Heimatmuseum Seulberg

Sulinchen macht Spass!

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Museumsführer

Am Anfang waren die Römer

 

Mer hun `e Burg

Die geschichtlichen Anfänge Seulbergs liegen naturgemäß im Dunkeln, eine frühe, Jahrtausende zurückreichende Besiedlung verraten gleichwohl einige stein- und bronzezeitliche Funde. Nachweisbar ist zudem die Anwesenheit von Kelten für das 5. vorchristliche Jahrhundert. Am Taunusrand lebten sie, während die Wallanlage „Gickelsburg“ oberhalb von Friedrichsdorf als Fliehburg diente. Buchstäblich Licht in das historische Dunkel bringen erstmals die Römer. Auf dem Hintergrund des vom Limes geschützten Taunus errichteten sie einen repräsentativen Landsitz – die Hunburg.
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Von Suleburc nach Seulberg


Von Suleburc nach Seulberg

767/8 Suleburc, 783 Sulenburc, 784 Suleburc,
821 Suleburc, 849 Sulenburc, 947 Suleburc,
1290 Sulburc, 1311 Suleburch, 1329 Sulburg,
1321 Zulborc, 1333 Sulburg, 1346 Seulburg,
1357 Sulburg, 1364 Sulleburg, 1388 Sulburc,
1380 Sulberg, 1423 Sulburc, 1448 Seulberg,
1446 Seulberg-Erlenbacher Mark, 1486 Sulburg,
1586 Seulbergk

Viele Namen, ein Ort. Seit dem 8. Jahrhundert änderte sich die Schreibweise von „Seulberg“ oft.
Aber noch in der heutigen Sprachform klingen die Anfänge nach, als die befestigte Siedlung in einer
feuchten Niederung entstand und vermutlich in Anlehnung an das althochdeutsche „sul“ - für Schlammloch –
benannt wurde.

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Hexenverfolgung

 

 

 

Als im Homburger Land der Teufel los war

Hexen und Henker

 

Einem der dunkelsten Kapitel der europäischen Geschichte, den „Hexenverfolgungen“
des 16. und 17. Jahrhunderts,
wurden auch im Homburger Land einige schwarz gerahmte Seiten
hinzugefügt. Diese sind im Wortsinn dicht beschrieben, da alle Verhöre akribisch protokolliert wurden.
So weiß man, dass es erstmals 1584 und 1603 zu Todesurteilen wegen „Zauberey“ kam.
Die Angst vor Hexen oder dem Teufel steigerte sich auf dem Hintergrund von Seuchen, Missernten
und Kriegsfolgen schließlich zur Hysterie. Bei der Prozesslawine 1634 rettete noch die Befreiung
durch schwedische Soldaten 14 Inhaftierte vor dem Scheiterhaufen, während bei der nächsten
Klagewelle 1652 bis 1656 niemand mehr den Beschuldigten beistand. Fast 70 Menschen wurden
hingerichtet, darunter 31 Seulberger: Frauen, Männer, Jugendliche und selbst zwei Kinder.
 

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Spuren jüdischen Lebens in Seulberg

Spuren jüdischen Lebens in Seulberg

Die Geschichte der Juden in unserer Gegend beginnt mit dem kaiserlichen Erlaß von 1335,
der den Herren von Eppstein die Ansiedlung von zehn Juden „in Burg und Tal“ erlaubte.
Bereits seit 1236 waren alle Juden als „königliche Kammerknechte“ unterstellt und ihnen
gegen eine gewisse Zahlung Schutz vor Verfolgung gewährt worden. Diese lukrative
Einnahmequelle nutzten später viele Ortsherren, so auch in Homburg.
Erst 1828 wurde jüdischen Mitbürgern in der Landgrafschaft das Schutzgeld erlassen.
Bürgerrechte erhielten sie erst 1848.

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Im Wald da sind die Räuber ...


 

 

Vom Heiden-Ernst und Schinderhannes

Im Gefolge von Kriegen, in Zeiten von Not und Unsicherheit stieg die Zahl der Recht- und Ehrlosen,
der Verarmten und sozial Entwurzelten stark an. Viele Soldaten fanden nach Dreißig- und
Siebenjährigen Krieg nicht mehr ins bürgerliche Leben und organisierten sich in Banden.
Andere, etwa die gesellschaftlich ganz unten Stehenden, sahen in Raub, Geiselnahme oder
dem Erpressen von Schutzgeld eine Möglichkeit, dem Elend zu entkommen.
Die Obrigkeit fragte freilich nicht nach den Gründen für Gesetzesbruch. Mit drakonischen Strafen,
wie sie die Constitutio Criminalis Carolina von 1532, auch „Peinliche Halsgerichtsordnung“ genannt,
festlegte, sollte der Rechtsfrieden bewahrt werden. Folter galt demnach als zulässig, und schon für
Straßenraub war die Todesstrafe vorgesehen.


 

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Das Töpferhandwerk


 

Selwiger Deppe


Über Jahrhunderte bildete das Töpfer- oder Häfnerhandwerk den wichtigsten Erwerbszweig Seulbergs.
Die Gunst unbegrenzt vorhandener Rohstoffe - Brennholz und hochwertige Tone – begründete die bis
ins Mittelalter zurückreichende Tradition des Brennens von Irdenware. Urkundlich belegbar wird das
Töpfern erstmals 1454 für Köppern und für Seulberg 1588. Aber nur wer einer Zunft angehörte,
durfte das Handwerk ausüben.

 

Mit der Kiepe auf Kundensuche


Der Vertrieb der Dippe orientierte sich nach Westen entlang des Taunus sowie nach Frankfurt.
Bereits im frühen 18. Jahrhundertzogen Seulberger Häfner hausierend umher. Die Preise legte die Zunft
fest, doch kamen noch Zölle hinzu. Deshalb baten die Seulberger die Nassauische Regierung um eine Aufhebung,  da die "Kaufliebhaber unsere Waare zu teuer finden, wenn sie nebst dem eigentlichen Werth
auch noch den Zoll darauf übernehmen sollen." Das Gesuch blieb unberücksichtigt.

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Gasthäuser in Seulberg

Im Mittelpunkt das Gasthaus

Neben Kirche und Rathaus bildeten Gasthäuser seit jeher den gesellschaftlichen Mittelpunkt einer Dorfgemeinschaft.
Schon die Lage der besseren Häuser am Marktplatz signalisierte ihre Bedeutung. Entsprechend achtete die Obrigkeit
in einer Mischung aus Misstrauen und Fürsorge auf das Treiben in den Wirtsstuben. Durch Konzessionierungen,
die Regelung von Öffnungszeiten („Sperrstunden“), Preis- und Schankvorschriften sollte es gesittet zugehen,
aber auch das Publikum vor Übervorteilung geschützt werden.

 

 

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Feuerwehr

„Bei Feuergefahr schnell und geordnet Hilfe leisten“

Sie kommt wie gerufen: Wer bei einem Brand oder Unfall die Telefonnummer 112 wählt, erwartet, dass die Feuerwehr unverzüglich ausrückt. Diese als selbstverständlich empfundene Hilfsleistung klappt freilich nur dank ehrenamtlicher Mitarbeiter. In fast allen Gemeinden Deutschlands verrichten Freiwillige – größtenteils über Jahrzehnte – Dienst an der Allgemeinheit. In Seulberg sind es rund 50 Feuerwehrleute, die, rund um die Uhr erreichbar, bei Notfällen vom Wohn- oder Arbeitsplatz an die Spritzen eilen. Wobei sich die Aufgaben in den vergangenen Jahrzehnten stark erweitert haben. Moderne Feuerwehrautos, wie die drei Seulbergs, haben auch Rettungsscheren, Säurebinder oder Absaugpumpen an Bord.

Glücklicherweise sind aber die Zeiten verheerender Großbrände vorbei. Aus der Erfahrung dieser früher ganze Städte und Dörfer vernichtenden Feuersbrünste entstanden zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach französischem Vorbild erste Wehren („Pompier-Corps“). Als freiwillige, gleichwohl straff organisierte Vereine machten sie dann landesweit Schule, nachdem man Feuertaufen wie beim Karlsruher Großbrand 1846 erfolgreich bestanden hatte. Für die rasch wachsenden Städte über 100 000 Einwohner wurden dagegen Berufswehren obligatorisch. Seither wird zweigleisig, professionell und freiwillig, im deutschen Rettungswesen verfahren.

In Seulberg gab es zunächst Pflichtwehren; bereits 1909 erhielt die Truppe eine Motorspritze. Zum Verein schloss man sich am 16. Juli 1923 zusammen. Im Gründungsprotokoll versicherten 58 Bürger per Unterschrift, gemeinsam „bei Feuergefahr schnell und geordnet Hilfe zu leisten“. Die neue Wehr übernahm zunächst Ausrüstungsgegenstände der bis 1934 bestehenden Pflichtabteilung. Ein Gerätehaus gab es damals noch nicht; auch die Uniformen zahlte man aus eigener Tasche. Ihre schwersten Bewährungsproben bestanden die Seulberger im Zweiten Weltkrieg. Mehrfach mussten sie nach Bombenangriffen in das brennende Frankfurt ausrücken.

Der Einsatz Freiwilliger Feuerwehren beschränkt sich nicht auf die angestammte Gemeinde. So wie sie im Zweiten Weltkrieg in der Nachbarschaft mitlöschten, waren die Seulberger später auch in Friedrichsdorf vor Ort. Hier blieben vor allem die Großbrände auf dem Werksgelände von „milupa“ (1961 und 1981) oder bei der Holex-Schokoladenfabrik (1977) in Erinnerung. Ebenso forderten ein Waldbrand am „Gebrannten Kopf“ oberhalb Friedrichsdorfs sowie schwere Unwetterschäden 1980 die Unterstützung der freiwilligen Helfer.

Retten, Löschen, Bergen, Schützen – Helden in Rot

 

Ein Leben im Verein

Sich bilden und der Gemeinschaft dienen - Geselligkeit nach Statuten

Geistes- und Gewerbefreiheit förderten seit Anfang des 19. Jahrhunderts die gesellschaftliche Emanzipation des Bürgertums. Zugleich verlor der Adel seine über tausend Jahre vorherrschende Stellung, behielt aber noch lange viele ständische Privilegien. Als kulturelles Kennzeichen bürgerlichen Selbstverständnisses entwickelte sich ein umfassendes Vereinswesen – vom Liederkranz über Turn-, Heimat- und Kriegervereinen bis zu Genossenschaften und Parteien. Die rasche Industrialisierung beförderte zudem das Entstehen einer eigenständigen Arbeiterkultur. Hier wie dort legte man großen Wert auf Bildung, moralisch einwandfreies Auftreten und natürlich Geselligkeit. Vereinssymbol, Fahne und einheitliche Kleidung stärkten das Gemeinschaftsgefühl.

Heute gibt es 18 Vereine in Seulberg und 81 in Gesamtstadt Friedrichsdorf.

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Rohrstock, Tintenfass und Einraumklasse

Rohrstock und Tintenfaß

Seit wann Seulberger Kinder regelmäßig die Schulbank drückten, ist nicht bekannt. Die Erwähnung
einer Schule 1570 gibt einen ersten Hinweis. Genannt ist sie im Zusammenhang mit dem obligaten
Grenzgang, bei dem Jung und Alt gemeinsam die Gemeindegrenze abschritten, um sich deren
Verlauf einzuprägen. Das zu wissen war so wichtig wie Rechnen und Schreiben. Schließlich konnte
schon die Nachbargemeinde „Ausland“ sein.

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Handwerk

Die enge Holztreppe führt Sie in die obere Etage rechts in den großen Saal, früher Gemeinderatssaal. Heute ist hier

das Handwerk dargestellt. Rechts und links vom Eingang befindet sich die Schneiderei. Bemerkenswert: Die kleine
Sammlung von Plätteisen. Die Hitze für das Eisen wird direkt über einen Ofen oder mit Hilfe eines vorgeheizten Plättbolzens
zugeführt. Auch der Betrieb eines Spiritusbrenners im Eisen schaffte die notwendige Bügeltemperatur.

Nur wenige Schritte und man befindet sich in der Bäckerei. Hier liegt ein altes Rezept aus, eine metallene Tortenspritze und
sogar eine Mühle, um aus alten Brötchen Paniermehl herzustellen.


Links finden Sie eine Museumsrarität: Eine vollständige Metzgereieinrichtung. Neben dem Kessel steht das Kännchen für die
Wurstsuppe bereit und gleich daneben duften sogar die an der Stange reifenden Würste!

 

 

Einen eigenen Raum nimmt der Frisiersalon au der Zeit um 1910 ein. Authentisch sind alle Gerätschaften an ihrem Platz,
der Umhang, Rasierpinsel und Ondulierschere liegen an den Waschbecken bereit. Es scheint, als sei der Frisör mit seinem
Kunden nur kurz für einen Plausch vor die Türe gegangen.

 

 

Gleich nebenan liegt die Schusterstube, wie sie noch bis in die 1960er Jahre in Gebrauch war. Erst vor kurzem
wurde der Raum renoviert und präsentiert sich nun in neuem Glanz.

 

 

 

 

Schreiner, Küfer, Drechsler

Anschließend sehen Sie die Werk- und Hobelbank des Schreiners sowie eine Vielzahl seiner Werkzeuge.


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Waldabteilung

 

... sieht vor lauter Wald die Bäume nicht

Der Taunus - Urwald aus Buchen und Eichen

Tiefer, undurchdringlicher Wald, Ort unzähliger Sagen und Märchen – dieser Mythos steht seit jeher für die
„deutsche Seele“. Doch das rückblickend romantisch Verklärte, war den Römern nichts als schreckliche Wildnis.
Germanien, schrieb Tacitus, mache, „
mit seinen Wäldern einen schaurigen, mit seinen Sümpfen einen
widerwärtigen Eindruck
“. Diesen Urwald passte der Mensch spätestens seit dem Frühmittelalter seinen
Erfordernissen an. Zur Holzgewinnung und Waldweide entstand ein Kulturforst aus Buchen und Eichen;
zugleich schwanden riesige Baumgebiete für Siedlungen, Felder und Wiesen. Bereits im 14. Jahrhundert
zeichnete sich das heutige Flächenverhältnis von Wald und offener Flur ab.

Wie man in den Wald hineinruft: durch Raubbau zur Fichte

Seit dem frühen 19. Jahrhundert veränderte sich endgültig der natürliche zu einem Wirtschaftswald.
Mit der bislang unbekannten, schneller wachsenden Fichte wurde aufgeforstet, nachdem Übernutzung und
Zunahme der Bevölkerung zu einer wahren Holznot geführt hatten. Buchen gab es bald nur noch in höheren
Regionen. 
Die tiefer wurzelnden Laubbäume widerstehen auch besser Naturkatastrophen. Die im Winter 1990 großflächig
von Orkanen gefällten Fichten ersetzte man im Friedrichsdorfer Wald deshalb auf 18 Hektar durch 132 000 Eichen
und Buchen. Nur 4000 Nadelbäume wurden neu gepflanzt.


Für eine gesunde Durchmischung der Wälder spricht auch ihre Artenvielfalt. Wo unter Fichten fast nichts wächst,
gedeiht in lichtem Laubwald eine reiche Vegetation aus Gräsern, Sträuchern, Moosen und Pilzen. Das erfreut nicht
zuletzt das Auge. Schließlich besitzt der Wald neben seiner wirtschaftlichen und biologischen Funktion heute eine
wichtige Aufgabe als Erholungsort.

 

Stark wie ein Baum: Die Seulberg-Erlenbacher Mark

Eine Waldgenossenschaft

Die Dörfer Holzhausen, Köppern, Seulberg, Petterweil, Ober- und Niedererlenbach bildeten seit etwa 1200 eine
sogenannte Mark; 1728 trat noch das neu gründete Friedrichsdorf statt des wüst gefallenen Willkommshausens
hinzu. Genossenschaftlich verwalteten und bewirtschafteten die Orte ihre Wälder auf einer Fläche von 7016
Morgen (1 Morgen = 2500 Quadratmeter). Lochbäume mit Einkerbungen grenzten das Gebiet ab.

Von Waldfrevlern und Förstern

Die Waldaufsicht übernahmen Förster und Waldknecht. Förster hatten untadelige Personen zu sein,
die sich
„vom morgen biß vf den abent im walt finden lassen“. Sie durften nicht zechen und kein Gewehr tragen,
sondern nur einen Spieß. Zudem halfen sie bei der herrschaftlichen Jagd.

Nur der Landgraf von Hessen-Homburg, als Markbote besaß er das alleinige Jagdrecht, durfte Wildfrevel ahnden,
etwa mit Händeabhacken oder Erschießen von Wilderern auf frischer Tat. Damals waren die großen Waldtiere wie
Auerochse, Elch und Wisent längst ausgerottet; der letzte Wolf, im 17. Jahrhundert noch eine Plage, wurde 1818
geschossen.

Streng überwachten die Förster den Holzeinschlag, wie auch nur an bestimmten Waldtagen für den Eigenbedarf
Brennholz gesammelt werden durfte. Schaurige Strafen drohten Waldfrevelern. Ihnen wurde der Darm aus dem
Leib gezogen und an einen Baum gewunden. Und wer zündelte, wurde selbst ins Feuer geworfen. Später
verhängte man Geldstrafen.
Bestand hatte die Mark bis 1802, dann wurde sie unter den Gemeinden aufgeteilt,
wobei der Homburger Landgraf knapp ein Fünftel der Fläche bekam.

 

Mit dem Wald auf einen grünen Zweig

Viel Schwein unterm Hutebaum

Markordnungen regelten die Nutzung des Waldes. Noch heute sichtbare Verwachsungen alter, frei stehender
Buchen oder Eichen verraten ihre einstige Funktion als Mastbäume für Schweine. Zur besseren
Eichelproduktion pflanzte man die Eichen in großem Abstand, damit sie eine weite Krone ausbilden konnten. Mit
dem ausgehenden 17. Jahrhundert verödeten die Wälder. Ein Märker durfte nur noch zwei Schweine eintreiben,
deren Zahl von rund 6000 Stück auf 1100 zurückging.

Der Wald litt vor allem unter der Großviehweide mit Rindern und Pferden, besonders aber durch Geiß- und
Schafvieh. Um 1700 wurden rund 900 Stück Großvieh und knapp 1200 Schafe und Ziegen eingetrieben. Verbiss,
Bodenverdichtung und Rindenschäden waren die Folge. Zudem diente verstärkt Laub für die Einstreu und als
Dünger für die Felder. 
 

Die Axt im Walde

Der Wald war auch eine wichtige Einnahmequelle. Bis nach Hanau lieferte die Mark mächtige Stämme als Bauholz.
Zugleich förderte der Baumreichtum holzverarbeitende Gewerbe wie das der Küfer und Wagner oder er lieferte in
Gestalt von Brennholz die Energie für Töpfer, Ziegler und Schnapsbrenner. Viel Holz verschlang die Salzsiederei,
deren Belieferung deshalb verboten wurde.

Außerdem bezogen die die Friedrichsdorfer Färber und Gerber aus dem Wald ihre Rohstoffe. So entwickelte sich
die Niederwaldbewirtschaftung, wobei der Forst durch Kahlschlag einen zwanzigjährigen Zyklus durchlief. Die
„Lohklopper“ schälten nur junge Eichen und verkauften die Rinde als „Lohe“.

Forstwirtschaft und Waldarbeit

Nach jahrhundertelangem Raubbau setzte seit 1800 langsames Umdenken ein. Den lokalen Baumbestand nahm
erstmals Förster Lotz systematisch auf, um gezielt Pflege und Nutzung zu lenken.

Mit der Waldarbeit verdienten sich im Winter viele Kleinbauern ein Zubrot. Neuanpflanzung, gezielte
Bewirtschaftung, Holzernte, Holzrücken und Wegebau waren die gängigen Arbeiten im Forst bis weit in die
sechziger Jahre. Die kniende Baumpflanzerin auf der Rückseite des 50-Pfennig-Stücks (das reale Vorbild lebte in
Oberursel) erinnert an die „Kulturfrauen“, die nach dem Zweiten Weltkrieg für einen Stundenlohn von 50 Pfennig
die Wälder aufforsteten. Doch was einst mühsam Muskelarbeit leistete, übernehmen heute leistungsfähige
Maschinen.

 

Mit stufigem Mischwald in die Zukunft

Der Wald aller Friedrichsdorfer Stadtteile zusammen umfasst heute 907 Hektar. Entnommen werden darf nur soviel
Holz, wie im gleichen Zeitraum wieder nachwächst (Prinzip der Nachhaltigkeit). In Friedrichsdorf sind das jährlich
5000 Festmeter. Dabei werden etwa zu gleichen Anteilen Laub- und Nadelbäume gefällt. Großflächige
Monokulturen (Reinbestände) sind also in Friedrichsdorf eher selten. Eine naturgemäße Bewirtschaftung soll
Kahlschläge vermeiden, um alle Baumarten auf natürlichem Weg zu verjüngen.

 

Für die nachfolgenden Fotos danken wir besonders Reiner Harscher und Förster Sommer mit seinem Team, die mit
alten Gerätschaften zeigten, wie man einst im Wald arbeitete:

 

 

Bauernstube

 

Aus der Gründerzeit stammt die üppige und verspielt wirkende Einrichtung der Stube. An der Wand die damals üblichen Reservistenpfeifen. Auf der gleichen Seite eine echte Rarität: Ein eineinhalbschläfriges Bett. In der Herstellung billiger als ein Doppelbett. Man kann davon ausgehen, daß ein Schäfer, in diesem Fall der Schäfer Josep, im Sommer auch nachts bei seiner Herde blieb und nur im Winter zu seiner Frau zurückkehrte.

Links im Raum steht ein betriebsbereiter Webstuhl, wie er im 19. Jahrhundert in vielen Haushalten zu finden war. Die Webbreite war groß genug, um Gebrauchstücher für den Haushalt darauf zu weben. Bei Bedarf wurden zwei Webbahnen zusammengenäht.
Rechts vom Webstuhl steht eine Trachtenpuppe. Die Tracht stammt aus Steinperf, Biedenkopf.
Man wird zunächst fragen, was tut diese Tracht hier in Seulberg? Da in Seulberg vor etwa 120 Jahren akuter Mangel an jungen Mädchen herrschte, warb man sie z. B. aus Steinperf an. Sie kamen zunächst als Dienstmädchen, die dann oft junge Seulberger heirateten. Die guten Erfahrungen mit den Steinperferinnen und die verwandtschaftlichen Bande führten zu einem guten Verhältnis zwischen diesen beiden Orten.

 

Landwirtschaft

 

Bauernstand mit all den Gerätschaften eines Gehöfts:
Von der Häckselmaschine bis zum Kartoffelstampfer für das Viehfutter fehlt eigentlich nichts.
Sensen, Sicheln, sowie Rechen, Feld- und Gartengeräte sind in unterschiedlichsten Ausführungen
vorhanden, daneben Kuh- und Pferdegeschirr, Kufenschlitten, Pflüge und Eggen.
Körwerkzeug und tierärztliche Instrumente sind dieser Abteilung zugeordnet. Der Pflug steckt sogar in echter Seulberger Erde.

Entsprechend der Bedeutung der Landwirtschaft für den Ort ist auch der Bestand an historischen Fotos zu diesem Thema üppig. Hier eine kleine Auswahl.

Jette Egger, deren Großfoto den Eintretenden begrüßt, wohnte einst in der Nähe des heutigen Museums. Sie besaß - wie viele im Dorf - einige Ziegen, deren fette Milch im nahen Kurort Homburg verkauft wurde. Stolz präsentiert Herr Buchold ein mit Ziegenmilch gemästetes Schwein. Utensilien, die damals zur Schaf- und Zegenzucht gebraucht wurden, sind an der Wand angeordnet.

 

 

 

Feuerwehr

Retten, Löschen, Bergen, Schützen – Helden in Rot

„Bei Feuergefahr schnell und geordnet Hilfe leisten“

Sie kommt wie gerufen: Wer bei einem Brand oder Unfall die Telefonnummer 112 wählt, erwartet, dass die Feuerwehr unverzüglich ausrückt. Diese als selbstverständlich empfundene Hilfsleistung klappt freilich nur dank ehrenamtlicher Mitarbeiter. In fast allen Gemeinden Deutschlands verrichten Freiwillige – größtenteils über Jahrzehnte – Dienst an der Allgemeinheit. In Seulberg sind es rund 50 Feuerwehrleute, die, rund um die Uhr erreichbar, bei Notfällen vom Wohn- oder Arbeitsplatz an die Spritzen eilen. Wobei sich die Aufgaben in den vergangenen Jahrzehnten stark erweitert haben. Moderne Feuerwehrautos, wie die drei Seulbergs, haben auch Rettungsscheren, Säurebinder oder Absaugpumpen an Bord.

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Vereinswesen

Sich bilden und der Gemeinschaft dienen - Geselligkeit nach Statuten

Ein Leben im Verein


Geistes- und Gewerbefreiheit förderten seit Anfang des 19. Jahrhunderts die gesellschaftliche Emanzipation des Bürgertums. Zugleich verlor der Adel seine über tausend Jahre vorherrschende Stellung, behielt aber noch lange viele ständische Privilegien. Als kulturelles Kennzeichen bürgerlichen Selbstverständnisses entwickelte sich ein umfassendes Vereinswesen – vom Liederkranz über Turn-, Heimat- und Kriegervereinen bis zu Genossenschaften und Parteien. Die rasche Industrialisierung beförderte zudem das Entstehen einer eigenständigen Arbeiterkultur. Hier wie dort legte man großen Wert auf Bildung, moralisch einwandfreies Auftreten und natürlich Geselligkeit. Vereinssymbol, Fahne und einheitliche Kleidung stärkten das Gemeinschaftsgefühl.

Heute gibt es 18 Vereine in Seulberg und 81 in Gesamtstadt Friedrichsdorf.

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Kueche

Große Wäsche

Weiter geht es mit der großen Wäsche: Waschbrett, Bürste und Stampfer waren die üblichen Hilfsmittel der Hausfrau. Die elektrisch betriebene Waschmaschine kam erst kurz nach 1900 zum Einsatz.

Eigener Herd ist Goldes wert

Bei einem Blick in die Küche wird man um rund 100 Jahre zurückversetzt. Der Holzkohleherd ist ein echtes Schmuckstück; mit Wasserschiff und Backofen. Das Waffeleisen funktioniert noch immer, vorausgesetzt, der Herd hat Ringe wie dieser.
Hinter dem Küchentisch steht die Milchbank, in die irdene Töpfe mit frisch gemolkener Milch zum Rahmabsetzen und Säuern gestellt wurden. Eine durchaus brauchbare Sitzheizung. An der Bankunterseite befindet sich vorne ein Gitter zur besseren Durchlüftung.
Die gesamte Einrichtung wirkt, als sei die Hausfrau nur mal eben zum Einkaufen gegangen.

 

Greuel ohne Ende

„Sie haben ubel mit ihme gehauset“

Bis zum Dreißigjährigen Krieg blieb Seulberg von militärischen Auseinandersetzungen verschont, wenn es auch gelegentlich zu Requirierungen durchziehender Truppen kam. Mit Beginn des großen Religionskrieges 1618 verschärfte sich die Lage und artete schließlich in eine nicht endende Abfolge von Drangsal und Willkür aus. Es half auch nicht, dass sich die (evangelische) Landgrafschaft Homburg formal für „neutral“ erklärt hatte. Beide Parteien, die kaiserlich-katholische wie die protestantische, standen sich in ihrer Rücksichtslosigkeit nicht nach. Laut dem Satz „Krieg ernährt den Krieg“ wurden die Menschen ausgepresst, Dörfer niedergebrannt, Vieh und Ernten vernichtet. Seuchen wie die Pest entvölkerten zusätzlich ganze Landstriche.

Erstmals wütete 1622 die Kriegsfurie in Gestalt des Herzogs Christian von Braunschweig in Seulberg. Dem Ruf als „toller Christian“ machte er unrühmliche Ehre:

Schutzbriefe missachtend, plünderten seine 2 000 Mann die Gehöfte aus, selbst Kirche und Rathaus blieben nicht verschont. „Ubel gehauset“ hätten sie, heißt es in Seulberger Chroniken. Das restliche Vieh stahlen andere Truppen ein Jahr später. Als dann Soldaten des kaiserlichen Generals Tilly hier Winterquartier nahmen, mussten für ihre Verpflegung eigens Rinder angekauft werden. Die Herausgabe versteckter Ersparnisse erzwang man.

Noch härter traf es Seulberg im April 1626. Die Soldateska „welscher“ Herkunft nahm unter brutaler Gewaltanwendung alles nur irgend Transportable mit - was eine kurz darauf durchziehende Kompanie nicht hinderte, für drei Tage Proviant und Kleidung einzufordern. Aller materiellen Güter beraubt, waren die Dorfbewohner in den Folgejahren gezwungen, den Regimentern ihre Ernteerträge auszuliefern. Das Übriggebliebene fiel einer Mäuseplage zum Opfer. Von den Nagern wurde schließlich die Pest auf die entkräfteten Menschen übertragen. In den 56 noch stehenden Gebäuden Seulbergs lebten 1634 kaum mehr als 50 Personen.

An Feldbestellung war nicht zu denken. Die restlichen Bewohner mussten sich 1638 gar hinter die schützenden Mauern von Homburg begeben. Ein zaghafter Neuanfang mit dem Ankauf von Saatgut und Ochsen ward bald wieder von versprengten schwedischen Truppen zunichte gemacht. Den Spuk erledigten kaiserliche Verbände, nicht ohne das Zurückgelassene mitzunehmen. Das Morden und Brennen beendete erst der Westfälische Frieden von 1648. Allerdings dauerte es Jahrzehnte, bis die Kriegsfolgen in Seulberg überwunden waren.

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