den Toren der Homburger Residenz ansiedeln ließ. Obwohl also eine junge Stadt, ist Friedrichsdorf doch eine der ältesten Hessen. Die Gebietsreform von 1972 machte den Ort um fast tausend Jahre älter, da neben den ebenfalls weitaus älteren Dörfern Köppern und Burgholzhausen auch Seulberg unter das kommunale Dach von Friedrichsdorf schlüpfte. Bereits anno 786 wird es im Lorscher Codex als „Suleburc“ genannt.
Ein Stück Eigenständigkeit hat sich Seulberg bis heute bewahrt. Die Kleinteiligkeit im alten Kern erinnert an die einstigen Lebensumstände von Bauern und Handwerkern, selbst ein großer, gemeinschaftlich genutzter Töpferofen aus dem 19. Jahrhundert steht noch (am Friedhof). Die Arbeits- und Wohnbedingungen der Altvorderen freilich sind nurmehr in dem mit viel Liebe zum Detail gestalteten Heimatmuseum zu erfahren. Der Besucher tritt förmlich ein in Töpfer-, Schuster- oder Bauernstuben und kann Anekdoten in „Selwischer“ Mundart per Audio-Installation aufrufen. Eigens für Kinder erzählt Museumskobold „Sulinchen“ auf Knopfdruck unterhaltsam-hintergründig von früher.
Das stattliche Museumsgebäude aus dem späten 18. Jahrhundert bietet ausreichend Platz für Sonderausstellungen und Veranstaltungen. Noch bis 21. Dezember läuft die Erinnerungsschau zum 175. Geburtstag Marie Blancs, deren Biographie wie die moderne Variante eines Märchens anmutet: Aus der Friedrichsdorfer Schustertochter, aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen bei der Stiefmutter, wurde dank Heirat mit dem Spielbankgründer von (Bad) Homburg und Monte Carlo, François Blanc, eine der reichsten Frauen Europas.
Nur der Roulette-Tisch aus dem Homburger Casino muss für den traditionellen Nikolausmarkt am 2. Advent weichen, wenn im gesamten Haus und vor der Türe rund 40 Kunsthandwerker ihr Können zeigen. Von weit her reisen die Kerzenzieher, Porzellanmaler oder Hersteller des Holzspielzeugs, der Strick-, Glas- und Keramikwaren an, da sie die familiäre Atmosphäre in dem ehrenamtlich geführten Museum – auch Speis und Trank sind selbstgemacht – sehr schätzen.

Wegbeschreibung:

Beginn ist an der S-Bahn-Station von Friedrichsdorf-Seulberg. Man hält sich rechts, geht über den Parkplatz und wenige Schritte das Sträßchen hinab, dann rechts zur Straße Frankfurter Hohl. Sie führt in einen Feldweg, der rechts die S-Bahn-Gleise unterquert. Drüben, jetzt im Gefolge der Markierung „Gelbes F“, gehen wir zunächst geradeaus hinan, dann links und kurz darauf rechts weiter leicht bergauf durch Streuobstwiesen und am alten Jüdischen Friedhof von Seulberg vorbei. Nicht weit, und der Waldrand ist erreicht, dort rechts und wenige hundert Meter weiter links hinauf in den Hardtwald (dabei bleibt das F zurück).
Angezeigt ist die Schneise als Seulberger Fahrweg, von dem man dann auf der Höhe rechts in Richtung Waldfriedhof (Kreuzweg) abbiegt. Prachtvolle Buchen geleiten zu der Begräbnisstätte. Wir gehen daran vorbei und jenseits der ampelgeregelten B 455 weiter im Rootlaufweg (dort auch mit dem Hotel-Restaurant „Molitor“ eine gutbürgerliche Einkehrmöglichkeit). An der nächsten Kreuzung halten wir uns vor dem Forsthaus rechts zum Zeichen „Grüner Strich“.
Eines Wanderlotsen bedarf es hier kaum. Stets mäßig bergan, gibt es am Waldrand nur ein Vorankommen – immer geradeheraus. Erst wenn nach etwa zwei Kilometern die Landvolkhochschule passiert ist und die Strecke etwa 500 Meter tiefer in den Mischwald hineingeführt hat, stellen wir uns auf Richtungs- und Zeichenwechsel ein: rechts zum bereits vorher aufgetauchten grünen Eichenblatt. Unten am Waldrand hat es bereits seine Schuldigkeit getan; dort wenige Meter links und vor dem freistehenden Bauernhof rechts in den Sandelmühlenweg.
Mir Blick zur Frankfurter Hochhaussilhouette wandern wir hinab, kreuzen die vielbefahrene Bundesstraße und setzen das Geradeaus im Spießwald fort. Weiter unten treffen wir wieder auf das gelbe F. Es geleitet aus dem Forst, hier links und gleich darauf scharf rechts und nochmals links, um parallel zum Bahndamm die Schnellstraßen zu überbrücken und auf Burgholzhausen zuzuhalten. Nach den Sportplätzen heißt es links abbiegen, und mit der Straße Talmühle erreichen wir eine Reihenaussiedlung.
Unmittelbar vor dem mehrstöckigen Gebäude mit den auffallenden Balkonen biegt das F überraschend in ein Pfädchen, womit es zum Begleiter des weitgehend naturbelassenen Erlenbachs wird. Bald wechselt die Markierung auf die rechte Seite, wo sie auch verbleibt, wenn freies Feld erreicht ist. Dichte Erlenbündel säumen den nach ihnen benannten Bach, während rechts der Taunuskamm aufsteigt.
Vor dem eingezäunten Gewerbegebäude in Weiß und Blau verlassen wir das Flüsschen rechts in einen vergrasten Weg, der gleich links in einen befestigten mündet. Diesem braucht man in seinen Rechts-links-Abzweigen nur nachzugehen, zielsicher mündet er in eine Brücke über die Autobahn. Nach einer Senke leitet das F links um den alten Kern Seulbergs. Aus der Morrstraße kommt man zum Heimatmuseum in der Straße Alt Seulberg, die für den Nikolausmarkt sogar ganztägig gesperrt ist. Zur S-Bahn braucht man nur der Ausschilderung ab dem Gässchen oberhalb der Pfarrkirche nachzugehen.

Wanderlänge: 13 km
Wanderkarte: Taunus (TS Ost), 1:50 000, Landesvermessungsamt
Einkehr: „Molitor“ (freitags Ruhetag)
Öffnungszeiten: Heimatmuseum Seulberg (Alt Seulberg 46), mittwochs und donnerstags 9 bis 12 sowie sonntags 14 bis 17 Uhr; Nikolausmarkt am 2. Advent, 10 bis 18 Uhr
Fahrtverbindung: Ffm. Hbf. ab (S 5) 7.54, 8.24 usw. halbstündlich (So. nicht 8.24, 9.24); Friedrichsdorf-Seulberg an 25 Min. später. – Ab 14.40, 15.10 usw. halbstündlich

 

Taunus Zeitung, 24. Januar 2014

 

Die Melodie der Schrift

Dreidimensionale Leinwand: Kalligraphin gestaltet im Heimatmuseum kunstvolle Eier

2000 Jahre Schriftkultur malt Roma Fromme-Monsees auf Schalen: Die Kalligraphie-Expertin zeigt ihre Kunst auf Eiern in der Sonderausstellung „Eier SchreiberEi“, die am Sonntag eröffnet wird.
Von Katja Schuricht

Seulberg.Wird sie am Sonntag als Römerin oder im mittelalterlichen Gewand erscheinen? Vielleicht kommt Roma Fromme-Monsees auch als Hildegard von Bingen oder barocke Hofdame ins Heimatmuseum. Fest steht, dass die Hatzfelderin mit südafrikanischen Wurzeln – geborene wurde sie 1958 in Kapstadt – nicht nur mit ihrem Outfit, sondern vor allem mit ihrer außergewöhnlichen Kunst für Gesprächsstoff im Heimatmuseum sorgen wird. Denn Fromme-Monsees ist eine der wenigen professionellen Kalligrafinnen in Deutschland. Sie beherrscht 120 Schriften aus dem Stegreif, wie zum Beispiel Fraktur, Textura, Capitalis Monumentalis und Renaissanceantiqua. Und sie ist ein Tausendsassa in Sachen Religionsgeschichte, Philosophie und Literatur.
Ihre Kunst zeigt sie vom kommenden Sonntag bis zum 17. April im Heimatmuseum, und zwar vor allem auf Eierschalen: Unter dem Motto „Eier SchreiberEi – Kalligraphie auf AllerlEi“. Ihre Kunst umspannt 2000 Jahre Schriftkultur. Schrifttypen, Schriftarten und Symbole. Die Elemente verbindet sie heraldisch und kalligraphisch zur einzigartigen SchreiberEi. „Der Mittelpunkt meiner Arbeiten ist die Bibel, genauer gesagt der vierte Tag der Schöpfung“, erklärt sie. „Daraus bekomme ich immer wieder neue Ideen“, sagt sie. „Die Schöpfung beinhaltet ja Tag und Nacht, Sonne und Mond, Yin und Yang, Schatten und Licht.“ Und wenn sie an die Bibel denkt, kommt sie gleich auf die Themen Mittelalter, Buchkunst und das Schreiben zu sprechen. So reist Fromme-Monsees mit ihren Ei-Kunstwerken in die unterschiedliche Epochen und Stile und Schriften.
„Am liebsten verwende ich Schwarz, Gold sowie hin und wieder auch Rot“, verrät sie. „Kalligraphie heißt ja wörtlich 'schönschreiben'. Für mich bedeutet es auch, die Melodie der Schrift einzufangen. Diese Melodie geht eine Symbiose ein mit den Worten des Autors.“ Eine faszinierende Reise für den Museumsbesucher. Filigran, präzise und kunstvoll malt und schreibt die Künstlerin mit Tusche die Themen, die sie bewegen und die sie vorher genau recherchiert hat, auf die Schale.

Goethes Osterspaziergang

Zu sehen ist in Seulberg beispielsweise Fromme-Monsees „Friedens-Ei“, auf dem „Frieden“ in verschiedenen Sprachen steht und das sich zudem als Kalligramm entpuppt, als Verbildlichung der Buchstaben. „Alle meine Werke sind Unikate“, erklärt sie. So bestaunt der Besucher ein Wellensittich-Ei, auf dem Fromme-Monsees das „Vater Unser“ in Schönschrift verewigt hat. Sie schreibt Goethes „Osterspaziergang“ und Schillers „Freude schöner Götterfunken“ auf Straußen- und Gänseeier und bringt die Route, auf der Kolumbus die Neue Welt erkundet hat, auf einem Doppel-Dotter-Gänse-Ei unter.
„Bekannt ist das Ei im Allgemeinen als Schmuckobjekt zur Osterzeit“, sagt sie. „Aber das Ei als Symbol für Fruchtbarkeit und Leben ist für mich ein Kunstobjekt für das ganze Jahr.“ Deshalb wird sich so mancher Museumsbesucher am Sonntag auch die Augen reiben, wenn er im Eingang auf die „Weihnachtseier“ trifft: Bis ins 18. Jahrhundert dienten Eier den armen Leuten, die sich die Glaskugeln nicht leisten konnten, als Weihnachtsbaumschmuck“, erzählt Fromme-Monsees. Die Ovale werden für die Hatzfelder Künstlerin zur „dreidimensionalen Leinwand“, die zum Zeichnen und Schreiben die größte Herausforderung ist. „Wenn ich die Schrift auf das Ei auftrage, muss es von Anfang an gut aussehen“, sagt sie.
Seit 28 Jahren ist die Schreibkunst auf Eiern die große Leidenschaft von Fromme-Monsees. In der Nähe von Marburg betreibt sie ein Atelier für Kalligraphie und Heraldik. Dort bearbeitet sie Auftragsarbeiten aus ganz Europa, unter anderem gestaltet sie Vereinswappen und Wappen für fürstliche und königliche Familien. Zudem hat sie dort ein kleines Museum zu 2000 Jahren Schriftgeschichte eröffnet. „Außerdem unterrichte ich klassisches und moderne Kalligraphie“, erklärt sie.

Ostermarkt im April

Wenn die Ausstellung am Sonntag um 15 Uhr eröffnet wird, führt die Künstlerin in einer eigens dafür errichteten Werkstatt ihre Arbeit vor und gestaltet Eier, die anschließend zum Verkauf bestimmt sind. In der Museumsklause warten „eirige“ Köstlichkeiten auf die Besucher.

Weitere Infos bei Museumsleiterin und Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich unter Telefon (06712) 731-3-100 oder per E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de. Die Ausstellung ist bis zum 17. April zu sehen. Die Öffnungszeiten sind mittwochs und donnerstags von 9 bis 12 sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr. Am Dienstag, 18. Februar, um 18 Uhr, am Donnerstag, 20. März, um 19 Uhr sowie am Dienstag, 8. April, um 18 Uhr, stehen Führungen durch die Ausstellung an. Der Ostermarkt findet am Sonntag, 6. April, von 10 bis 17 Uhr, statt. In den Osterferien bleibt das Museum geschlossen. Nach Voranmeldung führt das Museumsteam Gruppen durch die Ausstellung. Für Kindergärten und Schulklassen gibt es ein spezielles Programm.

 

Info Kalligraphie

Kalligraphie ist die Kunst des „schöner Schreibens“ per Hand, die über den Zweck der reinen Information hinausgeht. „Sie steht in enger Verbindung mit den anderen Kunstgattungen und beeinflusst den vorherrschenden Stil ebenso, wie jener sich auf die Kalligraphie auswirkt“, erläutert Roma Fromme-Monsees.
Insgesamt, so die Künstlerin, lassen sich vier Strömungen nachweisen, zwischen denen man unterscheiden muss: Die hebräische, die asiatische, die arabische und – für Europa geltend – die westliche Kalligraphie. „Letztere wurde hauptsächlich durchdas frühe Christentum gefördert, als ein hoher Bedarf an aufwendigen Kopien der Bibel und anderen heiligen Texten bestand.“ Mit dieser Aufgabe waren speziell Mönche betraut, die in mehreren Arbeitsschritten die Texte kopierten und Hauptpassagen oder Initialen künstlerisch verzierten. „Insbesondere hier offenbart sich die enge Beziehung zwischen Malerei und Kalligraphie. Etwa wenn Zierseiten oder Kapitelköpfe aufwendig gestaltete Buchstaben präsentieren.“
Mit der Einführung des Buchdrucks durch Gutenberg im 15. Jahrhundert verloren handgeschriebene Bücher immer weiter an Bedeutung. „Dennoch wurden nach wie vor viele Texte handschriftlich kopiert, wodurch sich Schriften entwickelten, die heute noch verwendet werden.“
Im 16. Jahrhundert endete die Zeit der handgeschriebenen und verzierten teuren Werke endgültig.
Fromme-Monsees: „Man verzichtete zugunsten einer kostengünstigeren Produktion auf die Schönheit der illuminierten Seiten.“
Erst im 19. Jahrhundert wurde die Kalligraphie wiederentdeckt und einer breiteren Volksschicht zugänglich gemacht.
Heutzutage wird sie meist nur noch für spezielle Anlässe – wie beispielsweise das Gestalten von Einladungskarten oder historischen Familienstammbäumen – verwendet. ksp

 

Friedrichsdorfer Woche, 23. Januar 2014

 

Mystische Schriftkunst und Goethe im Ei

Von Beppo Bachfischer

Friedrichsdorf (fw). Das Heimatmuseum ist weit über Friedrichsdorf hinaus bekannt für seine außergewöhnlichen Ausstellungen. Diesmal wird in der Hinführung auf Ostern Spektakuläres geboten: „Eier SchreiberEi“ mit Werken der Hatzfelder Kalligrafin Roma Fromme-Monsees.

Sie wurde vor fast 56 Jahren in Kapstadt, Südafrika, geboren, wuchs in Norddeutschland auf und studierte in Bremen und Göttingen Architektur, Grafik und Kunstgeschichte. Dem Schreiben und der Wappenkunde gehört ihre Leidenschaft. Mit ihrem Ehemann, einem Förster, zog sie nach Hatzfeld und eröffnete dort 1989 ihr „Atelier für Kalligraphie und Heraldik“, richtete dazu 2006 ein Schriftenmuseum ein und hat in ihrer Schule bisher über 3000 Schülern das „Schreiben“ bei Roma Fromme-Monsees nicht nur die Fähigkeit, eine schriftliche Nachricht zu hinterlassen, sondern Kunst, die ihren Ursprung in der Höhenmalerei hat und sich über Bildschriften zum Alphabet entwickelt hat. Die Capitalis Monumenatalis der Römer aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert stellt die Urschrift des Abendlandes dar, aus der sich alle anderen Schriften West- und Mitteleuropas in unzählbarer Stilvielfalt entwickelt haben. 119 von ihnen aus der Zeit um 300 vor Christus bis heute beherrscht Roma Fromme-Monsees fließend. Dazu hat sie eigene Schriften kreiert. Sie brauchte eine zusätzliche Herausforderung und entdeckte vor 28 Jahren auf ihrem ersten Ostermarkt in Kölbel das Ei als „dreidimensionale Leinwand der Natur“. „Eier zu bemalen ist schwierig“, sagt sie, aber Eier so zu beschriften, dass man alles lesen kann, dafür müsse man „ganz langsam mit der Elipse tanzen, ohne dass der Betrachter den Tanz sieht“. Der doppelte Bruch im Oval sei die Besonderheit, die sie zu dem Bekenntnis führt: „Eier sind meine Kinder“.
Nun ist Ei nicht gleich Ei. Es gibt immense Größenunterschiede, aber auch besondere Formen, die Roma Fromme-Monsees einen zusätzlichen Kick geben. Vom gewaltigen Straußenei, das sie sich in großer Zahl direkt von Farmen ihrer südafrikanischen Heimat besorgt, bis zum winzigen Zebrafinkenei reicht der Untergrund für ihre Kunst. Dazwischen sind Nandu, Rebhuhn, Fasan, Wachtel, Taube und vieles mehr, was brütet. Ganz herausragende Exemplare sind das Doppeldotter-Gänseei und das kugelrunde Hühnerei, das nur in einem von einer Million Fälle gelegt wird. Beide sind künstlerisch gestaltet in der Seulberger Sonderausstellung zu bewundern.
Die Themen ihrer Kunst sind philosophischer Natur. Sie erwachsen dem Religiösen und Mystischen und sprießen bis hinein in die Klassiker der Literatur. Im Zentrum steht der vierte Tag der Schöpfung, der mittlere der sieben Tage, an dem mit Sonne, Mond und Sternen der Tag und die Nacht, Hell und Dunkel, Schwarz und Weiß, Gut und Böse, Yin und Yang erschaffen wurden. Zu ihren edlen Schwarz-Gold-Kreationen der Anfangszeit gesellten sich bald Werke in positivem Weiß-Gold. „Der Gegensatz Schwarz-Weiß war mir mit der Apartheid in Südafrika offenscihtlich schon in die Wiege gelegt. Aber das erkennt man immer nur im Rückblick“, sagt sie. Als Symbol der Liebe kam die Farbe Rot hinzu und zuletzt ein leuchtendes Königsblau „für alle, die Rot nicht mögen“.
Das Ei als Symbol für Fruchtbarkeit und Leben bildet für sie eine Einheit mit der theologischen Schöpfung bis zum Urknall, die heiße Geburt der Erde. Roma Fromme-Monsees' zweites Hauptthema ist nicht von ungefähr das Ei des Columbus mit gestalterischen Variationen und Denkanstößen der Erde und ungezählten Geschichten mit Schriften aus über 2000 Jahren Kulturgeschichte. Weil sie nicht gegen die Schöpfung arbeitet und nichts vernichten will, was essbar ist, bemalt sie nur ausgeblasene, leere Eier. Highlights der Ausstellung sind das filigrane „Vaterunser“ auf einem Sittichei, die verzogenen Erdteule auf dem doppelten Gänseei, das immer wiederkehrende Thema des Friedens, der auf dem schwarz gehaltenen Ei ersehnt wird, aber nicht erreicht werden kann und auf dem weißen als zerbrechliches Glück gelebt wird: Frieden in allen Sprachen und in unterschiedlichen Schriften.
Das Schicksal auf Rollen geschriebener Liebesbriefe, die im Ei aufgerollt sind, bleibt auch Goethe mit seinem Osterspaziergang nicht erspart, so dass Roma Fromme-Monsees schmunzelnd auf „Goethe im Ei neben Goethe auf dem Ei“ verweisen kann. In Vorbereitung auf eine Goethe-Ausstellung hat sie einmal in acht Monaten alles von Goethe gelesen, was es gibt, verrät die Perfektionistin. Vielleicht ist ihr deshalb „Schiller eigentlich lieber“, dessen Verse „An die Freude“ ebenso ge-Ei-gnet sind für ihre Kunst wie die Vogelhochzeit.
Auch Werke, die statt eines Eis einen Koffer für Reisegedichte oder 120 Jahre alte Kleiderpuppen für Texte über Menschen oder einen ganz ebenen Untergrund haben, sind zu sehen: die dreifache Interpretation desselben Gedichts oder der „Friede auf Erden“ in 24-Karat Gold neben einem Bild unseres Planeten aus dem All. 80 Prozent ihrer Werke, die weltweit begehrt sind, sind sakraler Natur. Aus Klerus und Adel – man erinnere sich an die Heraldik – stammt der größte Teil der Namen in ihrer Kundenkartei. Einen breiteren Publikum wurde Roma Fromme-Monsees bekannt durch ihre Fernsehauftritte in Planet Wissen, der ARD und den dritten Programmen. 50 Wochenenden im Jahr ist sie auf Ausstellungen unterwegs. Da sie auch ihre Textilien beschriftet und sich mit ihrer Kleidung immer in das zur jeweils vorgestellten Schrift passende Jahrhundert begibt, darf man gespannt sein, wie sie am Sonntag, 26. Januar, zur Ausstellungseröffnung im Heimatmuseum Seulberg um 15 Uhr erscheint.

Die Ausstellung ist bis 17. April mittwochs und donnerstags von 9 bis 12 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen werden angeboten am Dienstag, 18. Februar, 18 Uhr, Donnerstag, 20. März, 19 Uhr und Dienstag, 8. April, 18 Uhr sowie nach Absprache unter Tel. 06172-731-3-120 mittwochs und donnerstags von 9 bis 12 Uhr.

 

Frankfurter Rundschau, 23. Januar 2014

 

Ei mit Kolumbus

Eine Kalligraphie-Ausstellung im Seulberger Heimatmuseum zeigt, dass die ganze Welt Platz auf einem Ei hat und dass es durchaus auch Weihnachtseier gibt.

Friedrichsdorf.Die ganze Welt auf einem einzigen Ei? Kein Problem, es muss nicht mal groß sei. Trotzdem verwendet die Kalligraphin Roma Fromme-Monsees für solche Arbeiten gerne ein Straußenei. Das kann sogar das des Kolumbus sein. 1992 zur Erinnerung an die Amerika-Reise des Weltentdeckers malte und schrieb die geborene Südafrikanerin die Reise des Seemanns zum ersten Mal auf ein einziges Ei. Ein Kolumbus-Ei steht nun in einer Vitrine im Seulberger Heimatmuseum neben der Weltkugel in einem ungewöhnlich langgezogenen Gänseei oder seinem Pendant auf einen komplett runden Hühnerei.
Das Runde ist das Markenzeichen der lebhaften Künstlerin, die in Hatzfeld lebt und dort eine Schreibschule und ein kleines Schriftmuseum betreibt. Über 120 Schriften kann die Mittfünfzigerin auswendig, ihre Lieblingslettern sind die barocken, ihr Lieblingsmalgrund das Ei. Es sei nicht leicht, auf so einem Untergrund zu schreiben, die Buchstaben müssten erkennbar und in einer Linie sein, "sie tanzten auf dem Ei", sagt die Schreiberin, diese „Leinwand“ sei nun mal dreidimensional.
Auftrag von Kirchen
Fromme-Monsees‘ Themen sind der Friede und der Glaube – aber nicht ein bestimmter. Ein ganzes Vaterunser passt auf ein Wellensittich-Ei, man glaubt es kaum. Viele Aufträge für die Architektin kommen aus dem kirchlichen Leben, ein prachtvoll goldenes Weihnachtsevangelium im Seulberger Museum zeugt davon. Begonnen hat Fromme mit schwarzen Eiern, dann kam Weiß dazu und Gold, dann auch Blau und Rot. Rot passt zu ihren Weihnachtseiern, die man sich – jawoll – an den Tannenbaum hängen kann, Symbole des Lebens. In Seulberg malt Fromme auch und verkauft ihre Pretiosen.

Eröffnung am 26.1., 15 bis 17 Uhr. Die Ausstellung läuft bis zum 17. April.

 

Taunus Zeitung, 10. Januar 2014

 

Veranstaltungen für Jung und Alt

Das neue Programm des Heimatmuseums bietet den bewährten Mix aus Sonderausstellungen, Kreativ-Aktionen für Kinder und den beliebten Märkten.

Von Katja Schuricht.

Seulberg. Der Museumskobold Sulinchen hat die Ehre, mit einer seiner „Kindereien“ das neue Programm des Heimatmuseums zu eröffnen: Am Mittwoch, 22. Januar, bastelt Sulinchen mit interessierten Mädchen und Jungen Kalender. Los geht’s um 15:15 Uhr in der Museumsklause. Ein paar Tage später, am Sonntag, 26. Januar, steht auch schon die erste von zwei Sonderausstellungen des Jahres auf dem Programm: „EierSchreiberEi“ lautet das Motto. Eröffnet wird die Schau um 15 Uhr.
Im Zentrum steht die ovale Kunst von Roma Fromme-Monsees, die eine von wenigen professionellen Kalligraphinnen Deutschlands ist. Wer möchte, kann sich am Dienstag, 18. Februar (18 Uhr), Donnerstag, 20. März (19 Uhr), sowie Dienstag, 8. April (18 Uhr), einer Führung durch die Ausstellung anschließen. Die Eier-Kunst ist bis zum 17. April zu sehen.
Am 12. und 26. Februar sowie am 12. und 26. März am 2. April sowie am 14. und 28. Mai treibt Sulinchen wieder sein kreatives Unwesen: Der Kobold lässt es beispielsweise mit den Kindern schneien oder färbt Ostereier. Die Kinderstunde beginnt jeweils um 15:15 Uhr in der Museumsklause.

Führung für Kinder

Am Freitag, 28. März, gibt es ein besonderes Schmankerl für den museumsinteressierten Nachwuchs. Um 16 Uhr startet „Josephine zeigt ihr Museum“, eine Museumsführung von Kindern für Kinder. Ein weiteres Extra für Kids findet am Dienstag, 15. April, im Heimatmuseum statt: Von 15:15 Uhr an steigt die Langohr-Hasenparty, inklusive Lesung mit der Köpperner Autorin Christel Wösner-Rafael.
Eine Museumsführung für Erwachsene steht am Donnerstag, 13. März, an: Statt trockener Fakten, vermischt mit vielen Jahreszahlen erzählt Michael Walke lieber unterhaltsame Anekdoten aus der Seulberger Geschichte. „Römer, Räuber, Hexen“ heißt das Motto seines Rundgangs durch die Räume, Start ist um 18 Uhr.
Zeit für einen Museumsklassiker ist am Sonntag, 6. April: Von 10 bis 17 Uhr können sich die Besucher bei der 26. Auflage des Ostermarktes mit Kunsthandwerk aufs Fest einstimmen.
Der Mai lockt mit der zweiten Sonderausstellung ins Museum: Das Thema der Schau, die am Sonntag, 4. Mai, um 15 Uhr eröffnet wird, ist „Zur Erbauung der Gemeinde“. Darin dreht sich alles um das 150-jährige Bestehen der evangelischen Kirche Seulberg. Für diese Ausstellung sucht Museumsleiterin Dr. Erika Dittrich übrigens noch Material wie alte Bilder von Konfirmanden, Hochzeiten oder vielleicht sogar von der Glockenweihe. Die Schau wird bis zum 19. September zu sehen sein. Wer möchte, kann sich einer der Führungen durch die Ausstellung mit Erika Dittrich anschließen: am Mittwoch, 4. Juni, Montag, 7. Juli (jeweils 18 Uhr), Donnerstag, 28. August (19 Uhr), oder Montag, 15. September (18 Uhr).

Historischer Rundgang

Am 7. Mai, einem Mittwoch, führt der Seulberger Friedrich Wilhelm Jeckel durch den Stadtteil. Jeckel weiß Interessantes zu berichten über den Freihof, die Sieben-Häuser-Gasse, den Dinghof, den Krottenteich, den Schafhof und natürlich auch den Aulofen. Beim Spaziergang, der um 14 Uhr am Museum startet und später dort auch endet, lernen die Teilnehmer Seulberg als einen typischen „Rundling“ kennen und erfahren wenig Bekanntes aus der Vergangenheit des Ortes.

Nähere Informationen zum Programm gibt es im Internet auf der Seite www.heimatmuseum-seulberg.de. Die Öffnungszeiten des Museums sind immer mittwochs und donnerstags von 9 bis 12 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr. Museumsleiterin Erika Dittrich ist telefonisch montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr unter der Rufnummer (06172) 731-3-100 zu erreichen.

 

Friedrichsdorfer Woche, 09. Januar 2014

 

Gierige Märker, grausige Kriege und rostiger Zwieback

Friedrichsdorf (fw). Mittlerweile ist der zwölfte Band der beliebten Jahrbuchreihe des Stadtarchivs „Friedrichsdorfer Schriften. Materialien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Stadt Friedrichsdorf“ erschienen.
Erneut haben bewährte Autoren interessante Themen bearbeitet: Den Auftakt bietet Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich mit einem Beitrag über die neu installierte Zwieback-Skulptur auf dem Kreisel vor dem Taunus-Carré. Dabei verfolgt sie die Genese des Werks von den ersten Skizzen des Künstlers Eckhart Gehrmanns bis zur Fertigstellung durch die in Friedrichsdorf ansässige Firma Arnold. Weltweit schätzt man inzwischen deren individuelle Methoden in der Umsetzung von künstlerischen Ideen. International bekannt ist besonders die milupa, die ihren Ursprung in der hiesigen Zwieback-Fabrikation nahm. Dem Weltkonzern widmet sich der zweite Artikel, der sowohl Einblicke in die Vita des Firmengründers Emil Pauly als auch in die Entstehung der milupa bis hin zum Hauptproduzenten von Säuglingsnahrung bietet.
Marianne Peilstöcker, langjährige Leiterin des Arbeitskreises Friedrichsdorfer Geschichte, berichtet von den Gräueln während des Dreißigjährigen Krieges. Ihr besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Belastungen, gerade in finanzieller und existenzieller Hinsicht, der Bevölkerung von (Burg)Holzhausen und der Nachbarschaft. Zum Schutz legte man bereits im Mittelalter um die Gemeinwesen ein System aus Hecken und Gräben an. Einlass gewährten nur die bewachten Tore. Auch das reichste Dorf des Fürstentums Hessen-Homburg, der Töpferort Seulberg, verfügte über zwei Pforten – dem Ober- und dem Untertor. Erhalten hat sich von ihnen nur ein im Heimatmuseum Seulberg ausgestellter Wappenstein der Herren von Eppstein. Daher begab sich Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich auf archivalische Spurensuche.
Heute Erholungsort, früher Quell vieler Streitigkeiten, ist der Wald. Bis 1803 verwalteten ihn in der Seulberg-Erlenbacher Mark Gemeinden und Landesfürsten gemeinschaftlich. Doch das lief selten friedlich ab. Neid, Missgunst und Habgier leiteten häufig die Interessen der einzelnen Markmitglieder und führten schließlich zu einem großen „Waldsterben“.
Neben diesen Hauptartikeln finden sich im Magazinteil heitere wie ernste Anekdoten aus Friedrichsdorf und seinen Stadtteilen; etwas wie man in den 50er-Jahren einen Hut beim Usinger erwarb. Als Premiere findet sich das „Gespräch zweier Hugenotten“, das bald im Philipp-Reis-Haus zu sehen sein wird. Nur wenige dürften schließlich wissen, dass in Friedrichsdorf sogar komponiert wurde. Dr. Erika Dittrich und der Pianist Lars Keitel haben soeben die bisher unbekannte „Friedrichsdorfer Fantaisie“ entdeckt.

Die Friedrichsdorfer Schriften, Band 12, können im Rathaus, in den Museen der Stadt sowie in den Buchhandlungen gegen eine Schutzgebühr in Höhe von sechs Euro erworben werden.

 

Taunus Zeitung, 03. Januar 2014

 

Zwieback und 30-jähriger Krieg

Der neue Band der Friedrichsdorfer Schriften verbindet Gegenwart und Vergangenheit

Geschichte aus mehreren Jahrhunderten vereint der neu erschienene, zwölfte Band der Friedrichsdorfer Geschichten.

Friedrichsdorf. Es gibt Grund zur Freude: Der nunmehr zwölfte Band der Jahrbuchreihe des Stadtarchivs „Friedrichsdorfer Schriften. Materialien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Stadt Friedrichsdorf“ ist kürzlich erschienen. Auch diesmal haben mehrere Autoren interessante Themen bearbeitet: Den Auftakt macht Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich mit einem Beitrag über die neu installierte Zwieback-Skulptur auf dem Kreisel vor dem Taunus-Carré. Dabei verfolgt sie die Genese des Werks von den ersten Skizzen des Künstlers Eckhart Gehrmanns bis zur Fertigstellung durch die in Friedrichsdorf ansässige Firma Arnold. Weltweit schätzt man inzwischen deren individuelle Methoden in der Umsetzung von künstlerischen Ideen.
International bekannt ist besonders das Unternehmen Milupa, das seinen Ursprung in der hiesigen Zwieback-Fabrikation nahm. Dem Weltkonzern widmet sich der zweite Artikel, der sowohl Einblicke in die Vita des Firmengründers Emil Pauly als auch in die Entstehung von Milupa bis hin zum Hauptproduzenten von Säuglingsnahrung bietet.

Gräuel in Holzhausen

Marianne Peilstöcker, langjährige Leiterin des Arbeitskreises Friedrichsdorfer Geschichte berichtet indes diesmal von den Gräueln während des 30-jährigen Krieges. Ihr besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Belastungen, gerade in finanzieller und existenzieller Hinsicht, der Bevölkerung von (Burg)Holzhausen und der Nachbarschaft. Zum Schutz legte man bereits im Mittelalter um die Gemeinwesen ein System aus Hecken und Gräben an. Einlass gewährten nur die bewachten Tore. Auch das reichste Dorf des Fürstentums Hessen-Homburg, der Töpferort Seulberg, verfügte über zwei Pforten – dem Ober- und dem Untertor. Erhalten hat sich von ihnen nur ein im Heimatmuseum Seulberg ausgestellter Wappenstein der Herren von Eppstein. Daher begab sich Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich auf archivalische Spurensuche.

Streit um den Wald

Heute Erholungsort, früher Quell vieler Streitigkeiten, ist der Wald. Bis 1803 verwalteten ihn in der Seulberg-Erlenbacher Mark Gemeinden und Landesfürsten gemeinschaftlich. Doch lief dies selten friedlich ab. Neid, Missgunst und Habgier leiteten häufig die Interessen der einzelnen Markmitglieder und führten schließlich zu einem großen „Waldsterben“.
Neben diesen Hauptartikeln sind im Magazinteil heitere wie ernste Anekdoten aus Friedrichsdorf und seinen Stadtteilen zu finden; etwas wie man in den 50er-Jahren einen Hut beim Usinger erwarb. Als Premiere ist das „Gespräch zweier Hugenotten“ abgedruckt, das bald im Philipp-Reis-Haus zu sehen sein wird. Schließlich dürften nur wenige wissen, dass in Friedrichsdorf sogar komponiert wurde. Soeben entdeckt haben Dr. Erika Dittrich und der Pianist Lars Keitel die bisher unbekannte „Friedrichsdorfer Fantaisie“.

Die Friedrichsdorfer Schriften, Band 12 sind im Rathaus, in den städtischen Museen sowie in den Buchhandlungen zum Preis von sechs Euro erhältlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Presse 2013

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09. September 2013

 

 

Zwieback für den ersten Bundeskanzler

 

Zwei Ausstellungen zur Wirtschaftsgeschichte zeigen große Marken und die Herkunft aus Friedrichsdorf als Qualitätsversprechen.

bie. FRIEDRICHSDORF. Wenn sie keine Dose wäre, die Wirtschaftsförderer im Friedrichsdorfer Rathaus würden sie sich wohl am liebsten rahmen lassen. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg stellte Adolf Schwab in Bad Homburg Zwieback her. Doch als Stadt des trockenen Gebäcks hatte damals Friedrichsdorf schon einen Namen, weshalb Schwab auf seine Blechverpackungen drucken ließ, dass sein Zwieback hergestellt sei in „Bad Homburg v.d. Höhe bei Friedrichsdorf“. Das gab es auch umgekehrt. Die „Homburger Hutfabrik“, ehemals Rousselet, stand in Friedrichsdorf, worum sie kein Aufheben machte. Die Geschichte von Marken und Qualitätsversprechen zeigt die Ausstellung „Echt original Friedrichsdorfer“, die am Sonntag im Heimatmuseum Seulberg eröffnet wird und auf 200 Jahre Wirtschaftsgeschichte zurückblickt. Von Mittwoch an wird sie durch eine Fotoausstellung im Friedrichsdorfer Rathaus ergänzt, die sich vor allem den Arbeitsbedingungen widmet.
Warum Friedrichsdorf bis heute „Zwiebackstadt“ genannt wird, machen die Dutzenden Blechdosen im Heimatmuseum schnell klar. Der Name der Stadt wurde zum Synonym für die haltbaren, doppelt gebackenen Scheiben. Das Restaurant gab es seit der Antike, und der aus dem Hintertaunus zugezogene Christoph Stemler hatte Zwieback vermutlich auf holländischen Kriegsschiffen kennengelernt. Nach dem Tod seines Bruders übernahm er 1788 dessen Bäckerei. Die Zwieback-Rezeptur wurde verfeinert, und 1803 ist schriftlich belegt, dass der aus Berlin stammenden Georg Frederic Seidel den Friedrichsdorfer Zwieback außerhalb der Stadtgrenzen auf der Frankfurter Messe verkaufen durfte.
Die benachbarte Kurstadt Homburg war ein dankbarer Absatzmarkt. Schließlich galt der Zwieback als bekömmlich bei Magenleiden. Gäste aus aller Welt ließen sich „Biscotte de Friedrichsdorf“ oder „Digestiv Rusks“ in ihre Heimat nachschicken. So konnte sich mancher Hersteller mit dem Zusatz „Hoflieferant“ schmücken. „Obwohl die großen Fabriken auf den Dosen meist eine übertriebene Darstellung waren“, sagt Stadtarchivarin Erika Dittrich. Oft habe es sich um bescheidene Betriebe gehandelt, deren Inhaber ihre Waren mit dem Hundekarren zum Bahnhof gebracht hätten. Andere Produktionsstätten, wie die von Stemler, füllten ein ganzes Viertel. Bruder-Zwieback belieferte nicht nur das Hotel Adlon in Berlin, sondern auch die Speisewagen der Bahn. Dort lernte Konrad Adenauer (CDU) die Marke schätzen. Dittrich verwahrt im Archiv eine Bestellliste mit Dankesworten des ersten Bundeskanzlers.
Emil Pauly aus einer anderen Zwiebackdynastie war es, der sich nach Verkauf und Neugründung einen anderen Namen für die eigene Fabrik suchen musste. Auf dem Hochsitz soll er auf die Idee verfallen sein, die Buchstaben seines Namens zu „Milupa“ umzustellen. Die lange das Stadtbild prägende Fabrik ist inzwischen verschwunden und hat einem Einkaufszentrum Platz gemacht. Vor drei Jahren verließ mit Praum der letzte Zwieback-Hersteller Friedrichsdorf, wobei im nahen Neu-Anspach weiterproduziert wird.
Wie der Säuglingsnahrungshersteller Milupa wurden auch die Haller-Nudeln deutschlandweit bekannt. Obwohl schon die Hugenotten derlei Teigwaren herstellten, brachte in diesem Fall der Schwabe Theodor Haller den Durchbruch. Die Liebe hielt ihn in Friedrichsdorf, wo er, statt Hutmacher zu werden, 1892 eine Bäckerei kaufte. Für den Erfolg sorgten von Anfang an gutes Marketing und eine große Vertriebsabteilung. Die Ausstellung zeigt einen Probenkoffer mit Nudeln in Glasflaschen, der auch für eine Schmuckkollektion getaugt hätte. Außerdem konnte man schon vor dem Ersten Weltkrieg Karten mit Militärmotiven oder Märkchen mit Märchendarstellungen per Nudelpackung sammeln.
Bei der 1821 von Daniel Rousselet gegründeten Hutfabrik verweist der Name noch auf die hugenottische Tradition. Er hatte sein Handwerk in Paris gelernt und stellte zunächst Zylinder her. Sein Sohn hatte Erfolg mit angenehm leichten Hüten aus Kaninchenhaaren. Auch die Zulieferer erwarben sich einen Ruf. Schweißbänder der Lederfabrik Garnier finden sich in der Mitra von Papst Benedikt XVI. Oder dem Hut von Indiana Jones. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich Firmen von auswärts wie die Tettauer Glaswerke in Friedrichsdorf an. Rudolf Braas begann hier mit der industriellen Fertigung von Beton-Dachpfannen, und der Metallbetrieb Arnold setzt unter anderem die Ideen von Jeff Koons in dessen aufsehenerregenden Kunstwerke um. Und wer in die Oberklasselimousine eines deutschen Herstellers einsteigt, fährt ein bisschen Friedrichsdorf spazieren. Kommunikationstechnik von Peiker acustics, Kunststoff in Lenkrad und Hutablage von einem Zweig der Rühl-Gruppe und Nietverbindungen von Profil. Aber vermutlich keinen Zwieback. Der krümelt so im Auto.

 

 

Die Ausstellung „Echt original Friedrichsdorfer“ ist vom 11. August bis 21. Dezember im Heimatmuseum Seulberg zu sehen. Geöffnet ist es außerhalb der Schulferien mittwochs und donnerstags von 9 bis 12 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Die Fotoausstellung „Arbeiten in der Stadt der 100 Schlote“ ist von Mittwoch an bis 11. Oktober im Friedrichsdorfer Rathaus zu sehen.

 

Friedrichsdorfer Woche, 05. Dezember 2013

 

Lebkuchengenuss bei drei Kerzen am Kranz

Von Beppo Bachfischer

 

Seulberg. Weihnachtsleckereien und Adventsgedecke, feine Handarbeiten und solides Kunsthandwerk, duftende Seifen und kunstvoll gestaltete Papierarbeiten, dazu einen Drechsler, der sich bei der Arbeit zuschauen ließ, und den Nikolaus, der die Kinder beschenkte, das alles fanden zahllose Besucher in der unvergleichlichen Atmosphäre des Nikolausmarkts im Heimatmuseum Seulberg.

Längst ist der Nikolausmarkt den Dimensionen des heimeligen Heimatmuseums entwachsen. Nicht nur, dass im Hof vor der Museumsklause Händler ihre Waren anbieten, auch auf der Straße zwischen Museum und Kirche ist wieder eine neue Attraktion für die jüngeren Besucher hinzugekommen: das Märchenzelt. Autorin Christel Wösner-Rafael und Dr. Erika Dittrich, Vorsitzende des Vereins für Geschichte und Heimatkunde, fesselten Kinder und ihre erwachsenen Begleiter mit spannenden, fröhlichen und rührenden Geschichten, die in die Vorweihnachtszeit passen. „Eine gute Einstimmung auf den Nikolausmarkt“, fanden manche, die gleich beim Vorlesen hängengeblieben waren. „Oder eine gute Gelegenheit für eine Pause vom Bummeln und Stöbern“, fanden andere, die schon Gepäck dabei hatten. Zu gucken, riechen, betasten und bestaunen gab es nämlich genug bei den 40 Anbietern auf den drei Etagen des Museums.
Wer schon am Eingang Düfte in der Nase hatte, die weder aus dem Kaffee- und Glühweintopf im Hof noch vom Bratwurstgrill vor dem Haus oder aus einer Plätzchentüte kommen konnten, und ihnen folgte, der landete beim Seifenmacher, Rotwein- und Mokkaseife dufteten hier gegen ganz unterschiedliche Fruchtnoten und exotische Mischdüfte an und sahen dabei noch so appetitlich aus, dass man am liebsten reingebissen hätte. „Sollten sie nicht, aber wenn, dann können sie versichert sein, dass die selbstgemachten Seifen meiner Frau keinerlei schädliche Stoffe enthalten“, betonte der Verkäufer stolz. Gut zu wissen, denn nicht nur bewusst als Tortenstück waren die Seifen geformt, auch ganz einfache Stücke konnten durch ihr Aussehen und den Kakaogeruch, den sie verbreiteten, leicht für ein Stück Marmorkuchen gehalten werden. „Das sind sehr beliebte Geschenke“, erklärte er. „Für die meisten Leute wird es immer schwieriger, ein passendes Geschenk zu finden, doch mit einem hochwertigen Stück Seife, dessen Duft zum Beschenkten oder zu Weihnachten passt, liegt man immer richtig.“
Weihnachtsduft verbreiten auch kreative Adventsgestecke oder Kränze, die dazu noch optische Akzente in der Wohnung setzen und mit Kerzenlicht für warme Gemütlichkeit sorgen. Ulrike Prossog und ihr Sohn Sebastian hatten eine große Auswahl mitgebracht und weitere Weihnachtsdeko dazu. Der derbe Elch aus Eichenholz hatte es zwei Damen besonders angetan: Monika Föller und Petra Bischoff. „Wir sind Stammgäste hier und besuchen den Nikolausmarkt jedes Jahr, denn wir fühlen uns in dieser gemütlichen Umgebung sehr wohl, treffen immer Bekannte zum Plaudern und finden jedes Mal etwas, was uns gefällt, und Anregungen für zu Hause“, sagten die beiden Seulbergerinnen. Eine dieser Anregungen hätte der „Turbo-Adventskranz“ sein können, der mit seinen drei Kerzen bewirkt, dass Weihnachten vielleicht schneller kommt. „Das ist ein Gesteck und die drei Kerzen sind der Clou“, erklärte Schöpferin Ulrike Prossog schmunzelnd.
Zum ersten Mal dabei war Manfred Schäfer aus Lohra bei Marburg mit seinen selbstgebauten Weihnachtskrippen, die auf großen Baumscheiben stehen, beim Nikolausmarkt. „Bei mir gibt es keinen Meterstab“, sagt er und zeigt stolz auf seine Kunstwerke. Jedes hat eine ganz eigene Gestalt, weil der kreative Bauherr seiner Phantasie freien Lauf lässt. Sein Baumaterial ist hauptsächlich Holz, das er genau in der richtigen Stärke findet, indem er Obstkisten recycelt. Die Dachschindeln seiner neueren Werke sind Holzstäbchen, mit denen sich der Arzt freien Blick in den Rachen verschafft. „Es ist reine Hobbyarbeit“, sagt der Restaurator und Maler, dessen Spezialgebiet Vergoldung, Familienwappen und Ahnentafeln in Größen bis zu mehreren Quadratmetern sind. Wie er auf den Nikolausmarkt in Seulberg kommt? „Meine Tochter Christina ist Volontärin im Heimatmuseum“, erklärte der stolze Papa.
Ebenfalls mit Holz, aber ganz anders, arbeitet „Heinz, der Odenwälder Holzwurm“, wie sich Heinz Küpper aus Groß-Umstadt selbst nennt. Wenn er an seiner Drechselmaschine arbeitet, sieht es völlig selbstverständlich aus, dass aus dem Olivenholzstab ein Kugelschreiber entsteht. Die passenden Schreibtischuhren gibt es gleich dazu. „Das sind Endstücke mit Borke dran, die man nicht drechseln kann. Zum Wegwerfen sind sie zu schade, also mache ich etwas Sinnvolles daraus.“ Eine spektakuläre Struktur hat ein Brieföffner. „Sie ergibt sich durch die schräg verleimten Platten aus Ebenholz, Walnuss, Ahorn und Rubinie, die gedrechselt werden“, erklärt der „Holzwurm“, der sein Handwerk perfekt versteht. Wahre Meisterwerke sind seine „gefangenen Ringe“ an einem Holzstab, dessen Verdickungen r vorne und hinten verhindern, dass sie abfallen. „Alles ist aus einem Block gefräst“, verrät er. „Gewusst wie“, heißt das Zauberwort, das umso mehr für Kelche mit Ringen um den Fuß gilt, die in ähnlicher Technik hergestellt werden.
Auch Kinder betätigten sich als Künstler. Sie gestalteten Odenwälder Lebkuchen mit Zuckerguss in giftigen Farben, der allerdings lecker schmeckte. Darauf wurden allerhand essbare Dekorationen geklebt, so dass individuelle Kunstwerke entstanden, die auch etwas über den Künstler verrieten. Der dreijährige Noa aus Wehrheim mag schnelle Autos und baute sich einen Lebkuchen-Flitzer. Hannah (3) und Louisa (2) mögen es gern traditionell. Sie wählten klassische Lebkuchenformen in Herz- und Sterngestalt. Kreative Arbeit macht Appetit. So konnte Hannah ihr Kunstwerk gerade noch der Mama zeigen, ehe sie sich ihren Gelüsten hingab und herzhaft in den gerade erst fertiggestellten, noch nicht einmal getrockneten Lebkuchen biss. „Den Rest nehmen wir aber mit nach Hause“, entschied die Mama. Glücklicherweise war auf dem Weg zum Ausgang noch der Nikolaus unterwegs, der gar nicht anders konnte, als so viel Fleiß mit einem Apfel zu belohnen. Hannah hatte etwas zu beißen, etwas zu Hause herzuzeigen und etwas zum Grübeln: „Was für einen Lebkuchen gestalte ich auf dem Nikolausmarkt im nächsten Jahr?“

 

Taunus Zeitung, 03. Dezember 2013

 

Pferdeschlitten und Lebkuchen

 

Der Nikolausmarkt des Seulberger Heimatmuseums wird größer

 

Die Macher des Nikolausmarkts im Heimatmuseum haben das kleine Traditionsfest aufgepeppt: Jetzt gibt es auch vordem Museum Stände, die Dekoration ist üppiger und ein Märchenzelt gehört auch zum Programm. Gut 1800 Besucher kamen. Von Olivera Gligoric-Fürer

Seulberg. Der Nikolausmarkt im Heimatmuseum Seulberg hat alles, was einen idyllischen Weihnachtsmarkt ausmacht: Er hat Ambiente und Stil, strahlt Heimeligkeit aus, und sein fein sortiertes Angebot bedient jeden Geschmack. Am Sonntag präsentierte sich der Markt zum 27. Mal.
Für Organisation und Qualität zeichnet größtenteils Ute Desch verantwortlich. Die Stellvertretende Vorsitzende des Vereins für Geschichte und Heimatkunde ist in regem Kontakt mit den Standbetreibern. Sie organisiert die Standvergabe – 40 Stände waren es diesmal – und sie legt die Infrastruktur fest. Und dass diese am Markttag reibungslos funktioniert, dafür sorgen noch weitere 45 ehrenamtliche Helfer.
Über zwei Jahrzehnte
Trotzdem: „Seit 7 Uhr bin ich pausenlos im Einsatz“, gestand Desch. Sie musste am Sonntag noch Schwierigkeiten aus dem Weg räumen: „Mal kommen Standbetreiber wegen Krankheit nicht oder sie verspäten sich“, zählte sie auf, dann müsse die Lücke sinnvoll geschlossen werden. Desch hat die Marktorganisation über zwei Jahrzehnte hinweg perfektioniert. Dennoch wünscht sich die energische Ruheständlerin, „dass sich jüngere Menschen einfinden, die willens sind, Verantwortung zu übernehmen, die selbständig arbeiten können und sich gerne engagieren.“
Der Verein zählt über 200 Mitglieder, ergänzte Stadtarchivarin und Vorsitzende des Geschichtsvereins, Dr. Erika Dittrich. „Doch der Altersdurchschnitt ist recht hoch.“ Außerdem ergänzte sie, dass für die Planung dieses Nikolausmarktes viel mehr Vorbereitungstreffen stattgefunden hätten als üblich: Wegen der Jurte für die Märchenlesung, der Ausweitung des Marktes auf den Platz zwischen Kirche und Heimatmuseum aber auch wegen der üppigeren Dekoration, unter anderem mit Tannengrün und roten Kugeln. Dittrich zeigte auf einen Pferdeschlitten, der zur Verzierung am Markteingang stand und üppig mit Geschenkpaketen beladen war: „Das ist ein barocker Schlitten aus Seulberg.“ Und: „Zum ersten Mal haben wir einen Bratwurststand. Wir mussten schon Bratwürste nachordern.“ Zudem gab es, wie immer, frische Waffeln, die traditionelle Suppe und Kuchen in der Klause.
Tolle Kulisse
Die Leckereien, das Kinderprogramm – mit Lebkuchenverzieren, Märchenlesung und dem Besuch vom Nikolaus – sowie das kleine Rahmenprogramm sind beliebt. Die Publikumsmagnete aber sind die vielen Kunsthandwerkstände. „Eine tolle Kulisse“, schwärmte die Filzkünstlerin Sabine Schöngarth. Bei ihr gab es weihnachtlichen Filzschmuck, Taschen und Schlüsselanhänger. Christiane Grünewald, die Mode aus Naturstoffen kreiert, hat einen zartrosafarbenen Seidenschal mit großer Blüte über einen weiß-hölzernen Standspiegel drapiert. Der Holzkünstler Matthias Schmidt ist seit über 20 Jahren da bei Krippen, Baumschmuck und Krippenfiguren gehören zu seinem Sortiment.
Der Freundeskreis der Hardtwaldschule verkaufte von Schülern und Lehrern gebackene Plätzchen. Die beiden Pfadfinderinnen Marie Lüschow (12) und Smilla Fox (12) verzierten Holzbrettchen nach individuellen Vorstellungen und Elevinnen der Seulberger Ballett- und Tanzschule, angeleitet von Alena Schneider,erfreute das Publikum mit zwei Choreographien.
Zudem wurden Fröbelsterne, Glaskunst, Stricksachen, Seifen und Senf angeboten – alles selbst gemacht.

 

Taunus Zeitung, 25. Oktober 2013

 

Wo sind Wolle-Bär und seine Frau?

Die Bären waren im Seulberger Heimatmuseum los: In der Reihe „Sulinchens Kindereien“ feierte die Autorin Christel Wösner-Rafael mit den Kindern und ihren Teddys eine bärige Party. Von Katja Schuricht

Seulberg. Alle sind sie da: Bruno-Bär, der ganz neu im Tal der abgeliebten Bären ist, Teddy-Bär, der schon ganz kahle, abgeknuddelte Stellen im Fell hat, und der Piloten-Bär. Sie alle zaubert Christel Wösner-Rafael aus ihrem Rucksack und verteilt sie an die Kinder, die am vergangenen Mittwoch ins Heimatmuseum gekommen sind. Sie dürfen die Bären, die in Wösner-Rafaels Kinderbuch „Das Tal der abgeliebten Bären“ Abenteuer erleben, während der Lesung in den Händen halten. Doch es gibt ein Problem: Zwei der plüschigen Gesellen aus der Geschichte fehlen noch: Wolle-Bär und seine Frau. „Die haben sich irgendwo im Museum versteckt. Helft ihr mir suchen?“, fragt die Autorin. Mit einer kleinen Kostprobe aus ihrem Bilderbuch startet die Bärenparty, zu der Museumsleiterin Dr. Erika Dittrich gemeinsam mit Christel Wösner-Rafael eingeladen hat. Über 20 Kinder, darunter eine Gruppe aus der Kindertagesstätte Marc-Aurel-Ring, sind zum bärenstarken Nachmittag ins Museum gekommen und haben auch daran gedacht, ihren eigenen Lieblingsteddy mitzubringen.
Stärkung mit Bärentee
Bevor es mit der Lesung weitergeht, heißt es erstmal auf zur Bärensuche. Versteckt haben sich Wolle-Bär und seine Frau im Ausstellungsraum. Die beiden – übrigens 1981 von Christel Wösner-Rafael selbst gestrickten Bären – haben sich in einer der Vitrinen der aktuellen Sonderausstellung „Echt original Friedrichsdorfer Wirtschaft im Wandel – eine zweihundertjährige Erfolgsgeschichte“ gemütlich gemacht. Sie sitzen in der Milupa-Vitrine und erinnern daran, dass der Babynahrungshersteller lange Zeit Teddybären als Werbefiguren hatte. Das gefällt Museumsleiterin Erika Dittrich: So wird der Nachwuchs ganz spielerisch ans Thema Museum herangeführt. „Wolle-Bär und seine Frau sind die Lieblingsbären meiner Tochter, auch heute noch“, meint Wösner-Rafael, die auch die Strickanleitung mit als Leihgabe zur Ausstellung beigesteuert hat.
Bärenstark ist auch der Abschluss der Party: Nach einer kleinen Stärkung mit Bärentee und Gummibärchen im zur Bärenhöhle umgetauften Museumsstübchen heißt es für die Kinder, ihren Lieblingsteddy kurz beiseite legen und gemeinsam mit den Künstlerinnen Gerti Kours und Sabine Saage-Pickel einen der Teddys aus dem „Tal der abgeliebten Bären“ zu basteln und zu malen.

Am Mittwoch, 13. November, gibt es von 15.15 Uhr an die nächste Folge von „Sulinchens Kindereien“. Dann geht der Museumskobold „auf den Keks“ und backt mit den Kindern schon mal Leckereien für die Adventszeit.
Auch für Erwachsene steht wieder eine Veranstaltung im Museumsprogramm: Am Mittwoch, 6. November, führt Michael Walke durchs Museum. „Römer, Räuber, Hexen“ lautet sein Thema. Statt trockener Fakten liefert Walke unterhaltsame Anekdoten aus der Seulberger Geschichte. Beginn ist um 18 Uhr, der Eintritt kostet 3 Euro, inklusive Apfelwein und Brezel.

 

Taunus Zeitung, 13. September 2013

 

Wissenswertes zur Biene beim Brunnengebabbel

Das achte Sellwicher Brunnengebabbel war wieder ein großer Erfolg. Selbstgekelterter Sellwicher Apfelwein und ein hochinteressanter Vortrag über Bienenzucht, Killerbienen und sanftmütige Europäer hatte runde 60 Besucher angelockt. Von Christel Wösner-Rafael

Seulberg. „Im Jahr 1976 bin ich durch Zufall Imker geworden“, erzählte der Seulberger Wilhelm Amberg. „Ein Bekannter hat sein Bienenvolk aufgegeben und mir zum günstigen Preis angeboten, ja, und da hatte ich Bienen und keine Ahnung.“ Also jede Menge Literatur erlesen und Kontakt zu anderen Imkern suchen, er trat in den Bienenzuchtverein Oberursel ein.
Viel über Bienen erfuhren die Besucher beim achten Sellwicher Brunnengebabbel. „Neben dem Produzieren des leckeren und gesunden Brotaufstrichs ist das Wichtigste überhaupt das Bestäuben der Pflanzen“, so Amberg und zitierte Albert Einstein: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“ Daher müsse der Mensch erkennen, dass die Biene ein wertvolles Nutztier ist, das wir unbedingt erhalten müssen“.

Gefährliche Feinde

Doch die Biene hat einige gefährliche Feinde. Ein lebensbedrohlicher Killer ist die Varroamilbe, nur 1,1 Millimeter lang und 1,6 Millimeter breit, sie lebt als Parasit an Honigbienen. Die Milbe entwickelt und vermehrt sich in der verdeckelten Brut im Bienenstock. Sie saugt sich an den erwachsenen Bienen fest, die zur Nahrungssuche ausfliegen. Dadurch wird der Parasit weiter verbreitet.
Milbenbefall schwächt die Bienen, befallene Bienen-Larven verlieren direkt an Gewicht, die ausgeschlüpften Bienen bleiben um etwa ein Zehntel kleiner als gesunde Tiere. Die befallenen Tiere besitzen eine deutlich verkürzte Lebenszeit. Sie haben schlechter Lernleistungen und kehren häufig nicht in den Stock zurück.
Ein Dilemma für den Imker, denn die Bekämpfung der Milbe ist äußerst schwierig. Die Milbe „Varroa“ wurde vor 40 Jahren aus Ostasien nach Europa eingeschleppt, die europäischen Bienen können sie nicht selbst besiegen.
„Die europäische Honigbiene, die Kärntnerin, ist eine ganz sanftmütige, die asiatische dagegen ist eine sehr agressive Biene“, sagte Amberg, die asiatische konnte in vielen Jahrhunderten eigene Abwehrmechanismen gegen die Varroa aufbauen. „Doch wie so oft, wenn man sich in die Natur einmischt, kommt nichts Gutes dabei heraus.“ Die asiatische Biene wurde nicht sanfter, sondern noch aggressiver: Es entstanden die gefährlichen „Killerbienen“.

Killerbienen

Die „Killerbienen“ greifen bei einer Bedrohung mit ihrem gesamten Volk an, nicht nur mit einzelnen Bienen. Die „Killerbienen“ verfolgen ihre Opfer hartnäckig, dadurch erreichen sie bis zu 500 Stiche. Ein Kind könnte daran sterben, bei Erwachsenen wird es ab rund 1000 Stichen kritisch. „Man kann sich ihnen nur in voller Schutzmontur nähern“, warnte Amberg die aufmerksamen Zuhörer.

Nach dem Vortrag konnte entspannt weiter gebabbelt werden.

 

Taunus Zeitung, 31. August 2013

 

4000 Stunden Arbeit

 

Verein für Geschichte dankt fleißigen Helfern und zieht Bilanz

Wer sich im Heimatmuseum ehrenamtlich engagiert, wird traditionell ein Mal im Jahr mit einem Danke-Essen belohnt. Jetzt war es wieder soweit. Von Katja Schuricht

Seulberg. Die Zahl ist beachtlich: Rund 4000 Arbeitsstunden fallen im Laufe des Jahres im Heimatmuseum an. „Diese Stunden sind Arbeit, die ehrenamtlich geleistet wird“, betonte Dr. Erika Dittrich, Stadtarchivarin und Vorsitzende des Vereins für Geschichte und Heimatkunde. Um den Engagierten, denen das Museum sehr am Herzen liegt, für ihren Einsatz zu danken, hat Dittrich eine Dankeschön-Essen organisiert.
Als gute „Küchenfee“ wirkte Brigitte Wenzel, die im Museumshof ein Büffet mit Leckereien aufgebaut hatte. Doch zuvor war es an Museumschefin Dittrich, ihrem Team ein dickes Dankeschön zu sagen: „Wir sind in uns gegangen und haben überlegt, wem der Geschichtsverein besonderen Dank schuldig ist, und sind dabei einer lieben Tradition nachgekommen – unserem Danke-Abend“, schickte Dittrich voraus. Die Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsverein dankte vor allem denjenigen im Helferteam, die sich regelmäßig und zeitlich besonders intensiv für den Museumsbetrieb einsetzen. So wie Brigitte Wenzel. Zwar hat sie einen 400-Euro-Vertrag, „leistet aber viel mehr als in ihrem Arbeitsvertrag steht“, wie Dittrich hervorhob.
Gleiches gilt für Hedi Hasenklever, betonte Dittrich. Alle anderen sind tatsächlich rein ehrenamtlich tätig. So wie Marie-Luise Pauly: „Sie kümmert sich um Haus und Hof, als wäre es ihr eigenes Zuhause“, lobte Dittrich.
Neu im Team der Helfer sind Frau Wypich und Claus Ramm. „Beide haben sich nach dem Aufruf in der TZ gemeldet, als es darum ging, dass wir dringend ehrenamtliche Helfer suchen“, erinnerte Dittrich. Bekanntlich musste wegen fehlender Kräfte – viele der Helfer gehören der älteren Generation an – schon der Aulofenmarkt aus dem Veranstaltungskalender gestrichen werden. „Da zeigte sich die Überlastung“, sagte Dittrich.

Oft an die Grenzen

„2700 der über 4000 Stunden leistete der geschäftsführende Vorstand, bei dem ich mich für die gute Zusammenarbeit bedanke, vor allem bei Ute Desch und Jürgen Hansen“, betonte Dittrich. „Ich weiß, dass es hier oft an die Leistungsgrenze geht und das nicht nur vor großen Veranstaltungen.“ Vielfältig sind die Aufgaben: „Da fallen zunächst viele organisatorische Aufgaben an, wie das Einteilen der Museumsaufsicht.“
„Arbeitsintensiv“, so Dittrich, "sind unsere Märkte. Hier ist vor allem Ute Desch in ihrem Element. Sie sucht stets nach neuen Ausstellern, damit unsere Märkte auch attraktiv sind und bleiben.“
Dafür, dass bei den Märkten alles reibungslos klappt, gibt es ein eingespieltes 40-köpfiges Team, das auf- und abbaut und Thekendienst übernimmt“, erklärte sie. Letzteres ein bereich, der nicht zu unterschätzen sei: „Gerade unsere Essensstände bilden die finanzielle Säule des Vereins“, meinte Dittrich, die selbst übrigens auch ein dickes Lob gespendet bekam: Ute Desch nannte sie den „Motor des Museums“.
Die Einnahmen setzt das Museumsteam wieder ein, gestaltet Abteilungen um und renoviert. „Vor allem aber organisieren wir Ausstellungen, drei im Jahr, was für ein ehrenamtliches Heimatmuseum eine ganze Menge ist“, sagte Dittrich. „Wenn für unsere Sonderausstellung etwas gebaut werden muss, wenden wir uns an Otmar Gellner, unseren Baumeister“, so Dittrich. Unterstützt wird er von Bernhard Föller.
Aber auch die klassische Dauerausstellung will gepflegt werden: „So sind wir dabei, den gesamten Bestand wissenschaftlich zu inventarisieren“, berichtete Dittrich. Auch dabei bekommt sie Hilfe von einer Ehrenamtlichen: Regine Halm-Faß. „Im vergangenen Jahr war der Zuwachs durch einige Nachlässe besonders groß, mehr als 600 Neuzugänge verzeichnete unser Zugangsbuch“, weiß Dittrich. Insgesamt sind derzeit übrigens 10 000 Objekte ausgestellt.

Schätze des Museums

Auch die Führungen bieten ehrenamtlich Engagierte an: „Michael Walke zeigt unsere Schätze im Museum, Friedrich Wilhelm Jeckel macht die Spaziergänge durchs Ort.“ Eine Erfolgsgeschichte ist das Museumsprogramm für den Nachwuchs: „Dabei helfen Barbara Kuhn und Renate Beuss“, hob Dittrich hervor. „Seit einigen Jahren organisieren wir ja auch Kindergeburtstage, Ulrike Brossog führt da die Regie. Im vergangenen Jahr waren es 54 Geburtstagspartys, die wir hier gefeiert haben.“
So komme nicht nur Geld in die Museumskasse: „Wir haben auch noch jede Menge junger Besucher: Inzwischen sind rund ein Drittel unserer Besucher Kinder. Statistisch gesehen kommen pro Jahr 1000 Mädchen und Jungen im Alter von 3 bis 10 Jahren ins Heimatmuseum.“ Wer Lust hat, ehrenamtlich mitzumachen, kann sich bei Erika Dittrich melden unter (06007) 91 86 28.

 

Frankfurter Rundschau, 20. August 2013

 

Nudelgäns und Hundekot

 

Neue Ausstellung im Heimatmuseum dokumentiert die reiche Wirtschaftsgeschichte der Hugenottenstadt

 

Von Olaf Velte

 


Vor nicht allzu langer Zeit hing er noch über dem Besuchereingang des aus dem Stadtbild verschwundenen Werksgebäudes – jetzt hat der in Blech gestanzte Schriftzug „milupa“ eine neue Heimat in Seulberg gefunden. Hier sind auch der letzte in der Firma Willi Usinger gefertigte Damenhut und das nagelneue Lenkrad der Mercedes S-Klasse mit „selbstheilender Oberfläche“ zu bestaunen.
Eine wirre Kombination? Mitnichten. Bei den so verschiedenen Objekten handelt es sich um Einzelstücke der neuen Ausstellung „Echt original Friedrichsdorfer“, in der die über 200-jährige Wirtschaftsgeschichte des Ortes anschaulich gemacht wird. Stadtarchivarin Erika Dittrich sieht die Präsentation als Fortsetzung des 2012er Themas „325 Jahre Friedrichsdorf“ und in engem Zusammenhang mit der unlängst erschienenen Publikation zur vormaligen „Rue principale“ (der heutigen Hugenottenstraße).
Es ist eine lohnende und spannende Auseinandersetzung geworden. In dem Taunussstädtchen mit seinem modernen Dienstleistungs-Profil erinnert nur noch wenig an jene Epoche, in der die Schornsteine rauchten und die Werkstätigen zu Hunderten den Arbeitsstätten zuströmten.

Nach zwei Jahrhunderten Backtradition hat nur das Unternehmen Praum überlebt

Waren die ersten Ansiedler Kleinhandwerker wie Gerber, Hutmacher oder Färber, entwickelte sich später eine ungeheure Dynamik. Im Museum ist dokumentiert, was Unternehmergeist und vorausschauender Mut bewirkten.
Eine große Abteilung ist der Zwieback-Herstellung gewidmet. Kaum überschaubar die branchenweit wirkenden Betriebe. Wegen Vererbungen und Übernahmen kam es hier zu verwirrenden Verhältnissen. 1788 brachte Christoph Stemler das Wissen um den Zwieback von seinen Fahrten auf holländischen Kriegsschiffen mit. Das Anheizen des Backofens auf dem Gelände des heutigen Rathauses revolutionierte schließlich das Friedrichsdorfer Gewerbeleben. Ab 1803 durfte die Spezialität ausgeführt werden und fand weltweit begeisterte Abnehmer.
So warb die von dem Wehrheimer Bäcker Johann Friedrich begründete Pauly-Dynastie mit dem Titel „Hoflieferant seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen“. Mit Taunus-Zwieback wurde das Hotel Adlon in Berlin ebenso beliefert wie Speisewagen-Betreiber Mitropa und Bundeskanzler Konrad Adenauer.
Nach zwei Jahrhunderten hat nur das in der vierten Generation arbeitende Unternehmen Praum überlebt – sich aber mittlerweile in Neu-Anspach angesiedelt. In der Ausstellung ist das Schmuckdosen- und Verpackungs-Sortiment der Bäckereien zu sehen. Es ist zugleich eine Reise durch die Frühzeit deutscher Reklame-Gewitztheit.
Als das Marketing-Genie schlechthin muss Theodor Haller gesehen werden. Der hier eingeheiratete Schwabe baute ab 1892 ein Nudel-Imperium auf, das allein 216 verschiedene Bandnudeln in den Handel brachte. Auf einigen der historischen Fotografien – die derzeit im Friedrichsdorfer Rathaus präsentiert werden – sind die „Nudelgäns“ zu sehen: Frauen und Mädchen, die als Hilfskräfte beschäftigt waren und aus dem ganzen Umland kamen.
In den achtzig Jahren ihres Bestehens war die Firma berühmt für ihre Werbung: Eigene Grafiker schufen markante Motive, früh schon wurden Radio und Fernsehen genutzt.

Neben dem Nahrungsmittel-Gewerbe florierte auch die Leder-Produktion. Was heute undenkbar scheint, war alltäglich: Hundekot – womit das Leder gebeizt wurde – „wird laufend zu höchsten Tagespreisen zu kaufen gesucht“, so eine Annonce. Die Ausstellung spannt den Bogen bis zu den heutigen Unternehmen Peiker, Rühl, Arnold oder Profil. Noch immer besteht die Firma Garnier, die sich auf Leder-Accessoires spezialisiert hat. Dass der Papst eine Mitra mit hugenottischem Schweißband trägt, ist ein Treppenwitz der Geschichte.


Die Ausstellung

 

Die Sonderausstellung „Echt original Friedrichsdorfer“ kann bis zum 21. Dezember besucht werden. Das Museum Seulberg, Alt Seulberg 46, ist mittwochs und donnerstags von 9 bis 12 Uhr sowie sonntags zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet.

Sonderführungen sind möglich. Weitere Informationen unter www.heimatmuseum-seulberg.de.

Im Rathaus von Friedrichsdorf, Hugenottenstraße 55, ist die zugehörige Fotopräsentation „Arbeiten in der Stadt der 100 Schlote“ bis zum 11. Oktober zu sehen. Geöffnet ist das Obere Foyer zu den üblichen Dienstzeiten. OV

 

Friedrichsdorfer Woche, 15. August 2013

 

Von Zwieback und Glas über Dachplatten zu High Tech

 

Friedrichsdorf (jam). „Zwieback, das war Friedrichsdorf”, sagte Bürgermeister Horst Burghardt und erinnerte daran, dass das Gebäck aus der Taunusstadt eine Zeit lang weltweit in aller Munde war. „Der Zwieback hat der Stadt Ruhm und Erfolg gebracht.“ Dass es in den vergangenen 200 Jahren jedoch viel mehr Wirtschaftszweige gab, die sich in Friedrichsdorf ausgesprochen erfolgreich entwickelten oder dies noch immer tun, das zeigt die nach einem Werbespruch für Zwieback benannte Ausstellung „Echt original Friedrichsdorfer“, die am Sonntag im Seulberger Heimatmuseum eröffnet wurde. Anhand von Fotos und einer Vielzahl von Exponaten wird die rasante Veränderung in Gewerbe, Handel und auch bei der Vermarktung seit dem frühen 19. Jahrhundert aufgezeigt. „Die Wirtschaftsgeschichte Friedrichsdorfs ist hochspannend und bietet immer wieder Überraschungen“, sagte Burghardt, der gemeinsam mit Dr. Erika Dittrich, Stadtarchivarin und Vorsitzende des Vereins für Geschichte und Heimatkunde, die Ausstellung eröffnete.
Hugenotten schufen zwar die wirtschaftliche Basis, dann aber waren es zumeist zugezogene Deutsche, die im industriellen Maßstab produzierten. Nicht von ungefähr haftete Friedrichsdorf um 1900 das Etikett „Stadt der 100 Schlote“ an. „Und man war stolz darauf“, betonte Dittrich. In alle Herren Länder wurde von Friedrichsdorf aus der Zwieback der Bäcker Stemler, Pauly, Bruder und Praum verschickt. „Sogar Kanzler Adenauer aß Zwieback aus Friedrichsdorf“, informierte Dittrich. Und im Berliner Hotel „Adlon“ wurde das Gebäck, einzeln in kleine Tüten verpackt, zum Frühstück gereicht. Da der Zwieback in größeren Mengen zu wertvoll für die Tüte war, wurde er in hübsche Schmuckdosen verpackt. Eine ganze Reihe davon sind im Museum zu sehen. „Schützen musste man sich vor Produktpiraten“, so Burghardt. „Heute sind es die Chinesen, damals waren es die Bad Homburger“, die Friedrichsdorfer Zwieback anboten.
Für Qualität stand auch der Nudelhersteller Haller, der stolz mit seinem Herkunftsort warb. Wie in der Nahrungsindustrie üblich wurden vor allem Frauen und Mädchn als Hilfskräfte und Packerinnen beschäftigt, von den Friedrichsdorfern „Nudelgäns“ genannt. Um 1916 waren bei Haller „130 Arbeiter, 30 Beamte und Reisende und etwa 150 Vertreter an allen größeren Plätzen Deutschlands beschäftigt“. Gleich neben den Produkten von Haller finden Besucher der Ausstellung Produkte von Milupa, ein Unternehmen, das lange Zeit die Stadt prägte.

Traditionell blieben im 19. Jahrhundert nur noch die Hutmacherei sowie das Gerben in hugenottischer Hand. Namentlich war es Daniel Rousselet, der leichte Seidenhüte und später Haarfilzhüte produzierte. Weitere Hutmacher kamen mit Meyer, Schneider und Usinger hinzu. Sogar der weltweit exportierte „Homburger“ stammte eigentlich aus Friedrichsdorf. Im Heimatmuseum sind jedoch nicht nur verschiedenste Hüte, sondern auch Hutformen aus Holz, Rohlinge, Bürsten, Walkbretter, Hutfedern und Druckstücke zu sehen.

Weiter führt die Ausstellung in der erfolgreichen Wirtschaftsgeschichte zu den Tettauer Glaswerken, die 1991 im Glas-Konzern Gerresheimer aufgingen und an die heute nur noch der Name des Wohngebietes „Waldkristall“ erinnert. Das Unternehmen produzierte Glasbehälter für die pharmazeutische, chemische, kosmetische sowie für die Nahrungsmittelindustrie. Heilerde der Firma Luvos hat ebenso einen Platz in der Glasvitrine gefunden wie Schnüre, Bordüren und Quasten der Friedrichsdorfer Posamenten GmbH. Das erste Erfolgsprodukt der Rühl AG, das Backpulver und Polyurethan-Produkten präsentiert, die das Unternehmen bekannt machten. Zu sehen ist außerdem das neueste Lenkrad der Mercedes S-Klasse, das eine spezielle Oberflächenversiegelung hat.
Über Mikros, Autotelefone und Navigationsgeräte von Peiker acustic führt der Weg der Wirtschaftsgeschichte zum Köpperner Dachplattenhersteller Braas, der einst mit dem Spruch: „Köpperner Dachplatten. Formschön, billig, dauerhaft“ warb, hin zur Arnold AG und zur Firma Profil, europaweit einer der wichtigsten Zulieferer für den Fahrzeugbau.


Die Ausstellung „Echt original Friedrichsdorfer“ ist bis zum 21. Dezember zu den Öffnungszeiten des Seulberger Heimatmuseums zu sehen. Führungen werden am Montag, 23. September, von 19 Uhr an, am Dienstag, 15. Oktober von 18 Uhr an, am Donnerstag, 28. November, von 18 Uhr an sowie am Freitag, 13. Dezember, von 18 Uhr an angeboten. Nach Voranmeldung werden auch Gruppen durch die Ausstellung geführt. Das Museum ist unter Tel. 06007-918628 zu errreichen. Weitere Infos unter www.heimatmuseum-seulberg.de.

 

Taunus Zeitung, 10. August 2013

 

Made in Friedrichsdorf

 

Heimatmuseum spannt Bogen von Hugenotten zum Taunus Carré

“Echt original Friedrichsdorf“ heißt die neue Ausstellung im Heimatmuseum, die am Sonntag eröffnet wird. Im Fokus steht 200 Jahre Wirtschaftsgeschichte im Wandel. Von Katja Schuricht

Seulberg.Friedrich ist ein Gentleman: Selbstverständlich trägt er beim Einkaufsbummel mit seiner Frau Friederike die Pakete. Friedrich und Friederike waren früher echte Werbestars. Die beiden sind das drollige Nudelpärchen aus der Markenwelt der Nudelfabrik Haller. Das ist nur eine von zahlreichen Erfolgsgeschichten „Made in Friedrichsdorf“. Die Friedrichsdorfer Wirtschaftswunder der vergangenen 200 Jahre ist das Thema der neuen Sonderausstellung „Echt original Friedrichsdorfer – eine 200-jährige Erfolgsgeschichte“, die morgen um 15 Uhr im Heimatmuseum eröffnet wird.

Parallel dazu gibt es eine ergänzende Fotoschau im Rathaus: Schwarzweiß-Fotografien zeigen Motive der früheren Arbeitsverhältnisse in den Friedrichsdorfer Fabriken und Werkstätten. Beide Ausstellungen hat Stadtarchivarin Dr. Erika Dittrich zusammengestellt.

Das Nudelpärchen ist nur einer von vielen erfolgreichen Marketing-Schachzügen des Unternehmers Theodor Haller: „Er hatte schon früh erkannt, welche große Rolle die Vermarktung spielt“, erläutert Dittrich. Haller beschäftigte neben 130 Arbeitern, 30 Beamte und 150 Vertreter, die er mit Musterkoffer ausgestattet, durchs Land schickte. Original Koffer, Preislisten, Sammelbilder und Nudelverpackungen hat Dittrich in den Vitrinen dekoriert.

Holländischer Hofliferant

Aus dem Archiv hat die Kuratorin auch unzählige Zwieback-Dosen hervorgeholt. Die kunstvollen Weißblechbehälter, in denen das Gebäck versandt wurde, erzählen von dem Produkt, mit dem Friedrichsdorf im 19. Jahrhundert Weltruhm erlangte. „Diese Behältnisse schmückten Abbildungen jener Trophäen, die man bei verschiedenen Ehrungen errungen hatte“, erzählt Dittrich. Diese konnten sich sehen lassen.
„Auf der Weltausstellung im amerikanischen St. Louis gewann Philipp Bernhard 1804 die Goldmedaille. Und der Zwiebackfabrikant durfte seine Dosen auch mit einem königlichen Wappen schmücken – er war Hoflieferant der holländischen Königinmutter.“
Bei ihrem Rundgang tauchen die Besucher ein in die vielfältige Industriegeschichte der Stadt. „Wir spannen den Bogen weiter von der Ausstellung im vergangenen Jahr zum 325-jährigen Bestehen unserer Stadt“, berichtet die Stadtarchivarin. „Die Ausstellung endete mit der Entstehung der ersten Zwiebackfabriken. Daran knüpfen wir jetzt an und enden aktuell beim Taunus-Carré: Mit der Eröffnung des Einkaufszentrums hat das Erwerbsleben eine neue Qualität erreicht“, wie Dittrich betont. „Es steht für den Wandel vom Handwerk über die industrielle Fertigung zum Dienstleistungsort“.

Hüte und Glas

Wo man jetzt in Ladenstraßen flaniert, standen die Fabrikhallen des Herstellers für Kindernahrung, „milupa“. „Noch früher lagen dort Grundstücke der aus Frankreich gekommenen protestantischen Hugenotten“, erinnert Dittrich. „Wir haben auch das am längsten im heutigen Stadtgebiet arbeitende Unternehmen nicht vergessen: Seit 1899 baut das als Genossenschaft gegründete und heute zum mexikanischen Baukonzern Cemex gehörenden Taunus-Quarzit-Werk den als Zuschlagstoff begehrten Quarzit ab.“ Die Seulberger Ausstellung blickt nicht zuletzt auf verschwundene Gewerbezweige zurück, etwas Posamenten (Bordüren, Hüte), Dachplatten (Braas) und Industrieglad (Tettauer).


Die Ausstellung im Heimatmuseum Seulberg eröffnet Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) morgen um 15 Uhr. Zu sehen ist die Schau bis zum 21. Dezember. Die Öffnungszeiten sind mittwochs und donnerstags von 9 bis 12 sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Fotoausstellung im Rathaus „Arbeiten in der Stadt der 100 Schlote“ läuft bis 11. Oktober und ist während der Dienstzeiten zu besichtigen. Eröffnung ist kommenden Mittwoch um 18.30 Uhr.

 

Friedrichsdorfer Woche, 08. August 2013

 

„Echt original Friedrichsdorfer“ – eine 200-jährige Geschichte

 


Friedrichsdorf (fw). Mit Eröffnung des Einkaufszentrums „Taunus-Carré“ im Juli erreichte das Erwerbsleben von Friedrichsdorf eine neue Qualität. Es steht für den Wandel vom Handwerk über die industrielle Fertigung zum Dienstleistungsort. Wo man jetzt in Ladenstraßen flaniert, standen die Fabrikhallen des Herstellers für Kindernahrung, „milupa“, und noch früher lagen dort Grundstücke der ersten Siedler, den seit 1687 aus Frankreich gekommenen protestantischen Glaubensflüchtlingen, den „Hugenotten“.
Die nach einem Werbespruch für Zwieback benannte Sonderausstellung „Echt original Friedrichsdorfer“ im Heimatmuseum Seulberg blickt auf die rasante Veränderung in Gewerbe, Handel und auch bei der Vermarktung seit dem frühen 19. Jahrhundert zurück. Hugenotten schufen zwar mit ihrem Können in der Textil- und Lederverarbeitung die wirtschaftliche Basis, dann aber waren es zumeist zugezogene Deutsche, die im industriellen Maßstab produzierten. Nicht von ungefähr haftete Friedrichsdorf um 1900 das Etikett „Stadt der 100 Schlote“ an.

Am erfolgreichsten entwickelten sich verschiedene Nahrungsmittelsparten, beginnend mit Zwieback. Hier gilt das Jahr 1803 als Stichtag, da das Gebäck erstmals über die Stadtgrenzen hinaus verkauft werden durfte und dank verfeinerter Rezeptur rasch zu einer begehrten, selbst an den europäischen Höfen geschätzten Spezialität aufstieg. Die Seulberger Ausstellung versammelt zahlreiche jener kunstvollen Blechdosen, mit denen der Zwieback versandt wurde. Damit hatte man sich auf ein frühes Marketing verstanden: Erst die hübsche Verpackung veredelt das Produkt.
Mehrere, teilweise heute noch produzierende Großbäcker wie Stemler, Bruder, Pauly oder Praum trugen den Namen von Friedrichsdorf in die Welt. Vom guten Ruf profitierte wiederum der Nudelhersteller „Haller“, der stolz mit seinem Herkunftsort warb. Von einem Fünf-Mann-Betrieb war das 1892 durch den Schwaben Theodor Haller erworbene Unternehmen zu einem der größten Hartweizen-Hersteller Deutschlands aufgestiegen. Haller leistete sich 1905 ein heute noch bestehenden Anwesen im repräsentativen Landhausstil und inverstierte kräftig in neue Produktionsstätten, gipfelnd in dem 1910 errichteten Fabrikgebäude mit 9000 Quadratmetern Fläche. Haller wie seine Nachfolger verfolgten eine sehr modern anmutende Marketingstrategie, bei der vom Vertreter-Musterkoffer über Werbebildchen bis zu den als Sympathieträger angelegten „Nudelfiguren“ Friederike und Friedrich nichts dem Zufall überlassen blieb. Mit der Übernahme durch den Konkurrenten „Birkel“ 1973 endete die Produktion in Friedrichsdorf. Aus kleinen, regionalen Anfängen ging auch der Hersteller von Kinder- und Säuglingsnahrung „Milupa“ hervor. Sein Gründervater Emil Louis Pauly (1875 bis 1938), ein Enkel des Stammvaters der Pauly-Zwieback-Dynastie und aus dessen Namen sich das Kunstwort „Milupa“ zusammensetzte, traf mit seiner „Nährspeise“ in den Zwanzigerjahren den Geschmack der Zeit. Neue Eigner wussten darauf aufzubauen und schufen einen der bedeutendsten Produzenten von Diät- und Fertignahrung.

Als holländische Investoren nach 1995 die Produktion an osteuropäische Standorte verlagerten, hatte Friedrichsdorf längst den Wandel zu hochwertigen Erzeugnissen vollzogen. Wo 1860 das Telefon erfunden wurde, siedelte sich 1992 der Spezialist für akustische Systeme Peiker an. Rund 900 Mitarbeiter produzieren für führende Automobilhersteller wie BMW, Mercedes oder Chrysler. Weitere in Seulberg vorgestellte Firmen sind der Fachbetrieb für hochwertige Metallarbeiten, Arnold AG, der Löschmittelproduzent und Chemiezulieferer Rühl AG, und Colortronic, dessen größter Kunde die Marken Lego und Playmobil sind, das Unternehmen für Verbindungstechnik, Profil, sowie der Hersteller von Heilerde, Luvos. Vergessen wird auch nicht das jetzt am längsten im heutigen Stadtgebiet von Friedrichsdorf arbeitende Unternehmen: Seit 1899 baut das ursprünglich als Genossenschaft gegründete und heute zum mexikanischen Baukonzern „Cemex“ gehörende Taunus-Quarzit-Werk (TQW) den als Zuschlagstoff begehrten Quarzit ab. Die Seulberger Ausstellung blickt auch auf längst verschwundene Gewerbezweige zurück, etwas Posamenten, Hüte, Dachplatten (Braas) und Industrieglas (Tettauer). Auch an ihre Glanzzeiten erinnert eine ergänzende Fotoschau im Friedrichsdorfer Rathaus. Zahlreiche Schwarzweiß-Fotografien aus dem Stadtarchiv zeigen die früheren Arbeitsverhältnisse in den Fabriken und Werkstätten.


Die Sonderausstellung „Echt original Friedrichsdorfer“ im Heimatmuseum Seulber, Alt Seulberg 46, läuft bis 21. Dezember. Bürgermeister Horst Burghardt eröffnet sie am Sonntag, 11. August, um 15 Uhr. Das Museum öffnet mittwochs und donnerstags 9 bis 12 sowie sonntags 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Sonderführungen und thematisch abgestimmte Programme für Kinder bilden das Rahmenprogramm (im Internet aufrufbar: www.heimatmuseum-seulberg.de).

Die Fotoausstellung im Rathaus „Arbeiten in der Stadt der 100 Schlote“ läuft bis 11. Oktober und ist während der Dienstzeiten zu besichtigen. Die Eröffnung erfolgt am Mittwoch 14. August, um 18.30 Uhr.

 

Taunus Zeitung, 21. Mai 2013

 

Römer, Räuber und Hexen

 


Seulberg. Eine Führung durch das Heimatmuseum Seulberg ist nicht wie jede andere Museumsführung. Statt langweiliger Jahreszahlen und trockenen Fakten erzählt Michael Walke während des Rundgangs lieber lustige Anekdoten und kleine Geschichten aus der Vergangenheit Seulbergs. Nicht immer war diese allerdings spaßig. Auch von einem der wohl dunkelsten Kapitel, der Hexenverfolgung, wird eindrucksvoll berichtet. Über drei Etagen erstreckt sich das schmucke Museum in dem alten Rathaus. Nach Töpfer- und Schusterwerkstatt, Schule, Landwirtschaft und noch einigen weiteren Abteilungen endet die Führung in der wohl gemütlichsten Abteilung des Museums: in der Wirtsstube. Bei einem Schoppen Apfelwein und Brezel klingt in gemütlicher Atmosphäre der Abend aus.

Die nächste Führung durch das Heimatmuseum Seulberg (Alt Seulber 46) steigt am 22. Mai um 18 Uhr. Es wird ein Teilnehmerbeitrag von 3 Euro erhoben. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen erteilt gerne Dr. Erika Dittrich unter der Telefonnummer (06007) 918628 oder per E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de.

 

Taunus Zeitung, 14. Mai 2013

 

Das Geheimnis der Töpfer

 

 

Premiere: Die 11 Jahre alte Josephine führt Kinder durchs Heimatmuseum – und ein Film handelt von Anekdoten aus dem Ort

 


Unter dem Motto „Vergangenheit erinnern – Zukunft gestalten“ feierte das Heimatmuseum Seulberg am Sonntag den 36. Internationalen Museumstag.
Von: Gabriele Calvo Henning


Seulberg.
Die Sellwicher (Seulberger) Mundart stand beim Museumstag im Heimatmuseum im Mittelpunkt. Zudem gab es Töpfer- und Bastelangebote und einem fotografischen Spaziergang durchs alte Seulberg. „Unser Heimatmuseum ist nicht nur ein Ort, an dem Altes aufbewahrt und gezeigt wird. Es ist auch ein Haus, in dem sich die Generationen begegnen können“, so Dr. Erika Dittrich, Vorsitzende des Museums-Trägervereins und Stadtarchivarin. Gleich drei Premieren kündigte sie an: einen Film mit Anekdoten in Sellwicher Mundart, eine mundartliche Museumsführung und eine Führung von Kindern für Kinder. Ein kleines bisschen aufgeregt, aber sehr selbstbewusst begrüßte die 11 Jahre alte Josephine Roßkamp die jungen Zuhörer und deren Eltern. Fachkundig, flott und schnörkellos erklärte die Schülerin aus Burgholzhausen die Anfänge Seulbergs und die Zeit der Römer. Sie gab Einblicke ins Schulleben und den Arbeitsalltag der Bauern.


Von der Eselsbrücke


Auch einen Trick der hiesigen Töpfer verriet sie: „Die haben, kurz bevor alles fertig gebrannt war, trockenes Laub in den Ofen geworfen. Der Qualm hat die Töpfe und Krüge wasserdicht gemacht. So hat man sich das teuere Glasieren gespart – deswegen wurden die Seulberger reich.“ Lang, lang ist’s her. „Josephine kennt das Museum fast besser als ich“, lacht Dr. Erika Dittrich, Kunststück, denn seit die junge Dame vier Jahre alt war, war sie regelmäßig bei den Bastel- und Aktionsnachmittagen für Kinder dabei. Spaß machte den Besuchern auch die Filmpremiere: Kleine Geschichten aus dem Dorf, die der „Schwätzkreis“, eine Gruppe älterer Seulberger, zusammengetragen har, wurden aufgezeichnet und zusammen mit historischen Fotografien von der Studentin Malvina Schunk zu einem Film zusammengefügt. Entstanden ist ein kleines filmisches Dokument, in dem beispielsweise vom Bau der Eselsbrücke, dem gemeinschaftlichen „Querschekerne“ (Zwetschgenentkernen) und der Kartoffelernte erzählt wird. Wer den Film am Sonntag verpasst hat, der kann ihn bald jederzeit im Museum über einen großen Monitor, der noch in diesem Sommer fest installiert werden soll, abrufen.


10 000 Besucher pro Jahr


Launig war eine erstmalig in Mundart gehaltene Museumsführung. Geleitet wurde sie vom Seulberger Heimatforscher Friedrich Wilhelm Jeckel, der seit Jahren Ortsführungen anbietet – sonst aber auf Hochdeutsch. Das Museum werde immer beliebter, berichtete Dr. Erika Dittrich. „Rund 10 000 Menschen kommen pro Jahr zu unseren Ausstellungen und Festen. Außerdem haben wir eine deutlich steigende Nachfrage bei unseren Orts- und Museumsführungen. Unsere Kindergeburtstage werden immer beliebter. Im vorigen Jahr waren es 53, Tendenz steigend.“ Darüber freute sich auch Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne): „Wir haben in Seulberg ein sehr schönes Heimatmuseum, auf das wir stolz sind.“ Zugleich befände man sich in einer schwierigen Lage: Der Museumsbetrieb erfordere einen großen Einsatz der Vereinsmitglieder. Die aber werden immer älter, gleichzeitig fehle der aktive Nachwuchs. Angesichts der angespannten finanziellen Situation könne die Stadt hier nur begrenzt helfen. Eine auf zwei Jahre befristete Volontärsstelle solle das Museum demnächst entlasten. Bis jetzt, so der Bürgermeister, seien rund 140 Bewerbungen für die Stelle eingegangen. Das Bewerbungsverfahren läuft. Für die junge Museumsführerin Josephine Roßkamp kommt es ein bisschen zu früh. Aber nach ihrer gelungenen Premiere kann sich die junge Dame gut vorstellen, öfter mal Führungen für Kinder zu machen.

 

Taunus Zeitung, 10. Mai 2013

Historische Fotos, Führung in Mundart und TöpfereiInternationaler Museumstag im Heimatmuseum Seulberg: Am Sonntag gibt es dort gratis Kultur und Geschichte.


Seulberg.
„Vergangenheit erinnern - Zukunft gestalten. Museen machen mit!“, unter diesem Motto steht der Internationale Museumstag, der seit 36 Jahren gefeiert wird. Das Heimatmuseum Seulberg nimmt teil: Am Sonntag von 14 bis 18 Uhr läuft dort ein buntes Programm für Groß und Klein. Zur Eröffnung sprechen Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) und Dr. Erika Dittrich, Vorsitzende des Museumsvereins, über die kulturelle Bedeutung des größten Heimatmuseums im Taunus. Mit seinen vielfältigen Veranstaltungen lockt es jährlich rund 10 000 Besucher an.

Schwätzkreis

Bereits seit Jahren trifft sich in der Museumsklause der „Schwätzkreis“, um einen vom Aussterben bedrohten Dialekt zu wahren. Einige der dort erzählten Anekdoten hat die Studentin Malvina Schunk aufgenommen und mit historischen Fotos bebildert. Diese Streifen werden nun erstmals öffentlich vorgestellt. Wer selbst aktiv werden möchte, kann sich im Töpfern versuchen. Denn bis in das 19. Jahrhundert war Seulberg als Töpferdorf bekannt. Von 15 Uhr an entführen historische Fotos aus dem alten Seulberg in längst vergangene Zeiten, als die „Gudd’ Stubb“ (gute Stube) nur selten geheizt wurde, und man seinen Schoppen in einem der vielen Gasthäuser trank. Um 17 Uhr folgt die Mundart-Führung von Friedrich-Wilhelm Jeckel. Und der kecke Museumskobold Sulinchen bastelt mit den Kindern. Erstmals wird zudem um 15 Uhr die seit Jahren dem Haus verbundene Schülerin Josefine Roßkamp unter der Devise „Kinder führen Kinder“ das Museum zeigen. Und in der Klause gibt es Radonekuchen, Äbbelwoitorte, Ribbelkuche und Waffeln. Der Eintritt ist frei.

Weitere Infos zum Internationalen Museumstag sind unter www.heimatmuseum-seulberg.deright-btn abrufbar. Auskünfte erteilt auch gerne Dr. Erika Dittrich unter der Telefonnummer (0 60 07) 91 86 28 oder per E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de.

 

Taunus Zeitung 18. März 2013

Osterbrot und Drechsel-Eier
Im Seulberger Heimatmuseum drehte sich alles ums reich verzierte Oval
Rund 35 Aussteller lockten beim 26. Ostermarkt im Heimatmuseum mehrere hundert Besucher mit altbewährter und ausgefallener Handwerkskunst an.

Von Olivera Gligoric-Fürer

Seulberg.

"Das rote Ei hat eine lange Tradition", erklärte Rudi Balschun. In seiner kräftigen Hand hielt er ein zartes ausgeblasenes Hühnerei. Gerade hatte er mit einem Diamantschleifer die Eierschale behutsam bearbeitet. Auf einem Zettel konnte der Ostermarkt-Besucher im Heimatmuseum nachlesen, was es mit diesem roten Ei auf sich hat: In China wurde ein rotes Ei zur Geburt eines Sohnes verschenkt, in Ägypten wurde es Gräbern beigelegt und in Griechenland werden die Eier nach wie vor am "Roten Donnerstag", dem Tag vor Karfreitag, rot gefärbt. Am Sonntag trotzten rund 35 Aussteller beim 26. Ostermarkt im Heimatmuseum dem erneuten Wintereinbruch: Dort gab es farbenfrohe Ostereier, frühlingshafte Blumengestecke, feine Stickereien und ausgefallene Drechselarbeiten.

 

"Meine rote Farbe kommt auch aus Griechenland", fügte Balschun hinzu, der noch Wachs-Eier, Hühnereier mit sorbischen Stick-Mustern und filigran gefräste Straußeneier im Angebot hatte. Bereits gut eine Stunde nach der Eröffnung, zählte Armin Pauly rund 250 Besucher.

Zwar seien einige Aussteller wegen Krankheit und schlechten Wetters ausgefallen, bedauerte Ute Desch, stellvertretende Vorsitzende des Vereins für Geschichte und Heimatkunde und Verantwortliche für die Märkte im Heimatmuseum, doch fiel das aufgrund des regen Betriebs kaum auf. Kurzzeitig habe auch die traditionelle Waffelproduktion auf der Kippe gestanden: "Das Ehepaar Pfaffenbach ist erkrankt", erklärte Desch. Doch kurzfristig sei Konditorlehrling Alice Walter eingesprungen, lobte Desch. Die künftige Konditorin durfte den Waffelteig in den Morgenstunden in ihrer Lehrbäckerei "Rolfs Backstubb" anrühren.


Große Herzen

Desch hat jedes Jahr einen Blick dafür, dass sich auf dem traditionellen Ostermarkt neben Altbewährtem auch immer wieder ein Plätzchen für etwas Neues findet. So fehlte das Osterbrot natürlich nicht. Aber trotzdem hatte Heinz Küpper ein Plätzchen für seine ausgefallenen Drechselarbeiten gefunden: Beispielsweise Eier aus Banksia-Zapfen (eine australische Kiefernart).

Lieselotte Pfeil, die die Eier so zart betupft und bestrichelt, dass sie hinterher wirken, als sei feine Stickerei um sie herumgelegt, stellt auf dem Seulberger Ostermarkt schon seit vielen Jahren aus. Die Papierkünstlerin Gabi Hopp-Niche und Gabriele Grimm, die Kissen, große Herzen und Schürzen aus Stoff fertigt, waren zum ersten Mal und mit großer Begeisterung dabei.

Und der Nachwuchs durfte sich ebenfalls kreativ austoben: Unter der Regie von Holzkünstler Matthias Schmidt fertigten sie Osterhäschen mit Puschelschwänzchen aus Erlenzäpfchen an: "Ich möchte die Fantasie der Kinder anregen", erklärte er. Er wolle, dass die Kinder offenen Blickes durch die Natur gingen und für sich selbst entdeckten, was mit Naturprodukten gebastelt werden könne. Und Anna-Sophia Fischer fertigte mit den jungen Besuchern dekorative Sträußchen.


Fehlende Helfer

Ein rundum traditioneller Ostermarkt, der so wunderbar zeitentrückt wirkt, in lauschiger Atmosphäre und reizendem Ambiente. Zum Glück gab es ihn wieder, trotz knapper Kassen und fehlender Helfer. "Es ist wie es ist", sagte Ute Desch stirnrunzelnd und freute sich trotzdem über den gelungenen Tag.

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung 2. März 2013

Weihnachtsmann auf dünner Schale
Eierausstellung im Heimatmuseum Seulberg /Dem Trägerverein fehlen Helfer

bie. FRIEDRICHSDORF. Dass sich Eier schon wegen der ihnen eigenen Zerbrechlichkeit als Objekte künstlerischer
oder volkstümlicher Gestaltung anbieten, kann man verstehen. Daher sind die Motive,
mit denen die Eier in der aktuellen Sonderausstellung des Heimatmuseums Seulberg
verziert sind, nicht auf österliche Themen beschränkt. Zumal manche aus Erdteilen
stammen, in denen die christliche Religion eine untergeordnete Rolle spielt.
Wenn sich aber ein Weihnachtsmann auf der Eierschale findet, ist das eindeutig als
bewusste ironische Brechung zu verstehen. Insofern passt die Schau „Ei, wo
kommst Du denn her?“ natürlich in die jetzige Zeit, an deren Ende das Osterfest
steht. Der Untertitel „Eier aus aller Welt“ ist ein Hinweis auf die Vielfalt, die über
hiesige Osterbräuche hinausweist.

Grundlage der Ausstellung ist die Sammlung von Christine Klostermann aus Dieburg, die über 50 Jahre hinweg auf
ihren Reisen Eier aus 33 Ländern zusammengetragen hat. Schon die Basis ist deshalb
vielfältig und reicht vom Ei der afrikanischen Riesenschnecke bis zum Straußenei.
Jäger mit Masken und Schilden, Tierdarstellungen oder die in die Schale
gebrochene Kontur eines Elefanten gehören zu den Motiven. Kostümierte Tänzerinnen
auf Eiern aus Bali oderWasserbüffel auf Reisterrassen finden sich ebenso
wie Blumenbilder auf chinesischenLackeiern.
Ikonen, eine Darstellung von Zar Nikolaus
II. und seiner aus Hessen stammenden Gattin oder Fabergé-Eier prägen den
russischen Sammlungsteil. Bordürenmuster aus Rumänien oder ein schlüpfendes
Nilpferd aus Mexiko sind ebenso zu finden wie die geographisch näheren Odenwälder
Binseneier oder oberhessische Wachsreservage-Eier.
Mitten in die Ausstellungszeit fällt der traditionelle Ostermarkt am 17. März, zu
dem 30 Kunsthandwerker anreisen. Die Organisation der Großveranstaltung fällt
dem Verein für Geschichte und Heimatkunde Friedrichsdorf als Träger des Museums
zunehmend schwer. Obwohl die Mitgliederzahl auf annähernd 200 gestiegen
ist, finden sich nicht genügend Freiwillige für derartige Aufgaben. Und die
bisherigen Aktiven werden älter.

Immerhin konnte das nach eigenen Angaben größte Heimatmuseum im Taunus
vergangenes Jahr abermals 10 000 Besucher zählen. Dabei feierte der Verein den
40. Geburtstag des Museums. Aus den Einnahmen finanziert er eine Honorarkraft
für die Museumspädagogik. Deren Einsatz lohnt, wie zum Beispiel die steigende
Nachfrage nach Geburtstagsfeiern zeigt. 53 Mal erkundeten Kinder bei dieser Gelegenheit
das Haus auf spielerische Weise. Insgesamt kamen, auch dank Museumskobold
Sulinchen, mehr als 1000 Kinder ins Heimatmuseum. Dennoch musste der
sonst im Herbst stattfindende Aulofenmarkt im vergangenen Jahr mangels Helfern
erstmals abgesagt werden, und die Zahl der Sonderausstellungen wird in diesem
Jahr von drei auf zwei reduziert.

Von den Besuchern weitgehend unbemerkt, nimmt auch die Depotpflege viel
Zeit in Anspruch. Mehr als 500 Exponate mussten von den ehrenamtlichen Mitarbeitern
2012 als Neuzugänge erfasst werden. In der elektronischen Datenbank
sind inzwischen 8000 Objekte verzeichnet. Angesichts der Haushaltskürzungen
kann der Verein nicht auf eine Halbtagsstelle hoffen. Dennoch werden Führungen,
„Sulinchens Kindereien“ oder Kindergeburtstage ohne Einschränkungen angeboten.

Informationen dazu gibt es auf der Internetseite
www.heimatmuseum-seulberg.de oder bei der
Vereinsvorsitzenden, Stadtarchivarin Erika Dittrich,
unter der Rufnummer 060 07/91 86 28 oder der
E-Mail-Adresse erika.dittrich@friedrichsdorf.de.
Die Ausstellung im Heimatmuseum Seulberg,
Alt-Seulberg 46, ist bis zum 27. März mittwochs
und donnerstags von 9 bis 12 und sonntags von
14 bis 17 Uhr geöffnet. Die nächste Führung ist
am 13. März um 18 Uhr.

 

Taunuszeitung 13. Februar 2013

Nur noch zwei Ausstellungen

Das Seulberger Heimatmuseum ist erfolgreich, aber die ehrenamtliche Arbeit wird zu viel

Seit 2012 kein Aulofenmarkt mehr und jetzt auch noch eine Sonderausstellung weniger: Das Seulberger Heimatmuseum wird ehrenamtlich betrieben. Und die Helfer brauchen selbst Hilfe, denn sie werden immer älter.

Seulberg.

Eine gemischte Bilanz zieht das Seulberger Heimatmuseum für das abgelaufene Jahr. Der guten Resonanz auf Sonderausstellungen und Sonderveranstaltungen, insbesondere für Kinder, sowie dem weiteren Anstieg der Mitgliederzahlen des Heimat- und Geschichtsvereins auf nun fast 200, stehen unverändert finanzielle und ganz besonders personelle Sorgen gegenüber, das teilt die kürzlich im Amt bestätigte Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Dr. Erika Dittrich mit.

 

Inwieweit all die Tätigkeiten und deren Koordination noch in Zukunft von den wenigen aktiven Kräften geleistet werden könnten, sei offen. Zu wenig Freiwillige stehen zur Verfügung und die wenigen Aktiven würden immer älter. So musste das Museumsteam das Angebot für 2013 zurückfahren. Erstmals können dieses Jahr nur zwei Sonderausstellungen stattfinden. Der Aulofenmarkt wurde bereits im vergangenen Jahr aus dem Programm genommen. Kindergeburtstage, Sulinchens Kindereien und Führungen sind davon aber nicht betroffen. Mit erneut über 10 000 Besuchern, wie schon 2011, untermauerte das Haus seine Spitzenstellung unter den Heimatmuseen im Hochtaunuskreis. Und das obwohl sich die Hoffnung auf eine Halbtagsstelle mit Blick auf die Kürzung der freiwilligen Leistungen der Stadt Friedrichsdorf zerschlug.

Besondere Anziehungspunkte waren 2012 neben den drei Sonderausstellungen und den Kunsthandwerkermärkten vor Ostern und Weihnachten die Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen des Museums. Die Bewahrung des örtlichen Dialekts in Schrift- und Audioformat bildet nur eine der selbstgestellten Aufgaben des Museums. Das wichtigste pädagogische Anliegen gilt Kindern und Jugendlichen. Das können thematische Führungen mit dem Museumskobold Sulinchen sein, mehr noch aber die immer beliebteren Geburtstagsfeiern. 53 Mal wurde dieses auf die Interessen der kleinen Gäste abgestimmte Angebot wahrgenommen, spielerisch das gesamte Haus und damit die Heimatgeschichte kennenzulernen. Um den Andrang in der Museumspädagogik zu bewältigen, steht mit dem langjährigen Mitglied Ulrike Brossog nun eine aus dem Erwirtschafteten finanzierte Honorarkraft den Ehrenamtlichen zur Seite. Einschließlich weiterer Programme konnten 2012 mehr als 1000 Kinder begrüßt werden.

 

134 Sondertermine

 

Insgesamt öffnete das Museum über die regulären Besichtigungszeiten hinaus für 134 Sondertermine. Neben begleitenden Rundgängen zu festen Daten gilt dies vor allem für die von Gruppen frei buchbaren Führungen (31 mit 834 Teilnehmern registrierte man). Die Führungen zu den festen Terminen unterdessen finden auch statt, wenn nur ein einziger Gast da sein sollte: Das hat Neu-Seulbergin Christa Kubacher kürzlich erlebt und war entzückt. Häufig übrigens werden Gäste von der Berichterstattung in der Presse, mitunter sogar im Fernsehen, zu einem Besuch angeregt. Texte und Bilder sind zudem auf der hauseigenen Homepage aufrufbar, und "Sulinchen" ist sogar auf "Facebook". Das Heimatmuseum gehörte auch zu den ersten 100 Museen Deutschlands bei "Twitter".

Alle drei Sonderschauen erfreuten sich überdurchschnittlichen Zuspruchs. Während dies bei den beiden Jubiläumsausstellungen "Es waren einmal zwei Brüder" aus Anlass des 200. Jahrestags des Erscheinens der Grimmschen Hausmärchen ebenso wenig überraschte wie beim Rückblick auf "325 Jahre Friedrichsdorf", war die Resonanz auf die kulturgeschichtlichen Betrachtungen zu "Huhn und Hahn" unerwartet groß.

Den Augen entzogen sind die laufenden Aufgaben eines Museums, wozu etwa auch die Depotpflege gehört. Durch die Zunahme von übereigneten Stücken aus privaten Haushalten oder Sammlungen etwa ist hierbei der Aufwand eher noch größer geworden. Mehr als 500 Exponate waren es alleine 2012, die als Neuzugänge erfasst und inventarisiert sein wollten. In der elektronischen Datenbank sind nun rund 8000 Objekte gespeichert

Infos bei Dr. Erika Dittrich, Telefon (60 07) 91 86 28, E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de.red (red)

 

Taunuszeitung 16. Februar 2013

Tiere aus Eiern basteln


Seulberg. In jedem Land denkt man sich andere Muster aus, mit denen man die Eier schmückt. Sogar ein Dinosaurier-Ei entdeckt der Museumskobold Sulinchen in der Sonderausstellung im Seulberger Heimatmuseum. Vorsichtig klebt Sulinchen kurze Borsten und eine Schnauze an ein Ei und schon hat es einen Igel. Ob sich ein Hühnerei auch in einen Löwen verwandeln kann? Eifrig schneidet, klebt und malt der Museumskobold. Koboldfantastische Eiertiere können alle Kinder am Dienstag, 26. Februar, von 15.15 Uhr an zusammen mit Sulinchen im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46, basteln. Es wird ein Kostenbeitrag von 3 Euro inklusive Material erhoben. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Informationen bei Dr. Erika Dittrich unter Telefon (0 61 72) 7 21 41, (0 60 07) 91 86 28, oder per E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de.red (red)

 

Taunus Zeitung 30. Januar 2013

Verkohlter Schemel

Seulberg. Von Hexenprozessen, Räuberbanden und einer Toten, die im Keller der Römischen Villa gefunden wurde, erzählt Michael Walke im Heimatmuseum Seulberg. Und was hat es mit dem verkohlten Schemel des Schusters auf sich? Das erfahren die Besucher am Donnerstag, 7. Februar, ebenfalls. Der Abend klingt in der Museums-Wirtsstube bei Apfelwein und Brezel aus. Die Führung beginnt um 17 Uhr im Museum, Alt Seulberg 46. Die Teilnahme kostet 3 Euro. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Informationen bei Dr. Erika Dittrich unter Telefon (0 60 07) 91 86 28 oder per E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de.red (red)

 

Taunus Zeitung 26.01.2013

 

Überraschendes vom Ei

Überraschungseier der besonderen Art sind vom morgigen Sonntag an in der Osterausstellung mit Exponaten aus aller Welt im Heimatmuseum zu sehen. Kein Wunder, dass die Schau den Titel "Ei, wo kommst Du denn her?" trägt.

 

Seulberg. Das schmiedeeiserne Tor gibt den Blick auf eine filigrane Parklandschaft mit einem Pavillon frei. Man muss ganz genau hinsehen, dann erkennt man sogar die feine Dame im roten Kleid, die sich unter dem verschnörkelten Dach niedergelassen hat. Diese Miniaturszene beweist: "In ein Ei passt nicht nur ein Vogel, sondern sogar eine kleine Welt", erklärt Dr. Erika Dittrich.

 

"Die Tradition, in aufgeschnittene Eier Motive einzuarbeiten, entstand in bayerischen Klöstern. Dort waren es sakrale Motive, die eingearbeitet wurden. Biblische Szenen, kirchliche Festumzüge und Feiertage werden en Miniatur in die Eischale eingepasst", erzählt die Stadtarchivarin und Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Seulberg.

Zu sehen sind diese Kunstwerke vom morgigen Sonntag an in der diesjährigen Osterausstellung im Heimatmuseum. Erika Dittrich hat mit ihrem Museumsteam die neue Sonderausstellung im Heimatmuseum zusammengestellt. Vom Sonntag an heißt es also "Ei, wo kommst Du denn her?" "In unserer Osterausstellung geht es sehr international zu", betont Dittrich. "Wir zeigen Eier aus 33 Ländern."

Die ovalen Kleinkunstwerke, die in den Vitrinen mit passender Deko drapiert sind, stammen aus der Sammlung von Christine Klostermann aus Dieburg. "Wir schreiten motivisch und fertigungstechnisch einen weiten Horizont ab – so unterschiedlich wie die Menschen und ihre Kulturen sind", freut sich Dittrich über die bunte Eier-Schau.

Seit rund fünfzig Jahren stöbert die Privatsammlerin Klostermann Eier auf allen Kontinenten auf. "Um die geografische Vielfalt zu verdeutlichen, haben wir dafür gesorgt, dass Landkarten und eine Flaggenparade die Herkunft der Eier illustrieren", so Dittrich. Eine Orientierungshilfe, denn auf der Schau kann der Besucher exotische Ovale aus Südafrika, Bali, Australien oder auch China bestaunen. Aber nicht nur Kunstwerke aus der Ferne gibt es zu bewundern. Die Ausstellungsmacher haben dafür gesorgt, dass auch zahlreiche Beispiele heimischer Arbeiten der verschiedensten Färbetechniken zu sehen sind.

 

Dinosaurier-Gelege

 

"Was vor allem für die jüngeren Besucher interessant sein dürfte, ist unsere Eieruhr, die einen Überblick über die Eier aus dem Tierreich gibt", fügt Dittrich hinzu. "Natürlich gleicht ein Ei nicht dem anderen: Vom filigranen Ei der afrikanischen Riesenschnecke über Fasan und Krokodil bis zum Straußenei reicht unser Sortiment", berichtet Dittrich. Selbst ein – allerdings unverziertes – Dinosaurier-Gelege, das rund 80 Millionen Jahre alt ist, reiht sich in die Schau ein.

Die auf zahlreichen Reisen erworbenen Eier zeigen weniger österliche Motive: "Der Schwerpunkt liegt vielmehr darauf, die Eier als Spiegel der jeweiligen Volkskunst zu lesen", betont Dittrich. So bilden die Straußeneier aus Afrika Jäger mit Masken, Speeren und Schilden ab. Die Motive, darunter auch Tiere, werden auch mit Asche aufgetragen. "Ebenso kunstvoll präsentiert sich ein durchbrochenes Straußenei. Blickt man genau hin, werden die Konturen eines Elefanten sichtbar. "Als Wasserreservoire war dieses perforierte Ei in der Kalahari-Wüste sicher nicht mehr zu gebrauchen", meint die Museumsleiterin.

 

Botschaft an die Liebste

 

Stimmungsvolle Landschaftsmotive steuert Japan bei, aus China stammen Lackeier mit Blumenmotiv und als Hingucker innen hohle Ovale, die von Innen mir zarter Hinterglasmalerei gestaltet wurden. "Die größte Kollektion aus der Sammlung stammt aber aus Russland", informiert Dittrich. Vom Fabergé-Ei für den russischen Zaren Nikolaus II., der nebst Gattin selbst abgebildet ist, über Ikonenmotive bis zur Eier-Matruschka gibt es Einblicke in die kulturelle Seele dieses Landes.

"Da darf auch die Schneekönigin nicht fehlen", so Dittrich. Weitere Arbeiten aus Osteuropa kommen aus Rumänien und Serbien. "Während die einen feine Muster gestickter Bordüren aufnehmen, überrascht das serbische Unikat mit einem an die ovale Form angepassten Minihufeisen", berichtet sie. "Damit wollte ein Schmied seiner Liebsten sagen, dass er zwar den Hammer schwingt, aber auch sehr behutsam sein kann."ksp

 

Museumsleiterin Erika Dittrich eröffnet die Sonderausstellung am morgigen Sonntag um 15 Uhr. Die Ausstellung ist bis zum 27. März im Heimatmuseum zu sehen. Die Öffnungszeiten sind mittwochs und donnerstags von 9 bis 12 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr. (ksp)

 

Taunus Zeitung 21.01.2013

 

Museumskobold Sulinchen bastelt Kalender und lädt alle Kinder dazu ein

Seulberg. "Puh, ist das anstrengend!", stöhnt Sulinchen. Kaum ist das alte Jahr zu Ende, sitzt sie mit Stift und Zettel in der Museumsklause und versucht, alle Termine für das nächste Jahr zusammenzubekommen. Aber es sind einfach zu viele. Vor lauter Zahlen schwirrt ihr schon der Kopf. Ständig ist aber auch was los im Heimatmuseum Seulberg: Ausstellungen, Führungen und all die Geburtstagsfeiern. Und die wichtigste Frage überhaupt: Wann kommen all die Kinder zum Basteln? Da kann jeder schon mal den Überblick verlieren. Der clevere Museumskobold muss für die Lösung des Problems allerdings nicht lange überlegen: Ein Koboldkalender muss her. Darin stehen dann nicht nur alle wichtigen Termine für die Kindernachmittage, sondern auch Geschichten, Bastelanleitungen und geheime Zaubersprüche.

Das Allerwichtigste ist auch dort drin: ganz viele Bilder vom Museumskobold Sulinchen zum Ausmalen. Schon holt das Koboldmädchen bunte Glitzerstifte, Klebstoff, Papier und Schere aus dem Schnorretäschchen. Aber allein macht Kalenderbasteln keinen Spaß. Also lädt Sulinchen alle Kinder in das Museum ein.

Koboldfantastische Kalender können alle Kinder am Mittwoch von 15.15 Uhr an zusammen mit Sulinchen im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46, basteln. Es wird ein Kostenbeitrag von 3 Euro inklusive Material erhoben. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Informationen gibt es bei der Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins Dr. Erika Dittrich unter der Telefonnummer (0 60 07) 91 86 28 oder per E-mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de.red (red)

 

Aus Afrika stammt dieses kunstvoll bemalte Ei, das Erika Dittrich in den Händen hält. 	Foto: Schuricht

Aus Afrika stammt dieses kunstvoll bemalte Ei, das Erika Dittrich in den Händen hält. Foto: Schuricht

 

Ehemaliges Schulhaus: Das Heimatmuseum in Alt Seulberg.	Foto: jr

Ehemaliges Schulhaus: Das Heimatmuseum in Alt Seulberg. Foto: jr

 

Adi Kopschütz zeigt aufwendig verzierte Eier-Kunstwerke.	Fotos: jr (2)

Adi Kopschütz zeigt aufwendig verzierte Eier-Kunstwerke. Fotos: jr (2